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Solarpanels auf Kirchendächern
Energie vom Himmel
 
Nahe am Himmel, kein Schatten weit und breit: Kirchendächer sind als Schöpfer von Sonnenstrom begnadete Orte. Trotzdem sind Solarpanels auf Gotteshäusern in der Schweiz dünn gesät. Es gibt aber doch ein paar Beispiele.

Die erste Schweizer Kirche mit einer Photovoltaik-Anlage! So jubelten die Medien vor Kurzem, als bekannt wurde, dass die ökumenische Kirche Halden in St. Gallen jährlich zwölf Haushalte mit Solarstrom versorgt. Der Aufhänger trifft aber nicht ganz ins Schwarze: Halden hat zwar die grösste Anlage. Aber sie ist beileibe nicht die einzige, prangen doch etwa auf einem halben Dutzend Kirchendächern im Schweizer Land Solarzellen.

Wie auf dem Dach der Tituskirche in Basel. Seit mehr als zwanzig Jahren werden hier jedes Jahr 10’000kWh produziert, womit etwa drei durchschnittliche Haushalte mit Ökostrom versorgt werden. Höher hinaus gewagt hat man sich bei der katholischen Kirche in Steckborn im Kanton Thurgau, wo bei einer Sanierung das Betondach des Turms mit Solarmodulen bestückt wurde. Die mittlerweile rund 11’000kWh pro Jahr an sonnigem Strom tragen dazu bei, die Strassen des Thurgauer Orts zu beleuchten. Jedes Jahr etwas über 17’000kWh speist die Anlage auf dem Dach der reformierten Kirche Bubendorf im Kanton Baselland ins Netz ein. Immerhin für knapp zwei Baselländer Familien reicht der Strom, den die Sonnenanlagen auf dem Kirchendach in Laufen produzieren. In Cully im Waadtland sollen bald, falls der Kredit gesprochen wird, Solar-zellen über 142 Quadratmeter das Dach der katholischen Kirche schmücken und Strom produzieren.

Ein starkes Symbol
«Die Kirchen», sagt Kurt Aufdereggen vom Verein oeku, der kirchliche Kreise in ökologischen Fragen berät, «haben meiner Ansicht nach auch eine Vorbildfunktion, wenn es um erneuerbare Energien geht. Solaranlagen auf Kirchendächern sind ein starkes Symbol. Sie sind – bei einer breiten Palette an Möglichkeiten, Energie zu sparen – das Tüpfchen auf dem i.»

Dass Solarkirchen in der Schweiz an fast einer Hand abzuzählen sind, hat laut Kurt Aufdereggen Gründe, die sich gegenseitig bedingen. Solaranlagen seien, auch wenn sie nun billiger würden, immer noch relativ teuer. «Die Kirchen müssen mit ihren Mitteln haushälterisch umgehen, schliesslich handelt es sich um Steuergelder.» Darum rät er Kirchgemeinden zuerst, im Betrieb Energie einzusparen, eine intelligente Heizungssteuerung einzubauen oder die Isolation zu verbessern, weil dies günstiger sei. Die kostendeckende Einspeisevergütung für Solarstrom ist nach wie vor eine langwierige Sache, denn die Förderung ist plafoniert und gerät immer wieder ins Stocken. So im Falle der reformierten Kirchgemeinde Trüllikon-Truttikon im Zürcher Weinland: Dort ist der Pfad für den Bau einer 260 Quadratmeter grossen Photovoltaik-Anlage zwar geebnet, indem der Kredit von 400’000 Franken genehmigt wurde. Die Kirchgemeinde steht auf der Warteliste für die kostendeckende Einspeisevergütung und schätzt, dass sie erst ab etwa 2013 für kirchlichen Solarstrom Fördergelder erhält.

In St. Gallen war das hingegen kein Problem. Die Kirchgemeinde Halden arbeitet mit den Stadtwerken zusammen und stellt ihnen ihr Dach gratis zur Verfügung; im Gegenzug übernahmen die Stadtwerke den Teil der Kosten, welcher das Installieren der Solarzellen mit sich brachte. Auch in Steckborn hat ein Energiewerk den Grossteil der Anlage finanziert, ebenso in Bubendorf und Basel: Kirchengemeinden und Energieanbieter arbeiten beiderorts Hand in Hand.

Energie in Kirchen − Weiterbildungsnachmittag für Baufachleute
Die oeku Kirche und Umwelt organisiert einen Kurs für Energieberater und Baufachleute. 30. Mai, 13.00 bis 16.00 Uhr, Käfigturm Bern. Der Eintritt ist frei.

