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Alte Bausubstanz neu genutzt – Studentenhaus in Zürich
Alte Bausubstanz neu genutzt – Studentenhaus in Zürich
 
Die durch vernachlässigten Unterhalt heruntergewirtschaftete Altliegenschaft aus den 1920er Jahren soll neu als zentral gelegenes und zeitgemäss eingerichtetes Studentenhaus umgenutzt werden und erhalten bleiben. In der Materialisierung der Oberflächen und in der Erscheinung soll das Gebäude weitgehend in den Zustand der Erstellungszeit zurückgeführt und sorgfältig in den Kontext der bestehenden Nachbarbauten eingefügt werden. Dabei müssen technische Einbauten sowie gesetzliche Grundlagen für die Neunutzung sichtbar sein und in Form und Farbe zur alten Materialisierung der Oberflächen in einem klassischen Kontrast stehen.

Das viergeschossige Mehrfamilienhaus wurde 1922 als Blockrandbebauung im Rahmen einer Genossenschaftssiedlung oberhalb des Hegibachplatzes in Zürich erstellt. Die sehr einfachen und für die damalige Zeit grossen Familienwohnungen verfügen über einen minimalen Ausbaustandard. Leider wurde in den 50er Jahren die ganze Häuserzeile verunstaltet: Im Untergeschoss des Objekts wurden mit einem brutalen Einschnitt neue Garageneinstellboxen eingebaut. Mit der heutigen Fassaden- und Gartenkorrektur konnte der Gesamtcharakter der Blockrandbebauung− auch zur Freude der städtischen Behörden − wiederhergestellt werden. Im ehemaligen Garagen-Untergeschoss ist jetzt ein grosszügiger Aufenthaltsraum mit einer Doppelküche und einem Aussensitzplatz untergebracht.

Zustandsanalyse und Raumstruktur
Die Zustandsanalyse brachte hervor, dass die bestehenden Raumstrukturen für eine zukünftige Wohnnutzung mit Einzelzimmern nicht mehr genügten. So wurden die Schlackenbetonwände durch Leichtbauwände mit hoher Schalldämmung ersetzt und damit die wesentlichen Nutzungsvorgaben erfüllt. Gleiches geschah mit neuen Deckenaufbauten, wobei die alten Parkettböden sogfältig repariert, geschliffen und neu geölt wurden. Ein Ersatz der Bodenbeläge wäre eindeutig günstiger gewesen – die wesentlichen Charaktereigenschaften der gesamten Liegenschaft hätten aber unter einem solchen Eingriff stark gelitten. Dank verschiedenen alten Teppich- und Laminatböden war das darunterliegende Parkett über all die Jahre geschützt und erhalten geblieben.

Oberflächenuntersuchungen – Folgenutzung und neuer Farbauftrag
Alle Decken und Wände wurden während der vergangenen Nutzungsperiode so stark abgenutzt und unbewohnbar gemacht, dass ein totaler Neuaufbau der Unter- und Deckputze notwendig wurde. Der enorme Schaden wurde erst nach dem Auszug der alten Mieterschaft sichtbar. Der ursprüngliche Ausbaustandard von Treppenhaus und diversen Räumen konnte an noch vergleichbarer Altbausubstanz in den bestehenden Nachbarbauten betrachtet und analysiert werden. Damit liessen sich auch diverse Schnittstellenfragen der Rekonstruktion und Farbgebung in einem intensiven Planungsprozess schnell und detailgetreu erarbeiten. Die Oberflächenuntersuchungen dienten zur Beantwortung folgender Fragen:

Soll nach dem neuen Aufbau von Grund- und Deckputzen die ursprüngliche Wandstruktur mit einer Tapete wiederhergestellt werden? Ist eine Glasfasertapete anstelle einer Papiertapete der geeignete Wandschutz für die heutige Nutzung? Wie sollen die Kontraste der Oberflächen (Glanzgrad oder Mattwirkung) im Gesamtkonzept richtig eingesetzt werden? Sind neue Einbauten im Kontrast der Farbigkeit auch als matte Oberfläche zu gestalten? Wie war der Ursprung vor rund 90 Jahren? Soll mit einer differenzierten Wand- und Deckenoberfläche die Wirkung von Farbe und Materialisierung dem Ursprungszustand angeglichen werden? Sollen die alten Lamperiesockel im Übergang vom alten Parkett zur neuen Glasfasertapete an den Wänden für die Gesamtmaterialisierung rekonstruiert und wieder angebracht werden? Sollen die neuen Zimmertüren als glatte Türen oder wie das bauzeitliche Original mit Kassetteneinteilungen ausgeführt werden? Diese Frage stellte sich auch für die zu ersetzenden Wohnungsabschlusstüren. Reicht der zu erreichende Schallschutz aus?

