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Kraftwerk in Wil
Architektur wie ein Bühnenbild oder Filmset
 
Umwelt und Moderne, Natur und Technologie, Sparsamkeit und Reduktion können sowohl ökologische, energetische wie auch ästhetische Postulate sein. Eine Verbindung dieser Themen spielt bei Entwürfen und Bauten des Wiler Architekten Roger Edelmann eine wichtige Rolle. Einen spektakulären Bürobau hat Edelmann im Zentrum von Wil in kürzester Zeit verwirklicht – das «Kraftwerk». Eine Architektur mit expressivem Ausdruck.

Beim Projekt «Kraftwerk» finden sich Architektur und Technik in ihrem Ausdruck in hoher Eintracht. Die Tektonik ist auf ein nüchternes, schwarzes Ziegelsteinmauerwerk minimalisiert, das auf den tragenden Beton aufgeklebt wurde. Das Klinkergebäude reagiert in seiner Formensprache auf die Bauten der Nachbarschaft – und tut dies mit einem zukunftsweisenden Energiesparkonzept, das auch den räumlichen Charakter mitprägt. Die Architekten wollten nämlich unbedingt den grossen Pylon beim Eingang realisieren. Um das Riesenteil nicht nur mit dem Eyecatcher-Effekt rechtfertigen zu müssen, haben sie kurzerhand das Energiekonzept auf Holzpellets und Photovoltaik ausgerichtet. «Wir haben den Heizraum unterirdisch bis unter den Pylon gebaut und dort den Pelletheizkessel platziert. Das ergibt den kür-zesten Transportweg für die Pellets. Die Besucher sind schon erstaunt und dann auch beeindruckt, wenn ich ihnen berichte, dass sich im Pylon 15 Tonnen Pellets befinden», erklärt Edelmann. Auf dem Dach wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die den elektrischen Strom direkt im dort beherbergten Fitnesscenter einspeist. Die Fitnessgeräte, ausser den Laufbändern, erzeugen elektrischen Strom für ihre Bildschirme selber. So ist das im «Kraftwerk» untergebrachte Fitnesscenter das einzige Co2-neutrale in der Schweiz. Ausserdem ist das ganze Gebäude mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgerüstet, was heutzutage bei Neubauten ganz normal ist.

Der multifunktionale, hochmoderne Bau sieht aus wie im amerikanischen Stil der fünfziger und sechziger Jahre gebaut. Das Ambiente im Gebäude und seiner Umgebung stimuliert die dort Ein- und Ausgehenden. Im Innern befinden sich das erwähnte Fitnesszentrum, ein Finanzplaner und das Architekturbüro von Edelmann. Eigentlich liegt das Areal auf einer Insel, eingezwängt zwischen Eisenbahnschienen, wo alle paar Minuten ein Zug vorbeisaust, und der stark befahrenen Kantonsstrasse. In Wil ist das Gebäude schon ein «Brand». Innen wird es mit bunten Schiffcontainern unterteilt. Die farbenprächtigen Container wurden im Internet aus Amerika bestellt. Nach Edelmanns Auffassung sind Flexibilität und Selbstbestimmung bei der Büro- und Wohngestaltung heutzutage sehr wichtig. Er gibt den Benutzern seiner Projekte Spielräume: «Das Gebäude haben wir ‹Kraftwerk› genannt, bevor der Fitness-Mieter bekannt war. Die Kombination ist jetzt natürlich super. Wir wollten unbedingt mit dem Gebäude einen Brand, einen Wert, eine Orientierungsmarke setzen. Und dazu gehört ein leicht aussprechbarer Name. Kaum war das Objekt abgerüstet, wusste jede und jeder, wo das ‹Kraftwerk› liegt», meint Edelmann.

Schnelles Bewilligungsverfahren
Auf dem Grundstück standen früher eine verwahrloste Wohnliegenschaft und ein kleiner Laden. Laut Edelmann glich das ganze Gelände einer Müllhalde, weshalb sich die SBB und die Stadt beim Bewilligungsverfahren wohlwollend gezeigt hätten. Im Bereich des Grundstücks seien durch die Gemeinde keine besonderen Gestaltungsvorschriften verordnet worden, wie es sonst mit Gestaltungsplan, Ortsbildschutz und Denkmalpflege üblich sei. Alle gesetzlichen Vorgaben seien beim Bau erfüllt gewesen. «Man hat erkannt, dass durch diese Intervention in Wil nicht nur ein Schandfleck verschwindet, sondern darüber hinaus ein markanter Bau entsteht, der der exponierten Lage gerecht wird», betont Edelmann.

Form – Farbe − Oberflächen-veredelung
Die natürlich wirkende Klinkeroptik der Fassadenfläche ist mit dem Werkstoff Meldorfer Flachverblender realisiert worden. Die aus überwiegend mineralischen Grundstoffen bestehenden Flachverblender zeichnen sich durch ihre Witterungsbeständigkeit und Strapazierfähigkeit aus. Für die Form, Farbe und die Oberflächenveredelung der dunklen Klinker wurden die Vorstellungen und Wünsche des Architekten umgesetzt und in einer Sonderanfertigung speziell für das Objekt «Kraftwerk» produziert. «Hinter der inspirierenden Klinker-optik des Baus verbirgt sich ein modernes Capatect Fassadendämmsystem. Bei der Wahl des Fassadendämm-Systems wurde den Ansprüchen der hochwertigen Fassade Rechnung getragen und ein System der Capatect Edition Carbon verwendet», erklärt Xaver Wüst von der Caparol Farben AG (siehe Box).

