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Baugenossenschaftssiedlung nachhaltig saniert
Biozidfreier hydroaktiver AWD-Fassadenaufbau
 
Der Scheuchzerhof gehört zur Baugenossenschaft Oberstrass in Zürich (BGO), die im gleichnamigen Quartier zahlreiche Objekte unterhält. Augenfällig ist die lange Häuserreihe entlang der Winterthurerstrasse, die mit einem Farbkonzept in markanten Orange-Rot-Tönen das Stadtbild bereichert. Sämtliche Fassaden mit ihren Mischuntergründen wurden zwischen 2008 und 2010 renoviert. Im Zuge des Sanierungsprogramms «Wohnen 2010 plus» stand als letztes Objekt der Genossenschaft der Scheuchzerhof auf dem Programm. Die Häuser aus den 30er Jahren wurden energetisch saniert und erfüllen nun sogar die Anforderungen für Minergie-Neubauten. Die Siedlung Scheuchzerhof erhielt von der Stadt Zürich die Auszeichnung «Nachhaltig Sanieren 2012».

Vom Dünnschicht- zum Dickschichtsystem
Algen- und Pilzbewuchs auf aussengedämmten, exponierten Fassaden kann nachhaltig nur durch Reduzierung der Einwirkdauer von Feuchtigkeit auf den Fassadenoberflächen verhindert oder verzögert werden. Für dauerhafte Feuchtigkeit ist vor allem die Oberflächenkondensation verantwortlich. Wie jedoch kann ausgeschlossen werden, dass sich bei AWD-Fassaden ein Wasserfilm auf Deckputz- oder Anstrichoberflächen bildet? − Die Fassade muss so aufgebaut werden, dass sie kondensierende Feuchte aufzunehmen und langsam wieder an die Umgebung abzugeben vermag. Hydrophile oder wasserfreundliche Oberflächen haben diese natürliche, wasseraufnehmende und rücktrocknende Eigenschaft. Die Antwort auf das Bedürfnis nach algen- und giftfreien Fassaden heisst deshalb mineralische Dickschichtputze mit mineralischem Anstrich und hydrophilem, nicht biozidem Aufbau.


Die Siedlung Scheuchzerhof stammt aus der Gründerzeit von 1931 (Architekt Otto Gschwind) und umfasst fünf dreigeschossige Häuser mit insgesamt 43 Wohnungen. Bereits 2008 machte sich die Baugenossenschaft Oberstrass (BGO) ernsthafte Gedanken, was mit den inzwischen 80-jährigen Häusern in Zukunft geschehen soll.

So wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand der BGO und den Team 4 Architekten eine Strategie für die Sanierung der Siedlung entwickelt, die ein attraktives und sozial verträgliches Wohnen für die nächsten 40 bis 50 Jahre ermöglicht. Die klar formulierten Planungsziele legten fest, dass die Siedlung an heutige räumliche und energetische Standards angepasst wird. Zudem sollen alle Wohnungen grosszügige Balkone erhalten. Im weiteren sah man vor, das Farbkonzept der BGO umzusetzen und die Umgebung attraktiver zu gestalten.

Ökologisches Wärmedämmkonzept
Bei der Sanierung wurde auf den Einsatz von ökologischen Baumaterialien generell hohen Wert gelegt. Alle Gebäude erhielten eine zusätzliche Aussenwärmedämmung, bestehend aus einer hochwertigen Wärmedämmung und einer witterungsbeständigen, hydroaktiven und biozidfreien mineralischen Putzbeschichtung und einem reinmineralischen Farbanstrich. Das Farbkonzept umfasst mehrere Dimensionen wie Schaffung von Identität, Bezug zur Gründerzeit, Attraktivität in der vegetationslosen Zeit und gutes Alterungsverhalten.

Auf Komfortlüftung verzichtet
Aufgrund der neuen dichten Gebäudehülle ist die Belüftung der Wohnungen ein ernst zu nehmendes Problem. Aus Kosten-, Platz- und aber auch energetischen Überlegungen wurde auf den Einbau einer Komfortlüftung verzichtet, läuft doch eine solche 24 Stunden im Tag und 365 Tage im Jahr, was entsprechend Energie braucht. Um einer möglichen Schimmelbildung entgegenzuwirken, wurden in den Nasszellen Ventilatoren eingebaut, die über einen Hygrometer gesteuert sind. Bei Betrieb der Ventilatoren entsteht ein Unterdruck. Um diesen auszugleichen, wurden in den oberen Fensterrahmen von Wohn- und Schlafzimmern Aerex-Fensterventile eingebaut. Bei Unterdruck öffnet sich eine Membrane – und es kann Luft nachströmen. Diese Fensterventile arbeiten selbsttätig und antriebslos.

Um die Energiebilanz zusätzlich zu optimieren, wurden auf drei Dächern Solaranlagen montiert. Zudem wird noch 2013 die bestehende Gasheizung durch eine Erdsonde-Wärmepumpe ersetzt. Dies geschieht bewusst ein Jahr nach Fertigstellung, womit vorab der effektive Wärmebedarf gemessen werden konnte.

Langlebige Aussenhülle ohne Biozide
Der ökologische Grundgedanke der Bauherrschaft war Ausgangslage für die Wahl einer soliden und langlebigen neuen Aussenhülle. «Da zwei Gebäude auf einer Baulinie stehen und zur Zeit der Planung diese Baulinien mit einer zusätzlichen Dämmung nur geringfügig überschritten werden durfte, war relativ schnell klar, dass eine hinterlüftete Fassade, mit der wertvolle Dämm-Zentimeter ‹verschenkt› worden wären, nicht in Frage kam», berichtet Architekt Peter Schneider.

