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Bürogebäude in Zürich Enge
Fassadensanierung führt zu Paradigmenwechsel
 
Die bewusste Verwendung einer verputzten Kompaktfassade und ein Gesamtkonzept, das die Farbgebung von Anfang an mit einbezog, führten im Rahmen der Fassadensanierung am Swiss Re-Gebäude in Zürich Enge zu einem eigentlichen Paradigmenwechsel. Im Zusammenspiel mit ihrer neuen Körperhaftigkeit erreichen die beiden Bauten in ihrer urbanen Umgebung die bisher fehlende städtebauliche und architektonische Prägnanz.

Die Fassaden der beiden Gebäude im Besitz der Swiss Re, Erstellungsjahr 1964, waren mit einer hinterlüfteten Marmorverkleidung versehen. Zunehmend sichtbare Schäden veranlassten Swiss Re im Sommer 2002, die Fassaden durch einen Experten untersuchen zu lassen. Die Expertise ergab, dass Marmor als Fassadenverkleidung ungeeignet ist und die Verkleidung aus Sicherheitsgründen zwingend ersetzt werden musste. Die beiden Gebäude hatten für heutige Massstäbe ungenügende Isolationswerte: Im Sommer schlug die Wärme sehr rasch in die Räume, im Winter waren die Wärmeverluste entsprechend hoch. Fenster, Türen und Lamellenstoren hatten das Ende der Lebenszyklen erreicht. Eine Gesamtsanierung der Gebäudehülle war daher sinnvoll.

Nebst der architektonischen und städtebaulichen Integration in die Umgebung sollten mit zweckmässigen, ökonomischen Eingriffen Ziele erreicht werden wie lange Lebenszyklen sämtlicher strategisch wichtigen Bauteile, unterhaltsarme Materialien und Konstruktionen, Erhöhung des Komforts, Reduktion des Energieverbrauchs, optimale Tageslichtnutzung sowie individuelle Fensterlüftung.

Das Geviert Alfred-Escher-Strasse/Conrad Ferdinand Meyer-Strasse/Lavater-Strasse ist, städtebaulich gesehen, stadtauswärts ein Ausläufer der Blockrandbebauungen des Engequartiers aus dem 19.Jahrhundert. Charakteristisch für dieses Gebiet sind die zwischen Mythenquai und Alfred-Escher-Strasse liegenden, repräsentativen Geschäftsbauten, die ganze Quartierblocks besetzen und strassenseitig mit Grünpflanzungen aus Hecken, Bäumen oder Parks gefasst sind. Die gegenüber an der Alfred-Escher-Strasse stehenden Bauten aus dem 19. Jahrhundert und den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts geben mit ihren grosszügigen Geschosshöhen und der herrschaftlichen Detaillierung der Fassaden eine angemessene, städtebauliche Antwort. Mit den anfangs der 60er Jahre erbauten pragmatischen Neubauten wurde eine möglichst effiziente, renditenbetonte Büronutzung angestrebt – auf städtebaulicher und architektonischer Ebene entstand indes ein Bruch: Obwohl mit edlem Marmor verkleidet, wirkten die gerasterten Bandfenster-Fassaden neben ihren vornehmen Nachbarn seltsam deplatziert und vermochten nicht über ihren Gewerbehauscharakter hinweg zu täuschen. Der spekulative Ausdruck der beiden Bauten wurde durch das sockellose Erdgeschoss noch verstärkt.

Städtebauliches und architektonisches Konzept
Mit einer Fassadensanierung soll – neben der konstruktiven und wärmetechnischen Optimierung – auf städtebaulicher und architektonischer Ebene ein Paradigmenwechsel herbeigeführt werden: Die beiden Bauten werden «radikalisiert», das heisst auf ihre primäre Körperhaftigkeit zurückgeführt. Die vielteilige, in Fugen aufgelöste Steinverkleidung wird durch eine fugenlose, homogene, verputzte Kompaktfassade ersetzt. Aus den vormals fassadenebenen Fensterbändern entstehen tiefe, plastische Einschnitte. Darin bilden die neuen Holz-Metallfenster mit der flächenbündigen Stufenverglasung eine abstrakte, durchlaufende Ebene.

Beide Baukörper werden integral Apfelgrün eingefärbt und erhalten einen bis zur Brüstung des 1. Obergeschosses reichenden, kubisch geschnittenen Lindenhecken-Sockel. Dieser greift das Thema der Grünpflanzungen aus der Umgebung auf und erzeugt eine Massstabsverfremdung, welche die Gebäudeproportionen der Nachbarschaft reflektiert. Die Wahrnehmung oszilliert zwischen dem natürlichen Grün der Lindenhecke und dem künstlichen Grün der Baukörper. Im Zusammenspiel mit ihrer neuen Körperhaftigkeit erreichen die beiden Bauten in ihrer urbanen Umgebung die bisher fehlende, städtebauliche und architektonische Prägnanz.

Das luftige Blätterwerk der Lindenhecke bildet als vegetativer Filter die erwünschte Distanz der erdgeschossigen Büroräume zum unmittelbar angrenzenden Strassenbereich. Der Hinterhof erhält seine ursprüngliche Durchgrünung zurück und wird dadurch aufgewertet.

