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Digitale Tapeten-Kunst
Vom Ölgemälde zur digitalen Tapete
 
Mittels Kunst soll die klinische Nüchternheit in der Geburtsabteilung der Neuen Frauenklinik aufgewärmt werden. Das Ergebnis soll antiseptisch, geruchsneutral und pflegeleicht sein, zur bestehenden Architektur von Daniele Marques passen und die bestehende Kunst am Bau stimmig ergänzen. Die Anforderungen an die Projektbeteiligten waren hoch und erforderten eine reibungslose Zusammenarbeit. Künstler Jörg Niederberger, Handwerker Eugen Huwiler (Maler Huwiler AG) und Digitaldrucker Bruno Neuschwander (Alpha Sign AG) – das bestens aufeinander abgestimmte Trio erzielte ein ausserordentliches Resultat. Es ist Abbild einer koordinierten Bündelung von Kompetenzen und Kräften, aber auch von einer ungebrochenen Freude an besondern, nicht alltäglichen Realisierungen am Bau.

SOL-Canvas, B1-zertifiziert... Lässt sich dieses Produkt tapezieren? Die Frage gilt dem Malermeister Eugen Huwiler. Es ist Spätsommer 2006. Bruno Neuschwander, Spezialist rund um den grossformatigen Digitaldruck, ist im Auftrag des Künstlers Jörg Niederberger unterwegs – auf der Suche nach einem Handwerker, der für aussergewöhnliche Umsetzungsarbeiten herbeigezogen werden kann – diesmal für eine besondere Tapetenentwicklung, -herstellung und -realisierung im Geburtentrakt der Neuen Frauenklinik des Kantonsspitals in Luzern.

Erste Abklärungen von Maler Huwiler ergeben, dass rund 60 Tapetenbahnen direkt auf die gestrichenen Wände tapeziert werden sollten. Beim zu tapezierenden Produkt handelt es sich um ein seidenmattes, weiss beschichtetes Baumwollgewebe, das von der Firma Alpha Sign AG direkt bedruckt und auf drei Seiten randbeschnitten wird. Der UV-Druck auf dem Baumwoll-Gewebe sollte nun mit einem Lack zusätzlich geschützt werden.

Tests und Versuche geben Antwort auf Fachfragen
Welcher Schutzlack soll eingesetzt werden? Kann der Lack vor dem Tapezieren auf das Gewebe aufgebracht werden? Mit welchem Leim, mit welcher Leimmischung soll tapeziert werden? Muss das Gewebe eingekleistert werden oder kann in Wandklebetechnik gearbeitet werden? Lässt sich der Digitaldruck mit einem sauberen Schwamm und mit lauwarmem Wasser von Kleberresten reinigen? Beim selbstverständlichen Anspruch auf eine pass- und massgenaue Tapezierung: wächst oder schwindet das Gewebe beim Trocknen? Kann auf den zu tapezierenden Wänden geschnitten werden?

Die anstehenden Fachfragen klärten die Handwerker von Maler Huwiler im Verlauf wiederholter Tests und Versuche in der betriebseigenen Werkstatt. Eine Besichtigung vor Ort ergab ausserdem, dass die in Leichtbauweise erstellten, mit einem Mineralvlies tapezierten, matt gestrichenen Wände nach fünf Jahren bereits stark renovierungsbedürftig waren. Ziel der Versuche war, die Kosten genau zu ermitteln und eine möglichst hohe Ausführungssicherheit zu erlangen. In Folge dieser Vorarbeiten konnte ein Regiebuch für die Arbeitsausführung erstellt werden.

Die Logistik vor Ort war eine besondere Herausforderung
Die stark ausgelasteten Geburtszimmer konnten immer nur einzeln renoviert und anschliessend gestaltet werden. Für die mehrere Arbeitsschritte umfassende Sanierung und Gestaltung der Räume standen den Maler-Handwerkern pro Raum jeweils inklusive Trockenzeiten zweieinhalb Arbeitstage zur Verfügung. Weiter musste in Gesprächen und konkreten Veranschaulichungen vor Ort herausgefunden werden, in welchem Abstand zueinander und in welcher Reihenfolge die Bahnen tapeziert werden mussten.

