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Kalkfarben für die moderne Instandsetzung
Bedeutung von Kalk für die Raumgestaltung
 
Kalk wird schon seit Jahrtausenden als Bindemittel und Farbe verwendet. Dabei wurde Farbe zunächst
als -religiöses oder kultisches Aus-drucks-mittel verwendet, bevor es auch zur Gestaltung profaner Architektur oder Gebrauchsgegenstände benutzt wurde.


Kalk zur Herstellung von Kalkfarben wird aus anstehendem Kalkgestein gewonnen, der gebrannt und anschliessend teilweise oder vollständig «gelöscht» wird. Je nach Lagerstätte enthalten die Kalkgesteine mehr oder weniger tonhaltige Substanzen, sodass die entstehenden Kalke entweder reine Luftkalke oder natürlich hydraulische Kalke sind. Für die farbgebende Beschichtung wurde in der Vergangenheit zumeist mehrjährig eingesumpfter (Luft-)Kalk verwendet, da dieser durch die lange Lagerung sehr feinteilig wird und damit eine feine und gleichmässige Farbschicht ergibt. Zur Verbesserung der Festigkeit oder der Verarbeitung wurden dem Kalk je nach Erfahrung oder Tradition Zusätze beigegeben: Urin als Netzmittel, Quark oder Topfen als Kaseinzusatz (organisches Bindemittel) oder Leinölfirnis zur Reduzierung der Wasseraufnahme. Auch diverse Zucker- oder Stärkezusätze sind -bekannt, sie sollten neben dem Wasser-rückhaltevermögen auch die Kristallform des entstehenden Kalziumkarbonats verändern und damit eine höhere Festigkeit ergeben.

Die Farbpalette von Kalkfarben ist durch die hohe Alkalität des Kalkes eingeschränkt. In der Vergangenheit dienten daher vor allem farbige Erden, Russ und Holzkohle als farbgebende Pigmente. Aufgrund der schwachen Bindekraft der herkömmlichen Kalke konnten kaum farbkräftige Töne oder gar Volltöne hergestellt werden. Heutzutage sind eher Eisenoxide oder künstlich hergestellte Mineralpigmente gebräuchlich, da natürliche Erden die Festigkeit der Kalkfarben zu stark re-duzieren können. Auch können moderne synthetische Pigmente verwendet werden, um besonders kräftige Rot-, Orange-, Gelb-, Grün- oder Blautöne zu erreichen. Die Farbintensität konnte insbesondere durch die Entwicklung des dispergierten Weisskalkhydrates bis hin zu echten Volltonfarben gesteigert werden, sodass mit Kalk nicht nur Pastellfarbtöne erzielt werden können.

Kalkvolltonfarbe
Die frühere Ausnahmestellung der Kalkfarben wurde insbesondere im 20. Jahrhundert durch kunstharzgebundene, ölige oder siliziumorganische Farbsysteme verdrängt. Man versprach sich von diesen Systemen längere Standzeiten, geringere Arbeitskosten und nicht zuletzt auch eine grössere Farbpalette. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben jedoch gezeigt, dass die Lebensdauer dieser Farbsysteme durchaus nicht den hochgesteckten Erwartungen entspricht und dass insbesondere die Gesundheit der Verarbeiter und der Bewohner unter den Folgen derartiger Beschichtungssysteme zu leiden haben. Besonders ins Gewicht fallen hierbei allergene Zusatzstoffe, organische Lösemittel und die absperrende Wirkung durch hydrophobe (Dispersions- und Silikonharzfarben) oder porenverdichtende Farben (Dispersionssilikatfarben). Während allergene Stoffe einen direkten Einfluss auf Anwender und Bewohner ausüben, zeigt sich die Wirkung verdichtender oder hydrophober Beschichtungen erst nach und nach. Die Wandflächen können kaum mehr als Feuchtigkeitspuffer dienen, wodurch es zu starken Feuchtigkeitsspitzen kommt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit von Kondensfeuchtebildung auf den Wandflächen, vor allem jedoch in den Ecken und in den Fenster-laibungen, sehr hoch. In der Folge werden Pilzsporen kultiviert, denen die Dispersions-, Silikonharz- und Dispersionssilikatfarben als Nahrungsgrundlage dienen. Für eine gesundheitsbewusste häusliche Umgebung ist eine schadstofffreie und kapillare mineralische Beschichtung unumgänglich.

