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Business Park Luzern – Neubau Brünigstrasse 20
Satte Farbkraft mit Tiefentransparenz
 
Das auf den ersten Blick düster wirkende Business-Gebäude an der Brünigstrasse 20 in Luzern lebt von der Spannung sich kontrastierender und doch ergänzender Oberflächenstrukturen, -farben und -materialien und dem Spiel mit Aussen- und Innenansichten. Verborgen in einem Hof befindet sich der Haupteingangsbereich mit Treppenhaus, dessen Betonwände von Kunstmaler Peter Roesch gestaltet wurden. Was von aussen durch das Glas dezent und wie durch einen Schleier geschützt erscheint, erstrahlt im Gebäudeinnern in einer wuchtigen Präsenz der farblichen Wirklichkeit.

Das Grundstück für das Bürohaus Brünigstrasse 20 liegt am Rande des Tribschenquartiers an der Gleisharfe der Luzerner Bahnhofanlage. Trotz vorgeschriebener geschlossener Bebauung ist die Umgebung heterogen, mit unabhängigen Einzelbauten besetzt. Dem Blick aus dem Gleisfeld zeigt sich keine gemeinsame Front, sondern individuelle Zufälligkeit. Der neu errichtete Bürobau unterstreicht in dieser Vielfalt mit selbstbewusster Haltung die städtebauliche Kontinuität, er betont im Zusammenwirken mit dem angrenzenden Altbau den Körper der Stadt. Durch einfache Massnahmen ist das Volumen des Gebäudes hierarchisch zugunsten der Geometrie des Quartiers gegliedert: Die Beschränkung des Attikageschosses auf einen der beiden Gebäudeflügel und dessen Verknüpfung mit dem Treppenhaus unterstreicht die Hauptrichtung des Gebäudes. Der Verlauf des Gleisfeldes bleibt als freier Einschnitt im Quartier lesbar.

Natürliche Robustheit der Klinkersteine
Die architektonische Gestaltung dient der angestrebten Körperhaftigkeit: Fassadenmaterialien werden eingesetzt, die die volumetrische Vielfalt auf wenige, eindeutig erkennbare Elemente reduzieren: Homogene Flächen aus monochromen, dunklen Klinkersteinen umfassen die seriellen, schwarz profilierten Fensterelemente; die Glasfassade der Erschliessungsbereiche bildet die offene Variation. Einzelheiten treten zugunsten des Gesamteindrucks zurück. Beim dunklen Klinker überzeugt die natürliche Robustheit,
die rohe Materialität, die fein gegliederte Textur, die dem Volumen folgt. Der Charakter des Baus wird durch das Material bestimmt, nicht nur durch einen oberflächlichen Farbauftrag. Zudem verspricht der Klinker unterhaltsfreie Langlebigkeit mit einem natürlichen Alterungsprozess.

Lebendige Kontrastpaare
Die handwerkliche Tektonik der gemauerten Fassaden kontrastiert mit den glatten, grossformatigen Glasflächen der Vertikalerschliessungen. Hier wird die Trennung zwischen den Volumen betont; der Blick öffnet sich ins Innere des Baus. Die Glasfassade will nur thermische Haut sein, die Materialität beschränkt sich auf das Wesentliche, auf das Glas und auf die Alu-Profile. In ihrer reduzierten Materialisierung schaffen die Fassaden lebendige Kontrastpaare wie offen-geschlossen, hell-dunkel, schwarz-farbig, geschichtet-umhüllt und, über das Treppenhaus hinweg, alt-neu. Der Austausch mit dem bestehenden Altbau ergibt ohne jede materialmässige oder farbliche Anbiederung einen kraftvollen, synergetischen Zusammenhalt mit Vorteilen für beide Bauten.

Farbige Treppenhäuser
Weil das Gebäude im Rohbau vermietet wird, beschränkt sich die gestalterische Präsenz der Bauherrschaft im Innenausbau auf die allgemeinen Erschliessungsflächen. Wenn in der Fassadengestaltung das Hauptgewicht auf den Baukörper gelegt wurde und die Wahl der dunklen Farbe den Blick auf Einzelheiten bewusst erschwert, so sollte die Formulierung der beiden Treppenhäuser die Architektur nahe an die Nutzer führen und ein detailliertes Erleben der Räume fördern. Angestrebt wurde ein repräsentativer Charakter, der den hohen Qualitätsanspruch der Liegenschaft unterstreicht, in seiner Gesamtheit erfasst und auch bei unterschiedlichsten Mieterausbauten Eigenständigkeit bewahrt.

