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Tapetenwechsel im Wilerbad bei Sarnen
Digitaltapeten verheissen sinnliches Spa-Erlebnis
 
In Fortführung des thailändischen Ambientes im Restaurant des Seehotels Wilerbad mit seinem farbigen Auftritt sollten die vier neuen Spa-Suiten auf dem Dach des Hotels nach thailändischen Blumen benannt werden. Von Marie-Cathérine Lienert wurden mit Hilfe eines Kaleidoskops, digitaler Bildbearbeitungsverfahren und der Möglichkeit des digitalen Tapetendrucks vier verschiedene Mustertapeten für die Spa-Suiten geschaffen. Die Motive ausgewählter Blumenblüten gestalten den sinnlichen Rahmen für den «Tapetenwechsel», den ein Spa-Wochenende am Sarnersee verheisst.

Die vier Blüten der Lotosblume (Dok Bua), der roten und der gelb-rosaroten Wachsblume (Dok Rak und Lilawadee) sowie des weissen Jasmins (Dok Mali) wurden unter Verwendung computergrafischer Mittel so bearbeitet und verfremdet, dass Merkmale und Habitus der Blüten verstärkt zum Ausdruck kommen. Sichern die Blüten in der Natur die Fortpflanzung der Pflanze, indem sie bestäubende Insekten anlocken, erzeugen sie auf den Tapeten in den Spa-Suiten eine das Spa-Erlebnis erst ermöglichende, sinnlich-schwelgende Atmosphäre. Darüber hinaus tragen die zusammen mit dem langjährigen thailändischen Personal ausgewählten Blumen Bedeutungen wie «Reinheit, Treue, Schöpferkraft und Erleuchtung» bei der Lotosblüte, oder «Blume der Liebe» bei der Wachsblume – Bedeutungen also, die mit «Spa» in Einklang stehen.

Drei Bildebenen (Layer), von denen nur die eine Ebene der Blüte gewidmet ist, wurden bei jeder der vier Tapeten in je unterschiedlichen Wertigkeiten so aufeinandergelegt, dass beim Betrachten ein künstlerisch überhöhtes und die Sinne ansprechendes Blüten-erlebnis entsteht: Die Hintergrundfarbe als in haarfeine farbige Linien aufgelöster Farbteppich mit teils plastischer Wirkung, das Rank-Ornament als Rapport der in der Tradition einer Mustertapete entwickelten Komposition, die bearbeitete Blüte oder Blütengruppe als Bildspur zu den Zimmernamen. Dok Bua für Zimmer 409, Dok Rak für Zimmer 410, Dok Mali für Zimmer 411 sowie Lilawadee für Zimmer 412. Rätselhafte Silben für westliche Ohren. Umso mehr wecken sie die Neugier auf das bevorstehende Spa-Erlebnis. Die auf den Bettseiten angebrachten Tapeten erhielten als Gegenüber einen pastellfarbigen Anstrich in einer ergänzenden Farbe, womit der Raum als Ganzes thematisch gefasst wurde.

Hintergrundfarben
Mit Ausnahme des Jasmins definiert die jeweilige Blütenfarbe die raumprägende Hintergrundfarbe. Der weissen Jasminblüte wurde jedoch nicht Weiss, sondern Grün und komplementäres Rot hinterlegt, was in der Überlagerung – ganz der Physik des Lichts entsprechend − wiederum weisses Licht ergibt und ein sinnreiches Spiel mit der Farbenlehre darstellt. Von nahe sichtbar sind die haarfeinen, teils reissverschlussartig ineinandergreifenden und wie ein gestörtes Fernsehbild wirkenden Linien in verschiedenen Tonwerten und Farben. Von weitem ergibt sich durch geringe Differenzen eine flächige Wirkung bei der gelben Tapete, und bei grösseren Differenzen eine plastische Wirkung (Lotos- und Jasmintapete). Bei der blauen Wachsblumentapete bildet die Bearbeitung des ebenfalls aus Linien aufgebauten und ein blau-weiss bewegtes Riffelmuster ergebenden Hintergrunds die Blattzeichnung einer thailändischen Orchidee ab.

Rank-Ornament
Mit einem Seitenblick auf Japan und seine Badtradition wurde allen vier Tapeten der gleiche, aus Kirschblüten komponierte versetzte Rapport in der Form eines Rank-Ornaments zugrunde gelegt. Dieses überzieht in der Tradition von Mustertapeten horizontal und vertikal die ganze Fläche und bildet den (Quadrat-)Raster, über den die Blüten teils in versetzter, teils in linearer Ordnung gelegt wurden. Dieses Rank-Ornament erscheint auf jeder Tapete unterschiedlich stark: bei der blauen Tapete als feine, die Blüte erkennbar lassende Linienzeichnung bis hin zur gelben Tapete, bei der das purpur eingefärbte Ornament die zarten Blüten wie ein Stützgerüst umgibt.

