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Pigmente mit wechselndem Farbton
Farbglanz spiegelt Farbengeschichte
 
Fünfundzwanzig Jahre Forschung führten Dr.Kremer und sein Mitarbeiterteam zu einem enormen Sortiment an historischen Pigmenten. Über 1’000 verschiedene Pigmente und alle möglichen Bindemittel für jede Maltechnik werden in der alten Mühle im bayerischen Dorf Aichstetten angeboten. Dort entstehen in aufwändiger Handarbeit wertvolle reinste Pigmente, wie sie die Industrie kaum anbieten kann. Eine wahre Fundgrube für Architekten, Künstler und Gestalter, die auf der Suche nach besondern Pigmenten und einzigartigen Effekten sind.

Ringen um Farbe

Künstler und sensibilisierte Farbanwender schauen von der Natur ab, wie Farbe aufzubringen ist: etwa den leuchtenden Schmetterlingen, deren schillernde Farben aussehen, als seien sie aufgepudert. Das Gegenteil, wenn Farbe mit Öl gemischt ist und plötzlich zusammensackt: Das Licht kann nicht mehr in die Partikel eindringen, was die Leuchtkraft mindert.

Wie bringe ich die Farbe zum ursprünglichen Leuchten? Das ist die Frage der Durchsichtigkeit, des Lichts, und dafür sind die Bindemittel mitverantwortlich.

Die Farben selber mit den für die gewünschten Effekte geeigneten Materialien anmischen. So das Rezept manch professioneller Farbverarbeiter, die den Aufwand des Suchens nach den richtigen Farbkomponenten und des Experimentierens und Bemusterns nicht scheuen, um schliesslich das erträumte Resultat tatsächlich zu erhalten.

In der Farbmühle Dr. Kremer in Aichstetten wird europaweit das grösste Sortiment an historischen Pigmenten mit über 1’000 verschiedenen Sorten bereit gehalten.

Aus Erden, Steinen oder auch Läusen gewinnt Kremer Farbpigmente – ein Wissen, das fast vergessen war. Kremer hat einen Grossteil seines Erwerbslebens damit verbracht, es wieder zugänglich zu machen.

Dank Kremer können Gemälde heute wieder mit Farben jener althergebrachten Machart restauriert werden, mit denen sie einst gemalt wurden.

Architekten, Künstler und Restauratoren, die ihre besondern Farben selber anmischen wollen, finden in Kremers Farbmühle fast unbegrenzte reale Möglichkeiten, ihren kreativen Vorstellungen über Glanzgrad und Leuchtkraft von Pigmenten bei der konkreten Umsetzung gerecht zu werden.
Qualität der Ware ist bei Kremer oberstes Gebot. Moderne Pigmente werden von der heutigen chemischen Industrie in sehr verschiedenen Qualitäten hergestellt. Die allerbesten dieser Pigmente werden in Kremers Farbmühle zu einem Sortiment zusammengestellt und mit einem Bestand eigens hergestellter Pigmente ergänzt. Selbst gemacht ist ein kleiner Teil der Bestände, der vom Wert her jedoch rund ein Viertel ausmacht. Dazu gehören neben Smalte das leuchtende Bleizinngelb, Elfenbeinschwarz aus Abfällen der Schmuckindustrie und feinstes Ultramarin. Diese Spezialität des Hauses wird nach Jahrhunderte alter Methode mit Terpentin, Wasser und andern Zutaten aus dem gemahlenen Halbedelstein Lapislazuli herausgewaschen – wenige Gramm strahlendes Hellblau aus einem Kilo Stein…

Im Altertum und im Mittelalter konnten die Farbhersteller Chemie noch nicht beschreiben wie wir heute – man arbeitete mit alchemistischen Zeichen. In einer viele Jahre dauernden Lehre wurde das reiche Wissen erworben. Dr. Kremer forscht seit Jahrzehnten für die Wiederentdeckung der alten Geheimnisse; das Wissen aus den alchemistischen Traditionen der Farbherstellung muss für die Herstellung der historischen Pigmente neu erfunden werden. Die Natur liefert die Steine, aus denen Farben gewonnen werden. Die Spezialisten in der Farbmühle sind in der Lage, aus fast jedem Mineral ein Pigment herzustellen.

Im Erdgeschoss in Kremers Handwerksbetrieb wird getrocknet, gemahlen, geschlemmt, gewässert, geknetet, gekocht, getrocknet, erneut gemahlt und gesiebt. Hier entstehen natürliche Pigmente. In den Stockwerken darüber lagern Marmor-, Quarz- oder Knochenmehle, Glasfarben, Metallpulver, Erdfarben, historische Pigmente aus eigener Herstellung und Pflanzenfarben aus Indigo, Drachenblut, Krappwurzeln, Galläpfeln, Bärlappsporen, Faulbaumrinde und Malvenblüten. Und Chemiefarben. Solche verkauft Kremer ebenfalls, womit er jedoch der Industrie keine Konkurrenz machen will. Denn Kremer weiss, dass es, rein technisch gesehen, zum Beispiel «kein besseres Weiss als das industriell hergestellte Titanweiss» gibt.

