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Ausstellung vom 30. Mai bis 17. Oktober 2010
Farbe: Obsession und Spiel
 
Die gross angelegte Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur befasst sich mit dem jahrhundertealten Faszinosum der Farbsysteme. Die Palette der Ordnungsversuche scheint unendlich breit, die angewendeten Methoden könnten kaum unterschiedlicher sein. Die Ausstellungsobjekte und Anschauungsbeispiele aus Architektur, Design und Kunst wie auch aus der Natur- und der Geisteswissenschaft ermöglichen einen Einblick in die vielfältigsten Farbsysteme und deren Anwendungen. Gezeigt werden auch Lösungen, wo die Grenzen der Systematik zugunsten einer zufälligen oder rein intuitiven Ordnung gesprengt werden.

Farben sind ein sinnliches Phänomen. Wir erfreuen uns an Farbklängen, denken über Farbharmonien nach und schätzen die feinen Farbnuancen. Designer, Architekten und Künstler müssen täglich über Farben entscheiden. Aber wie findet man die passende Farbe? Seit der Renaissance versuchen die Menschen die unendliche Welt der Farben zu ordnen. Naturwissenschafter, Geisteswissenschafter, Dichter und Künstler haben im Lauf der Jahrhunderte nach einer Systematik gesucht, die das Phänomen Farbe beschreibt oder messbar macht. Ihre Werke sind oft selbst überraschende und sinnliche Erlebnisse. Sie ermöglichen ein Eintauchen in Tausende von Farbmustern, in handkolorierte Farbkreise und sorgfältig komponierte Farbharmonien.

Die Ausstellung «Farbe: Obsession und Spiel» zeigt aktuelle und historische Darstellungen, räumliche Modelle und virtuelle Animationen verschiedenster Farbsysteme. Ausserdem werden künstlerische Umsetzungen, Farbkompositionen zu Musik und Konzepte aus den Bereichen von Architektur und Stadtraum präsentiert, die in der Auseinandersetzung mit der Farb-systematik entstanden sind. Von Farbentwürfen von Bruno Taut über die Farbklaviaturen von Le Corbusier bis hin zu aktuellen Farbstudien des Farbraums der Stadt Zürich oder der wilden Farbgestaltung der Stadt Tirana thematisieren diese Beispiele den vielfältigen Umgang mit Farbgestaltung.

Abschluss der Ausstellung bildet die Installation «Farbrausch» von Marcella Wenger-Di Gabriele, welche die Ordnung der geschlossenen Farbsysteme wieder auflöst. In einem Raum mit über 5’000 zufällig an-geordneten Farbtafeln wird die Faszination des Eintauchens in die unendliche Vielfalt verschiedener Farbkombinationen erlebbar. Daneben bietet die Ausstellung auch die Möglichkeit, eigene Erfahrungen mit verschiedenen Farbspielen und den vielfältigen Möglichkeiten von Farbordnungen, Farbkombinationen und Farbgestaltungen zu sammeln. Während der gesamten Ausstellungsdauer werden spezifische The-menführungen zu Farbsystemen von Farbexperten veranstaltet. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Konrad Scheurmann, der auch den Ausstellungs-zyklus «Colour Continuo – System und Kunst der Farbe» kuratierte, der 2009/ 2010 in Dresden zu sehen war.

Interaktive Reise durch den Runge-Farbraum
Philipp Otto Runge (1777 bis 1810), einer der bedeutendsten deutschen Maler der Frühromantik, hatte als Erster die Idee entwickelt, die Welt der Farben auf einer Erdkugel abzubilden. Schwarz und Weiss markieren die beiden Pole, entlang des Äquators wies er in gleichmässigen Intervallen den reinen Farben ihren Platz zu. Mit dieser Farbkugel entwarf Runge um 1810 das erste umfassende räumliche Farbmodell. Für die Ausstellung «Farbe: Obsession und Spiel» wurde nun eine interaktive Station entwickelt, die die Möglichkeit bietet, den Farbkörper Runges im virtuellen Raum zu be-reisen. Die Urfassung der Rungeschen Installation wurde von Baumann&Stulzer, Zürich, entwickelt und 1997 erstmals im Rungehaus Wolgast präsentiert. In der Ausstellung wird die von Urs B. Roth, Atelier für Konkrete Kunst, Zürich, und Reto Spoerri, ZHdK, für die Ausstellung überarbeitete
und neu programmierte Version präsentiert. Neben der Computersimulation sind auch die originalen Werke von Runge zu sehen.