Neue Technologie für moderne Kalkfarben
Vor nunmehr 10 Jahren wurde der Palette an Kalken ein wichtiger Baustein hinzugefügt: das dispergierte Weisskalkhydrat. Dabei handelt es sich um einen reinen Luftkalk, der, im Dissolver hochtourig mit Wasser vermischt, mechanisch aktiviert wird. Die während des Dispergierens herrschenden Scherkräfte zerteilen die Kalziumhydroxidagglomerate in Primärteilchen von durchschnittlich 3,5 bis 4,5 ᄉm Teilchengrösse. Das so entstandene dispergierte Kalkbindemittel zeichnet sich durch hohe Reaktivität und Festigkeit sowie durch grosse Beständigkeit aus. Dieses ursprünglich für die Konservierung von Wandmalerei entwickelte Bindemittel birgt grosse Vorteile für die Herstellung von Kalkfarben. Aufgrund der hohen Bindekraft kann eine wesentlich höhere Pigmentkonzentration gebunden werden, wodurch starke Volltonfarben möglich sind. Gleichzeitig kann aber auch eine grosse Menge an Füllstoffen gebunden werden, die hohe Deckkraft und Kapillarität ermöglichen. Somit ergeben sich mit dem dispergierten Weiss-kalkhydrat nicht nur in der Farbgebung, sondern auch in der Oberflächenstruktur eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten bei gleichzeitigem Erhalt der notwendigen bauphysikalischen Eigenschaften.

Untergründe
Geeignet für moderne Kalkbeschichtungen sind zunächst alle mineralischen, saug-fähigen Untergründe. Dazu gehören neben Ziegel, Kalksandsteinen, Lehmputzen, Kalk- und Kalkzementputzen auch viele Natursteine. In Innenräumen kann die moderne Kalkfarbe auch zusätzlich noch auf Gipsputzen, Gipskarton, Heraklith, Vermikulith und anderen Trockenbaustoffen verwendet werden. In Feuchträumen und Kellerräumen sollte allerdings unbedingt auf eine gute Saugfähigkeit geachtet werden. Hierfür sind die Gipsputze und auch Gipskarton nicht geeignet.

Kapillarität für ein gesundes Raumklima
Für ein wohngesundes Raumklima wird eine möglichst gleich bleibende, relativ niedrige Luftfeuchtigkeit benötigt. Dazu werden neben einer ausgewogenen Lüftung insbesondere die Wand- und Deckenscheiben zur Regulation der Luftfeuchtigkeit benötigt. Ist durch den Körperschweiss, den Atem, das Kochen, Bügeln oder Waschen eine zu hohe Luftfeuchtigkeit in der Raumluft erreicht, schlägt sich die Luftfeuchte an den Wand- und Deckenflächen nieder, da diese zumeist kühler als die Raumluft sind. Bestehen die Beschichtungen der Wand- und Deckenflächen aus dichtem oder hydrophobem Material, entsteht Kondenswasser, das in Zusammenspiel mit or-
ganischen Beschichtungsmaterialien wie Tapete, Kaseinfarbe, Leimfarbe, Dispersionsfarbe die Grundlage für Schimmelwachstum ist. Ist die Wandbeschichtung jedoch kapillar, kann das Kondenswasser in den Porenraum der Farbe und weiter in den Porenraum der Wand (Putz oder Stein) geleitet werden. So entsteht keine stehende Feuchtigkeit, die einem Schimmelwachstum Vorschub leisten würde.

Besonders erwähnenswert sind jedoch die ökonomischen Eigenschaften, die sich für auf Kalk basierende kapillare Wandbeschichtungen ergeben. Durch die Kapillarität der Beschichtungen kann eine Wand wesentlich schneller austrocknen, als dies bei lediglich dampfdurchlässigen Beschichtungen der Fall ist. Der effektive Feuchtedurchgang bei lediglich dampfdurchlässigen Beschichtungen ist gegenüber kapillaren Beschichtungen unerheblich. Bei einer trockenen Wandscheibe verlagert sich der Taupunkt weit nach aussen, sodass ein deutlich höherer Dämmwert erreicht wird. In der Denkmalpflege ist Kapillarität sehr wichtig. Schadsalze können aus der zu schützenden historischen Substanz in die kapillare Kalkbeschichtung -hineinwandern und schädigen in der Folgezeit lediglich die aufgetragene Kalk-beschichtung. Dadurch wird eine lang-fristige Erhaltung denkmalwerter Substanz erst möglich.

