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Betonkunstwerk restauriert – Arpsäule in Basel
Denkmal bewahren − Alterungsspuren erhalten
 
Das Betonkunstwerk «Colonne à éléments interchangeables» von Hans Arp erfuhr aufgrund der einzigartigen Bedeutung und des speziellen Schadensbildes eine besondere restauratorische Behandlung. Im Kon-text der Gesamtsanierungsarbeiten an der umgebenden Architektur entwickelte sich eine Diskussion mit der Frage, wie «schön» das gealterte Kunstwerk mitsamt seiner immer noch bestehenden «Krankheit» nach seiner Restaurierung aussehen soll oder darf.

Das über acht Meter hohe Objekt, eines der wichtigsten Betonkunstwerke in der Schweiz, steht im Pausenhof der Allgemeinen Gewerbeschule in Basel. Erst die umfassenden restauratorischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen und die daraus resultierende Bestätigung der Standsicherheit ermöglichten die 2010 durchgeführten Restaurierungsmassnahmen.

Die Säule und ihre Entstehung
Das Werk trägt den Titel «Colonne à éléments interchangeables» und die deutsche Übersetzung «Bausteinsäule». Es wurde in drei Hauptelementen, die in der Mitte der zwei Würfel zusammengefügt sind, vorfabriziert. Beachtenswert ist, dass sich das unterste Element im obersten wiederholt − nur auf den Kopf gestellt und um 90ᄚ
gedreht. Das Gesamtgewicht der Säule beträgt geschätzte zehn Tonnen. Die Betonsäule spielt visuell eine derartig wichtige Rolle, dass man sich den grossen Hof ohne diesen zentralen Punkt kaum mehr vorstellen kann. Durch die bewusste Platzierung ist ein grossartiges Kunstwerk entstanden, das den Kontext aufnimmt und sich genauso selbstverständlich wie selbstbewusst in den Raum einfügt.


Die Betonsäule wurde 2008 von der Leiter aus untersucht. Ein erstes Schadensgutachten wurde erstellt. Man stellte ein aussergewöhnliches Rissbild, krustige Ablagerungen und Verfärbungen in den Rissflankenbereichen sowie Hohlstellen und Abplatzungen fest. Daraufhin erteilte das zuständige Hochbauamt der Stadt Basel den Auftrag zu umfangreichen materialtechnologischen Analysen am Objekt und im Labor. Diese sowie die Dokumentation und Kartierung der Schäden erfolgten in enger Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaftler und Diplomrestaurator. Bestimmt wurden Parameter wie Karbonatisierungstiefe, Gesamtporosität, Porengrössenverteilung, Bewehrungsüberdeckung und Chloridgehalt. Auch wurden Druckfestigkeits- und Potentialfeldmessungen sowie lichtmikroskopische und rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen durchgeführt.

Die «Krankheit» Alkali-Kiesel-säure-Reaktion AKR
Die Untersuchungsergebnisse haben gezeigt, dass die an der Arpsäule beobachteten Schäden in erster Linie auf die Wirkung einer Alkali-Kieselsäure-Reaktion (kurz AKR) zurückzuführen sind. Die AKR im Beton ist eine chemische Reaktion von reaktiven Kieselsäuren in Gesteinskörnungen, die in bestimmten geologischen Vorkommen enthalten sein können. Diese reaktiven Silikate können bei entsprechenden Umgebungsbedingungen mit den Alkalihydroxiden (NaOH, KOH) in der Porenlösung des Betons chemisch reagieren. Bei der Reaktion entsteht ein Alkali-Kieselsäure-Gel, das durch weitere Wasseraufnahme quillt und damit zu inneren Druckzuständen und zum «Treiben» führen kann. Erscheinungsbilder einer schädigenden AKR sind charakteristische Risse, weisse Ausblühungen und Aussinterungen sowie Abplatzungen.

