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Sanierung Kindergarten Inneres Lind
Architektur zwischen Befund und Erneuerung
 
«Spurensuche» ist für Architekt Andreas Huber-Maurus die zentrale Antriebsfeder zu Beginn eines Sanierungsprojekts. Die Evaluierung der Substanz steht denn auch bei der Innensanierung und Farbgestaltung des Kindergartens «Inneres Lind» in Winterthur im Vordergrund. Mit Rücksicht auf die vorhandene und zu erhaltende Gebäudestruktur soll der Bau aus dem Jahre 1876 auch mit neuen, gezielt kontrastierenden Elementen angereichert werden. Werterhaltend, wertvermehrend und mit schlankem Budget sanieren, erwies sich als herausfordernde und lohnende Gratwanderung.

Pädagogisches Raumkonzept von damals bleibt modern

Der Kindergarten «Inneres Lind» wurde um 1875 von Architekt Ernst Jung (1841-1912), dem ersten akademisch geschulten, freiberuflich tätigen Architekt in Winterthur, erbaut. Das Gebäude lebt von der räumlichen Anordnung und dem Verhältnis von Innen und Aussen mit Garten und Pausenhalle. Skizzen zum Vorprojekt mit Grundrissen, Ansichten und detailliert gestalteter Gartenanlage bestätigen, dass Jung von den pädagogischen Grundsätzen Friedrich Fröbels (1782-1852), bedeutender Pädagoge für Kinder im vorschulpflichtigen Alter, beeinflusst war. Fröbels pädagogisches Konzept sieht in der räumlichen Umsetzung eine möglichst symmetrische Anordnung der Räumlichkeiten vor, die auf die Kinder beruhigend wirken soll. Leitbild für die bauliche Umsetzung war das gemeinsame Gruppenspiel im Garten beziehungsweise Spielsaal.

Für die Sanierung war der gegebene pädagogisch-geschichtliche Rahmen evident. Beim teilweise veränderten Raumprogramm achtete man zum Beispiel bewusst auf die Beibehaltung der geforderten ausgewogenen Raumwirkung.
Finanziert wurde die 1877 eröffnete «Kleinkinderschule» durch die Hülfsgesellschaft Winterthur. Der Kindergarten ist gemäss Dr. Daniel Schneller, Denkmalpfleger der Stadt Winterthur, wahrscheinlich der früheste selbstständig erstellte Kidergarten der Schweiz. Aus finanziellen Gründen ging er 1926 in das Gefüge der Schulorganisation der Stadt Winterthur über.

Ausgangslage zum Architekturauftrag «Innensanierung Kindergarten Inneres Lind» war ein Pflichtenheft, das schematisch den Einbau von zusätzlichen Gruppenräumen und den Ersatz von WC- und Kücheneinheiten vorsah. Die partielle Umnutzung innerhalb der klassizistischen Architektur mit Baujahr 1876 verlangte nach einer Verschiebung des mittleren Lehrerzimmers vom Obergeschoss in das Erdgeschoss, wo es im alten Spielsaal neu eingebaut wurde. Gleichzeitig waren eine Auffrischung der Oberflächen, energietechnische Massnahmen sowie ein teilweiser Ersatz der Haustechnik notwendig.

Baugeschichte erhält Zukunft
Die ursprüngliche Kleinkinderschule und Pionierbaute von Architekt Ernst Jung im Winterthurer Stadtquartier «Inneres Lind» ist in den rund 130 Betriebsjahren bauhistorisch in Vergessenheit geraten und die Bausubstanz in die Jahre gekommen. Im Rahmen der Projektierung für eine sanfte Innensanierung des Kindergartens wurde das kulturhistorisch bedeutende Gebäude nach Vorgabe der Denkmalpflege unter anderem auf bisherige Farbschichten untersucht und 2006 definitiv in die Liste der schützenswerten Objekte aufgenommen.

Alle zusätzlich notwendigen Gipsleichtbauwände und die neuen Wandbrunnenmöbel, wie sie der Architekt in seinem Gestaltungskonzept vorsah, sollen bewusst als eingefügte Teile erscheinen. Sie treten überall dort in den Vordergrund, wo bereits eine Lücke im fein strukturierten Wandrhythmus bestand. Die übersichtliche und grundlegend symmetrisch beschriebene Baustruktur konnte so im Bestand respektiert werden. Die austarierten inneren Holzverkleidungen wie Brusttäfer, Wandschränke, Fenster- und Türeinfassungen wurden denkmalgerecht erneuert.

