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Lack verlangt nach Berührung
Die sinnliche Seite des Lackes
 
Hinter dem Begriff «Spritzlackierarbeiten» verbergen sich beim Lackspezialisten Ruedi Schlotterbeck Liebe und Leidenschaft zu einem Material, das sich in einer ungeahnten Vielfalt von Strukturen, Farben und Effekten tausendfach variieren lässt. Ein Gestaltungspotential dieses Umfangs entfaltet sich dann, wenn Jahrzente des Tüftelns und Pröbelns im Labor, des Eintauchens in die Chemie und Physik des Lackes, des Entwerfens und Verwerfens, der Erfahrung mit den Grundstoffen des Lackes vorausgegangen sind. Liebeserklärung an einen faszinierenden Baustoff.

COVISS: Herr Schlotterbeck, was bedeuten für Sie persönlich Lack -beziehungsweise Lacke?
Ruedi Schlotterbeck:
Für mich bedeutet Lack, oder präziser ausgedrückt, die perfekte Lackierung, die Krönung einer Malerarbeit, egal ob am Bau oder in der Werkstatt ausgeführt. Im Gegensatz zu anderen Werkstoffen wie etwa Beton, Putz und unbehandeltes Holz, besticht Lack nicht nur durch seine Optik, sondern verlangt geradezu nach Berührung. Lack lässt sich lustvoll streicheln, fühlt sich weich und edel an – Lack verströmt Sinnlichkeit. Und wenn man weiss, dass der Lackierer mit modernen, hochwertigen Werkstoffen in der Lage ist, beinahe unendlich viele Farben und Texturen herzustellen, so kommt man geradezu ins Schwärmen. Es lebe der Lack!

COVISS: Wie konnte sich bei Ihnen eine derartige Liebesbeziehung zu diesem doch eher künstlichen, synthetischen Baustoff entwickeln?
Ruedi Schlotterbeck:
In meiner Jugendzeit hatte ich die Gelegenheit, die Meisterschule für das deutsche Maler- und Lackiererhandwerk in München zu besuchen. Während eines ganzen Semesters war der Schwerpunkt das Gestalten mit Lacken. Diese Zeit prägte meine Liebe zum Lack in all seinen Farben und Formen. Nun bezeichnen Sie den Lack als künstliche und synthetische Oberfläche…

COVISS: So erscheinen sie vielleicht vielen auf den ersten Blick…
Ruedi Schlotterbeck:
Lassen Sie mich dazu folgendes anmerken: Lackoberflächen sind nicht neu, sondern seit Jahrhunderten bekannt, vor allem im asiatischen Raum, in Japan und China, kam er früh zur Anwendung und hat es zu hoher Blüte gebracht. In Europa begann der Einsatz von Lacken etwas später, mit damals «neuen» und fossilen Rohstoffen, mit Naturharzen wie Dammar, Kopalen, Bernstein, Schellack, Kolophonium und vielen mehr. Also mit natürlichen Stoffen! Mit dem Fortschritt der modernen Chemie ist der Übergang
zu vorwiegend synthetischen Lacken mit neuen Eigenschaften erfolgt. Es werden aber auch heute noch Naturharzlacke verwendet, man denke nur an die hochglänzenden, restaurierten Barock- und Biedermeier-Naturholzmöbel mit Schellackpolitur.

COVISS: Einverstanden: Lack mit all seinen Facetten gehört schon seitjeher zu unserer Bau- und Handwerkskultur. Wenn es trotz dieses Facettenreichtums so etwas wie «das Wesen des Lacks» geben sollte, wie würden Sie es umschreiben?
Ruedi Schlotterbeck:
Lack braucht immer einen speziellen Körper, mit dem er eine Symbiose eingeht. Alleine kann Lack nicht bestehen – er verändert den Ausdruck und Charakter seines Trägers. Weil Lack mehrheitlich in seiden- und hochglänzender Art angewendet wird, übernimmt dieser durch Spiegelung sein Umfeld. Lack integriert sich also auf liebliche Weise mit seiner Umgebung.

