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Handwerk und Gestaltung
Gestaltung als Innovationspotential für das Handwerk
 
Handwerkerinnen und Handwerker stehen selten im Rampenlicht. Wenn ein renoviertes oder neues Bauwerk in den Medien präsentiert wird, erklärt der Architekt seine Absichten, die Denkmalpflegerin redet über den historischen Wert und der Bauherr erläutert die neue Nutzung. Den Handwerkerinnen und Handwerkern bleibt die Erinnerung an eine besonders knifflige, schöne oder gelungene Handwerksarbeit.

Es ist eine Art Tradition, dass Handwerkerinnen und Handwerker selten öffentlich über ihr Tun reden. So gibt es auch vergleichsweise wenige Bücher, in denen über den Alltag oder über das Besondere von handwerklicher Arbeit berichtet wird. Handwerker plaudern nicht aus dem Nähkistchen, sie sind zurückhaltend und hüten ihre Geheimnisse.

Das Sprichwort «Tue Gutes und rede darüber» würde jedoch dem Handwerk manchmal gut anstehen. Denn nur wer um die Qualität und die Meisterhaftigkeit des Handwerks weiss, wird dessen Dienste in Anspruch nehmen. Ansonsten werden die Möbelhäuser an der Peripherie der Stadt uns weiterhin mit Möbeln beliefern, die schon beim Zusammenbauen das erste Mal Ärger hervorrufen und uns auch in der Folge kaum Freude machen. Die billige Farbe aus dem Hobbymarkt wird die gewünschte samtene oder transparente Wirkung nicht erreichen, und der von der Maschine gemischte Farbton wird nie genau derjenige sein, den wir uns vorgestellt haben. So ist eine hochstehende Handwerkskultur für eine Gesellschaft, die auf Innovation und Lebensqualität setzt, unentbehrlich, und massgeschneidertes Qualitätshandwerk ist denn auch immer mehr gefragt.

Massgeschneiderte Weiterbildung für überzeugte Handwerker und Handwerkerinnen
Am Haus der Farbe in Zürich wird seit drei Jahren eine einzigartige und zukunftsweisende Ausbildung angeboten, die diesem wachsenden Bedürfnis Rechnung trägt: die Berufsprüfung «Gestalter/Gestalterin im Handwerk». Sieben Berufsverbände haben sich dafür zu einer branchenübergreifenden Trägerschaft zusammengeschlossen, um leidenschaftliche Handwerker mit hohem Qualitätsanspruch auszubilden, die das Potential ihres Handwerks ausschöpfen und mit Stolz ihren Berufsstand vertreten wollen.
Die Ausbildung basiert auf der Tradition eines hochwertigen Handwerks, richtet den Blick jedoch in die Zukunft. Ziel ist es, die Handwerkerinnen und Handwerker zu kompetenten Partnern für alle anderen am Bau beteiligten Fachleute auszubilden. Dazu werden in erster Linie berufsübergreifende Zusatzkompetenzen im Bereich der Gestaltung, Planung und Kommunikation vermittelt.

Gestaltungskompetenz
Eine breite gestalterische Grundbildung ist die Basis der Ausbildung zum Gestalter oder zur Gestalterin im Handwerk. Der Unterricht erfolgt fast durchwegs in Form von praktischer Atelierarbeit. Dabei wird skizziert, entworfen und gebaut, mit Materialien, Farben und Objekten experimentiert – und Mut gemacht, neue Wege zu beschreiten.

Die Dozentinnen und Dozenten sind selber Handwerker, Künstlerinnen, Innenarchitekten, Farbgestalterinnen, die in der Berufspraxis verankert sind und aus der Überzeugung heraus unterrichten, dass sowohl Kreativität als auch Gestaltung lernbar sind, dass diese Fähigkeiten für ein qualitätvolles und innovatives Handwerk unentbehrlich sind. So ist der Transfer der erworbenen Gestaltungskompetenzen in die jeweilige Berufspraxis ein zentraler Bestandteil des Unterrichts. Dies geschieht zum Beispiel in Form von exemplarischen Auftragssituationen oder über handwerksspezifische Recherchen, wodurch der Bezug zum Arbeitsalltag immer wieder bewusst hergestellt wird. So dient die vielseitige Auseinandersetzung mit gestalterischen Prozessen und Techniken vornehmlich dazu, im eigenen Handwerk weiterzukommen, sich neue Strategien zur Ideenfindung anzueignen und Lösungswege auch für anspruchsvolle und ungewöhnliche Aufgaben zu finden. Ein Gestalter im Handwerk bleibt also seinem Handwerk treu und wird einem Kunden nie mehr sagen müssen, das oder jenes gehe nicht, sondern er wird umsetzbare und zufriedenstellende Lösungsvorschläge anbieten können.

