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Materialbibliothek − Farbuniversum von 2’500 Tönen
Weiss ist nicht gleich Weiss
 
Die Materialbibliotheken und das Materialarchiv für angehende Künstler und Architekten wachsen immer weiter: Im Herbst eröffnet ein vielfarbiger Raum und erschliesst ein Farbuniversum von fast 2’500 Tönen.

Materialwissen im Verbund
Das Schweizer Materialarchiv wurde 2009 gegründet und bietet mit mehreren Materialsammlungen und einer Online-Datenbank einen breiten Zugang zu Materialwissen und Werkstoffen. Gestalterische Berufsgruppen finden hier kostenlos Informationen zu traditionellen und neuartigen Materialien. Zum Verbund gehört neben dem Sitterwerk St. Gallen, dem Gewerbemuseum und der ZHAW in Winterthur, der ETH Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste auch die Hochschule Luzern mit den beiden Departementen Technik & Architektur sowie Design & Kunst.

Die Materialbibliothek am Departement Technik & Architektur ist Montag bis Freitag von 7 bis 21.30 Uhr und am Samstag von 7 bis 12 Uhr geöffnet, jene des Departements Design & Kunst nach Voranmeldung. Zur Datenbank gibt es eine kostenlose iPhone-App, die via iTunes heruntergeladen werden kann. Die jüngste Sammlung wird am 4./5. Oktober im Rahmen der Tagung «Pigment und Farbe»
offiziell eröffnet. Anlässe und Vorträge unter www.materialarchiv.ch.

Hochschule Luzern – Das Magazin
Das Magazin der Hochschule Luzern erscheint dreimal pro Jahr. Neben wechselnden interdisziplinären Schwerpunkten behandelt es diverse Themen aus angewandter Forschung sowie Aus- und Weiterbildung. Mit längeren Reportagen und informativen Kurznachrichten und Interviews mit Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft berücksichtigt das Magazin die Interessen einer breitgefächerten Leserschaft. Es erscheint in einer Auflage von 40’000 Exemplaren und kann gratis unter www.hslu.ch/magazin bestellt werden. Der vorliegende Artikel erschien in der Juni-Ausgabe 2012.


Eierschalenweiss ist ein Alleskönner, es eignet sich für Öl-, Acryl-, Tempera-, Gouache-, Kalk-, Wasserfarben- und Freskomalerei. Bergkristall lässt sich schwer pulverisieren, Bleiweiss ist giftig und seit 1930 verboten, eignet sich also nicht mehr als Malfarbe und erst recht nicht für Theaterschminke. Nein, nicht nur in der Waschmittelwerbung, auch in der Malerei ist Weiss nicht gleich Weiss. Aber es kommt noch besser: «Kreide im Bindemittel Öl erscheint leicht gelblich, in wässriger Grundierung weisser», sagt Anita Wanner. Die selbstständige Restauratorin arbeitet für die Hochschule Luzern – Design & Kunst. Im «Raum der Farben» ist sie Herrin über 250 pulverisierte Pigmente in Flaschen und Fläschchen, Kanistern und Dosen. Studierende lernen hier, Farben herzustellen und zu mischen. Anita Wanner zeigt ihnen, wie sie die Pigmente zu Öl- und Aquarellfarben verarbeiten können, welche Eigenschaften sie haben, welche Farben sie ergeben, wie viel satter die Öl-, wie matt die Aquarellfarben sind. «Für fast alle Studierenden ist der Kontakt mit den Pigmenten völlig neu», sagt Wanner. «Wenn sie merken, wie viel schöner die selbstgemachten Farben, wie interessant die Effekte sind, die sie mit ihnen erzielen können, sind sie total begeistert.»

Das Angebot wird noch ausgebaut, denn im Nebenraum entsteht eine Materialbibliothek, die die Farbschattierungen der Pigmente illustriert – je nachdem, ob sie als Öl-, Acryl- oder Aquarellfarbe angerührt, ob sie auf Papier, Leinwand oder Glas und in welcher Intensität sie aufgetragen werden. Damit gebietet Anita Wanner jetzt auch über ein Regal, das in allen Farben des Regenbogens strahlt und 136 Schubladen hat. Zwar steht derzeit auf manchen noch «Frisch gestrichen. Bitte nicht anlehnen», aber bis zur Eröffnung im Oktober soll jede Lade sechs Karten mit Aufstrichen eines jeden Pigments als Öl-, Acryl-, Aquarell-, Eitempera-, Hinterglas- und Freskofarbe offenbaren, jede Variante aufgetragen in ein, zwei oder drei Schichten. Einen Teil dieser Karten kann man jetzt schon bewundern, nämlich unter www.materialarchiv.ch. Dort findet sich jedes Material in Bildern und mit einem Beschrieb, mit Angaben zu seinen Eigenschaften und Bezugsquellen. Denn Anita Wanners Werk ist Teil eines Verbundes, dem neben dem Sitterwerk St. Gallen und dem Gewerbemuseum Winterthur verschiedene Hochschulen angehören. Seit der ersten Stunde mit dabei sind die Luzerner Kollegen aus dem Departement Technik & Architektur. Jeder Partner hat die Aufgabe, spezielle Gebiete in der Datenbank zu betreuen und ausgewählte Materialien vor Ort zu präsentieren.

Architektur zum Anfassen
Die Architekten sammeln all das, was man zum Herstellen eines Gebäudes braucht: Sie betreuen 250 Proben von Steinen, Keramik, Glas, Metall, Holz, Papier, Karton, Fasern, Textilien und Kunststoffen. Hellgrau, fast weiss, mit kleinen schwarzen Wolken liegt eine Platte in einer Schublade, Abteilung «Stein und mineralische Werkstoffe / metamorphe Gesteine / Sedimente». Stecknadelkopfgrosse Punkte schimmern, als habe sich der Stein mit Glimmer-Make-up bestäubt. Der Brocken ist schwer und fühlt sich rau an. «Soglio, geflammt» steht auf einem Aufkleber auf der Unterseite. Eine Schublade darunter liegt eine Platte mit demselben Muster, aber glatter, geschmeidiger: «Soglio, geflammt, gebürstet» verrät das Schild. Darunter eine dritte Platte, wieder hellgrau mit kleinen schwarzen Wolken und Glimmerpunkten. «Soglio, poliert»: Noch glatter, verschlossen irgendwie, fast ein wenig künstlich. Nicht zuletzt um diese haptischen Eindrücke geht es den Initiatoren des Projekts, um anwendungsorientierte Material- und Anwendungshinweise in den Datenblättern, die in der Bibliothek oder online abgerufen werden können. Denn die Luzerner haben festgestellt, dass ihre Studierenden zwar perfekt virtuell entwerfen können, ihnen aber das sinnliche Erlebnis der Materialien fehlt. Deswegen gibt es ab Herbst einen neuen obligatorischen Kurs im Curriculum: Einführung in die Materialbibliothek. Denn Weiss ist nicht gleich Weiss, und Stein ist nicht gleich Stein. 
 
Ausgabe "2012/5 - Juli/August" bestellen
 
Text Valeria Heintges; Hochschule Luzern – Das Magazin
Bild Michael Lio; Markus Käch; Jolanda Flubacher Derungs
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