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Schweizer Handwerk nach Moskau gebracht
Kalkspachtel für fugenlose Oberflächen
 
Wie Gold-, Silber- und Seidenober-flächen in Form von Blättchen und Tapeten an die Wände und Decken einer Villa in Moskau kamen und mit welchen Unwägbarkeiten die anspruchsvollen Handwerksarbeiten konfrontiert waren, zeigten wir in den beiden vorausgegangenen Berichten der letzten zwei COVISS-Ausgaben. Fugenlose Oberflächen, wie sie mit einem geeigneten Spachtel verarbeitet werden, sind Gegenstand der
Beschreibungen von Herbert Mäder im dritten und letzten Teil der Serie.


«Terra di Pietra ist ein Kalkprodukt, das vom Maler Claude Bickel, Wangen ZH, entwickelt worden ist. Seine jahrelange Erfahrung und seine geschickte Hand beim Verfeinern der Rezeptur haben ein Produkt entstehen lassen, das sich für natürliche Oberflächen ausgezeichnet eignet. Dank der guten Beziehungen zu Claude Bickel konnten wir solch schöne, natürliche Terra di Pietra-Oberflächen auch in Moskau realisieren, wo wir 500 Quadratmeter Wände damit veredelt haben. Dies entspricht einem Materialverbrauch von zirka 750 Kilogramm. Die Wände weisen eine Höhe von zum Teil über vier Meter aus, was die Verarbeitung natürlich nicht einfacher machte. Den Terra di Pietra haben wir im Heisswasserbeckenraum in einem anthrazitgrauen, im Masterbad in einem braunen und im Lady’s Badezimmer in einem braun-beigen Ton, der mit 25 Kilogramm Perlmutglimmer veredelt wurde, angewendet.

Um den Kalk in den gewünschten Farbtönen zu bekommen, muss das Pigment vorher im Wasser eingesumpft werden. Dieser Arbeitsschritt erfordert eine Präzisionswaage, muss doch die Rezeptur ganz genau stimmen. Unser Vorarbeiter André Kirchner, der mit Terra di Pietra auch schon in der Schweiz Wände veredelt hat, musste exakt arbeiten und darauf achten, dass die Mischung auf das halbe Gramm stimmt. Es können nicht allzu grosse Mengen auf einmal angemacht werden,
da das Material relativ rasch anzuziehen beginnt. Je grösser die Wand ist, desto mehr Anmachmischungen braucht es.
Um keine Farbveränderungen zu haben, muss, wie oben bereits erwähnt, sehr genau mit der Waage gearbeitet werden. Nach dem Aufziehen der Kalkschicht mit einer Stärke von zirka 3 bis 5mm muss der richtige Zeitpunkt getroffen werden, damit die Oberfläche dann auch wunschgemäss verdichtet. Wenn diese an gewissen Stellen ein wenig zu fest angezogen hat, kann sie mit einer Zerstäuberpumpe mit Wasser wieder benetzt werden. Aber auch das geht nur über einen gewissen Zeitraum. Die Verarbeitung des Verdichtens wird mit einer speziellen Kelle ausgeführt, die nicht zu hart sein darf. Für das Aufziehen des Terra waren für diese grossen Wandflächen bis zu vier Personen nötig.

Nach dem Aushärten der Oberfläche, die übrigens viel härter ist als eine Gipsoberfläche, wird diese mit dem Exenterschleifer geschliffen. Die Oberfläche wird sehr fein, und die Struktur kommt zum Vorschein. Das Schleifen erfordert ein wenig Routine, denn zu wenig oder zu viel schleifen kann zu einem unterschiedlichen Oberflächenbild führen. Anschliessend haben wir die Kalkoberfläche mit einem Steinöl eingelassen, das mit einer feinen Rolle aufgebracht und mit einem Lappen verteilt wird. Die Behandlung der Oberfläche mit dem Steinöl hat zur Folge, dass der Farbton intensiver wird und eine edle Oberflächenbrillanz erhält. Auch ist der Terra di Pietra dadurch vor Fleckenbildung geschützt. Feuchtigkeit kann aber dennoch eindringen und auch wieder austreten, wenn auch etwas langsamer. Grundsätzlich kann aber der Terra di Pietra auch ohne Steinöl belassen bleiben. Die Oberfläche kann dann grosse Mengen Luftfeuchtigkeit und Dampf aufnehmen. Dieses Wasser wird dann quasi gespeichert und allmählich wieder in den Raum abgegeben. Der Effekt ist ähnlich wie bei einem Luftbefeuchter oder wie man ihn von Lehmoberflächen her kennt.

Mit dem Terra di Pietra können auch sehr intensive und leuchtende Oberflächen erzielt werden. Dank kalkechten Pigmenten, die wir grösstenteils von der kt.COLOR AG in Uster beziehen, können wir vom leuchtenden Orange über Grün bis Violett sehr bunte Oberflächen erzeugen. Mit Erdtönen kann aber die grösste Farbvielfalt hergestellt werden.

