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Solar bauen – intelligent bauen
Sinn und Freiheit der solaren Architektur
 
Vor noch nicht langer Zeit wurden die Pioniere der Holzbauweise, der Nutzung der Solarenergie und des Bauens nach dem Minergie-P/Passivhausstandard als Extremisten, grüne Linke oder sogar als Spinner betrachtet. Heute ist solares Bauen allein schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr wegzudenken.

Mit dem Explodieren der Preise für fossile Energiequellen und dem Klimawandel sind sich heute fast alle einig: Eine sichere und kontinuierliche Versorgung mit Energie ist die Voraussetzung für eine gut funktionierende Wirtschaft und einen geordneten Ablauf unseres Alltags. Dabei gilt es, die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern zu verringern, die wertvollen Ressourcen zu schonen und die konsequente und effiziente Nutzung aller einheimischen erneuerbaren Energien zu fördern. «Solare Architektur» ist die architektonische und technische Antwort auf diesen Anspruch unserer Zeit.

COVISS: Herr Dransfeld, was geht Ihnen spontan durch den Kopf, wenn Sie den Begriff «Solare Architektur» hören?
Peter Dransfeld:
Zuerst einmal freut es mich, dass dieser Begriff heute im Gebrauch ist. Zu meiner Studienzeit gab es kaum eine Möglichkeit, sich ernsthaft mit der Verbindung von Architektur und Sonnenenergie zu beschäftigen. Das hat sich deutlich verändert, wenn ich auch überzeugt bin, dass wir in der Umsetzung erst am Anfang stehen.

COVISS: Energieeffizienz und Energienutzung im Bereich des solaren Bauens basieren auf der Südausrichtung von Gebäuden sowie auf Direktgewinnfassaden, thermischen Kollektoren, Photovoltaik und Heizwänden. Wie gewichten Sie diese verschiedenen Elemente des solaren Bauens und der solaren Architektur?
Peter Dransfeld:
Für Wohnbauten betrachte ich eine kleine thermische Solaranlage von 1 bis 2 m2 pro Bewohner als ein Muss. Damit deckt man über die Hälfte des jährlichen Warmwasserbedarfs. Darüber hinaus bestehen verschiedene solarthermische Optionen: Eine grössere Kollektorfläche kann die Warmwasserabdeckung verbessern und zusätzlich die Heizung unterstützen. Südfenster bieten Aussicht, Licht und wertvolle Solarwärme – hier spricht man von Direktgewinn. Solare Heizwände nutzen die Solarwärme dort, wo keine zusätzlichen Fenster nötig, möglich oder wünschbar sind. Nutzen wir diese solarthermischen Optionen geschickt, dann brauchen unsere Häuser kaum noch eine konventionelle Heizung. Photovoltaik bietet über die thermischen Optionen hinaus die Möglichkeit, Strom zu produzieren, der ins Netz gespiesen oder selber genutzt wird, nicht zuletzt auch zum Betrieb einer Wärmepumpe, die eine gute Lösung für den geringen verbleibenden Heizwärmebedarf eines Solarhauses darstellt.

COVISS: Wie wirkt sich ein Bauen, das sich bewusst Erfordernissen der solaren Energienutzung unterordnet, auf die gestalterische Freiheit eines Architekten aus?
Peter Dransfeld:
Schwerkraft, Regen und Wind, Kälte und Bodenbeschaffenheit sind seit jeher Eckpfeiler, die wir Architekten beachten müssen. Darüber hinaus auch die Sonne einzubeziehen, betrachte ich nicht als Einschränkung, sondern als Herausforderung, die exzellente gestalterische Lösungen zulässt. Architektur ist, ebenso wie Produktgestaltung, keine freie, sondern eine angewandte Kunst. Das macht unseren Beruf interessant.

COVISS: Und doch kann selbst ein Gebäude, das wegen seiner nach Norden gerichteten Aussichtslage seine Hauptfensterfront auf der Nordseite erhält, ein Zeugnis einer Architektur abgeben, die die Sonnenenergie optimal zu nutzen weiss?
Peter Dransfeld:
Solares Bauen soll nicht Verzicht oder Einschränkung bedeuten. Beim Atelierhaus Graf (Schweizer Solarpreis 2008) war es selbstverständlich, die Nordseite mit Blick auf den See grosszügig zu verglasen, obwohl sie keine Solaren Gewinne verspricht. Diesen Nachteil an Energieeffizienz konnten wir wettmachen durch konsequente Nutzung der Sonne mit Fassadenkollektoren auf der Südseite, die konsequent ins architektonische Konzept eingebunden sind.

COVISS: Worauf führen Sie die bei Architekten noch immer festzustellende Scheu, solar zu bauen, zurück?
Peter Dransfeld:
Der Mensch ist träge und nicht gleich offen für Neues. Zudem hat es – leider – in der Pionierzeit des solaren Bauens einige Anwendungen gegeben, die gestalterisch wenig befriedigend waren. Die besten Argumente gegen die Solar-Skepsis liefern einige jüngere Bauten, die in den vergangenen Jahren in der Schweiz entstanden und zum Teil mit dem Solarpreis ausgezeichnet worden sind. Besonders zahlreiche überzeugende Beispiele trifft man in Vorarlberg an.

COVISS: Was braucht es Ihrer Meinung nach für einen definitiven Durchbruch der solaren Architektur? Wann sehen wir diesen?
Peter Dransfeld:
Im Bewusstsein der Öffentlichkeit, der Bauherren und Investoren ist der Durchbruch meines Erachtens schon im Gange. In der Einstellung der Architekten braucht es dazu noch gezielte Information und Weiterbildung und vor allem gute Beispiele. Dann wird der Durchbruch in den nächsten Jahren auch die Baupraxis erreichen.

COVISS: Wo sehen Sie Grenzen?
Peter Dransfeld:
Grenzen haben wir in
wenig besonnten Lagen, etwa im Inneren von dichten Städten oder auch bei Baudenkmälern. Mit Kreativität ist auch hier vieles möglich, einige Grenzen sollten wir jedoch respektieren und uns umso mehr den zahlreichen Bauaufgaben zuwenden, die ein sehr grosses solares Potenzial be-sitzen.

COVISS: Und Entwicklungsmöglichkeiten?
Peter Dransfeld:
Entwicklungsmöglichkeiten sehe ich etwa, wenn wir ganze Bebauungspläne gezielt nach der Sonne richten. In technischer Hinsicht betrachte ich die Entwicklung der saisonalen Wärmespeicherung als aussichtsreich. Finden Pilotanlagen wie das Mehrfamilienhaus Jenni im Emmental oder das Bundesamt für Statistik in Neuenburg Nachfolger, dann können wir weitaus grössere Kollektorflächen sehr sinnvoll einsetzen. 
 
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Text Gregor Eigensatz
Bild Dransfeld Architekten
 
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