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Nie gesehene Oberflächen möglich gemacht
Emanzipiertes Handwerk schafft Perspektiven
 
Rot ist nicht gleich Rot. Diese Binsenwahrheit basiert unter anderem auf der Erkenntnis, dass das Bindemittel für Erscheinung und Ausstrahlung eines Farbtons stark mitverantwortlich ist. Die beiden erfahrenen Profi-Handwerkerinnen, Luzia Borer und Margarete Schaufelberger, kennen Gesetzmässigkeiten dieser und ähnlicher Art aus dem FF. Deshalb wissen sie auch, dass sie die Oberflächenbeschaffenheit zum Beispiel mit selber angemischten Farben präziser beeinflussen können als mit industriellen Erzeugnissen. Mit von eigener Hand hergestellten Lasuren und spezialisierten Handwerkstechniken kreieren sie besondere und auf individuelle Ansprüche zugeschnittene Oberflächen.

Wertvolle Spuren des Handwerks

Mit Leimfarbe bleibt die Brillanz der Pigmente erhalten; der Zelluloseleim führt nur zu minimalen Farbtonveränderungen. Die Farbe leuchtet auch bei Kunstlicht. In reinen Silikatfarben entfalten die Pigmente ebenfalls grosse Leuchtkraft.
Unregelmässigkeiten auf der Oberfläche als Ausdruck professionellen handwerklichen Arbeitens haben heute einen unschätzbaren Wert. Sichtbare, gekonnt handwerkliche «Spuren» vermitteln Einzigartigkeit, Individualität, Lebendigkeit.

Die Umkehrung gewohnter, konventioneller Anschauungen wirft ein Licht auf ein ungeahntes Feld neuer, ausserordentlicher Gestaltungsmöglichkeiten. Zum Beispiel sichtbare Pinselstriche statt gespritzte oder gerollte Oberflächen. Oder «unerwünschte Spuren» wie Ausblühungen, Leimreste, Flecken statt Homogenität. Neu interpretiert, bilden solche Spuren die Grundlage für höchst interessante Oberflächen, sofern sie nicht im Vornhinein mit einer deckenden Farbe überstrichen werden.

Mit einem solchen Handwerk, das sich selbst- und qualitätsbewusst manifestieren darf und soll, lässt sich gutes Geld verdienen; auch ebnet ein solcher Ansatz vor allem im Renovationsbereich ein weites Feld für kostengünstige Lösungen, die aber vor allem Manifestation einer aussergewöhnlichen Ästhetik und Ausdruck für individuelle Gestaltungsansätze sind.

«Um es vorweg zu nehmen, der Wunsch nach einer roten Wand wird bei uns nicht zwangsläufig erfüllt.» Keine Frage: die Malerinnen und Oberflächengestalterinnen Luzia Borer und Margarete Schaufelberger strahlen Selbstsicherheit aus. Diese ist von der Art, dass man sie gerne annimmt – vielleicht, weil sie unangefochten Know-how und Verantwortung ausstrahlt. Schaffenskraft und Ideenreichtum der beiden Handwerksfrauen im Bereich Farben und Gestaltung von Oberflächen suchen ihresgleichen. «Unsere Berufserfahrung erweitert das Spektrum der scheinbar begrenzten Möglichkeiten ins Unermessliche. Aus diesem Grund muten wir unseren Kundinnen und Kunden oft mehr zu, als sie sich wahrscheinlich selbst zutrauen würden. Die ursprüngliche Idee wird im Gesprächs- und Arbeitsprozess weiter entwickelt, was erfahrungsgemäss zu den schönsten Ergebnissen für alle Beteiligten führt.» So erstaunt es nicht weiter, wenn der Hauptberuf beider Frauen darin besteht, alte Maltechniken neu zu interpretieren und mit den unterschiedlichsten Materialien und Untergründen zu experimentieren. Wer sich auf die beiden Handwerksfrauen Luzia Borer und Margarete Schaufelberger einlässt, erlebt sein gestalterisches Wunder. Keine Angst: die beiden Profis beherrschen ihr Handwerk, garantieren ihren Kunden handwerkstechnisch einwandfreie Resultate. Der Weg bis dahin gleicht einem Prozess, der durchaus über steiniges Terrain oder um spitze Kurven führt. Denn nicht jede Vorstellung von Oberflächenfarbe oder -struktur lässt sich 1:1 umsetzen – vielleicht sind es technische Erfordernisse, die auf einmal Fragen aufwerfen lassen, an die vorher weder Bauherrschaft noch Architekt gedacht haben. Oder die Erfahrung, wie sich ein Material im Lauf der Zeit auf die eine oder andere Art verändern kann, wird Grundlage für eine materialtechnische Diskussion. Wie soll, wie darf sich eine ausgewählte Farbe im Alterungsprozess verhalten? Verantwortung bei der Oberflächengestaltung wahrnehmen heisst, Kundinnen und Kunden in den Schöpfungsprozess einer Oberflächenstruktur mit einzubeziehen, sie auf die kreativ-gestalterisch bedingte Bewegung des Pinsels oder der Bürste einzustimmen, ihnen die zulässigen und gewollten Spuren des handwerklichen Akts zu erklären, mit ihnen zu besprechen, wie eine solche Oberfläche würdig altern darf und altern soll. Unter solchen Vorzeichen transparent gemachten Know-hows und Erfahrung ist der Begriff einer «Ästhetik des Alterns» gut aufgehoben und denkbar.