Form- und Farbtransformation in Bewegung
Der Schweizer Künstler Hans Hinterreiter (1902 bis 1989) hat eine Bilderwelt aufgebaut, die auf dem Thema von systematischen Farb- und Formordnungen basiert. Wesentliche Grundlage dazu lieferte die Farbsystematik von Wilhelm Ostwald. Hans Hinterreiter hat sich seine Bilder aber nicht als abschliessende statische Werke vorgestellt, sondern davon geträumt, daraus eine bewegte Bildwelt, ein Form- und Farbwandelspiel generieren zu können – musikalisch begleitet. Er beabsichtigte eine animierte filmische Umsetzung seiner Bildkompositionen, wozu es aber aufgrund einer mangelnden finanziellen Absicherung nie kam. Erst nach seinem Tod realisieren nun Urs Beat Roth und Ulrich Bachmann nach der Idee von Hinterreiter einen sechsteiligen Film, der die Farb- und Formtransformationen Hinterreiters im Zusammenspiel mit Musik von Johann Sebastian Bach in Bewegung zeigt. In der Ausstellung im Gewerbemuseum werden die ersten zwei Teile der Verfilmung, die Studie 306 und das Werk Opus 59c exklusiv in einer Vorpräsentation gezeigt. Ausserdem wird mit Konstrukti-onsskizzen und Originalbildern der Hintergrund der Vorgehensweise vermittelt.

Das Forschungsprojekt «Farbatlas Zürich»
Jede Stadt hat ihr eigenes Farbprofil. Aus der Überzeugung heraus, dass die Farbe unsere Lebensräume massgeblich mitgestaltet, führte das «Haus der Farbe» eine fünfjährige Forschungsarbeit zu urbanen Farbräumen durch. Insgesamt wurden in der Stadt Zürich 41’000 Gebäude erfasst, woraufhin der «Zürcher Farbfächer» mit 115 verschiedenen Fassadenfarben erstellt wurde. Erarbeitet wurde gleichzeitig ein Gesamtprofil der Stadt, Farbporträts von farbgestalterisch wertvollen Bauten wie auch ein Epochenfächer mit 100 epochentypischen Architekturfar-ben von Gebäuden des 20. Jahrhunderts. Resultat des Forschungsprojektes ist das Bild eines einzigartigen Farbkolorits von Zürich, ein urbaner Farbkosmos. Zugleich werden aber auch wesentliche Fragen zum Umgang mit Farbe im städtischen Raum aufgeworfen. In der Ausstellung wird das soeben abgeschlossene, vielschichtige Projekt erstmals umfassend präsentiert.

Rauminstallation «Farbrausch»
Am Anfang der Installation von Gabriele Wenger-Di Gabriele stand ein Abfallberg, von 17 Studentinnen und Studenten vom «Haus der Farbe» in den Strassen Zürich Oerlikons bewusst eingesammelt: Strassenmüll, Zivilisationsspuren, achtlos Weggeworfenes und Verlorengegangenes. In unterschiedlichen Kombinationen von jeweils drei Objekten wurden daraufhin die ganz spezifischen Farbklänge eruiert, die danach mit Acrylfarbe nachgemischt wurden. Entstanden ist daraus ein begehbarer Farbraum mit 5’500 verschiedenen Farbkarten, deren Anordnung dem Prinzip des Chaos folgt. Ein schöpferischer Beitrag zum künstlerischen und wissenschaftlichen Diskurs über Farbsysteme und Farbordnungen. 
 
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Text Gewerbemuseum Winterthur
Bild Gewerbemuseum Winterthur
 




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