Kalk – natürlich antiseptisch
Ein weiterer Baustein zur wohngesunden Umgebung ist die hohe Alkalität des Kalkes. So wurden Kalktünchen seit Menschengedenken als desinfizierende Beschichtungen für Viehställe verwendet. Selbstverständlich war und ist diese des-infizierende Wirkung auch in Wohnräumen willkommen. Zumal in der heutigen Zeit die gesundheitlichen Probleme durch Schimmel in Wohnräumen stetig steigen. Die Sanierung schimmelverseuchter Wohnungen ist sehr aufwändig. Hier können Kalkfarben sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch eingesetzt werden. Die hohe Alkalität vernichtet Schimmelsporen und -hyphen dauerhaft. Eine Neube-
siedlung durch Schimmel ist aufgrund der hohen Alkalität kaum möglich.

In der heutigen Zeit werden zur Schimmelbekämpfung häufig synthetische Fungizide eingesetzt, die nicht nur für die Schimmelsporen, sondern auch für den Menschen gefährlich sind. Auch werden sie mit der Zeit selbst zu einer Nährlösung für Schimmel, sodass die Langzeitwirkung angezweifelt werden darf. Daher sind kapillare Kalkmaterialien als Putz und als Farbbeschichtung in jedem Fall die gesündere und langfristig effektivere Lösung von Schimmelproblemen. Kalk, Kalk-Zementputze und einige Spezialputze auf Zementbasis bieten sowohl kapillare als auch alkalische Untergründe. Lehm ist zwar kapillar, jedoch nicht alkalisch. Alkalität und Kapillarität im Verbund bewirken ein gesundes, trockenes Raumklima, das zum Erhalt der Gesundheit und der natürlichen Abwehrkräfte beiträgt.

Dekorative Gestaltungstechniken
Aufgrund der guten Verarbeitbarkeit und der Vielzahl an Farb- und Strukturgebungen können die modernen Kalkmaterialien sehr gut zur farblichen Gestaltung von Innenräumen und Fassaden verwendet werden. Damit sind nun nicht mehr nur einfarbige, unstrukturierte Wandbeschichtungen möglich. Es bieten sich im Gegenteil vielfältige Möglichkeiten für individuelle, hochwertige Gestaltungskonzepte.

Glanzspachtel: Eine sehr beliebte Möglichkeit der Verwendung von Kalk ist die Glanzspachteltechnik, auch Marmorino genannt. Der Glanzspachtel wird aus Kalk, Marmormehl und Öl beziehungweise Seife hergestellt. Viele Hersteller geben zusätzlich Kunstharze (Acrylate, Styrolacrylate) bei, um die Abriebfestigkeit zu erhöhen. Sowohl die Verarbeitung als auch die Zusammensetzung differieren von Hersteller zu Hersteller. Auch die Notwendigkeit einer nachträglichen Versiegelung für stark belastete Wandbereiche ergibt sich aus der Rezeptierung. Vom gesundheitlichen Aspekt empfiehlt es sich, einen auch nach dem Verdichten kapillaren Glanzspachtel zu wählen, sodass nur nach Bedarf eine Wasserabweisung durch Wachsen oder Ölen verwendet wird.

Wickeltechnik, Schwammtechnik, Wischtechnik, Schablonieren: Diese Techniken sind dem Handwerk seit Jahrhunderten geläufig. Jetzt stehen sie auch in Kalktechniken uneingeschränkt zur Verfügung. Der Phantasie der Ausführungen sind keine Grenzen gesetzt.

Zusammenfassung
Die Jahrtausendealte Nutzung von Kalkfarben, die in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit geraten war, birgt grosse Chancen und Nutzen für ein gesundes und energiebewusstes Wohnen. Insbesondere die zunehmenden Schimmelpilzerkrankun-gen, Allergien und Asthma, die oft mit Wandfarben in Verbindung gebracht werden, zeigen die Notwendigkeit zur Verwendung kalkgebundener Farbsysteme.

Das dispergierte Weisskalkhydrat kann die modernen Ansprüche an Farben mit den Vorzügen klassischer Kalkfarben verbinden. Gleichzeitig ist durch die hohe Bindekraft und Dauerhaftigkeit sehr viel Kreativität in Form, Struktur und Farbe möglich. Dieser Vorteil kann sowohl für die individuelle Wohnraumgestaltung als auch zur hochwertigen Bauinstandsetzung genutzt werden.


Kontakt
Importeur für die Originalprodukte von Kalk-Kontor auf Basis von micronisiertem Kalk (dispergiertes Weisskalkhydrat):
Thymos AG, Lenzburg, Telefon 062 892 44 44, info@thymos.ch
www.thymos.ch

Hersteller und Patentinhaber:
Kalk Kontor GmbH, Siegburg
Telefon 0049 (0)22 41 251 9955
kontakt@kalk-kontor.de
www.kalk-kontor.de
 
 
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Text Rochus Michnia
Bild Ursula Ochsenbein
 
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