Die Restaurierung
Nachdem die Untersuchungsresultate die Standfestigkeit der Säule nachweisen konnten, wurden die oberflächlichen Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten angegangen. Da eine finale Hydrophobierung von Anfang an geplant war, wurden zuallererst an sechs verorteten und kartierten Punkten Messungen zur Wasseraufnahme (w-Wert) durchgeführt. Die Werte lagen dabei durchschnittlich bei «gering saugend». Nach der Hydrophobierung lagen sie bei Null, was zu erwarten war. Eine Wiederholung der Messungen in zirka drei bis fünf Jahren wird rechtzeitig über einen möglichen Rückgang der hydrophoben Wirkung Aufschluss geben.

Die Reinigung erfolgte mit Wasser, weichen Bürsten und kontrolliertem Einsatz eines Hochdruckreinigers (Spülen aus Distanz). Je nach Art der Krusten und Verfärbungen wurden für deren Reduzierung verschiedene Verfahren, teilweise in Kombination, angewendet: Feinmeissel/Skalpell, reaktive Kompressen (Ionentauscher/Komplexbildner) und das Partikelstrahlgerät (mikrosandstrahlen). Wegen der Gefahr, dass kleinere Stücke herunterfallen könnten, war bei einigen Rissen eine kraftschlüssige Verklebung notwendig: Dünnflüssige Harze (PMMA, EP) wurden injiziert. Bei den meisten anderen Rissen, wo keine oder nur geringe Adhäsion notwendig war, wurde zum Verfüllen ein Mikrozement verwendet, der mit einem Korrosionsinhibitor ausgestattet war.

Abplatzungen und Fehlstellen wurden mit einem Mörtel aus Zement und diversen Sand-Kies-Fraktionen ergänzt. Die verschiedenen Korngrössen passte man während der Nachpflege in der Mischung sowie in Struktur und Auswaschungsgrad jeweils der direkten Umgebung an. Frühere, sehr auffällige Kittungen wurden nicht durch die neuen, optisch besseren Mischungen ersetzt, sondern als «Zeugen» der Entstehungszeit belassen und mit Silikatfarbe einretuschiert. Die grössten davon waren maximal handgross.

Aufgrund der Untersuchungsdiagnose AKR resultierte die Notwendigkeit zur Hydrophobierung der Oberfläche. Dadurch soll das Wasser, welches Voraussetzung für das Ablaufen einer AKR ist, vom Baukörper ferngehalten werden. Die Betonsäule wurde am Schluss sämtlicher Massnahmen zweimal mit einer Hydrophobierungscreme behandelt.

Bewahrung des authentischen Denkmals statt «perfekte» Erscheinung
Neben der Arpsäule stehen noch andere Betonobjekte auf dem Schulareal. Diese Kunstwerke wurden mit einer anderen Strategie/Philosophie als die Architektur restauriert, was grundsätzlich auch richtig ist. Wo bei den Gebäuden zum Teil sehr grosszügig abgespitzt und Risse aufgefräst wurden, praktizierte man bei den Unikaten diversifizierte Zurückhaltung. Die Aufmörtelungen/Kittungen an der Architektur erfolgten hauptsächlich mit konfektioniertem Betonkosmetikmörtel. Sein feiner Kornzuschlag hat zur Folge, dass er in Farbe und Struktur, verglichen zum umgebenden, gealterten, teilweise ausgewaschenen und somit körnigen Beton, abfällt. Dieser optische Nachteil wurde an den Fassaden (vorerst) gelöst, indem diese viele Quadratmeter grossen Auffälligkeiten kaschiert wurden. Eine Malerfirma hat sich darauf spezialisiert, kornlos gespachtelte Sichtbetonflächen auf alt zu «retuschieren». Ausgebildete Theaterkulissenmaler sorgen dafür, dass unmittelbar nach einer Sanierung (die für den Auftraggeber wichtigste Zeit der Beurteilung) die Oberfläche «schön» aussieht, sozusagen «in neuem Glanz erstrahlt». Im Stile des «Pointillismus» werden die Kieselsteinfarben mit dem Pinsel aufgetupft, verspritzt und über den Stock geschlagen. Das Resultat ist, aus der Distanz betrachtet und im trockenen Zustand, erstaunlich gut. Jedoch haben auch die Silikatfarben nicht das gleiche Nass-Trocken-Verhalten wie Beton, so dass sie bei regennasser Oberfläche zu hell hervorstechen, auch in hydrophobem Zustand. Zudem ist absehbar, dass sich an den bewitterten Flächen die Farbüberdeckung mit der Zeit reduziert und der darunterliegende kornlose Kosmetikmörtel sichtbar werden wird.

