Home     
| Home |   | Sitemap |   | Testimonials |   | Partner |   | Links |   | Stichwortverzeichnis |   | Inscreenum |  

| Aktuelle Ausgabe
| Archiv
| Anzeigen
| Abo/Einzelausgaben
| Veranstaltungen/Dienste
| Über COVISS
| Redaktion/Verlag
| Leserbriefe
| Kontakt
| Impressionen
| Bestellung Buch




 
Weissputz direkt auf Betondecke
Regeln der Baukunst verletzt
 
In einer Wohnanlage sollte ein zusätzliches Sachverständigengutachten darüber Aufschluss geben, ob die Feststellungen über Mängel und Ursachen, soweit sie die Weiss-putzdecken der Wohnungen betreffen, und die daraus sich ergebenden Folgerungen des Auftraggebers korrekt waren. Ausgeschrieben war ein zweilagiger Deckenputz aus Grundputz und Weissputz. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde auf den Grundputz verzichtet und − wie so oft in der Praxis − eine Weissputzschicht direkt auf der Betondecke aufgebracht. Mit nicht zu übersehenden Folgen.

Kurz nach der Fertigstellung der Weissputzdecken wurden Risse vom Auftraggeber gerügt. Nach eingehender Untersuchung wurde festgestellt, dass der direkt an der Betondecke aufgebrachte Weissputz diejenigen Risse wiederspiegelte, die im Beton bereits vorhanden gewesen waren.

Beurteilung der vorgefundenen -Situation
Die Ursachen, die zur Bildung von Rissen in Decken und Wänden führen, sind sehr komplex. Oft sind Risse in gebräuchlichen Baustoffen nicht völlig vermeidbar. Deshalb lässt die Tatsache eines sichtbaren Risses in einem Bauteil nicht automatisch den Schluss zu, dass ein Mangel vorliege oder ein Schaden entstanden sei. Grundsätzlich ist eine völlig rissfreie Oberfläche nicht oder nur bedingt herstellbar. Umso mehr stellt sich die Frage, welche Anforderungen an das Vorgewerk, die Betondecken, gestellt wurden, wie diesen Anforderungen am Folgegewerk Rechnung getragen wurde und welche Risiken und Nutzungsvereinbarungen (Standardklasse) einkalkuliert wurden.

Diverse Merkblätter stellen Risse von < 0,1 mm Breite beim Innenputz als keinen Mangel dar; solche Risse sind in der Folge vom Besteller und Nutzer zu tolerieren. Da bei glatten Beschichtungen und je nach Lichteinfall unser menschliches Auge bereits Risse von < 0,5 mm wahrnimmt, wird eine Toleranz grundsätzlich ausgeschlossen. Anders als beim Innenputz sind beim Beton in der Regel Rissbreiten von < 0,7 mm bei normalen Anforderungen zu tolerieren. Um den Begriff des Qualitätsstandards und der Gebrauchstauglichkeit auf das Objekt und auf die vorgängige Planung zu berücksichtigen, wurden die Betonbauteile durch den Bauingenieur in Form einer Nutzervereinbarung mit dem Auftraggeber gesondert vereinbart. Darin wurde auf diverse Normen und mögliche Risstoleranzen verwiesen.

Überschneidende Problematik
Wie vorgängig beschrieben, wurden die Rissrisiken schon in der Nutzervereinbarung zwischen Bauingenieur und Auftraggeber berücksichtigt. Inwiefern diese Gegebenheit auf die nachfolgenden Gewerke in Planung und Ausführung Einfluss hatte, konnte im Werkvertrag der Gipserarbeiten zunächst nicht beurteilt werden. Dem Gipser jedenfalls wurde solcherart Nutzer-vereinbarung nicht kommuniziert. Somit musste dieser Bauteile beschichten, die ohne sein Wissen durch eine Nutzervereinbarung geregelt waren und grössere Risstoleranzen zulassen würden als sein einlagiger Weissputz.

Bei der Beurteilung der Rissbreite und Rissverteilung im Beton handelte es sich nachweislich nicht um statisch bedeutsame Risse, die die Standsicherheit gefährdeten. Die Risse setzten sich vom Beton in den Putz fort. Der Putz bringt nicht den Beton zum reissen − es handelte sich um untergrundbedingte Risse, die in den Weissputz abgeleitet wurden. Solche Risse können durch hygrisch oder thermisch bedingte Volumenänderung entstehen. Der Beton darf an einigen Stellen und auf die beschriebene Weise reissen, wenn dies nicht vorgängig durch eine Rissbreiten-beschränkung (Einlegen von Zusatz-
bewehrung) ausgeschlossen wurde. Der zweilagige Putz sollte die auftretenden Spannungen aus dem Beton aufnehmen und eine erhebliche Rissbildung verhindern können.

Fazit
Mit Blick auf die nicht unbekannte Riss-problematik hätte hier ein 2-lagiger Deckenputz auf die Betondecke angebracht werden müssen, der allfällige Risse überbrückt. Der Grundputz, der als Grundschicht aufgebracht wird, hätte mit seiner Schichtstärke und Druckfestigkeit feine Risse aus dem Betonuntergrund aufnehmen können, und er hätte solche aufgrund seiner Eigenschaft nicht gleich an die Weiss-putzschicht abgeleitet. Da Weissputz eine dekorative Putzschicht ist, kann diese weder von der Materialeingenschaft noch vom Einsatzzweck her Risse in dieser Grössenordnung aufnehmen. Dünnschichtputze ohne Grundputz eignen sich bei konstruktiv bedingten Rissen beziehungsweise bei Nutzerklassen wie der Nutzungsvereinbarung «Standard» nicht für eine nachhaltige Lösung ohne Folgeprobleme.

Nachdem hier grössere Risstoleranzen im Beton durch eine Nutzervereinbarung geregelt wurden, hatte der Gipser − wie so häufig in der Praxis − keinen Gedanken daran verschwendet, dass möglicherweise Mängel an seiner Weissputzdecke hervorgerufen werden könnten. Zwar haftet der Gipser für seine Ausführungsvarianten namentlich, aber nicht für die Richtigkeit der durch den Auftraggeber oder Bauherrn bekanntgegebenen Anforderungen, Gegebenheiten und Annahmen.

Bei der Planung wurde zu wenig berücksichtigt, dass die Anforderungen an den Putz aufgrund der Nutzung, der inneren und äusseren Einwirkungen, der konstruktiven und bauphysikalischen Eigenschaften des Untergrundes zu definieren sind und der Putz auf die Gegebenheiten abzustimmen ist. Der Gipser hat es versäumt, die Grundlagen des 2-lagigen Putzes auszuführen und einzuhalten. Hierzu hätte es für den Gipser auch in den Fachnormen genug Hinweise gegeben. Wirtschaftliche Varianten ersetzen nun mal keine Regeln der Baukunst. Folglich sollte den verschiedenen Toleranzen von Rissen aufeinander abzustimmender Bauteile sowohl bei der Planung wie auch Ausführung von allen Beteiligten erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. 
 
Ausgabe "2011/2 - März" bestellen
 
Text Renato Mezzelani
Bild Renato Mezzelani
 
   Weiteres zum Thema
 
Bauphysik | Bauphysikalische Kenntnisse sind für …      
Putz / Stuck / Trockenbau | Materialzusammen …      
Wärmedämmung | Die Sensibilisierung auf …      




Lifecom


Xen-On


Verkehrshaus