Kunst in der Geburtenabteilung der Frauenklinik Luzern! Ein spannendes Projekt, dessen Umsetzung gut gelang. Den Mitarbeitern der Maler Huwiler AG bescherte es eine nicht alltägliche Arbeit, die Spass machte.

Kunst in der Geburtsabteilung der Neuen Frauenklinik Luzern
Künstler Jörg Niederberger mag die Einbettung seiner Arbeit in einem sehr aktiven und dennoch nicht kunstspezifischen Umfeld, wie es in der Neuen Frauenklinik Luzern gegeben ist. Die Herausforderung war gross, die Anforderungen zahlreich. Vor allem galt es, die klinische Nüchternheit in der Geburtsabteilung der Neuen Frauenklinik mittels Kunst sinnlich optimierend aufzuwärmen. Darüber hinaus sollte das Ergebnis antiseptisch, geruchsneutral und pflegeleicht sein sowie – passend zur Architektur – die bestehende Kunst am Bau stimmig ergänzen. Für ein tendenziell junges Publikum werdender Eltern: hipp und klassisch zugleich. Kurz: das Pünktchen aufs «i» für das optimale Zusammenspiel von Ästhetik und Funktion der bestehenden Architektur der Neuen Frauenklinik von Daniele Marques aus dem Jahr 2001.

«Ich ging von einem dreiteiligen Ölgemälde auf Leinwand aus – dem «Mutterbild», wie eine Hebamme meinte – und entwickelte aus dessen Gestensprache mit Hilfe des Zuger Lithografen Jonas Näf am Computer verschiedenste digitale Bildergebnisse. Diese wurden, einem transparenten Siebdruck ähnlich, bei der Alpha Sign AG aus dem RGB-Farbbereich in den CMYK-Bereich umformatiert und auf eine speziell beschichtete Baumwolltapete gedruckt. Schliesslich entstanden daraus gegen 100 verschiedene digitale Bild-Tapetenvorlagen. Aus diesem Bilderfundus setzte ich digital erzeugte Gemäldestücke zu mehrteiligen Kompositionen zusammen für Empfang, Flur, Zimmer der gesamten Gebärabteilung mit Ambulatorium und den beiden Stillzimmern. Wichtig erschien mir dabei, die von meiner künstlerischen Arbeit unmittelbar betroffenen Mitarbeiterinnen der Klinik wenn immer möglich in den Kompositionsprozess mit einzubeziehen.

Zu Beginn ermittelte ich mit dem von mir vorgegebenen System die farbliche Stimmung, um mich in der Tendenz zu orten. Aufgrund dieser Ergebnisse entwickelte ich die Farbklänge der digitalen Vorlagen für die Drucke. Diese nahezu hundert Bildergebnisse fügte ich zu mehreren Kompositionen zusammen. Damit begann die eigentliche Umsetzung der Applikation mit Hilfe der Mitarbeiter von Maler Huwiler. Eine sensible Arbeit, die Einfühlungsvermögen und höchste Präzision erforderte. Nachdem die ersten mehrteiligen Baumwollbahnen in den Räumen montiert waren, wagte ich nochmals den Miteinbezug der Mitarbeiterinnen, die gestalterisch höchst lustvoll darauf einstiegen und ihre Wünsche in die kompositionelle Umsetzung einbrachten. Ich stellte meine Kompositionen mit dem zur Verfügung stehenden Bildmaterial um und improvisierte. Was mir anfangs noch etwas risikoreich schien, gelang zu einem wunderbaren Zusammenspiel.» 
 
Ausgabe "2007/1 - Februar" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz
Bild Christian Reichenbach
 
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