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Sanierung Schweizerisches Landesmuseum
Kreuzgewölbe aus vorgefertigten Gipsplatten
 
Das Schweizerische Landesmuseum ist aufgrund seines Gestaltungskonzepts und seiner Baugeschichte sowohl in formaler wie auch in technischer Hinsicht sehr heterogen. Als Denkmal und architektonisches Meisterwerk stellt der Gull’sche Bau hohe Anforderungen an die Qualität der Sanierung. Eine besondere Herausforderung stellte die vollständige Rekonstruktion der Kreuzgewölbe in Trockenbautechnik dar.

Die Sanierung des Bahnhofflügels ist ein sehr technisches Projekt, das vor allem die Tragstruktur, den Brandschutz und das Raumklima betrifft. Der Gull’sche Bau wies seit seiner Erbauungszeit statische Probleme auf, hauptsächlich im Bereich der Gewölbe. Nun galt es, zusätzlich die Erdbebensicherheit gemäss neuer Erdbebennormen zu erhöhen. Im Zuge dieser Massnahmen wurden die Traglasten erhöht, um den Anforderungen der Museumsnutzung gerecht zu werden. Die Brandschutzmassnahmen umfassten die Schaffung von Fluchtwegen und Brandabschnitten, aber auch die Sicherheitstechnik.

Unterkonstruktion aus Flachstahl-profilen
Weil die Zwischendecken verstärkt, ausgesteift und mit der Wand verbunden werden mussten, wurden Decken und Kuppeln in Nebenräumen der Säulenhalle, in einem zur Ruhmeshalle führenden Korridor und einem weiteren Korridor im Erdgeschoss abgerissen und anstatt mit den konventionellen Rundeisen und Gitternetzen mit vorfabrizierten Trockenbauelementen originalgetreu nachgebildet. Dazu war eine komplexe und sorgfältig geplante Unterkonstruktion erforderlich, die erstmals aus Flachstahlprofilen gefertigt war. Jede einzelne Unterkonstruktion eines Kappenstückes – eines Viertels der vierteiligen Kreuzgewölbe – war eine Einzelanfertigung. Die scheinbar gleichen Teilelemente sind nämlich vermasst kaum identisch. Die einzelnen Segmente wurden vor Ort mit Gipsbauplatten doppelt beplankt. Diese Platten lassen sich einfach in die Wölbungen biegen und verschrauben. Nach dem Verspachteln der Fugenstösse wurden die Gewölbe vollflächig abgeglättet, die Stichkappengräte mit der Traufel nachbearbeitet. So konnte den Gräten das gewünschte scharfkantige Aussehen verliehen werden. Durch dünnschichtiges Auftragen der Abglättung konnte die Austrocknungsphase zusätzlich reduziert werden. Die hier gewählte Trockenbautechnik hatte den Vorteil, dass Zeit- und Kostenaufwand für die Rekonstruktion der besonderen Bauteile in einem akzeptablen und somit realistischen Rahmen gehalten werden konnten.

Primat der Materialgerechtigkeit
Die Trockenbaulösung im eingegrenzten Bereich der neu zu konstruierenden Kreuzgewölbe stellt eine Lösung dar, die dem Anspruch der Architekten Christ & Gantenbein nach Materialgerechtigkeit vollständig entspricht. «Die Umsetzung in Leichtbauweise macht uns hier keine Mühe, weil ja das verwendete Deckmaterial, wie vor dem Eingriff auch, aus Gips besteht. Anders im Wandbereich: Gipskarton als Ergänzung zum historischen, massiven Mauerwerk kam für uns nicht in Frage, weil dies im gegebenen Kontext der Massivität sowie des Tragens und Stützens unglaubwürdig und fehl am Platz ist», betont der für die Sanierungsarbeiten verantwortliche Architekt Michael Bertschmann. Brand-, Sicherheits- und Erbebenschutzauflagen hätten harte Eingriffe notwendig gemacht, die man, wo immer möglich, in Einklang mit der originalen Bausubstanz zu bringen versuchte. Dennoch kommt für die Architekten, auf das Ganze gesehen, eine perfekte Kopie genau so wenig in Frage wie eine didaktische Gegenüberstellung von Alt und Neu. Beim zusätzlichen Fluchttreppenhaus, zum Beispiel, war kein Rekurrieren auf einen ursprünglichen Zustand möglich. Die Architekten interpretieren das Gebäude nicht in seiner Geschichtlichkeit, sondern als Konstruktion aus konkreten Materialien, aus Mauern, Decken und Böden. Sie wollen seine primären Qualitäten hervorheben. Bei der Fluchttreppe ist die tragende Betonwand in der Mitte dicker als notwendig und somit den vorhandenen Mauern ähnlich. Eine am Computer dreidimensional entwickelte, gefräste Negativform, in die Schalung eingelegt, formt einen Handlauf, der einen ähnlichen Ausdruck wie die neugotischen Pfeiler und Streben hat – ein zwar am Computer entwickeltes Hightech-Produkt, das aber handwerklich und selbstverständlich wirkt.

Die rekonstruierten Spitzbögen aus vor-fabrizierten Trockenbauelementen, auch sie, sind ein Resultat modernster Technik, werden den heutigen Anforderungen an die Feuersicherheit gerecht. Sie prästieren sich aber in der architektonischen Selbstverständlichkeit des Gull’schen Originals. Und doch vermittelt neu ein hellgrauer Ton-in-Ton an Wänden, Decken und Böden den Räumen wohltuende Ruhe und klärende Neutralität. 
 
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Text Gregor Eigensatz
Bild Roman Keller, Zürich
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