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Verputz- und Anstrichmaterialisierung an Türmen
Kalk an Türmen – unmöglich?
 
Türme sind vertikale, von weit her sichtbare Bauwerke mit grosser Wirkung und Symbolcharakter. Insbesondere historische Türme zeugen noch heute von ihrer Funktion als Bollwerk zur Abwehr von Feinden, zur Sicherung der Stadt, als Ausguck, Machtdemonstration und Zeichen des Glaubens. Verputzflächen an Türmen sind exponiert und der Witterung stark ausgesetzt. Daher sollten möglichst langlebige und widerstandsfähige Mörtel und Anstriche zur Anwendung kommen. Was das konkret heisst und worauf zu achten ist, wird im vorliegenden Artikel erläutert.

Türme waren und sind charakteristische Merkmale einer Stadt, mit denen sich die Bewohner identifizieren. Überlieferte Turmnamen wie zum Beispiel Luegislandturm, Zytturm, Storchennestturm oder Big Ben zeugen davon. Zahlreiche, unterschiedliche Arten von Türmen werden nach ihrer Funktion und Bauform unterschieden: Kirchturm, Pulverturm, Wasserturm, Wohnturm, Wehrturm, Wolkenkratzer, Tower, Förderturm, Aussichtsturm… Türme sind mit unterschiedlichen Materialien wie Holz, Stein, Lehm, Mörtel, Beton und Stahl erbaut. Insbesondere im historischen Kontext überwiegen gemauerte Türme, die häufig über verputzte Aussenwände verfügen.

Bauschäden im Zuge falscher Materialisierung
In diesem Zusammenhang stellt sich immer wieder die Frage nach einer der Situation angepassten Verputz- und Anstrichmaterialisierung. Vor dem Hintergrund, dass Verputzflächen an Türmen häufig sehr exponiert und der Witterung ausgesetzt sind, wird oft auf zementhaltige und auf hydrophobierte Mörtel zurückgegriffen. Der Nutzen solcher Massnahmen ist jedoch trügerisch, können doch damit Bauschäden entstehen. Speziell hydrophobe Produkte haben die Eigenschaft, Regenwasser abperlen zu lassen. Jedoch beinhalten solche Produkte ein Schadenspotential: Wenn Wasser über Risse, Anschlüsse oder Fehlstellen dennoch in den Verputz eindringt, kann es kaum mehr austrocknen. Dieser Umstand zieht im Winter Frostschäden nach sich.

Ausgehend vom Grundgedanken, dass möglichst widerstandsfähige Materialien zur Anwendung kommen sollten, werden Kalkverputze und -farben an Türmen oft als ungeeignet eingestuft. Dazu ist folgendes anzumerken: Türme sind seit jeher mit Kalkverputzen und Kalkanstrichen beschichtet worden. Diese Materialien haben sich also in sehr exponierten Situationen bewährt. Jahrhundertealte Verputzrelikte an historischen Türmen zeugen davon. Für eine der Situation angepasste, langlebige Materialisierung wurde jedoch nicht reiner Sumpfkalk verwendet. Untersuchungen von historischen Mörteln und Anstrichen an Türmen haben gezeigt, dass diese nebst dem Bindemittel Kalk Vergütungen sowie latent hydraulische Faktoren aufweisen, die für eine zähere und auch härtere Materialisierung der kalkbasierten Mörtel und Farben verantwortlich sind. Fazit: Kalkverputze und Kalkfarben sind für die Verwendung an Türmen absolut geeignet. Dies veranschaulichen die nachfolgenden Beispiele über Kalk an Türmen.

Storchennestturm, Rheinfelden
Der Storchennestturm, ein rechteckiger Torturm in Rheinfelden, stammt aus dem 13. Jahrhundert. Materialanalysen haben gezeigt, dass die Kalkmörtel (Konstruktionsmörtel sowie Grund- und Deckputz) alle mit Hochofenschlacken, Schlackenstaub, Hüttensand und Ziegelmehl vergütet sind.

