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Kalk auf den Bau zurückgebracht
Vielfältige und innovative Anwendung von Kalk
 
Wählt man heute ein Putzsystem aus, so wird ab der Vielfalt der auf dem Markt sich befindenden neuen Putze oft der seit Jahrtausenden bekannte und bewährte Kalkputz vergessen. Dabei entspricht gerade der Kalk in allen Belangen den heutigen Anforderungen für Innen- wie für Aussenputze, ohne dass dieser natürliche Kalkputz mit synthetischen Additiven «vergütet» werden muss.

«Einer der besten Kriterien des Kalkes ist seine Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen und abzugeben. Eine vierköpfige Familie produziert durch Atmen, Schwitzen, Kochen, Duschen etwa 10 Liter Feuchtigkeit pro Tag. Einen Grossteil dieser Feuchtigkeit wird durch Lüften eliminiert, der Rest sollte das Baumaterial aufnehmen können. Kalkputze sind in der Lage, einen Liter Wasser in Dampf- wie auch in Flüssigform bei einer 3 mm Putzstärke pro Quadratmeter aufzunehmen und durch ihre schnelle Rücktrocknung auch wieder abzugeben. Die überaus schnelle Rücktrocknung ist ein entscheidender Faktor bei der Dämmung. Je schneller ein Baustoff trocknet, umso besser dämmt er. So trocknet ein lufthärtender Kalkmörtel zehnmal schneller aus als ein Zementmörtel. Bei norma-len atmosphärischen Bedingungen ist ein Kalkputz völlig trocken. In seinem Innern schliesst der offenporige Kalkputz aber Luftlager ein, die durch die Wärme der Sonnen-einstrahlung aufgeheizt werden und die so gespeicherte Wärme wieder abgeben können. Dadurch senkt sich das Temperaturgefälle in der Wand. Da es sich beim Kalkmörtel um ein 100 prozentiges Naturprodukt handelt, ist dieser frei von chemischen und organischen Zusätzen. Beim Abbinden und auch danach dünsten keine Schadstoffe aus. Er ist geruchlos und frei von allergieauslösenden Substanzen. Zudem wirkt er auf natürliche Weise hemmend gegen Pilz- und Bakterienbefall. Der Kalk beweist sich nicht nur als hervorragendes Bindemittel bei Mörteln, sondern auch ohne Sandzusätze in den monochromen und polychromen Anstrichsystemen sowie in der Secco- und Frescomalerei. Nebst den technischen Eigenschaften wie der Dampfdurchlässigkeit, der Offenporigkeit, dem schnellen Rücktrocknen, der Lufthärtung, dem Antistatischen, dem
Anorganischen, der Klimaregulierung und der ausreichenden Wärmedämmung besitzt ein Kalkputz und -anstrich eine ästhetische Optik sowie ein ebenso schönes Bild beim Altern. Der Farbgebung sind auf Kalk keine Grenzen gesetzt. Kalkputze und -anstriche können heute genauso wie in alten Zeiten eine vielfache und innovative Anwendung finden, vorausgesetzt, sie werden von erfahrenen Fachleuten verarbeitet, die die alte Handwerkstechnik beherr-schen und gegenüber den heutigen Wünschen zukunftsweisend vorausdenken.»
Stefan Nussli, Nussli Restauratoren AG
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«In unserem Kulturkreis wurde seit über 2’000 Jahren mit Luftkalk gebaut. Erst das industrialisierte Bauen im 20. Jahrhundert hatte zur Folge, dass das Handwerk des Kalkers und der Baustoff selbst völlig in Vergessenheit geraten sind. Seit über 30 Jahren ist es mein Anliegen, den Kalk wieder auf den Bau zurückzubringen. Beim Renovieren, Restaurieren und im Unterhalt alter Bausubstanz interessiert mich, im Material Gleiches mit Gleichem zu pflegen. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem historischen Bauen fliessen aber auch in neue Gestaltungsaufgaben ein. So sind in den letzten Jahren neue Kalk verputze (Andachtsraum Alpnach Dorf, COVISS 6/2008), Fussböden aus Kalkmörtel (Kathedrale Chur, Neubau Kunz in Winterthur) entstanden, oder auch Wiederentdeckungen gelungen und ausgeführt worden, wie zum Beispiel die sandlosen, nur mit organischen Fasern armierten Kalkverputze (Heimstätte Weid in Rossau und Préfécture Courtelary).»
