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Schweizer Handwerk nach Moskau gebracht (2)
Von Hand hergestellte Goldtapeten tapeziert
 
Die Herausforderung für einen hiesigen Handwerksbetrieb war gross, in Moskau die Decke einer Villa mit 16‘500 Silberplättchen zu zieren. In COVISS 4/2011 war darüber zu lesen. Die Geschichte hat eine Fortsetzung. Neben dem Versilbern der grossen Spa-Decke waren nämlich noch weitere Fertigkeiten des hohen Handwerks gefragt, zum Beispiel diverse Wände mit verschiedenen hochwertigen Tapeten zu tapezieren.

Mustertapeten werden in der heutigen Zeit eher selten tapeziert. Bei jenen in der Moskauer Villa handelt es sich unter anderem um Seidentapeten und von Hand hergestellten Goldtapeten. Das Tapezieren einer echten Goldtapete dürfte die Laufbahnkrönung eines jeden Tapeziers darstellen – so auch für Herbert Mäder, Malerhandwerk Herbert Mäder AG.

«Die zu tapezierenden Untergründe waren bauseits im gleichen Aufbau wie die zu versilbernde Decke gemacht worden. Die ungewohnten Unebenheiten, die stark saugenden und weichen Untergründe sowie die teilweise nicht im Senkel stehenden Abschlüsse und Ecken waren für uns eine Herausforderung. Nur schon einen einigermassen guten Untergrund herzustellen, war enorm aufwändig, mussten doch mit den russischen Arbeiterinnen und Arbeitern Gespräche geführt werden, bevor die meisten Wände überarbeitet werden konnten. Schon sehr bald zeichnete sich ab, dass der Untergrund mit den verarbeiteten Materialien nicht ganz in der gewünschten und erhofften Qualität erreicht werden konnte.

Sieben Meter hohe Wände tapeziert
Für schweizerische Verhältnisse ungewöhnlich ist aber auch die Höhe der zu tapezierenden Wände und Decken. So haben wir in der Eingangshalle eine Wand von fast sieben Metern Höhe tapeziert, auf der genüberliegenden Seite eine andere, die bis auf fünfeinhalb Meter hinunterreichte. Auf einem sieben und fünf Meter hohen Turmgerüst haben wir mit drei Leuten die Bahnen aufgehängt. Die Schwierigkeit bestand darin, die Bahnen solcher Länge in kurzer Zeit zu kleben, verziehen sie sich doch leicht durch das Gewicht, wenn sie im unteren Bereich zu lange nicht geklebt werden. Besonders an einer langen Wand könnte dies bei den Stössen zu Problemen mit den Nähten führen.

Bei so hohen Wänden ist der Überschuss an Tapeten sehr gross. Bei uns in der Schweiz können wir bei Rollenlängen von zirka 10,25 Metern in der Regel drei Bahnen kleben, je nach Rapport vielleicht auch nur zwei Bahnen. Bei Höhen, wie wir sie in Moskau vorgefunden haben, ist das nur eine Bahn pro Rolle. Das ergibt Reste von etwa drei Metern, die für Schweizer Wandhöhen reichen würden. Bei der Berechnung der Tapeten mussten wir auch die unterschiedlichen Höhen der Zimmer, Wandabsätze von 50 Zentimetern, einberechnen. Bei meinen vorgängigen Besichtigungen auf der Baustelle habe ich mit Hilfe der Architekturpläne von Schindler Partner GmbH, Zürich, die Wände soweit möglich auf die Richtigkeit kontrolliert. Das war schwierig, da die meisten Gipskartondecken noch nicht montiert waren. Um sicherzustellen, dass wir nicht zu wenig ausmessen, wurden die Flächen immer bis an die rohe Betondecke gemessen. In der Schweiz habe ich dann mit Thomas Weber von der Hurter Tapeten AG in Winterthur die Masse mit den Plänen verglichen und die Anzahl Bahnen inklusive Rapport bestimmt. Bei den meisten Rollentapeten konnten wir, wie oben erwähnt, nur eine Bahn verwenden. Es gab aber auch Tapeten, die in m1 bestellt werden konnten, was die Sache natürlich vereinfachte.

