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Luis Barragán
Mexikanische Polychromie
 
Luis Barragán (1902–1988) hat für seine Architektur eine mexikanische Version der «Polychromie architecturale» mit intensiven Farben und buntem Licht entwickelt. Für ihn ist Farbe voll integrierter, konstituierender Bestandteil der Architektur, sie ist weder aufgesetztes Dekor noch Kunst am Bau. Wie bei Le Corbusier, der 1938 in Zürich seine eigene Entwurfsmethode erklärt hat, will auch Barragán mittels Farben Volumen gliedern und auflösen, Räume bilden und verändern, Raumstimmung erzeugen und stimulieren.

Wie arbeitet Barragán mit Farbe im Raum? Welches sind seine Farbskalen, seine Kompositionsprinzipien? Wie inszeniert er seine polychromen Räume? Wie erreicht er ein architektonisches Gleichgewicht mit leuchtenden Farben? Welche Rolle spielt Weiss in seinen Kompositionen? Wann verwendet er farbiges Licht in seinen Bauten?

Nirgends grau
Barragán benutzt Farben in allen Bereichen, in Innenräumen, an Fassaden und sogar für Gartengestaltungen. Er verwendet ein relativ kleines Spektrum von intensiven Farben, die er der mexikanischen Volkskunst entlehnt. Seine Skala umfasst Gelb, Orange, Rot, Rosa, Lila und Blau. Mit Ausnahme von Blau, das nur in Gärten vorkommt, handelt es sich um eine Auswahl von warmen Tönen. Barragáns Farben sind gewollt künstlich; sie wecken kaum Assoziationen zu konkreten Materialien. Grün schliesst Barragán vor dem Hintergrund der üppigen mexikanischen Vegetation aus. Die Farbe Grau ist vollkommen abwesend – Barragán braucht zum Beispiel nie Sichtbeton. Neutrales Weiss dient als Stimmungshintergrund, Vermittler zwischen den Farben und als Projektionsfläche für Schatten- und Lichteffekte.

Mexikanisches Rosa
Am meisten überrascht uns Europäer der grosszügige Gebrauch von Rosa in allen Nuancen, von Hellrosa über Pink bis zu Magenta, – und dies umso mehr, als viele von uns eine Hassliebe zu dieser Farbe pflegen. Rosa lässt nie gleichgültig: es beruhigt und regt auf, verführt und widert an, es ist feminin und maskulin. Ist Rosa kitschig? Entspricht Rosa dem Geschmack der Massen und wird es deshalb von der intellektuellen Elite verschmäht? Man nehme zum Beispiel die Farben der Barbiepuppen, welche die meisten Mädchen in einem bestimmten Alter so unwiderstehlich finden… Wie auch immer, Barragán braucht das temperamentvolle «mexikanische Rosa», das auf jeder Farbkarte so bezeichnet wird, mit der grössten Selbstverständlichkeit.

Farborgel und Lichtkanone
Die mexikanische Sonne potenziert die Licht- und Schattenwirkung. Zu bestimmten Tageszeiten kann das intensive Sonnenlicht auch leuchtende Farben praktisch auslöschen. Anderseits vermögen Farben im Schatten zu leuchten. Barragán transformiert diese klimatischen Gegebenheiten zu einer ganz persönlichen Sprache. In seinen Wohnhäusern spielt er mit leuchtenden Farben, die auf Weiss abstrahlen oder mit gelbem Licht, das ganze Räume in atmosphärisches Gelb taucht. In Kirchenräumen kombiniert er sogar farbiges Licht mit farbigen Wänden und erzeugt so eine sakrale, vibrierende Raumstimmung.

Für Barragán sollen Farbe und Licht in der Architektur grundsätzlich das Raumgefühl, das Körpergefühl und das Sehen stimulieren und, wenn möglich, die Voraussetzung für künstlerische oder spirituelle Erfahrungen bieten. In diesem Sinne bilden die Bauten ein fein austariertes Gleichgewicht zwischen Gebrauchsgegenstand und abstrakter Plastik. Seine raffinierte architektonische Polychromie erreicht Barragán mit ganz wenig Variabeln. Mit Tageslicht, mit gelbem Farblicht, mit viel Weiss und einer kleinen Skala von ähnlichen, möglichst ungemischten, leuchtenden Farben inszeniert er jedes Mal wieder neue Farb- und Lichtstimmungen. Dabei komponiert er mit malerischen und plastischen, statischen und dynamischen Prinzipien.

*Die ETH-Zürich, Departement Architektur, dankt Kabe für das Sponsoring der Seminarwoche WS 05/06 in Mexiko City. 
 
Ausgabe "2006/6 - Oktober" bestellen
 
Text Maria Zurbuchen-Henz, Professur Arthur Rüegg, ETH-Zürich, Departement Architektur*
Bild Maria Zurbuchen-Henz
 
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