Spuren der Zeit modern interpretiert
Die Frage stellt sich vor allem bei Altbauten: Wie wollen wir die mit Leim- und Farbspuren verunreinigte Wand schön renovieren, ohne den engen Budgetrahmen zu sprengen? Deckend streichen oder mit einer Tapete zudecken sind Lösungen, die günstig sind und schon deshalb auf der Hand liegen. Schliesslich soll ein Übel (die schmuddelige Wand) beseitigt werden und eine ansprechende Lösung (zum Beispiel ein homogener, deckender Anstrich) gefunden werden. Auch hier ermöglichen Schaufelberger und Borer ihren Kunden einen andern Zugang zur Problematik, indem sie die Umkehrung gewohnter Ansichten zum Thema machen. Der von ihnen praktizierte Ansatz will in den gegebenen Wandspuren statt ein zu beseitigendes Übel eine Struktur erkennen, die es wert ist, genauer betrachtet, erhalten und neu interpretiert zu werden: Spuren der Zeit nämlich, die eine interessante Geschichte erzählen. «Wandzeichnungen» dieser Art müssten ja eigentlich, rein konventionell gedacht und empfunden, stören. Diesem verengten Blickwinkel setzen Borer und Schaufelberger den erweiterten Standpunkt entgegen, dass gerade im scheinbar Unansehlichen das Schöne und Besondere liegen mag. Und schon spricht die Wand, die ich eben noch homogen-deckend überstreichen wollte, Bände, spricht an, fasziniert.

Verfremdende Akzentuierung gegebener Wandspuren
Die erfahrenen Handwerkerinnen bürsteten die verunreinigte, inhomogene Wand mit blau-grau pigmentierter Leimfarbe lasierend so, dass der Pinselstrich sichtbar geblieben ist und die gegebenen Strukturen durch die vorgenommene Pigmentierung verfremdend akzentuiert hindurchschimmern (Bild 3). Das eigenwillige Resultat dokumentiert und interpretiert Spuren der Geschichte neu. Ähnlich wie die Esszimmerwand, die mit einer stark verdünnten Naturharzdispersion ebenfalls lasierend gebürstet wurde: Kaminruss, Ausblühungen, Leimresten bilden jetzt die Grundlage für eine völlig neu gesehene Oberflächenstruktur. Langweilig wirkt eine solche nie. Übrigens auch die schablonierten Bordüren nicht. Diese sind nämlich mit einer Paustechnik in feinen Punkten auf die Wand skizziert und anschliessend von Hand mit Kohle nachgezogen worden – der lebendige Unterschied zu starren Schablonenzeichnungen ist augenfällig. Das Wärme und Gediegenheit ausstrahlende Gold bildet das Gegenstück zur bewusst kaum veredelt und doch eigenartig verfremdend erscheinenden Oberfläche. Unter bewusstem Verzicht auf Spachtelungen sichtbar gebliebene Anrisse und das Blattgold bilden ein Spannungsfeld, das den Blick öffnet für eine völlig neue, vielleicht noch etwas gewöhnungsbedürftige, Ästhetik (Bild 6).

Der experimentelle Umgang mit Oberflächen, so wie ihn Luzia Borer und Margarete Schaufelberger in unzähligen Ausprägungen immer wieder praktizieren, geht wohl weiter als die handwerklichen Konventionen und Leitlinien der Meisterschulen. Mutig verschieben oder überschreiten die Frauen Grenzen, die sie in ihrer grenzenlosen Neugierde und in ihrem Drang nach Mehr hindern würden. Dieser Mut verdient Aufmerksamkeit, zumal er auf fundierter Bildung, Weiterbildung, auf nie enden wollendem Suchen, Ausprobieren, Weiterentwickeln basiert. Die Resultate sind so anspruchsvoll und vielseitig wie die Wünsche und Fantasien von Architekten oder Bauherren. Und für eine einwandfreie Umsetzung bürgen die beiden Praxis erprobten Frauen mit ihrem Wissen, ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem Namen. 
 
Ausgabe "2006/8 - Dezember" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz
Bild Michael Fontana, Basel
 
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