Bei der Arpsäule wurden durch die Verantwortlichen (Kunstunterhalt, Denkmalpflege, Restaurator) nur wenige kleine Stellen zur Retusche definiert. Die bewusst belassenen dunklen Verfärbungen in den Rissflanken sollen als Alterswert und «Spuren der Krankheit» ersichtlich bleiben. Bei den Verantwortlichen der viel umfangreicheren Architektursanierung hingegen (Hochbauamt, planende Architekten, Bauführung), wurde diese denkmalpflegerische Strategie als «unschön» und «unfertig» bezeichnet. Dieses Beispiel zeigt, dass der Übergang von «face-lifting» zu «lifting to fake» fliessend ist und die Ansichten dazu subjektiv sind. Eine objektbezogene Beurteilung im interdisziplinären Team ist unerlässlich.

Seit 2007 gibt es in der Schweiz ein Instrument, das für denkmalpflegerisch-strategische Probleme und Fragen als Richtschnur beigezogen werden kann:
«Das Denkmal ist so zu bewahren, dass die Spuren seines Alters erhalten bleiben. Ziel einer Restaurierung ist die Bewahrung des authentischen Denkmals, nicht eine «schöne», nach heutiger Ansicht perfekte Erscheinung. Deshalb soll sein Alter mit den im Lauf der Zeit entstandenen Brüchen und Beschädigungen sowie der Patina weiterhin ablesbar bleiben (Alterswert).»
Leitsätze zur Denkmalpflege in der Schweiz, -Seite 23, Artikel 4.5.

Dieser Leitsatz verlangt nach einer vorgängigen Bewertung des Objekts, in die der repräsentative Charakter sowie der Unikats- und Kunstwert mit einfliessen müssen. «Colonne à éléments interchangeables» ist kein Museumsobjekt. Hans Arp hat die Säule bewusst für die beschleunigte Vergänglichkeit im Aussenbereich konzipiert. Die Schäden und die schadensbeschleunigenden Faktoren sind durch die Restaurierung nicht gänzlich behoben, aber zumindest stark vermindert worden. Die Krusten sind weg, die Risse geschlossen, die Fehlstellen ergänzt, und die Oberfläche weist Wasser ab. Warum sollte das 50-jährige, aussergewöhnliche Kunstwerk noch viel zusätzliche Schminke aufweisen?

Fazit
Der Werdegang zur Restaurierung der -Arpsäule ist schulbuchmässig. Eine erste Beurteilung durch den Restaurator hat die Notwendigkeit zu weiteren naturwissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt. Die gute Zusammenarbeit dieser beiden Teams hat zu einer genauen Beschreibung und Charakterisierung des Zustands der Bausteinsäule geführt. Auch wenn die im Betoninneren ablaufende Alkali-Kieselsäure-Reaktion nach heutiger Erkenntnis nicht restauriert werden kann, wurden doch einige Parameter konservatorisch und präventiv dahingehend beeinflusst, dass die Reaktion zukünftig verlangsamt ablaufen wird.


Bauinfo

Restaurator:
Dipl. Rest. FH/SKR Tobias Hotz, TH-Conservations, 8570 Weinfelden, www.th-conservations.ch

Naturwissenschaftliche Untersuchungen: Prof. Dr. Andreas Gerdes, andreas.gerdes@kit.edu

Broschüre: Leitsätze zur Denkmalpflege
in der Schweiz (2007), Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (Hrsg.), ETH Zürich, Hochschulverlag

 
 
Ausgabe "2011/4 - Juni" bestellen
 
Text Tobias Hotz
Bild Tobias Hotz
 
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