Aufbau Fassadenfläche
Hinter der Klinkeroptik des Baus verbirgt sich ein modernes Capatect Fassadendämmsystem von Caparol, das wie folgt aufgebaut ist:

1. Dalmatiner Fassadendämmplatten 032 auf Beton geklebt und verdübelt.

2. Armierung aus Capatect Carbon Armierungsgewebe und Capatect CarboNit -Armierungsmasse. Dabei handelt es sich um eine hoch schlagfeste, carbonfaserverstärkte und wasserresistente Armierungsmasse.

3. Verkleben der Meldorfer Flachverblender mit Meldorfer Ansatzmörtel.

4. Ausstreichen der Fugen.

Weitere Informationen
www.caparol.ch, Caparol Farben AG, -Gewerbestrasse 6, 8606 -Nänikon

Schweizer Baumuster-Centrale Zürich
Das im Artikel gezeigte Capatect Fassadendämmsystem kann auch in der Schweizer Baumuster-Centrale Zürich – SBC.2, Weberstrasse 4 in -Zürich besichtigt werden, Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag, 09.00 bis 17.30 Uhr, Donnerstag 09.00 bis 20.00 Uhr.
www.baumuster.ch


Der heikle Punkt der Kanten konnte mit Eckverblendern ausgeführt werden. «Haptisch kommt der Besucher am ehesten im Innenbereich in Kontakt mit dem vermeintlichen Backstein. Im Innern sind die Verblender auf Stahlbeton geklebt, sodass beim Anfassen und Klopfen nicht einmal die Geräusche den Fakt aufdecken würden. Die Oberfläche wirkt beinahe echter als echt», erklärt Edelmann. Ihm ist es ausgezeichnet gelungen, als Dramaturg und Regisseur das «Kraftwerk» zu verwirklichen. Er hat den Bau von der Entwicklung der Idee bis zur endgültigen Wirkung auf den Betrachter sorgfältig abgestimmt. Der Architekt liebt Glanz und Glamour. Deswegen hat er auch die verchromten Art-Deco-Elemente für die Fassade gewählt, die sich natürlich fantastisch abheben gegen den dunklen Klinker. Die Art-Deco-Elemente sollen beim Betrachter Bilder vom alten New York abrufen – Chrysler Building, Empire State Building …

Bühnen- und Konzertästhetik
Die Planung der Beleuchtung innen wie aussen wurde von der Idee der Konzertbeleuchtung beeinflusst. Architekt Edelmann hat während seiner Ausbildung beinahe vier Jahre nebenbei für «goodnews» gearbeitet und unzählige Bühnen auf- und abgebaut. Er fühlt sich mit diesem Umfeld verbunden, und das merkt man auch bei seiner Architektur. Die Räume sollten, ähnlich wie bei der Bühnendramaturgie, beleuchtet sein. Chromstangeninterpretation wurden im Treppenhaus und als Werbelogoträger auf der Fassade installiert. PAR-Scheinwerfer auf Alutraversen rufen das Gefühl von Event und Konzert ab. Im Büro wurden Konzert-Cases zu Möbeln umgebaut.

Das «Kraftwerk» ist ein kompakter Quader mit Flachdach und zweigeschossigen runden Bogenfenstern, die extrem viel Helligkeit in das Gebäude filtern. Roger Edelmann liebt es nicht, wenn alles bei seinen Entwürfen so streng ist. Er experimentiert mit neuen Materialien. In seinem Arbeitsalltag spielt das Internet eine grosse Rolle. Bei Ebay findet er seine aussergewöhnlichen Materialien und seine Lieferanten, sogar seine Mitarbeiter. Durch den Bau des «Kraftwerks» hat das Architekturbüro Arson von Edelmann schon mehrere Folgeaufträge erhalten. «Das ‹Kraftwerk› ist lebendig und hat Türen für weitere verrückte Bauten geöffnet. Es wäre wohl sehr schwierig gewesen, das ‹Kraftwerk› so im Auftrag für einen Dritten zu bauen. Erkläre mal einem Investoren die Wirkung einer dunklen Verblenderwand im Innern oder den Wert und die Wirkung der aufwändigen Chromelemente oder die Verkleidung der alten bröckelnden Stampfbetonwand zur Hauptstrasse hin», gibt Edelmann zu bedenken. «Es brauchte sehr viel Enthusiasmus, das ‹Kraftwerk› als 360-Grad-Bühne zu bauen.»

Bauinfo

Architekt und Bauherr:
Arson AG, 9500 Wil

Art Direction/Concept: Kim A. Tolman,
Los Angeles – USA

Lichtsteuerung: Preussen Automation GmbH, Seeshaupt – Deutschland

Konzertleuchten und -equipment: Pro -Lighting e. K., Aschheim – Deutschland

Fassadensystem: Caparol Farben AG, -Nänikon (mehr auf Seite 28)

WDVS: MCD Fassadenisolationen, -Wiesendangen

Meldorfer Flachverblender: Mondi -Gipsergeschäft GmbH, Bazenheid
 
 
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Text Lore Kelly
Bild Peter Sturn, Staad
 




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