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Emotionale Oberflächen schaffen
«Dafür stehe ich morgens gerne auf…»
 
Luzia Borer hat es noch nie bereut, den Beruf einer Malerin gewählt zu haben. Wenn sie einen Tag sitzend im Büro verbringt, geht sie anschliessend nur allzu gerne wieder auf die Baustelle. Denn die Arbeit einer Handwerkerin ist und bleibt ihre Passion.

Die Angebote der passionierten Malerin reichen von Material- und Farbberatungen mit Naturbaustoffen und historischen Malmitteln in Alt- wie Neubauten für Architekten und Bauherrschaften bis zur Ausführung bei kleineren Aufträgen. Stehen grössere Projekte an, arbeitet die quirlige Handwerkerin im Verbund mit anderen Malerfirmen oder begleitet solche bei der Bewältigung hoher technischer Anforderungen oder Schwierigkeiten. Ein Teil ihrer Tätigkeit beinhaltet auch das Unterrichten sowie diverse Kursangebote in der Weiterbildung.

Weiss ist nicht gleich Weiss
«In meiner Werkstatt befinden sich Regale mit unzähligen Pulverpigmenten aus farbigen Erden und Mineralien, womit ich Leimfarben rezeptiere oder meine Ölfarben auf Basis von Lösemittel oder Wasser meist selber einfärbe. Es stehen Papiersäcke mit Kreiden aus der Champagne und aus Bologna herum, für weitere Weisstöne Marmormehl aus Italien und Spanien, Eimer mit Sumpfkalk, Kalk-Spachtelglätten, Mineral- und Organosilikatfarben, Gewebe wie Rupfen, Stramin und Calicot, Öle, Wachse und andere Rohstoffe reihen sich über- und aneinander.» Die Farbenspezialistin betont, dass Weiss nicht gleich Weiss bedeute, dass mit den unterschiedlichen Weisstönen gespielt werden könne. So kenne die Farbenindustrie meist nur das sehr hart wirkende Titanweiss und setze dieses über alles. Titanweiss jedoch überdecke in der Mischung den besonderen ästhetischen Charakter zum Beispiel einer braunen Erde. Nicht so eine Champagner- oder Bologneser-Kreide. Diese würden weniger Einfluss auf ein Buntpigment nehmen, keine Art Nebel auf den Farbton legen, und in der Mischung würden sie einen transluzenten Eindruck hinterlassen, der immer wieder aufs Neue fasziniere.

Alte Techniken neu interpretieren
Die meisten Werkstattbesucher würden erst einmal staunend am Eingang stehen und vergeblich versuchen, die bunten Regale in einem Blick zu erfassen, umschreibt Luzia Borer die Materialvielfalt, die ihre unzähligen Angebote mit Belagsmaterialien und Malmitteln nach sich ziehen. «Damit habe ich die Freiheit, das Anstrichmittel so nahe wie möglich an den Kundenwünschen und den entsprechenden Oberflächen zu rezeptieren und einzufärben», stellt Borer fest.

Die Malerin nützt die alten Techniken und versucht sie neu zu interpretieren. So leimt sie mit Knochen-, Haut- und Zelluloseleimen Baumwoll- oder Jutegewebe, die sie als gestalterische Elemente oder im Zuge von Risssanierungen auf Wänden und Decken einsetzt. «Leimfarbe ist mein liebstes Malmittel, weil mit dem Zelluloseleim die charakteristische Farb- und Leuchtkraft der Pigmente am wenigsten verändert werden.» Auch für einfachere Renovationsarbeiten und neue Beschichtungen schaffe sie aus ihrem Fundus verschiedenster Anstrichstoffe und Materialien nutzungsgerechte Oberflächen. Im Aussenbereich lege sie Wert auf Fassaden- und Holzanstriche, die einfach renovierbar seien, das heisst problemlos wieder neu beschichtet werden können, wie das bei Kalk-, Mineral- und Ölfarben sowie Emulsionen möglich sei. «Nicht selten muss ich mich erklären oder rechtfertigen, wenn solchen standhaften, altbewährten Materialien moderne industrialisierte Baustoffe gegenübergestellt werden. Dass sich der Einsatz traditioneller Anstrichmittel lohnt, ist leicht an historischer Bausubstanz abzulesen, an der sich vor Jahrhunderten angebrachte ‹Spuren des Handwerks› in wunderbar erhalten gebliebenen Malereien noch immer zeigen.»

So habe auch die Industrie realisiert, dass eine nicht unwesentliche Kundschaft natürliche Anstrichmittel bevorzuge. Doch bei solchen Produkten sei Vorsicht geboten. Man müsse genau prüfen, aus welchen Inhaltsstoffen sie zusammengesetzt seien, und man dürfe ruhig Fragen stellen, wenn eine Ölfarbe nach Alkydharz rieche oder eine Kalkfarbe auf allen möglichen Untergründen gestrichen werden könne... Bevor sich Luzia Borer für eine bestimmte Applikationstechnik entscheidet, setzt sie sich mit der jeweiligen alten oder neuen Architektur, mit Epochen und Stilen auseinander, um schliesslich eine angepasste Aussage und Optik bei den zu bearbeitenden Oberflächen zu erhalten. Sie habe sich über die Jahre eine repräsentative Bibliothek mit interessanten Schriften und Rezepturen zugelegt, berichtet Borer. Dieses Wissen verbinde und verwebe sie mit den an sie gestellten Anforderungen für Malerarbeiten, Beratungen und Gestaltungen.

Qualitätvolles Handwerk ist gefragt
«Im Alltag bin ich mehr und mehr mit Situationen konfrontiert, bei denen es darum geht, hochwertige und anspruchsvolle Farb- und Materialkonzepte von Architekten oder spezielle Wünsche der Bauherrschaften umzusetzen. Immer weniger Unternehmen sind in der Lage, solchen Anforderungen gerecht zu werden. Hier ist mein Angebot sehr gefragt, was mich natürlich in meiner Arbeitsweise und dem Anspruch, Qualität und Fachkenntnisse des Malerhandwerks ständig weiter zu entwickeln, bestätigt.

In unserem Beruf haben wir die Möglichkeit, mit Farbigkeit und Materialvielfalt sichtbare und emotionale Oberflächen zu schaffen. Mein Alltag ist abwechslungsreich; täglich bin ich neu mit Untergründen konfrontiert, was bei mir immer wieder neue Umsetzungsideen freisetzt. Dafür stehe ich morgens gerne auf und leiste bei der Arbeit mein Bestes.» 
 
Ausgabe "2012/2 - März/April" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz
Bild Luzia Borer, Basel
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