Terra di Pietra eignet sich zur Veredelung ganzer oder auch einzelner Wände im Nassbereich, Schlafzimmer oder überall, wo schöne, einzigartige Oberflächen gewünscht sind.

Fugenlose Metallwände in -Flüssigform
Metall in flüssiger, spachtelartiger Form
an die Wand gebracht, klingt schon sehr speziell. Eine solche echte Metalloberfläche durften wir auf eine rund 28 Quadratmeter grosse Wand in der Ruhezone der Moskauer Villa an die Wand bringen. Zusammen mit Architekt Daniel Schindler, Schindler Partner GmbH, Zürich, haben wir uns für eine Kupferoberfläche entschieden. Der Kupferton gibt dem Ruheraum eine warme Atmosphäre. Das Besondere an diesem Spachtelmaterial ist, dass damit grosse Flächen fugenlos gestaltet werden können.

Nach dem Grundieren haben wir mit dem Zusammenmischen der beiden Komponenten begonnen. Ist das Material einmal bereit, muss es zügig auf die Oberfläche aufgespachtelt werden. Da die Topfzeit kurz ist, muss vorher festgelegt sein, wie die Oberfläche auszusehen hat. Zusammen mit meinem Vorarbeiter André Kirchner gingen wir ans Werk. Aufziehen, strukturieren und auch immer in etwa die gleiche Schichtdicke auftragen, ist bei dieser Topfzeit nicht immer einfach. Bis wir fertig waren, waren auch wir geschafft, kamen doch zum Stress noch die Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit dazu.

Kurz nachdem wir fertig waren, wurde einmal mehr ohne Vorwarnung auf der ganzen Baustelle der Storm abgestellt. Elektriker hätten etwas umhängen müssen, hiess es. Solches und Ähnliches geschieht hier ohne Ankündigung. Wäre dies beim Aufziehen passiert, wäre grosser Schaden entstanden. Denn bereits angemachtes Material hätte nach einem längeren Stromunterbruch weggeworfen werden müssen, und bei der bereits aufgezogenen Fläche hätte man nicht mehr ansetzen können − die Ansätze wären sichtbar geblieben! Als Architekt Daniel Schindler die aufgezogene Fläche zum ersten Mal sah, reagierte er erschrocken: Wie denn die Farbe der Oberfläche aussehe? Diese entspreche ja gar nicht der Musterplatte, die wir angefertigt hätten! Wir konnten ihn beruhigen. Die Oberfläche war nämlich noch lange nicht fertig ... Nach zwei Tagen begannen wir mit dem Schleifen der Oberfläche. Mit einem 120er Schleifpapier bearbeiteten wir die ganze Fläche.
Anschliessend wurde die Kupferoberfläche mit weiteren acht Schleifgängen geschliffen, wobei mit jedem Schleifgang feineres Schleif-papier verwendet wurde. Diese Schleiferei erfordert Durchhaltewillen, ist die Arbeit mit der Zeit doch sehr monoton. Aber der Aufwand lohnt sich: Mit jedem Schleifgang wird der Farbton des Kupfers heller und feiner. Die beiden nächsten Arbeitsschritte erfolgen mit der Poliermaschine und
zwei verschiedenen Polituren. Diese Arbeit könnte man mit dem Polieren eines Autos vergleichen. Die fertige Oberfläche erhält einen spiegelblanken Effekt. Nach diesen Arbeiten fühlt sich die Kupferoberfläche sehr fein an. Zum Schutz vor Fingerabdrücken und anderen Verschmutzungen wird die Oberfläche mit einer Schutzmilch versiegelt, mit der sie auch später gereinigt und gepflegt wird.

Diese Flüssigmetall-Produkte sind in verschiedenen Varianten erhältlich, sei es Kupfer, Zink, Eisen oder Grünspan. Mit Eisen können rostige Oberflächen erzielt werden. Mittels einer speziellen Flüssigkeit kann man das Eisen rosten lassen und dabei dem beschleunigten Rostvorgang förmlich zusehen. Die Vielfalt von Oberflächen, die mit diesem Zwei-Komponenten-Material erzielt werden kann, ist enorm, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Das Material kann praktisch auf allen Untergründen eingesetzt werden, sei es zur Gestaltung eines Cheminéehutes, einer Eingangstüre, eines Empfangskorpus oder von Tischoberflächen. Man erhält eine echte Metalloberfläche, jedoch ohne viel Gewicht.

Mit diesem dritten und letzten Bericht über unser Moskauabenteuer verabschieden wir uns von der COVISS-Leserschaft. In Zusammenarbeit mit Architekt Daniel Schindler, Schindler Partner in Zürich, durften wir eine aussergewöhnliche Villa mit hochstehender Handwerkskunst versehen. Diese tolle und spannende Erfahrung wird uns allen in bester Erinnerung bleiben.»  
 
Ausgabe "2011/6 - September" bestellen
 
Text Herbert Mäder
Bild Herbert Mäder
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