An den Projektierungsgesprächen war zu Beginn neben Bauherrschaft, Hochbauamt und Denkmalpflege auch die zuständige Kreisschulpflege beteiligt. Die Planer äusserten Bedenken über «gewaltige» Eingriffe wie zum Beispiel Wanddurchbrüche. Die beiden Wanddurchgänge im Obergeschoss wurden in der Folge nicht realisiert. Diese vor allem statisch bedingte Tatsache macht die Lesbarkeit des Wandeinbaus für die Gruppenräume im Obergeschoss plausibel und stützt die farbgestalterische Aussage des neuen Wandteils.

Neue Elemente kontrastieren mit gegebenen
Abtrag und Erneuerung der abgenutzten Substanz an Böden, Decken- und Wandverkleidungen, Putzschichten, Einbauten und Installationen waren sehr aufschlussreich – sie boten Einblick in die Renovationszyklen von 1904 bis heute. Aus heutiger Sicht sind nicht alle ans Licht gebrachten Erneuerungen von denkmalpflegerischem Nutzen. Ursprüngliche Täferbekleidungen waren zum Beispiel im Erdgeschoss mehrheitlich nicht mehr vorhanden. Auch der ganze Korridorbereich im Kindergarten war wandseitig vollflächig mit neuerem Abrieb versehen. Hier konnte jedoch der originale Eichenparkett wieder freigelegt, geschliffen und geölt werden. Die sinnlich ansprechende Patina des fischgratigen Holzbodens war von einer stumpf-matten PVC-Schicht der 60er- Jahre zugedeckt gewesen. Die sich mit der Zeit an der Treppenkonstruktion stark eingezeichneten Fussspuren (Mulden) wurden mittels neu aufgesetzten, geölten Eichentritten repariert. Das die Geschosse verbindende, materialechte Treppenelement strahlt heute im Zusammenspiel mit der gräulich getönten Seitenverkleidung tiefes Farbvolumen und Kontinuität aus.

Das für die Sanierung vorgesehene Farbkonzept basiert gemäss Auflagen der Denkmalpflege auf einem historischen Ansatz. Die Vorgabe wurde jedoch vom Architekt an die Bedürfnisse von heute angepasst: Mit auffrischender Wirkung kontrastieren nun neue Elemente mit gegebenen. Zum Beispiel wurden in allen neuen Durchgängen mit Blütengelb eingefärbte MDF-Platten als «diskrete Aufblender» angebracht.

Die vorgefundenen elfenbeinfarbenen Farbpigmente am Holzwerk im Obergeschoss und teilweise auch im Erdgeschoss sind gegebener Ausgangspunkt für die Raumgestaltung. Die um 100 Jahre zurückversetzte Stimmigkeit der Farbgebung inspirierte zur Wahl des unifarbenen, rötlichbraunen und fusswarmen Korklinoleums für die Kindergartenzimmer.

Grau mit zarter Rottonnote markiert das Neue
Die neuen Gipsständerwände stehen im Kontrast zu den vorgefundenen feinen und weissen Putzoberflächen. Die mittels Glas-Vlies-Tapete verstärkte Oberfläche ist mit Ölfarbe in feinem Grau mit zarter Rottonnote gestrichen. Dieser Farbton entspricht dem zweiten farblichen Originaltonfund am Bau und wurde nun wieder neu angewendet.

Die Blendrahmentüre ist ebenfalls mit Ölfarbe im grauen Ton, der Wanddurchgang – durchgefärbte Zarge in MDF - und die Alusockelleiste sind als symbolische Abtrennung zum Bodenbelag im Naturton gehalten.

Konsequent wurde nun sämtliches zu streichendes Holzwerk entweder im vorgefundenen gelblichen Elfenbein (alt) oder in rötlichem Grau (neu) gehalten. Neben den vorliegenden materialgegebenen Naturtönen und den zwei verschiedenartig definierten Bunttönen kommen nur noch ein aufhellendes Weiss und ein kräftiges Gelb im Metall der Küchenmöbel zum Tragen.

Der WC-Bereich wurde ebenfalls mit den erwähnten ruhig strahlenden Farbtönen gestaltet. Glasierte, weisse Keramikplatten dienen der einkleidenden Umfassung. Die aufgesetzten einfachen Porzellansockel mit Glühbirnen sind eine Reminiszenz an die erst um 1900 stattfindende Einführung der Elektrizität. Im Gegensatz dazu sind in den Unterrichtszimmern feingliedrige moderne Alu-Wandleuchten montiert, die die Räume in angenehm helles Licht tauchen.

Lohnende Sanierung bei schmalem Budget
Das Beispiel der Sanierung Kindergarten «Inneres Lind» spricht – auch in finanzieller Hinsicht – für die Altbausanierung beziehungsweise für das Weiterbauen im Bestand. Die Sanierung steht im Kontrast zur oft sehr hektischen und kurzlebigen Neubauidee. 
 
Ausgabe "2006/5 - September" bestellen
 
Text Andreas Huber-Maurus, Architekt FH
Bild Thomas Aus der Au, Winterthur
 
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