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Energetische Schulhaussanierung
Strukturgebende Putzsubstanz ersetzt Sichtbeton
 
Das Primarschulhaus Krauer ist ein typisches Kind der 1970er Jahre. Kantige Volumen aus Sichtbeton prägten den in die Jahre gekommenen Bau in Kriens. Mit einer energetischen Sanierung wich der Sichtbeton einer Neuinterpretation mit mächtigen Putzstrukturen.

Das 1972 vom Krienser Architekten Ernst Müller entworfene Schulhaus steht unverrückbar an der Strasse und weist eine eigenständige architektonische Sprache auf, die sich nicht an bestehenden Bauten im Dorfkern orientiert. Stützen lösen das Gebäude vom Boden ab, was zwar einerseits einen willkommenen, gedeckten Pausenbereich schafft, andererseits aber die strengen Volumen noch weiter vom Dorf wegrückt. Nähert man sich dem Bau nicht von der Dorfstrasse, sondern von der anderen, parkähnlichen Seite, dann ragt das Schulhaus gar wie ein massiger Dampfer auf Reede von einem mächtigen Sockel ins Land. In diesem Sockel befindet sich die Schwimmhalle, die bereits früher saniert und mit Aluminiumpaneelen verkleidet wurde.

So zeittypisch die Architektursprache des Schulhauses, so auch seine Problemzonen, die über die Jahrzehnte zum Vorschein kamen. Undichte Fenster, ein sanierungsbedürftiges Dach und eine mangelhafte Dämmung der Hülle liessen die Ertüchtigung des Gebäudes immer dringender werden − umso mehr, als Kriens sich mit dem Label «Energiestadt» schmückt.

Ursprüngliche Rohheit auf neue Ebene transferiert
Gerade die Dämmung entpuppte sich jedoch als Herausforderung: Eine zusätzliche Innendämmung liess sich wegen des Raumverlusts nicht realisieren, also blieb nur die Aussendämmung. Doch mit ihr würde auch die Sichtbetonoptik verschwinden, das Gebäude seinen «Beton brut»-Charakter verlieren. Dass Modernisierung und Authentizität in Einklang stehen mussten, war nicht nur das Anliegen der Sanierungsarchitekten, sondern auch der Denkmalpflege des Kantons Luzern, die im Rahmen der Planungen auf das Gebäude aufmerksam wurde und es in den Denkmalstatus erhob.

Die Vorstellungen der Gemeinde zum Thema der Fassadengestaltung orientierten sich vorerst an der Ausführung der bereits sanierten Schwimmhalle und -äusserten sich über den Wunsch, eine Aluminiumverkleidung auszubilden. Nach eingehender Beschäftigung mit dem be-stehenden Bau schlug der Architekt dem zuständigen Projektleiter der Gemeinde, Herrn Stephan Buser, ein Gegenkonzept vor, das eine verputzte Aussendämmung als Fassadensystem vorsah und die optische Wirkung des «Beton brut» wieder aufnehmen sollte. Die Ausführung des Putzes beschrieb der Architekt als grobe, charakteristische Struktur, die in Zusammenarbeit mit einem Farbkonzepter entwickelt werden sollte.

Mit der Entscheidung der Gemeinde für das vorgeschlagene verputzte Fassadendämmsystem formten der Architekt -Patrick J. Schnieper und der Künstler und Farbkonzepter Jörg Niederberger eine Gestaltungslösung, die in ihrer Anmutung die ursprüngliche Rohheit auf eine neue Ebene transferiert. Sie entwickelten vier Putzoberflächen, deren mächtige Strukturen zunächst irritieren, dann aber begeistern. Ein Universalputz unter Zufügung von strukturgebendem Zwölf-Millimeter-Grobkorn bringt neue Substanz auf die Flächen – in Form von Kellenwurfputz, horizontal gescheibtem Putz auf den Stirnfassaden und vertikalem «Kammzug» auf den Längs-fassaden. Die Ergebnisse sind ungemein expressiv, zelebrieren das grobe Korn und das Zusammenspiel mit dem Licht, das die Plastizität der Oberflächen zum Leuchten bringt. Die Rohheit freilich wirkt keineswegs derb oder brutal, sondern veredelnd, ja geradezu artifiziell. Dazu trägt die differenzierte Farbigkeit bei, mit der die Strukturen überfasst wurden.

Subtile Farbnuancen
Denn nur auf den ersten Blick zeigt sich das Schulhaus in Einheitsgrau. Wer sich den Volumen nähert, erkennt schnell subtile Unterschiede. So finden sich fünf unterschiedlich nuancierte Grautöne – mal mit grünlicher, gelblicher, rötlicher, bläulicher Verschiebung, mal in neutraler Anmutung. Was am Morgen noch bunt aussehen mag, wird vielleicht schon am Nachmittag als Schatten gelesen. Das Zusammenspiel von Volumen und Farben erzeugt einen räumlich sinnlich erfahrbaren Klang, der Identität zu stiften vermag. All diese Töne belegen nach einem bestimmten, leicht versetzten Symmetrieprinzip die einzelnen Fassadenflächen, wobei der Farb- wie auch der Strukturwechsel jeweils an der Gebäudekante stattfindet.

Interessant ist zudem die Kombination aus grober Struktur und dezenten Farbtönen – ein Widerspruch zunächst, der aber die Volumen zusätzlich auflädt und in ihrer Einzigartigkeit unterstreicht. Als Akzent in dieser eher ruhigen Farbkomposition tritt dann ein warmes Rotorange auf, das die horizontalen Träger und vertikalen Stützen belegt, auf denen die Baukörper ruhen. Damit betont Niederberger zum einen die tektonische Situation, zum andern erhält der Pausenbereich mit seiner inzwischen hell gefassten Decke ein motivierend-lebendiges Zusatzelement, das sehr gut zur neu installierten Kletterwand passt.


Bauinfo

Objekt:
Primarschulhaus Krauer, 6010 Kriens

Bauherrschaft: Gemeinde Kriens, Stephan Buser

Architekten: Schnieper Architekten, Patrick J. Schnieper, 6010 Kriens

Baumanagement: Battagello + Hugen-tobler AG, Harri Studhalter, 6362 Stansstad

Farbkonzeption: Jörg Niederberger, 6382 Büren

Ausführende Firmen: Anliker AG, Werner Blaser, 6002 Luzern

Putz und Farben: Keimfarben AG, Franz Bieri, 6005 Luzern
 
 
Ausgabe "2012/6 - September" bestellen
 
Text COVISS (Quelle: Schnieper Architekten – Cornelia Keller; Keimfarben AG – Franz Bieri; Jörg Niederberger)
Bild Ursula Ochsenbein
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