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Solartechnische Schweizer Innovation
Photovoltaik-Anlage auf Seilen
 
Die Nutzung der Solarenergie lohnt sich in unseren Breitengraden. Auch bei uns scheint die Sonne an den meisten Orten oft und intensiv, so dass Sonnenkollektoren und Photovoltaik-Zellen problemlos betrieben werden können. Jüngstes Beispiel und gleichzeitig eine Weltneuheit ist die neuartige Photovoltaik-Anlage über dem Flumroc-Logistikareal in Flums. Dank ihrer Tragseilkonstruktion folgt dort die Photovoltaik-Anlage dem Lauf der Sonne. Die in Betrieb genommenen «Solar Wings» versprechen dank diesem System eine um einen Fünftel höhere Leis-tung als ein fix montiertes Photovoltaik-System – eine echte solartechnische Innovation aus der Schweiz.

Heute sind die meisten Solarzellen fest montiert und erbringen ihre höchstmögliche Leistung nur zu einer bestimmten Tageszeit. Nicht so die Weltneuheit auf dem Flumroc-Gelände in Flums: Die dort kürzlich in Betrieb genommene Photovoltaik-Anlage richtet die photovoltaischen Elemente dank der installierten speziellen Tragseilkonstruktion laufend nach dem Stand der Sonne aus. «Wir erwarten, dass diese Installation zirka 20 Prozent mehr Energie produzieren wird als eine vergleichbare, fest montierte Anlage», meint Kurt Frei, Direktor der Flumroc AG in Flums. Der so produzierte Ökostrom wird über die Solarstrombörse des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (ewz) vermarktet.

Seilbahnbau-Pionier liefert das Tragesystem
Optisch erinnert die «Solar-Wings»-Anlage mit ihrer Seilbahn-Technik an einen Sessellift. Kein Wunder, kommt doch die Technologie des Tragesystems von der Seilbahnherstellerin Bartholet Maschinenbau aus Flums. «Diese Technik hat sich in den letzten 100 Jahren im Seilbahnbau bestens bewährt», betont Verwaltungsratspräsident Roland Bartholet. Die derzeit 320 Solarmodule sind beweglich auf zwei Seilen montiert. Die «Solar Wings» lassen sich in zwei Richtungen drehen, was eine permanente Nachführung der Photovoltaik-Module nach dem Stand der Sonne ermöglicht. Eine automatisierte Computersteuerung stellt sicher, dass die Sonnenstrahlen jederzeit rechtwinklig auf die Solarzellen fallen. Gerade beim Flumroc-Logistikareal in Flums mache das zweiachsig nachgeführte Photovoltaik-System Sinn, weil das Gelände nicht gegen Süden ausgerichtet sei, erklärt Kurt Frei, Direktor der Flumroc AG.

Dem Sonnenverlauf nachgeführte Systeme gab es schon vor der Erfindung der «Solar Wings». Dabei handelt es sich aber meis-tens um aufwändige und teure Konstruktionen, die für jedes einzelne Modul eine schwere Stützkonstruktion benötigen. Das in Flums installierte «Solar Wings»-System hingegen begnügt sich mit zwei massiven Stützen an den beiden Enden der Photovoltaik-Anlage. Dazwischen stehen im Abstand von rund 35 Metern Trägerpfosten, die verhältnismässig wenig Gewicht tragen müssen und daher schlank gebaut sind.

«Die Seilkonstruktion ermöglicht eine Nachführung der Solarzellen mit minimalem Energieeinsatz, weil ein Seil gleich mehrere Photovoltaik-Module ausrichten kann», so Seilbahnbauer Roland Bartholet. Ausserdem seien die Solarmodule optimal hinterlüftet, was ebenfalls zu einem Mehrertrag an Solarenergie führe.

Geringer Platzbedarf
Bisherige, dem Sonnenverlauf nachgeführte Photovoltaik-Systeme benötigen enorm viel Platz. Die «Solar Wings» über dem Flumroc-Logistikareal hingegen schweben auf acht Metern Höhe. Lastwagen können also wie bis anhin ungehindert über das Gelände fahren, die Nutzung des Industrieareals ist somit nach wie vor ohne Einschränkung möglich. «Dieser Lösungs-
ansatz beeindruckte uns sehr, weil er einen doppelten Nutzen verspricht», so Flumroc-Direktor Kurt Frei. «Unten das Logistik-areal, wo täglich viel eingelagert und verladen wird, und darüber eine Photovoltaik-Anlage, die viel Strom produziert.»
So verwundert es denn auch nicht, dass die Erbauer der innovativen Solaranlage die «Solar Wings» künftig auch über grösseren Parkplätzen zum Beispiel bei Einkaufs-Centern und Firmenarealen installieren möchten. Dort würden die über dem Parkplatz schwebenden Solarzellen, neben
ihrem Hauptnutzen als Energieerzeuger, zusätzlich als willkommene Schattenspender dienen.

Auch ein Forschungsobjekt
Damit der kalkulierte Mehrertrag der «Solar Wings» von zirka 20 Prozent gegenüber konventionellen Photovoltaik-Anlagen in der Praxis überprüft werden kann, hat die Flumroc AG auf einer ihrer Lagerhallen eine fest montierte Referenzanlage installiert. Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW Wädenswil) misst laufend die Leistung der beiden Photovoltaik-Anlagen.

Pilot-Photovoltaik-Anlage live im Internet
Ob die neuartige, bewegliche Photovoltaik-Anlage über dem Flumroc-Logistikareal in Flums tatsächlich mehr leistet als ein herkömmliches, fest installiertes System, können Interessierte selber überprüfen: Auf der Website www.flumroc.ch lässt sich die aktuelle Einspeisung der «Solar Wings» und der auf einer Lagerhalle zusätzlich installierten Vergleichsanlage live mitverfolgen. Ein 24-Stunden-Energieprofil zeigt,
zu welcher Tageszeit die Unterschiede am grössten sind. Wie sich die «Solar Wings» laufend nach dem Stand der Sonne ausrichten, können die Besucher auf der Website per Webcam beobachten. Ausserdem bietet ein Videofilm mit Aufnahmen eines ferngesteuerten Modell-Hubschraubers spektakuläre Bilder der neuartigen Photovoltaik-Anlage auf Seilen.

Flumroc AG Das innovative Schweizer Unternehmen ist die landesweit führende Herstellerin von Mineralwolleprodukten zur Wärmedämmung sowie für den Schall- und den Brandschutz und beschäftigt derzeit 290 Mitarbeitende. Das Unternehmen gehört damit zu den grössten Arbeitgebern im Sarganserland, engagiert sich seit Jahren aktiv für energieeffiziente Lösungen sowie für ganzheitliche Energiekonzepte, weist immer wieder auf das grosse Energiesparpotenzial im Baubereich hin und fördert Energiestandards wie Minergie, Minergie-P und Passivhaus. www.flumroc.ch.

 
 
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Text Werner Peyer
Bild Flumroc AG
 
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