Ruedi Krebs, Kalker
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«Kalkfarbe ist das älteste rein mineralische Bindemittel und Anstrichsystem. Das althergebrachte Anstrichsystem bewährt sich heute noch ausgezeichnet und lässt sich sowohl am historischen wie auch am modernen Bau einsetzen. Die verschiedenen Kalkanstrich-Techniken ermöglichen sowohl stark bunte wie auch zarte, pastellfarbige Gestaltungen mit einer eigenen, tiefen und brillanten Oberflächenwirkung. Für die nachhaltige Ausführung von Kalkanstrichen braucht es Können und Erfahrung: Wissen alleine reicht nicht aus. Ein gelungener Kalkanstrich ist im Regelfall immer das Resultat eines gekonnten Zusammenwirkens von Planung, Verputzaufbau, Farbgebung, Gestaltung und Ausführung. Das setzt insgesamt eine rechtzeitige Befassung voraus. Kalkanstriche sind nicht nur bauphysikalisch und ökologisch sinnvoll, sondern im Rahmen von Pflege, Unterhalt und Erneuerung auch ökonomisch nachhaltig und damit äusserst interessant. Ein -reiner Kalkanstrich bedingt einen ebenso unvergüteten, rein mineralischen Verputzaufbau, was nicht immer verstanden wird. Die fachgerechte Ausführung von Kalkanstrichen setzt andere Arbeitsabläufe als bei modernen Anstrichmaterialien voraus und ist im heutigen Bauumfeld aufwändiger: Die Gesamtbilanz darf sich aber sehen lassen. Die bei einem Kalkanstrich notwendige intensivere Befassung und Ausführungstiefe lässt sich am überzeugenden optischen und qualitativen Resultat erkennen. Der Kalkanstrich ist das einzige Anstrichsystem, das auf einen feuchten, noch nicht ausgetrockneten Verputz appliziert werden kann. Mit einem solchen freskalen Anstrich sind äusserst wetterbeständige sowie kräftige und intensivere Farbigkeiten möglich. Sumpfkalkprodukte könnten einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion von Kunststoffen im Verputz- und Anstrichbereich von Hochbauten leisten: Sie enthalten keine Schadstoffe.»
Claudio Fontana, Fontana & Fontana AG
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«Das zu Ende gegangene, bautechnologisch innovative Jahrhundert, das uns so viele Neuerungen bescherte, versuchte sich auch immer wieder an historischer Bausubstanz. Der Grundgedanke, es besser als die Altvorderen zu können und mit technisch raffinierten Mitteln einen intakten Dauerzustand von historischen Bauten zu erreichen, schlug jedoch fehl. Der traditionelle Baustoff Kalk wurde immer schon als Bindemittel in Mauermörteln, Ver-putzmörteln und Anstrichstoffen verwendet. Die unterschiedlich formulierten Rezepturen mit Kalk, Sanden und Kiesen als Zuschlagsstoffe sowie verschiedenen Hilfsmitteln wie Trass, Puzzolane, Ziegelmehl, Faserarmierungen und eingeplante Luftporenbildner gehörten sowohl bei den Römern als auch im Mittelalter zu den empirischen Kenntnissen des Handwerks. Die Beständigkeit einzelner Bauwerke aus diesen Zeiten legt eindrückliche Zeugnisse davon ab. Kulturdenkmäler, die mehr als hundertjährig und mural beschaffen sind, können, was die Bindemittel betrifft, als Kalkbauwerke bezeichnet werden. Aus Gründen der bauphysikalischen Materialharmonie und der Kompatibilität der Interventionen, aber auch für ein historisch korrektes Arbeiten, sollte der Kalk Ausgangspunkt für weitere erhaltende, restauratorische Eingriffe sein. Da nach den Regeln der Baukunst die Verputzschichten von innen nach aussen weicher werden müssen, drängen sich Kalkverputze in all jenen Situationen auf, wo mit Kalk ge-mauert wurde. Die häufigsten Schäden im Verputzbereich von mit Kalk erbauten Häusern werden durch zu harte Verputze verursacht.»
Bernhard Nydegger, BWS Labor AG 
 
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