COVISS: Was ist eine perfekte Lackoberfläche?
Ruedi Schlotterbeck:
Eine solche muss sowohl technischen wie ästhetischen Ansprüchen genügen. Die Auswahl und das aufeinander Abstimmen aller Materialien und Arbeitsschritte ergeben erst das gewünschte Resultat. Die Untergrundvorbehandlung ist genauso wichtig für eine perfekte Lackierung wie der letzte Arbeitsgang, der meist durch Aufspritzen erfolgt.

COVISS: Wie ist es möglich, tausende verschiedener Lackoberflächen herstellen zu können?
Ruedi Schlotterbeck:
Schon allein die Wahl des Farbtons lässt tausende von Möglichkeiten zu. Durch die Kombination des Lack-Bindemittels mit all seinen Eigenschaften sind, zusammen mit den Farben, unendlich viele Kombinationen von Oberflächen möglich, zum Beispiel glänzende, seidenglänzende, matte, lasierte, samtige, strukturierte, «Softfeel-Oberflächen», perlglänzende, irisierende, metallisierende und viele mehr. Denken Sie zum Beispiel an die Autoindustrie. Gemäss Aussage eines führenden europäischen Lackherstellers sind bei diesen Rezepturen von über 250‘000 Farbtönen hinterlegt.

COVISS: Wo sind Lackoberflächen vor allem gefragt?
Ruedi Schlotterbeck:
Dank ausgeklügelten Rezepturen und Formulierungen der Hersteller lassen sich heute Lacke, mit wenigen Ausnahmen, auf allen Untergründen anwenden. Wir verwenden unsere Lacke hauptsächlich auf Holzwerkstoffen, Naturhölzern, Metallen, Glas, Kunststoffen, Keramik, Leder, Papier, Beton, Gips und noch vielem mehr. Unsere Kunden finden sich hauptsächlich in den Bereichen Schreinerei, Antikschreinerei, Innenausbau wie Möbel-, Küchen- und Badbau, Metallbau, Metallveredelung, Produktdesign, Gehäusebau für Maschinen und Kleingeräte. Wir bedienen aber auch den Privatkunden, der sein altes Sideboard neu in Hochglanz veredeln möchte, oder zum Beispiel den Hi-Fi- oder Möbelhändler, der für seine Kunden Boxengehäuse oder Möbelteile benötigt, die zur spezifischen Einrichtung passen.

COVISS: Wo sehen Sie weitere Möglichkeiten der Lackanwendung, die noch wenig genutzt werden, weil sie kaum bekannt sind? Wo die Grenzen?
Ruedi Schlotterbeck:
Von der technischen Seite her gesehen, können Kunststoffarten wie PE, PP, Nylon und Teflon nur mit enormem Aufwand oder überhaupt nicht überlackiert werden. Von der ästhetischen, modischen Seite betrachtet, sind fast keine Grenzen gesetzt, im Gegenteil, wir wachsen an jedem Auftrag und lernen selber immer wieder dazu. Und plötzlich werden Projekte realisiert, die vorher nicht vorstellbar gewesen wären.

COVISS: Woran forschen Sie aktuell?
Ruedi Schlotterbeck:
Neben der täglichen Auftragsabwicklung forschen wir in unserem Lackierwerk und in Teamarbeit immer wieder nach neuen Lackeffekten und Rezepturen. Wir haben gerade in allerneuster Zeit Erfolge mit neuartigen Pigmenten erzielt – was ein weiterer Schritt für ein innovatives Lackdesign bedeutet.

COVISS: Was wünschen Sie sich und dem Lack für die Zukunft?
Ruedi Schlotterbeck:
Aus wirtschaftlicher Sicht weiterhin eine stabile, trag-fähige Konjunktur, die wie für viele andere Branchen auch bei uns die Voraussetzung dafür ist, dass nach Lackarbeiten, auch im Hochstandardbereich, nachgefragt wird. Aus technischer Sicht wäre es wünschenswert, wenn von Seiten der Lackhersteller der Übergang von lösungsmittelhaltigen zu wässrigen Systemen zum Schutz von Mensch und Umwelt noch schneller erfolgen würde – und dies bei gleich bleibender Qualität! Die Entwicklung dahin ist in vollem Gange und lässt berechtigte Hoffnung zu. Neben vielen guten Produkten fehlen immer noch ersatzwürdige Hochglanz-Polierlacke auf Wasserbasis. 
 
Ausgabe "2010/5 - Juli/August" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz
Bild Ursula Ochsenbein, Horw
 
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