Die Themen
Begrüssung und Einführung.
Kurt Aufdereggen, oeku Kirche und Umwelt

Besonderheiten von Kirchen im Vergleich zu anderen Gebäudetypen, Energieverbrauch in Schweizer Kirchen, Heizschäden in Kirchen, Kirchen richtig heizen, Mess- und Analysetechnik, automatische Heizsteuerung in Kirchen, Sanieren und Umbauen, Objektschutz, Denkmalschutz, Kunstgegenstände, Orgeln, Verschwärzungen, historische Gebäude.
Emil Giezendanger, dipl. Architekt HTL, Inhaber und Geschäftsführer Baumann Akustik und Bauphysik AG, Dietfurt

Sparpotenzial durch Betriebsoptimierung der gebäudetechnischen Anlagen in Kirchen insbesondere bei temporärer Belegung, wichtige Zusammenhänge für den Betrieb der Kirchen, Sensibilisierung von kirchlichen Hauswarten (Sigriste und Sakristane), Besonderheiten der Heizsysteme, Wämreverteilung und erneuerbare Energien in Kirchgemeinden.
Pascal Fotsch, dipl. Elektroing. FH, Energie-ingenieur FH, Mitglied der Geschäftsleitung und Mitinhaber Lemon Consult GmbH, -Zürich

Beispiele aus Kirchgemeinden.
Kurt Aufderggen, oeku Kirche und Umwelt


Kirchen sind keine Museen
Gegen den Bau von Solaranlagen auf Kirchendächern wehrt sich häufig auch der Denkmalschutz. Diese Erfahrung machte auch Max Graf, langjähriger Präsident des Vereins Solardach Titus, «obwohl die Kirche in Basel nicht unter Denkmalschutz steht.» Der Denkmalschutz werde von Kanton zu Kanton unterschiedlich gehandhabt, stellt Kurt Aufdereggen von oeku fest und spricht von einem Gesinnungswandel: «Der Denkmalschutz wird etwas pragmatischer, was ich gut finde. Schliesslich soll man die Kirchengebäude nutzen, sie sind ja keine Museen.» Auch Remy Eck vom Solarverein Untersee, beteiligt bei der Sanierung des Kirchenturms in Steckborn, wünscht sich vom Denkmalschutz mehr Offenheit. «Sicher sollen die Kirchen nicht verschandelt werden. Meiner Meinung nach ist es allerdings möglich, eine Anlage architektonisch so zu integrieren, dass das ästhetische Empfinden nicht mit Füssen getreten wird.» Er hatte das Glück, sich vor knapp zwanzig Jahren nicht mit Einwänden des Denkmalschutzes auseinandersetzen zu müssen. «Heute hingegen», vermutet er, «wäre das schwieriger.» Erschwerend kommt in der Schweiz das politische Umfeld hinzu. «Solaranlagen werden zu zaghaft unterstützt», findet oeku-Berater Kurt Aufdereggen mit Blick auf Deutschland, wo Solaranlagen – auch auf Kirchendächern – dank staatlicher Förderung keine Seltenheit sind. Das führe dort manchmal zu optischen Auswüchsen, die sogar sein ästhetisches Empfinden stören. Deswegen plädiert er für einen «gesunden Mittelweg» zwischen Bremsen und übermässiger Förderung.

Solarzellen als Vehikel der -Solidarität
Wer also keine Solaranlage auf einem Kirchendach will, wird auf der Suche nach Argumenten, die auch als Ausrede dienen können, bestimmt fündig. Wer jedoch wirklich etwas bewegen will, der schafft das. Manchmal sind es die Mitglieder der Kirchgemeinde, die den Anstoss geben. Das war in Steckborn so. Dort gründeten Sonnenliebhaber den Solarverein Untersee, welcher der Kirche den Anstoss für eine Solaranlage lieferte.

Noch eindrücklicher zeigt sich diese Kraft des Volkes bei der Basler Tituskirche. Die Anlage kam darum zustande, weil mit dem Ertrag von rund 6’500 Franken pro Jahr Hilfe im Süden verknüpft ist: Damit werden – nebst Projekten in Peru und Tansania – Kühlschränke im Norden von Nigeria gebaut, die mit Solarenergie betrieben werden; Medikamente und Impfstoffe werden darin gekühlt. Einheimische setzen die Kühlschränke zusammen und sorgen dafür, dass sie funktionieren. Die Kirchgemeinde arbeitet mit einer Hilfsorganisation zusammen, um sicherzustellen, dass das Geld wie abgemacht eingesetzt wird. Also leistet die Kirchgemeinde in einem Gebiet, in dem ein Arzt alle paar Wochen vorbeischaut, einen Beitrag zur Gesundheitsversorgung.

«Die Solaranlage ist ein Vehikel, um anderen Menschen zu helfen. Ohne diese Absicht, die ein Teil des Konzeptes ist, hätten wir das Projekt nicht realisiert», weiss Max Graf. Ihm und seinem Team gelang es, die Leute zu mobilisieren, so dass über 65’000 Franken Spendengelder zusammenkamen.

«Den Willen braucht es und ein gesundes politisches Umfeld, damit erneuerbare Energien zum Zug kommen können, wenn wir keine weiteren Atomkraftwerke mit all ihren Risiken wollen», sagt oeku-Mann Kurt Aufdereggen und lässt dabei an Japan denken. «Nicht in erster Linie mit Solar-dächern auf Kirchen, sondern mit energiesparenden Massnahmen allgemein in Gebäuden, die den Kirchen gehören. Da liegt ein grosses Potenzial brach.»  
 
Ausgabe "2011/3 - Mai" bestellen
 
Text Marcel Friedli; Zeitschrift «Erneuerbare -Energien»
Bild Claudia Baumberger, oeku Kirche und Umwelt; Christoph Osterholt
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