Bearbeitet und verfremdet
Die vier Blüten wurden computergrafisch bearbeitet und verfremdet. So erscheint die fragile Lotosblüte mit einem Muster aus spitzwinklig gekreuzten weissen Linien überzogen, was die wenig bearbeitete Fotogrundlage aus dem rosaroten Hintergrund weiss herausleuchten lässt. Die Blütengruppe wurde, abwechselnd gespiegelt, in senkrechten Linien angeordnet.

Die bei Wachsblumen beinahe gegossen wirkenden Blüten werden durch Unterlegen pastellfarbiger Schatten plastisch aktiviert. Mangels weiterer grafisch ergiebiger Merkmale bei der Wachsblume wurde dem fünfstrahligen Gebilde als Hintergrund das blau-weisse Riffelmuster einer endemischen Orchidee unterlegt.

Den zu Bouquets gruppierten zarten Jasminblüten wurde auf weissem Grund mit einem rosa Punktraster Plastizität eingehaucht. Sie wurden im zartgelb verschmierten Raster, vor grün-rotem Hintergrund versetzt, verteilt.

Die drehsymmetrischen Blüten der Lilawadee scheinen vor dem purpurfarbigen Stützgerüst als weisse Wolkengirlanden, die ihre charakteristische Form durch sattgelbe und versetzte, zartrosa gerasterte Windrädchenflächen erhalten


Bauinfo

Objekt:
Seehotel Wilerbad, 6060 Sarnen, Link-Rot: www.wilerbad.ch

Architekten: Imhof Architekten AG, 6060 Sarnen, Link-Rot: www.imhof-arch.ch

Tapetenkreation/Farbgestaltung: Marie-Cathérine Lienert, Künstlerin, 8038 Zürich

Digitaldruck: Swissprint Production GmbH, 8143 Stallikon, Link-Rot: www.swissprint.net

Grafik: Fabian Reber, Zürich



«Das bisher ganz in Weiss gehaltene und sehr grosse Volumen des Seehotels soll besser in die natürliche und teilweise bebaute Landschaftintegriert werden. Im Vorfeld der Gestaltung wurden Farbanalysen gemacht und die Farbfelder formal so gesetzt, dass das heftige Volumen aus der Distanz aufgebrochen und filigraner gegliedert wahrgenommen werden kann. Das bestehende Farbkonzept im Innern befasst sich mit den vier Jahreszeiten, die im obersten Stockwerk mit dem Frühling aufleben und zuunterst mit dem Winter wieder zur Ruhe kommen.
Die ursprüngliche Idee wurde soweit übernommen und von innen nach aussen gekehrt. Die Farbpalette im Aussenbereich ist jedoch feiner und bedient sich natürlicher Pigmente, die gut mit der Farbigkeit der Landschaft korrespondieren. Die Tapeten, wie sie nun in den vier Asia-Suiten im Seehotel
Wilerbad erlebt werden können, sind das Resultat eines Wechselspiels von manuellen, malerischen Vorlagen auf der einen und von digitaler Überarbeitung auf der andern Seite – und vor allem auch des frühzeigen und kooperativen Gedankenaustauschs zwischen Auftraggeber, Architekten und mir als Kunstschaffende.»

Marie-Cathérine Lienert, Künstlerin, Zürich


«Die Tapete im Seehotel Wilerbad wurde im Digitaldruckverfahren hergestellt. Das Erfurt Tapetenvlies ist ohne Kunststoffanteil und alterungsfrei nach ISO 4892/2. Im Vorfeld wurden diverse Farbandrucke und -anpassungen direkt bei der Swissprint Production, Stallikon ZH, mit der Künstlerin erstellt, um die gewünschte Umsetzung der Farben zu erreichen. Für zusätzliche Beanspruchung wurde eine Halbmattlackierung im Siebdruck gedruckt. Unsere Tapeten wurden an der Fespa 2010, der grössten Siebdruck- und Digitaldruckmesse, mit Gold und Bronze ausgezeichnet.»

Beatrice Spillmann, Swissprint Production GmbH, Zürich 
 
Ausgabe "2012/7 - Oktober/November" bestellen
 
Text Monika Imhof-Dorn; Marie-Cathérine Lienert
Bild Fabian Reber, Zürich
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