In der Literatur sind zur Bauzeit des Storchennestturms Erzgruben am Hochrhein aufgeführt. Somit konnte die These aufgestellt werden, dass die Eisenindustrie zur Bauzeit des Storchennestturms mit den Vergütungen in den Kalkverputzen in Verbindung zu bringen sei. Scheinbar war das Wissen um hydraulische Faktoren in Kalkverputzen im 13. Jahrhundert bereits empirisch bekannt und wurde auch eingesetzt.

Der Turm verfügte über unterschiedliche Putzschichten, Ausbesserungen und Erscheinungsbilder. 2002 wurde der Storchennestturm restauriert und bezüglich der Erscheinungsweise auf den Zustand nach 1400 zurückgeführt. Es handelte sich um einen flächigen, gekalkten Verputz mit farbiger Bemalung der Ecklisenen. Dieser Zustand wurde mit dem Bestand angepasster Materialisierung wiederhergestellt. Der Verputzaufbau erfolgte auf der Basis von Hydraulisch Kalk und Sumpfkalk. Der Anstrich für die Bemalung der Ecklisenen bestand auf derselben Bindemittelbasis wie der Verputz, wurde jedoch nachträglich zusätzlich silikatisch gefestigt.

Wasserturm Lokremise, St. Gallen
Der Wasserturm (Wasserhochbehälter) der Lokremise St. Gallen diente der Wasserversorgung der Dampflokomotiven und wurde 1906 unter der Leitung des Ingenieurs Robert Maillart erbaut. Der Turm wurde massgeblich durch unterschiedliche Verputzstrukturen (Stippputz, Schachbrettmuster und Wellenband) mitgestaltet.

2010/2011 erfolgte eine Restaurierung der Verputzflächen, wobei ein grösstmöglicher Erhalt der originalen Substanz angestrebt wurde. Aufgrund von Abrasion und Verwitterungserscheinungen musste jedoch auf Teilflächen ein Putzersatz erfolgen. Der Verputz bestand auf der Bindemittelbasis Hydraulisch Kalk und wurde im selben System repariert und ergänzt. Anschliessend erfolgte auf allen Verputzflächen ein vereinheitlichender Lasurauftrag. Die Lasur bestand auf der Bindemittelbasis Hydraulisch Kalk, mit zugesetzten Pigmenten und verdünnt mit Wasser.

Hardturm, Zürich
Der unter Denkmalschutz stehende Hardturm wurde in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut, vermutlich zur Kontrolle des Limmatübergangs. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Wehrturm durch den Ausbau des 3. Obergeschosses zum Landhaus umgestaltet.

Am Hardturm in Zürich haben Verputzuntersuchungen ergeben, dass über einem älteren, kalkgebundenen und mit Haaren armierten Verputzaufbau (aus Grund- und Deckputz) Überarbeitungen mit wesentlich härteren, zementgebundenen Verputzen erfolgt sind. Der Verbund zwischen dem alten, kalkgebundenen Schichtaufbau und den neueren, harten Verputzschichten war aufgrund von Sinterschichten und grosser Unterschiede in der Härte der Verputzschichten gestört.

Im Rahmen von Restaurierungsmassnahmen wurde 1999 ein neuer Verputzaufbau umgesetzt, welcher der Materialisierung der alten Kalkverputze entsprach. Der Aufbau bestand aus Konstruktionsmörtel, Grundputz, Deckputz und einer Schlämme. Diese waren folgendermassen gebunden: Konstruktionsmörtel: Hydraulisch Kalk/ Weisskalk; Grundputz: Sumpfkalk; Deckputz: Sumpfkalk, Kuhhaarvergütung; Schlämme: Sumpfkalk/Hydraulisch Kalk. 
 
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Text BWS Labor, Winterthur
Bild BWS Labor, Winterthur
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