Das Tapezieren der Seidentapete war dann die erste grosse Herausforderung. Die Bahnenbreite von 1,40 Metern und die Wandhöhe über vier Meter vereinfachte die Arbeit auch nicht eben. Insbesondere das Gewicht der Bahnen und die unhandliche Verarbeitung bereitete uns das eine oder andere Problem, vor allem, wenn sich die Höhe der Wand in der Hälfte der zu tapezierenden Bahn um zirka 50 Zentimeter erhöht. Man kann sich vorstellen, dass 1,40 Meter breite Bahnen mit ausgestreckten Armen schlecht zu halten sind. Zudem müssen auf dem Gerüst oder der Leiter so viele Reserven über den Kopf genommen werden, dass die Tapete schliesslich auch für die neue Höhe des Deckenabsatzes reicht.

Herausforderung Goldtapete
Mit grösstem Respekt begegneten wir der Herausforderung Goldtapete. Im Wissen, dass diese nur auf Bestellung mit Angaben der Höhe und der Anzahl Bahnen bestellt werden kann, hatten wir bei dieser mit Abstand teuersten Tapete am wenigsten Reserve. Bei Lieferfristen von vier bis acht Wochen kann nicht so schnell nachbestellt werden, wenn ein Fehler passiert …

Schliesslich haben wir uns an das Tapezieren gewagt. Um einen gleichmässig saugenden Untergrund zu erhalten, haben wir vorgängig ein Variovlies tapeziert. Es versteht sich von selbst, dass bei solch heiklen Tapeten eine saubere Vorbereitung dazugehört. Zusammen mit meinem Vorarbeiter André Kirchner wurde die erste Bahn im Lot eingepasst. Beim Tapezieren waren wir vorsichtig, ja gehemmt wegen dem wertvollen Material. Relativ schnell stellten wir jedoch fest, dass sich die Goldtapeten sehr gut tapezieren liessen. Allfällige Bedenken, ob wir die Kanten auf dem Tisch nachschneiden müssen (teilweise entstanden durch den Transport kleinere Knicke an den Stössen) bewahrheiteten sich zum Glück nicht. Durch vorgängiges Benetzen des Tapetenrückens mit Wasser wurden auch die erwähnten Kanten zu keinem Problem. Im Vorfeld jedoch führten Befürchtungen schon zu zwei bis drei Telefonaten mit Thomas Weber von der Tapeten Hurter AG. So dürfen wir mit Stolz sagen, dass die Goldtapete am Schluss sehr erfolgreich an die Wand gebracht worden ist.

Vergolden der Esszimmerkuppel
Im selben Raum, in dem wir die Goldtapete tapeziert haben, durften wir auch die rechteckige, in die Decke eingelassene Kuppel vergolden. Die Vorbereitung der Decke als Untergrund für das Vergolden war analog zu jener für die Silberdecke im Spa (COVISS 4/2011). Wir mussten die Vorbereitungsarbeiten in Angriff nehmen, bevor die seitlichen Lüftungsgitter montiert wurden. Nachdem wir soweit waren, wurden die Gitter montiert, wodurch leider wieder Schäden entstanden. Die unsauberen Ausschnitte für die Gitter brachten bei der Montage Ausbrüche mit sich. Zudem konnten die Gitter nicht sauber an die Wände anschliessen, da die seitlichen Flächen nicht alle im Lot waren. Ebenso waren die Ketten und Kabel der Lampenaufhängungen nicht symmetrisch montiert, so dass diese an einem Ort versetzt werden mussten. Dies führte zu neuen Verspachtelungen und Farbaufbauten auf dem bereist vorbereiteten Untergrund. Beim Messen haben wir festgestellt, dass die Kuppel nicht 100 Prozent im Winkel war. So haben wir uns an den auf einer Linie liegenden Feuerwehrmeldern und Lampenaufhängungen orientiert. Die seitlichen Abschlüsse mit den Goldplättchen gingen dann nicht ganz auf, was aber von unten kaum zu sehen ist.

Das Gesamtergebnis mit der Goldtapete, der goldigen Kuppel und dem Interieur, das von ZONA Architektur und Inneneinrichtungen AG, Zürich, ausgesucht wurde, sieht sehr edel aus und verleiht dem Raum eine märchenhafte Stimmung, in dem es sich sicherlich herrschaftlich dinieren lässt. »  
 
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Text Herbert Mäder
Bild Herbert Mäder
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