Farbkonzept
Den grünen Gebäudefassaden entlang sind vertikale, lindengrüne Heckenbepflanzungen gezogen. Mit diesen zwei unterschiedlich grünen Farbtönen wird eine örtliche Verdichtung erzielt. Beide Gebäude stehen so zueinander, dass drei unterschiedliche Begegnungen lesbar werden: Die Fassade an der Alfred-Escher-Strasse, die beiden Hoffassaden und die Fassade an der Lavaterstrasse. Diesen unterschiedlichen Wahrnehmungen versucht das Farbkonzept zu entsprechen.
Durch das linke Strassenbild der Alfred-Escher-Strasse sowie durch die Erscheinung des Gebäudes selbst ist eine rein flächige Auffassung der Front zwingend. Die beiden anschliessenden Stirnseiten erscheinen im gleichen grünen Farbton.

Die beiden Hoffassaden, die eine Form von Innenraum erzeugen, werden in einem verstärkten und eher künstlich wirkenden Grünton ausgezeichnet. Auf diese Weise sind zwei Anliegen erfüllt: Der erstrebte Dialog zwischen dem Heckengrün und den Fassaden wird im Hof nicht nur zum Thema, sondern zum spezifischen Ambiente. Gleichzeitig schieben sich die beiden leuchtenden Fassaden von innen nach aussen, ohne dass sie laut werden. Der zurückhaltende grüne Farbton an der Alfred-Escher-Strasse fängt das deutliche Grün aus dem Hof auf.

Die Fassade an der Lavaterstrasse ist um eine Etage niedriger. Zudem ist das Gebäude in diesem Strassenzug enger eingebettet. Auch hier muss der Fassadenton zurück-haltender auftreten.

Konzeptionell ist festzuhalten, dass der grüne Farbton im Hofbereich im Verhältnis zu den beiden unterschiedlichen Strassenfassaden intensiver und künstlicher erscheinen soll. Mit dieser Gestaltung wird der unmittelbaren Umgebung sowie dem Anblick von der rechten Seeseite entsprochen.

Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass je weniger Farbtöne eingesetzt werden, desto präziser sie in ihrer Wirkung hervortreten. Mit dem angewendeten Farbkonzept gelingt es, den Ort exakt zu besetzen, ohne dass dieser laut in Erscheinung tritt. Mit der gestalterischen Einbindung durch die Hecken verliert die gewählte Farbsetzung jegliche Beliebigkeit. Beide Gebäude wachsen durch diese Applikation zu einer kompakten Einheit zusammen, in einer Nachbarschaft, die sich im Lauf der Zeit ebenfalls verändern wird.

Konstruktion
Das Prinzip der verputzten Kompaktfassade ermöglicht im Sturzbereich eine Vergrösserung des Fensterlichtes um zirka 20 Zentimeter, was zu einer Optimierung der Tageslichtnutzung führt. Die Wärmedämmung ist in 18 Zentimeter starken Polystyrolplatten ausgeführt, der grün eingefärbte Silikatputz als Rillenputz horizontal abgezogen. Der Anstrich erfolgte mit einer Silikonharz–Pigmentfarbe und wurde als Halblasur aufgetragen. An den Strassenfassaden wurde ein dunkles, an den Hoffassaden ein helles Kobaltgrün verwendet.

Die neuen Fensterelemente sind Holz-Metallfenster mit äusserer, flächenbündiger Stufenverglasung. Lüftungs- und Putzflügel sind als einfache Drehflügel mit Öffnungsbegrenzung ausgerüstet. Die neuen Fensterelemente liegen auf der gleichen Ebene wie die bestehenden, wodurch der Fensterersatz mit minimalen baulichen Anpassungen erfolgen konnte. Ein innerer Blendschutz ist am Ort des vormaligen Storenkasten optimal platziert. Flachlamellenstoren mit Seilführung dienen als äusserer Sonnenschutz. Sie sind elektrisch angetrieben und über Sonnen- und Windwächter gesteuert.

Bauphysikalische Aspekte
Die Schalldämmung der Fassade wird durch die Fenster bestimmt. Mit verschieden starken Gläsern kann die gewünschte Dämmung erreicht werden, wenn die Fenster geschlossen bleiben. Der Verzicht auf eine Lüftungsanlage erfordert ein konsequentes Fensterlüften. Mit geeigneten Beschlägen kann eine Spaltlüftung bei geschlossenen Fenstern zu einem minimalen natürlichen Luftwechsel in der Nacht beitragen. Eine Nachtauskühlung ist wegen den bestehenden abgehängten Decken und der daraus resultierenden Massenabkoppelung nicht möglich.

In den letzten Jahren konnte die Algenproblematik von verputzten Fassaden weitgehend entschärft werden. Am vorliegenden Objekt wurden die Poren mit einem einfachen Anstrich soweit geschlossen, dass sich weniger Schmutz ansammelt und das Tauwasser schneller abfliesst. Die versenkten Dübel werden sich an der feuchten Fassade nicht hell abzeichnen, ein einheitlicher, farbiger Anstrich ist somit problemlos möglich.

Die Kompaktfassade ermöglicht mit relativ geringem Platzbedarf die besten U-Werte und ist aus ökologischer Sicht dank dem geringen Materialaufwand und der grossen Energieeinsparung sehr konkurrenzfähig. 
 
Ausgabe "2006/6 - Oktober" bestellen
 
Text Romero&Schaefle Architekten AG
Bild Heinrich Helfenstein, Zürich
 
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