Gleichzeitig kann man in den berufsübergreifenden Klassen über den eigenen Tellerrand hinausschauen und voneinander lernen, was nicht nur den eigenen Horizont, sondern auch die gewerkübergreifende Zusammenarbeit und Kommunikation im Berufsalltag unterstützt.

Kommunikation und Berufsstolz
Die Kommunikation ist eine weitere zentrale Kompetenz, die im Lehrgang vermittelt wird. Die Fähigkeit zu beschreiben, was man sieht und tut, wird in dieser Ausbildung ganz besonders gefördert, und das Mitteilen und Erläutern der eigenen Überlegungen und Lösungsvorschläge wird zur Selbstverständlichkeit. Man lernt Kundengespräche zu führen, Gestaltungskonzepte und Wünsche zu verstehen und zu interpretieren und eigene Ideen zu vermitteln. Wer sich nicht scheut, seine Kompetenzen selbstsicher zu vertreten und seine Arbeit zu erklären, wer im richtigen Moment die geeigneten Worte findet, der kann auch eine anspruchsvolle Kundschaft begeistern und überzeugen. Und wer stolz ist auf seine Arbeit, der soll dies auch zeigen können, denn unsere Zeit braucht Qualitätshandwerker, die mit Stolz und Leidenschaft ihrem Beruf neues Ansehen verschaffen.

Zur Kommunikation gehört auch ein stilsicherer Auftritt. So setzt sich eine Gestalterin oder ein Gestalter im Handwerk mit Ästhetik und mit Trends auseinander. Es werden engagierte Diskussionen über schön und nicht schön geführt, über Geschmack, Kitsch und Stil. Das Ziel dabei ist, dass Handwerkerinnen auf unterschiedliche Stile angemessen reagieren können, dass sie Trends erkennen und eine Position dazu einnehmen können.

Material und Bemusterung
Im Lehrgang Gestaltung im Handwerk wird zudem der Themenkreis Material und Bemusterung intensiv bearbeitet; die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erweitern auch diesbezüglich ihr Repertoire an Ideen und Kenntnissen. Denn die eigentliche Visitenkarte einer Handwerkerin oder eines Handwerkers ist das Muster. Eine sorgfältige und aussagekräftige Bemusterung zeigt diskussionslos die Kompetenz eines Handwerkers oder einer Handwerkerin und nimmt in der Kommunikation und im Verkauf oft eine zentrale Rolle ein. Wenn ein Auftraggeber ein wenig Sensibilität für Handwerk und Materialien hat, dann wird er angesichts eines qualitätvollen Musters zu überzeugen sein. Ein Muster kann zudem der Schlüssel zum Verkauf einer Zusatzleistung sein. Dies kann die Ausführung einer besonderen Technik oder die Wahl eines edlen Materials sein, was den eigentlichen Auftrag erweitert, die Arbeit bereichert und sie zu einer interessanten Herausforderung macht.

Planung und Umsetzung
Gestalterinnen und Gestalter im Handwerk werden dank ihren vielseitigen Kompetenzen in einem Betrieb eine leitende Funktion einnehmen können. Dazu werden im Unterricht zusätzlich zu den gestalterischhandwerklichen und kommunikativen Kompetenzen auch organisatorische Fähigkeiten vermittelt und praktisch geübt. So sind Gestalter im Handwerk in der Lage, Projekte von der Akquisition über die Organisation der Arbeitschritte und der Zeitplanung bis hin zur Kosten- und Qualitätskontrolle eigenverantwortlich zu begleiten.
Gestalterinnen im Handwerk sind somit wertvolle Teammitglieder, die mitdenken und Verantwortung übernehmen, die bedenkenlos zu anspruchsvollen Kundinnen und Kunden geschickt werden können und als kompetente Gesprächspartner von Architekten auftreten. Und wenn sie nach Abschluss einer geglückten und erfreulichen Arbeit mit Begeisterung darüber reden – umso besser!

Facts zur eidgenössischen Berufsprüfung
Trägerschaft: Genossenschaft Badewelten, Swiss Association Polydesign 3D, SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmerverband, SWB Schweizerischer Werkbund, VSSM Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten, Verband Werbetechnik VWT, ZMV Zürcher Malermeisterverband.

Die Berufsprüfung findet jährlich im Frühsommer statt. Weitere Informationen unter www.gestaltungimhandwerk.ch.

Facts zur Ausbildung
Der Lehrgang «Gestalter/Gestalterin im Handwerk FA» umfasst 11 Module mit
insgesamt 784 Lektionen Unterricht. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Der berufsbegleitende Unterricht findet jeweils am Freitag und Samstag statt. Infoabende am 16. März 2012 und 22. Juni 2012, 18.30 Uhr, Haus der Farbe, Langwiesstrasse 34,
8050 Zürich. Weitere Informationen unter
www.hausderfarbe.ch
 
 
Ausgabe "2012/1 - Januar/Februar" bestellen
 
Text Haus der Farbe
Bild Stefanie Wettstein und Lino Sibillano
 
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