Für das Dämmmaterial wurden EPS, Mineralwolle, Holzfaser, Multipor (Porenbeton) und Kork miteinander verglichen. Dabei wurden diese Materialen auf Ressourcenschonung, Umweltschonung bei der Herstellung, Klimafreundlichkeit, Verarbeitungssicherheit, Brandschutz Schadstofffreiheit, Nutzungsdauer, Recyclierbarkeit, Entsorgung und Preisvorteil
untersucht (Dämmstoff-Spider). «Fast alles sprach für EPS. Einzig bei der Recyclierbarkeit schneidet EPS schlecht ab. Bei der Schadstofffreiheit liegt es geringfügig hinter den anderen Materialien, bei den anderen Kriterien bis um den Faktor zwei vor anderweitigen Materialien», stellt Schneider fest und ergänzt: «Nebst einem ökologisch vertretbaren Dämmmaterial braucht es ebenso ein hervorragendes Putzsystem. Dabei war uns von Anfang an klar, dass es ein mineralischer, hochwertiger und biozidfreier Dickschichtputz sein muss mit einem entsprechenden Farbaufbau – also kein thermoplastischer Anstrich.»

Bei AWD ist die Veralgung bekanntlich häufig ein Problem − weniger ein technisches als sehr wohl ein ästhetisches. Da die Fassade mit einer zusätzlichen Wärmedämmung fast keine Wärme mehr durchlässt, kann sich an der äusseren Schicht bei entsprechenden Temperaturen Tauwasser bilden. Das sind beste Voraussetzungen für einen Algenbewuchs. Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, werden die meisten AWD-Systeme mit Bioziden versetzt. Diese sind auf wasserlöslicher Basis und werden daher über die Jahre vom Regen ausgewaschen und gelangen in das Grundwasser. «AquaROYAL ist ein System, das all unsere Anforderungen – eine hydroaktive Oberfläche, ein dickschichtiger Aufbau und vor allem Verzicht auf Biozide – abdeckt», ist Schneider überzeugt und stellt erfreut fest: «Mit der zusätzlichen Dämmung werden sogar die Minergie-Anforderungen für Gebäudehüllen bei Neubauten erreicht.»

Warme Farbigkeit trotz energetischer Massnahmen
Bevor die energetische Sanierung des Scheuchzerhofs ein Thema war, wurde 2006 das Farbkonzept für die Gesamt-BGO (drei Siedlungen mit zirka 400 Wohneinheiten) durch Andrea Burkhard (Architektur und Farbe) in enger Zusammenarbeit mit der Baukommission der BGO sowie dem Amt für Städtebau, Zürich, entwickelt. Das Farbkonzept soll folgende Anforderungen erfüllen: 1. Schaffung von Identität für die Bewohnenden der BGO; 2. Herstellung eines historischen Bezugs zur Gründerzeit; 3. Warme und freundliche Farben mit gutem Alterungsverhalten (insbesondere an immissionsträchtigen Lagen); 4. Attraktivität in der vegetationslosen Zeit; 5. Einsatz von mineralischen Farben.

Das Farbkonzept sah drei abgestufte, erdige Farbtöne von Oxidrot bis Ockerorange vor, die hervorragend zu allen bestehenden Gebäudeteilen abgestimmt wurden. Mit Ausnahme des Scheuchzerhofs wurden bereits alle BGO-Häuser mit den neuen Farben gestrichen. Selbstverständlich sollte auch der Scheuchzerhof gemäss dem Farbkonzept gestaltet werden. Nur war dieses nicht für Kompaktfassaden vorgesehen. Wegen des sogenannten Hellbezugswerts wurde auf den dunkelsten Rotton (Oxidrot) mit einem Hellbezugswert von unter 14 im Zusammenhang mit dem Kompaktsystem verzichtet. Denn ist die Fassade zu dunkel, wärmt sie sich allzu sehr auf, was zu Spannungsrissen führen kann. «Der Einsatz der mittleren Farbe war durch eine gröbere Putzstruktur schliesslich doch noch möglich; durch die grössere Körnung ist eine bessere Eigenverschattung gewährleistet, was ein zu starkes Aufwärmen der Fassade verhindert», erklärt Andrea Burkhard. «Es boten sich neue Möglichkeiten bezüglich Verputzaufbau, Verputzstruktur, Farbqualität und Farbnuancen. Wir konnten die neuen Systemkomponenten von Sarna-Granol und Keimfarben − AquaROYAL PK − einsetzen. Die Reinsilikatfarbe mit ihrer kristallinen Oberfläche und hydroaktiven Eigenschaften ermöglich eine reiche, vielfältige Farbwahrnehmung und akzentuiert die Putzstruktur. Die Farben erscheinen tief und lebendig, zeigen sich unterschiedlich im Licht, werden etwas dunkler, wenn sie nass sind, altern wunderbar und natürlich und zeigen ihre Brillanz.»

Mehr zum Thema
Lesen Sie mehr über das hydroaktive, dickschichtige mineralische Aussenwärmedämm-System in der Rubrik Fach-News auf den Seiten 22 bis 27.

Bauinfo
Objekt:
Scheuchzerhof, Scheuchzerstrasse 186 bis 198, Zürich
Bauherrschaft: Baugenossenschaft
Oberstrass (BGO)
Architektur: team 4 Architekten
ETH/SIA AG, Zürich
Bauleitung: PJ Positor AG, Zürich
Farbkonzept: Andrea Burkhard, Architektur und Farbe, Zürich
Aussendämmung und Malerarbeiten: Schwaninger AG, Malerbetrieb Spritzwerk, Beringen
Wärmedämmsystem: AquaROYAL PK, Sarna-Granol AG, Sarnen; Keimfarben AG, Diepoldsau
 
 
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Text COVISS
Bild BGO
 
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