Betonwände als Malereien formuliert
In Zusammenarbeit mit dem Künstler Peter Roesch konnte ein Konzept entwickelt werden, das diesen Anforderungen gerecht wird. Die Wände der Treppenhäuser wurden als Malereien formuliert, die in strahlenden Farben als lebendige Bilder leuchten. Die Fassaden dieser Bereiche sind raumhoch verglast, die übrigen Materialien auf Natürlichkeit beschränkt: Beton, Basalt, Holz, Aluminium. Die Malerei steht unangefochten im Mittelpunkt. Sie referiert historische Wandmalerei und die künstlerische Einmaligkeit des Objekts, indem der Gestus des Malens, die Bewegung des Pinsels und der Fluss der Farbe präsent bleiben. Das Ersteigen der Treppenhäuser wird zum Gang durch die Malerei. Jede Etage hat ihr eigenes Bild, das von Mal zu Mal ändert, auch wenn immer die gleichen Farben verwendet wurden. Die Bilder des zentralen Treppenhauses bestehen aus einer Kombination von Orange, Grün und Violett. Im kleineren, zweiten Treppenhaus beschränkte der Künstler die Malerei auf die Farbe Grün. Das von weithin sichtbare grüne Treppenhaus schafft eine interessierte Kontaktnahme zu den Farbtönen des angrenzenden Altbaus. Diese Referenz unterstreicht die architektonische Absicht, die dem ganzen Bau zugrunde liegt: der gezielte Einsatz jener Mittel, die dem Neubau Brünigstrasse erlauben, mit selbstbewusster Eigenständigkeit den kontextuellen Zusammenhang und die städtebauliche Identität zu fördern.

Lebendige Farben statt Festlegungen
Peter Roeschs Farben-Intervention im Businesspark Luzern basiert auf dem Stimmungsbild, das schon im Modell mit einem quantitativen Farbeinsatz sichtbar wurde. Nach wie viel Farbe verlangt der Raum? In welcher Zuordnung zueinander ergeben das Grün, das Orange und das Violett welche Stimmungsfarben?

Die künstlerische Umsetzung in den architektonisch gegebenen Treppenhäusern lebt zusätzlich von den dort vorhandenen Betonoberflächen. Auf den Sichtbeton und seine natürlichen Strukturen lässt der Künstler eine weisse Grundierung, später die ausgewählte Farbe auftragen. Wie bei der klassischen Malerei, bei einem auf Leinwand wachsenden Bild, werden auch hier Farbschichten nacheinander aufgetragen. Dabei verschwindet die überstrichene, weisse Schicht aber nicht, sie bleibt in neuer Funktion präsent, leuchtet durch die lichtstarke und eindeutige Farbschicht hindurch. Verdünnte Farbe oder bloss ein Hauch von Farbe würde der vom Künstler beabsichtigten Intensität schaden – hier ist es der weiss durchschimmernde Untergrund, der die Farbe in geheimnisvoller Weise zugleich «verdünnt» wie auch intensiviert. Die Kraft der allem Farbenmaterial und allen Bewegungen zu Grunde liegenden Kunstidee bleibt erhalten. Peter Roesch hat mit gezielten farblichen und handwerklichen Interventionen eine Treppenhaussituation geschaffen, die zeitgenössisch-lebendige, aktive und optimistische Bewegung unaufdringlich und doch unmissverständlich vorlebt. Die Farbe ist mit der Bürste in horizontalem Verlauf aufgetragen, wobei Schwung und Zeichnung des Pinselstrichs, Farb- und Pinselansätze sichtbar sind – Unregelmässigkeiten, die auf die gelockerte Bewegung des Malers verweisen und darüber hinaus Spontaneität, Offenheit und Modernität assoziieren. Die intensiven grünen, orangen und violetten Farbtöne, deren Schnittstellen zueinander, erzeugen eine interessante Spannung, ja irritieren, bevor sie den Blick des Betrachters oder der Betrachterin freigeben für die Stimmung im Treppenhaus als ganze. Die in einem ausgewogenen, spannenden Verhältnis zueinander stehenden Farben erklären den Ort durch offen gelegte Mehrschichtigkeit. Deren sichtbar gemachte Transparenz offenbart die drei Welten der Idee, des Machens und des Erntens vereint im bewegt-bewegenden Gesamtbild des Raums. 
 
Ausgabe "2006/8 - Dezember" bestellen
 
Text Roland Hergert, Peter Baumann + Partner AG, Gregor Eigensatz, COVISS
Bild Jean-Pierre Grüter, Luzern
 
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