In der Gesamtbetrachtung konnten die angesprochenen Punkte auch als Leistungsvorgabe für die Gesamterneuerung der Oberflächen definiert werden. In der Ausführung der gemalten Oberflächen konnten die Architekten im Erneuerungsprozess sehr viel von der Erfahrung der ausführenden Malerunternehmung profitieren und lernen.
Die Bausubstanz der Haustechnik und Infrastruktur musste vollständig erneuert werden, wobei mit neuen Schachtzonen und Leitungsführungen die sehr engen Verhältnisse in den Nasszellen etwas entschärft werden konnten. Jedes Studentenzimmer verfügt über eine Grundinfrastruktur mit einem in einer Wandschranknische eingebauten Waschbecken und einem Garderobenmöbel, wobei diese Materialisierung sich in die bestehende Textur und Farbigkeit einpasst und ergänzt.

Der zukünftige Unterhalt und die anfallende Reinigung wurden bereits in der Konzeptphase eingeplant, wobei alle allgemeinen Räume (Nasszellen, Treppenhaus, Korridore, Gemeinschaftsraum) von einer professionellen Unterhalts- und Reinigungsfirma geputzt werden. Nur die Zimmer müssen durch die Nutzer selbst mit dem stockwerkweise zur Verfügung gestellten Staubsauger und Reinigungsmaterial sauber gehalten werden.

Dachgeschossnutzung für Fachbibliothek und historisches Firmenarchiv
Infolge des Nutzungskonzepts mit einem strassenseitigen Erdgeschoss für Aufenthalts- und Küchenraum sowie vier Vollgeschossen für die Studentenzimmer durfte das zweite Dachgeschoss nur als Lager oder Archiv genutzt werden. Aus der Not wurde eine Tugend: Neu ist hier eine Bibliothek mit wertvollen Fachbüchern, Vorlagenwerken, Tapeten- und Musterbüchern untergebracht. Auch hier im zukünftigen Archiv wurde möglichst viel der alten Oberflächen erhalten und an Bauteilen wie dem alten Tannenriemenparkett nur neues und helles Tannenholz zugefügt und geölt. Der entstandene Kontrast mit dem Hellgrau (LC 20-30.1 Gris perle), dem charaktervollen Parkett, den Industrielagergestellen und den weiss gestrichenen Giebelwänden ist von besonderer Qualität.

Die alten keramischen Bodenplatten im Treppenhaus bildeten die Farb- und Materialvorgaben für die neuen Bodenbeläge in den Korridoren und Nasszellen, damit auch die ursprüngliche Farbigkeit in den Liegenschaften wieder hergestellt werden konnte. In Ergänzung des Farbkonzepts wurde an wichtigen Bauteilen wie dem Treppenhaus ein Farbakzent in Abstimmung zu den alten Treppenhausverglasungen gesetzt.

Praktische Studentenzimmer mit hoher Qualität
Alle Studentenzimmer verfügen über eine eigene Grundinfrastruktur mit einem Lavabomöbel, das in Farbigkeit und Kontrast den bestehenden Oberflächen von Parkett, Glasfasertapete und matt gestrichenem Weissputz eingepasst wurde. Tisch und Bett wurden bei einem befreundeten Schreiner in der Surselva aus massivem Buchenholz auf Mass gefertigt − und stehen so für die hohe Wertigkeit und angestrebte Dauerhaftigkeit. Die dem reinen Stauzweck zugeordneten Möbel wie Büchergestell, Garderoben und Wäscheschrank sind weiss und matt gehalten, sollten mit den Wänden verschmelzen und leicht und unauffällig ihren Zweck erfüllen.

Mit dem realisierten Umbau und der Neunutzung der Liegenschaft konnte eine Synthese zwischen Alt und Neu mit hohen räumlichen und farblichen Qualitäten geschaffen werden − unter grösstmöglicher Beibehaltung der bestehenden Raumstruktur und der vorhandenen Bausubstanz.

Bauinfo

Objekt:
Mehrfamilienhaus – neu als Studentenhaus in Zürich 7

Bauherrschaft: Schaub Immobilien AG

Umbauzeit: Oktober 2011 bis März 2012

Architektur: architekturglarner gmbh, Zürich / Bauleitung WTPartner GmbH, Zürich

Maler- und Tapezierarbeiten: Schaub Maler AG, Zürich

Spritzlackierung Küchenfront: Fritz Haefeli AG, Wetzikon

LC-Farben: kt. COLOR, Uster
 
 
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