Home
| Home |   | Sitemap |   | Testimonials |   | Partner |   | Links |   | Stichwortverzeichnis |   | Inscreenum |  

| Aktuelle Ausgabe
| Archiv
| Anzeigen
| Abo/Einzelausgaben
| Veranstaltungen/Dienste
| Über COVISS
| Redaktion/Verlag
| Leserbriefe
| Kontakt
| Impressionen
| Bestellung Buch




Rekonstruktion der historischen Tapete
Wiedergabe statt einfache Kopie
 
Eine Tapetenrekonstruktion nach einer Vorlage anzufertigen, ist eine Herausforderung. Das reine Kopieren einer Vorlage gibt nicht das wieder, was eine sich in Material und Drucktechnik ergänzende Wiedergabe darzustellen vermag.

Die Tapeten im Jugendstil-Hotel Paxmontana verdienen besondere Erwähnung. Dieser Ansicht ist auch Peter Omachen, Kantonaler Denkmalpfleger Obwalden. Er bestätigt, dass die Wände der Zimmerkorridore bereits zur Bauzeit 1896 mit Papiertapeten bekleidet worden seien. Beim Umbau des Hotels 1906 seien die verlängerten Gänge insgesamt neu tapeziert und bei der Sanierung 1983 schliesslich die gesamten Zimmerkorridore mit Täfer belegt worden, um die dahinter liegenden offenen Leitungsführungen unter anderem für die zahlreichen neuen Privatbäder zu kaschieren. «Bei der aktuellen Gesamtrestaurierung wurden auch die Gänge wieder in den Zustand von 1906 zurückgeführt. Während die bauzeitlichen Türen aus Schall- und Brandschutzgründen auf der Innenseite aufgedoppelt werden mussten, blieben die historischen Lingerieschränke in den Gängen erhalten», freut sich Omachen und ergänzt: «Die Fischgrat-Parkettböden aus Eiche wurden rekonstruiert, ebenso die aufwändigen Jugendstil-Tapeten. Nach umfangreichen Recherchen gelang es, einen Produzenten in Schweden ausfindig zu machen, der die edlen Papierbahnen nach den Originalbefunden für das Paxmontana neu drucken konnte.»

Wiedergabe statt einfache Kopie
Gemeinsam mit Architekten, Denkmalschützern und innovativen Tapetenhändlern alte Tapeten technisch anspruchsvoll zu rekonstruieren, ist eine der Spezialitäten des profunden Tapetenkenners Dietrich Ulbrich, Basel. Sein Wissen und seine Erfahrung waren denn auch im Paxmontana sehr gefragt. Seiner Meinung nach machen es sich einige Anbieter zu leicht, «indem sie einfach eine Kopie machen und diese am Computer bearbeiten, um anschliessend eine Nachbildung dieser Vorlage zu erstellen.» Er habe nichts gegen einen Digitaldruck, sei aber der Meinung, dass die Vorlage einer historischen Tapete mit der Liebe und Sorgfalt behandelt werden müsse, die ihr gebühre, damit ein Produkt entstehe, das der vor hundert Jahren gedruckten Tapete gleichwertig sei. «Es gibt immer noch Architekten, Denkmalpfleger und Händler, die den Wert einer solchen Arbeit erkennen und sie auch bewusst einsetzen», stellt Ulbrich erleichtert fest und fügt hinzu: «Ich glaube auch, dass man damit der Kulturgeschichte der Tapete und der Geschichte des Hauses, in dem eine solche Tapete verarbeitet wird, gerechter wird als mit einer blossen Kopie, die weder von Farbgebung noch vom Material her eine Wiedergabe ist, sondern nur eine einfache Kopie.»

Im Leimdruckverfahren neu -hergestellt
Die im Hotel Paxmontana zu verarbeitende Tapete ist von der Farbzusammenstellung, von der Farbgebung und vom Grundmaterial her vergleichbar mit der originalen Tapete. Die Tapete wurde im Leimdruckverfahren hergestellt – vor über hundert Jahren wie heute für die Rekonstruktion; die Walzen wurden für die Neuproduktion extra angefertigt. Die Farben sind reine Naturfarben mit einem Leinölzusatz, so wie es auch damals üblich war. Die Produktion der Tapete ist eine Sache, die Verarbeitung eine andere. Dieter Ulbrich weiss, dass der Verarbeiter die Tapete so verarbeiten muss, wie damals: überlappt geklebt. Diese Art des Klebens sei ein typisches Merkmal für Tapezierarbeiten bis noch weit in die Mitte des letzten Jahrhunderts.


Faksimile oder Original?
«Gerne habe ich mich auf Anfrage von -Malermeister Ruedi Hinter der Aufgabe -gestellt, die beste Variante für die Rekonstruktion der Jugendstiltapete im Hotel Paxmontana zu finden. Dass diese aus -einer Zeit stammt, da mein Urgrossvater bereits ein Fachgeschäft für Tapeten in -Luzern führte, machte die Aufgabe für -
mich besonders spannend.

Vielfach werden heute historische Tape-ten im Digital- oder Siebdruck kopiert. -Muster und Farbgebung können in diesen Techniken hervorragend wiedergegeben -werden. Die Materialbeschaffenheit und der -typische, leicht unregelmässige Farbverlauf einer echten Leimdrucktapete können sie aber nur ungenügend abbilden.

Deshalb lag es für mich auf der Hand, -abzuklären, ob ein Neudruck von Tapete und Bordüren mit den damals bekannten Mitteln (Papier, Farbe und Technik) mög-lich und erschwinglich ist. Zusammen mit -Dieter Ulbrich, Basel, und dem schwedischen Tapetenhersteller «Lim & Handtryck» ist es gelungen, eine Lösung zu -finden, die dem ursprünglichen Jugendstildekor in allen Belangen entspricht – der -typische Geruch der mit Leinöl gebundenen Leimfarbe, die mich an die Anfänge meiner beruflichen Tätigkeit erinnert, inbegriffen.»

Hansruedi Martin, Geschäftsführer Martin Tapeten AG, Luzern


Bauinfo

Objekt: Jugendstil-Hotel Paxmontana,
6073 Flüeli-Ranft

Architekt: Pfister Schiess Tropeano &
Partner Architekten AG, 8008 Zürich

Denkmalpflege: Dr. Peter Omachen, Kantonale Denkmalpflege Obwalden, 6060 Sarnen
Bauanalytische Untersuchungen:
Stöckli AG, Restaurierungen, 6370 Stans

Tapetenrekonstruktionen: Dieter Ulbrich, 4051 Basel

Tapetenhandel: Martin Tapeten AG,
6020 Emmenbrücke/Luzern

Tapetenverarbeitung: Maler Hinter AG, 6072 Sachseln
 
 
Ausgabe "2011/8 - Dezember" bestellen
 
Text Coviss
Bild Dieter Ulbrich
   Weiteres zum Thema
 
Handwerk und Wert | Handarbeit ist eine Arbeit, die ...      
Leimdrucktapete | Die Tapete spielt in der …      
Renovation | Das erfolgreiche Zusammen von Alt …      
Tapete | Die Tapete spielt in der Wandgestaltung …      
Umbauten | Das erfolgreiche Zusammen von …      




Lifecom


Xen-On


Verkehrshaus