Home     
| Home |   | Sitemap |   | Testimonials |   | Partner |   | Links |   | Stichwortverzeichnis |   | Inscreenum |  

| Aktuelle Ausgabe
| Archiv
| Anzeigen
| Abo/Einzelausgaben
| Veranstaltungen/Dienste
| Über COVISS
| Redaktion/Verlag
| Leserbriefe
| Kontakt
| Impressionen
| Bestellung Buch




Vlies verdrängt klassischen Abrieb
Von der Tapete zur Wandbekleidung
 
Von grossen deutschen Tapetenherstellern höre ich wiederholt, der Schweizer Markt sei für sie vergleichsweise marginal. Das mag zweifellos an der kleinen Schweiz liegen. Und doch meine ich, aus dieser Feststellung noch etwas anderes herauszuhören, nämlich, die Schweiz sei nicht gerade ein tapetenphiles Land… Ob dieser Eindruck auch wirklich stimmt, wollte ich vom Präsidenten des Verbands Schweizer Tapetenhändler VST, Reto Bernasconi, wissen.

Gregor Eigensatz: Herr Bernasconi, fristet die Tapete in der Schweiz ein Mauerblümchen-Dasein?
Reto Bernasconi:
Nein, überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Die Tapete ist en vogue, absolut im Trend!

Gregor Eigensatz: Und doch haftet ihr etwas Ältliches, Grossmütterliches an…
Reto Bernasconi:
Dieser Eindruck stimmt nur bedingt. Aber Sie haben schon Recht, «Tapete» und «Papier» sind Begriffe, die man beinahe automatisch mit vergilbten Blümchenmuster assoziiert. Deshalb sprechen wir lieber von Wandbekleidungen und von Wandbelägen…

Gregor Eigensatz: …und meinen damit dasselbe, einfach ein bisschen zeitgemässer ausgedrückt?
Reto Bernasconi:
Diese Art der Materialität und der Wandgestaltung hat in den letzten 30 Jahren einen enormen Wandel durchgemacht, sowohl in technischer wie auch in gestalterischer Hinsicht. Design und Funktionalität entsprechen heute den individuellen Bedürfnissen der Kunden und ihren Ansprüchen an modernste Wandbeläge.

Gregor Eigensatz: Woran denken Sie?
Reto Bernasconi:
Das hängt ganz davon ab, in welchem Umfeld eine Wandgestaltung zur Geltung kommen und funktionieren soll. In der Gastronomie, im Hotel-bereich wie auch in Spitälern, zum Beispiel, verdrängt das Vlies als Trägermaterial -wegen seinen multiplen Vorteilen längst den klassischen Abrieb. Zellulose-Vlies überzeugt hier vor allem durch seine glatte Oberfläche. Je nach Beschichtungsart bleibt das Vlies extrem dampfdiffusionsfähig, während die Abwaschbarkeit gewährleistet bleibt. Ferner binden Wandbeläge Gerüche und können problemlos ersetzt werden.

Gregor Eigensatz: Und in ästhetischer Hinsicht?
Reto Bernasconi:
Der Digitaldruck, die fortgeschrittene Druck- und Vliestechnik eröffnet hier beinahe grenzenlose Möglichkeiten der Vergrösserung und Vervielfältigung von Mustern und Motiven welcher Art auch immer.

Gregor Eigensatz: Wie geht man für die Erfüllung konkreter Wünsche vor?
Reto Bernasconi:
Am einfachsten wendet man sich an den Tapetenhandel, der ja in den meisten bedeutenderen Städten in der Schweiz vertreten ist. Hier erhält man kompetent Auskunft über die einzelnen Schritte in der Planung und Umsetzung. Hier gelangt man auch an das geschulte und erfahrene Handwerk für eine perfekte Realisierung an der Wand.

Gregor Eigensatz: Beobachten Sie bei den Wandbekleidungen eine Verschiebung vom Massen- in Richtung Nischenprodukt?
Reto Bernasconi:
Dieser Trend stimmt insofern, als die Wandbekleidung heute vor allem im Hochpreissegment für die indivi-duelle, originelle wie auch punktuelle Ausgestaltung gewisser Wandpartien eine wichtige Rolle spielt. Diese Art der Wandbekleidung nimmt einen ähnlichen Stellenwert ein wie auch die Kunst. Der Kunde ist bereit, für seine absolut persönliche und individuelle Wandgestaltung einen entsprechenden Preis zu zahlen. Vlies nimmt aber, wie oben erwähnt, im öffentlichen Bereich eine wichtige Funktion ein, und wieder verstärkt auch in Mietwohnungen, wo Kriterien der einfachen Handhabung, der Hygiene, der Auswechselbarkeit und der Wirtschaftlichkeit sehr häufig den Ausschlag geben.

Gregor Eigensatz: Was unternimmt der Verband Schweizer Tapetenhändler VST für das Image der Wandbekleidung in der Schweiz?
Reto Bernasconi:
Der VST unterstützt zum Beispiel das Tapetenforum.

Gregor Eigensatz: Wofür steht dieses?
Reto Bernasconi:
Das Tapetenforum ist ein Verein zur Förderung und Bekanntmachung von Tapeten und Wandbelägen. Es ist offen für alle interessierten Kreise wie zum Beispiel Architekten, Innenarchitekten, Raumgestalter, Malergeschäfte.

Gregor Eigensatz: Nimmt der Verband auch Einfluss auf eine entsprechende Ausbildung und Sensibilisierung im Handwerk?
Reto Bernasconi:
Bis anhin hat der VST vor allem Berufsverbände, zum Beispiel den Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband SMGV, unterstützt.

Gregor Eigensatz: Wird die Schweiz wieder einmal eine eigene Tapetenindustrie haben?
Reto Bernasconi:
Ich glaube nicht – jedenfalls kann ich mir eine solche Industrie am teuren Produktionsstandort Schweiz mit seinem verhältnismässig kleinen Markt nicht vorstellen. Gegenüber Ländern wie Deutschland, Holland und Schweden, die im Tapetenmarkt sehr stark sind, wäre die Schweiz kaum konkurrenzfähig. An dieser Stelle möchte ich aber erwähnen, dass hier eine einzige Tapetenfabrik übriggeblieben ist: die Gurimur AG in Schindellegi. Gurimur ist ein erfolgreicher Spezialist für Wandbeläge in Spitälern sowie Alters- und Pflegeheimen.
 
 
Ausgabe "2011/7 - Oktober" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz
Bild Eijffinger
   Weiteres zum Thema
 
Digitaltapete | Die Tapete spielt in der …      
Tapete | Die Tapete spielt in der Wandgestaltung …      




Lifecom


Xen-On


Verkehrshaus