Seltene Pigmente aus Naturstoffen sind aber industriell kaum herzustellen. Deshalb hat Kremer für rund 100 verschiedene Pigmente eigene Rezepturen auf historischen Grundlagen entwickelt. Eine seiner Spezialitäten ist das Ultramarin aus Lapislazuli, das berühmte Fra-Angelico-Blau, das er nach altem Verfahren mit Harz in Wasser knetet und von dem das Kilo rund 30’500 Schweizerfranken kostet. Er kocht Buchenwurzeln – ein Geigenbauer benötigt die Brühe als Krönung für die Lasur seines Instruments –, oder er buddelt eigenhändig im italienischen Gebirge nach den Brocken seiner ganz persönlichen Entdeckung, der «Veroneser Erde», die mit ihrem kristallierten Eisensilikat ein sattes, schillerndes Grasgrün ergibt.

Haptische Qualitäten von Oberflächen
Anspruchsvolle Handwerker, Architekten, Künstler und Gestalter, die ganz besondere Oberflächen erzielen und eine solche nicht bloss rasch anstreichen wollen, befassen sich in der Regel vor Beginn des Malens mit den drei verschiedenen Hauptkomponenten der Farbe: Mit dem Malgrund (wie sieht der Untergrund aus, woraus besteht er?), mit den Pigmentteilchen (welches Farbmittel besitzt die Fähigkeit, Farbigkeit in der gewünschten Art zu übertragen?), und mit dem Bindemittel (welches klebende Material, welches Bindemittel verbindet die Farbteilchen untereinander und mit dem Malgrund?). Für Sensibilisierte dieser Art ist es ein Glück, ihre Farben mit Hilfsstoffen und Bindemitteln selbst anrühren und damit die Konsistenz genau kontrollieren zu können. Solches Verhalten dokumentiert, dass Farbe nicht gleich Farbe ist, sondern je nach Bestandteilen und deren Verhältnis zueinander verschieden zu verarbeiten ist und optisch wie haptisch unterschiedlich wirkt. Deshalb ziehen Künstler, Architekten und Handwerker die neu zu entdeckenden alten Produkte häufig billigeren, massenhaft hergestellten Industriefarben vor. «Wie Worte im Laufe der Zeit verloren gingen, sind auch Farben verschwunden. Ich versuche, sie wieder zu finden», lautet Kremers Antwort auf das Verschwinden alter Weisheiten und auf das neu erwachte Bedürfnis danach in der differenzierten Bau- und Künstlerwelt.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts liessen die wachsenden Erkenntnisse der Wissenschaftler die Zahl der neu entdeckten Substanzen explodieren, und die industriell hergestellten Farben setzten sich mehr und mehr durch. Die traditionellen hingegen wurden an den Rand gedrängt. Der Fortschritt der Chemie hat vor allem kostengünstige Lösungen ermöglicht. Aber die heute anstelle der Naturfarben verwendeten Ersatzstoffe haben andere Eigenschaften als ihre meist aus Mineralien oder organischem Material hergestellten Vorgänger. Anders als bei künstlichen Farben mit geschlossener Oberfläche funkeln aus Mineralien hergestellte Pigmente unter dem Mikroskop wie kleine Kristalle. Eine Wechselwirkung mit dem Licht findet hier nicht nur an der Oberfläche, sondern auch im Innern der Farbschicht statt. Solche Farben sind metamer, das heisst in hintereinander liegende, gleichartige Abschnitte gegliedert, weshalb sich ihr Eindruck je nach Beleuchtung und Feuchtigkeit verändert. Farben, wie Kremer sie herstellt, können nicht beliebig überlagert werden, da der spezifische optische Wirkungsgrad eines Pigments abnimmt, je mehr es vermischt wird. «Wer Brillanz und Lebendigkeit will, braucht reinstes Material.»

Smalte wechselt seine Farben den ganzen Tag
«Der Farbton von Smalte (blaues Kalium-Kobalt-Silicat, Red.), zum Beispiel, lässt sich durch Farbmischungen anderer Farbtöne nachstellen, doch das Besondere an diesem Pigment ist seine ausgesprochen metamere Eigenschaft. Smalte wechselt seine Farben den ganzen Tag aufgrund der unterschiedlichsten Lichtverhältnisse, während andere Pigmente nahezu konstant ihren Farbton beibehalten. Dies gibt einem Raum oder einem Bild einen besondern Reiz, da die mit Smalte gefasste Oberfläche stetig mit den Lichtverhältnissen korrespondiert.» Dr. Georg Kremer bietet das historische Smaltepigment nach einem Rezept von 1820 in zwei Korngrössen an. Nicht nur die Dimension des Pigments hat Einfluss auf die Farbigkeit von Smalte. Auch das Licht, ob Morgen-, Mittags- oder Abendsonne, Kerzenschein oder Kunstlicht: die Lichtverhältnisse verändern die Farbe und lassen sie im Vergleich zu chemischen Pigmenten, die ihren Farbton konstant halten, leben.

«Viele Farben sind für die Farbenindustrie uninteressant, weil sie sich nicht auf Industrienorm bringen lassen. Natürliche Mineralien variieren mit der Witterung, mit der Zeit. Es ist unmöglich, grössere Mengen zu bekommen, die wirklich qualitativ identisch sind.» Von diesem Ansatzpunkt lebt die Firma Kremer. 
 
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Text Gregor Eigensatz
Bild Kremer Pigmente
 
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