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Neugestaltung des Geberit-Gebäudes in Jona
Materialexperimente sprechen über sich hinaus
 
Im Rahmen einer anstehenden Fassadensanierung des Hauptgebäudes der Geberit AG in Jona wurden die Eingangssituation, der Empfangsbereich und das Erdgeschoss des Konzern-Hauptsitzes neu gestaltet. Ziel war es, dem europäischen Marktführer und globalen Anbieter in der Sanitärtechnik ein adäquates und zeitgemässes Erscheinungsbild zu geben, das Gebäude architektonisch als Hauptsitz der Unternehmung zu kennzeichnen und einen ästhetischen Bezug zur Glasfassade des gegenüberliegenden Geberit Informationszentrums zu schaffen.

Die Versetzung der neuen Glasfassade
vor die bestehenden Stützen verleiht dem Erdgeschoss die gewünschte klare Form; die Verschiebung des Haupteingangs von der Seiten- an die Stirnfront und die Gestaltung des neuen Windfangs als Box klärt die Empfangssituation und verleiht dem Gebäude einen überzeugenden Ausdruck.

Gäste architektonisch willkommen heissen
Die Geste des Ankommens und Empfangenwerdens war den beiden Innenarchitekten Jérôme Gessaga und Christof Hindermann von designrichtung wichtig. So steht das neue Erdgeschoss optisch auf einem zwanzig Zentimeter hohen Podest – dem Vorplatz –, der mit Rasengittersteinen belegt ist. Diese markante Struktur dient einerseits der Begrünung des Vorplatzes und führt anderseits Besucherinnen und Besucher wie auf einem steinernen Teppich in das Innere des Gebäudes – die bereits auf dem Vorplatz kennen gelernte Optik des Rasengittersteines ist auch hier im Innern durchgezogen. Im Gegensatz zu den stumpfen Rasengittersteinen im Aussenbereich sind jene im Hausinnern mit einer speziellen Zementmischung gefüllt, angeschliffen und poliert – und verbreiten einzigartige Brillanz. Da auch die Treppenstufen und Bodenplatten im hinteren Bereich des Eingangs mit der gleichen Zementmischung gefüllt wurden, war der richtige Farbton von grosser Bedeutung; zahlreiche Baumuster wurden angefertigt. Problematisch war die Tatsache, dass nach dem Anschliff Steine vom selben Baumaterialhändler in Farbe und Struktur oft komplett unterschiedliche Kiesmischungen aufwiesen. Die Lösung war die Verwendung von Rasengittersteinen aus Jurakalk und anderem Flusskies, der im Gesamtbild weniger kühl wirkte und mit einer beigefarbenen Zementkiesmischung die gewünschte Gesamtwirkung in der Fläche versprach.

Aussen- und Innenwelt im Dialog
Beim Betreten der Halle zeigt sich dem Besucher ein abgedrehter und an einer Ecke aufgebrochener Raumkörper: der Empfangstresen. Durch die Abdrehung des Körpers wird die Raumtiefe optisch verlängert, und links entsteht ein sich nach aussen öffnender Raum, die Wartezone, in der die eigens dafür entworfenen Sessel stehen. Der grüne Stoffbezug ist ein dezenter Farbtupfer, der die Natur in das Rauminnere holt. Von hier fällt der Blick in die Grünzone des Vorplatzes, aber auch auf den glitzernden Kettengliedervorhang an der gegenüberliegenden Wand. Dieser zeigt in raffiniert-subtiler Weise nicht nur das Logo von Geberit, sondern ist gleichzeitig Anspielung auf die fast vergessene Zeit des Geberit-Spülkastens mit Zugvorrichtung.

Damit der Raumkörper als elegante Einheit gelesen werden kann, wurden die zur Verkleidung des Körpers verwendeten Sasmox-Platten vor der Montage mit unterschiedlich tiefen und breiten Rillen versehen, wobei darauf geachtet wurde, dass bei der Montage der Paneele kein Rapport entstand. Diese nachträglich mit signalweisser Farbe gespritzte Oberflächenstruktur bietet nun ein Licht- und Schattenspiel, das den Körper immer wieder unterschiedlich in Erscheinung treten lässt.

Niedrige Decke erzeugt Gefühl der Enge
Der am Ende des Körpers offene Raum erzeugt durch sein knalliges Rot Neugierde – der monochrome Raum wirkt anziehend und anregend zugleich. Die niedrig gehaltene Decke erzeugt ein Gefühl der Enge, durch das die angrenzenden Räume mit ihrer grösseren Raumhöhe noch grosszügiger erscheinen. In diesem beinahe aggressiv wirkenden Raum soll man sich nicht verweilen oder zurückziehen, er bildet die Verbindung zu den Sitzungszimmern und Toilettenanlagen. Letztere sollen mit innovativer Technik emotionale Formen erreichen und bereits im Vorraum neugierig machen. Beim Betreten sieht man sich vom satten Dickicht eines Tropenwaldes umgeben. In den grossflächigen Spiegelnischen zeigt sich nicht nur eine unendliche Verdoppelung des Wandmotivs (Gestaltung von Simon Burkhardt), hier reihen sich auch die speziell von designrichtung entwickelten Spiegelleuchten zu einer schmucken Kette. Im Gegensatz zu den anregenden Wandmotiven in den Toiletten dominieren Nüchternheit und Flexibilität bei den beiden Sitzungszimmern, die mittels einer Faltwand zu einem grossen Sitzungszimmer verbunden werden können.
Mit gezieltem Einsatz von Material, Farbe und Struktur überliess man praktisch nichts dem gestalterischen Zufall. Trotz diverser formaler und inhaltlicher Bezüge und neuen Materialexperimenten wirkt die Gestaltung nie erzwungen oder überladen. 
 
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Text Jérôme Gessaga und Christof Hindermann, designrichtung, Gregor Eigensatz, COVISS
Bild Tom Bisig




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