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Schimmelpilz – besser vorbeugen als sanieren
Mineralischer Aufbau schützt vor Befall
 
Pilzsporen sind überall vorhanden, brauchen jedoch ideale Bedingun-gen, damit sie wachsen können. Werden Schimmelpilze an den Wänden oder Decken sichtbar, ist die Maler-unternehmung eine der ersten Anlaufstellen, das Problem zu beheben. Vom Handwerker wird dann eine komplette Lösung des Problems gefordert. Bauphysikalische Mängel verlangen jedoch nach umfassen-deren Sanierungsmassnahmen.

Herr Wesseling, was löst der Begriff «Schimmelpilz» bei Ihnen aus?
Walter Wesseling:
Wir werden oft von Verwaltungen oder Privatpersonen auf das Thema angesprochen. Von den Maler-unternehmen werden Lösungsvorschläge erwartet, die nicht oder nur zum Teil vom Maler umgesetzt werden können.

Warum?
Walter Wesseling:
Weil die Ursachen von Schimmelpilzen meistens komplexer sind, als man gemeinhin denkt. Häufig stellen wir als eines der Hauptprobleme schlecht konzipierte Aufbauten der Bausubstanz fest: Wenn die bauphysikalischen Bedingungen ungünstig sind, das heisst wenn die Aussenecken wegen schlechter Isolation kalt sind und gleichzeitig neu eingebaute Fenster sehr gut abdichten und isolieren, wenn darüber hinaus falsch oder unzureichend gelüftet wird, kann der Maler selber kaum eine wirklich dauerhafte Lösung des Problems umsetzen.

Löst eine optimale Lüftung wie die im Minergiestandard geforderte Komfortlüftung das Schimmelproblem langfrstig?
Ruedi Ackermann:
Komfortlüftungen spielen vor allem im Zusammenhang mit energetischen Fassadensanierungen eine Rolle. Sie tauschen in regelmässigen Abständen die Raumluft aus, ersetzen verbrauchte, warme und feuchte Luft mit neuer Aussenluft. So wird die permanente Luftfeuchtigkeit in den Wohnungen reduziert und dem Wachstum von Schimmelpilzen entgegengewirkt. Aber auch hier gilt für die Bewohner, auf eine minimale Feuchtigkeitsbelastung in den Räumen zu achten.

Wie sieht eine nachhaltige Lösung des Schimmelproblems aus Ihrer Sicht aus?
Ruedi Ackermann:
Bei einer Sanierung ist es meistens nicht möglich, allein auf malertechnischem Weg eine befriedigende Lösung zu finden. Viele Häuser wurden in den 60er und 70er Jahren mit einer Aussendämmung isoliert. Zudem kamen immer besser isolierende Fenster auf den Markt. Waren bis zu diesem Zeitpunkt Feuchteprobleme in den Wohnungen kaum ein Thema, wurden sie mit diesen wärmetechnischen Massnahmen erst richtig geschaffen. Absolut dichte Fenster und eingepackte Wände lassen die Feuchtigkeit kaum mehr durch das Mauerwerk diffundieren. Es kommt zu einem Feuchtigkeitsstau – eine ideale Voraussetzung für Pilzsporen, sich niederzulassen und zu wachsen. Wer diesen Umstand korrigieren will, muss mit kostenintensiven Sanierungsarbeiten rechnen.

Ihr Vorschlag?
Walter Wesseling:
Schimmelpilze können nur dann nachhaltig bekämpft werden, wenn zuerst die Ursachen der Schimmelpilzbildung erkannt und die Mängel beseitigt, Wärme-/Kältebrücken ausmerzt worden sind: Der Putz im Innenbereich muss komplett entfernt werden – je nach Spo-renbelastung bis auf das Mauerwerk. Anschliessend muss ein rein mineralischer Putz aufgezogen werden. Auch der Anstrich ist zwingend mit einer Mineralfarbe auszuführen, damit die Raumfeuchtigkeit vom Untergrund gut aufgenommen und wieder abgegeben werden kann. Eine ausreichende Schichtdicke des Putzes ist von grosser Bedeutung, weil dieser ja die Feuchtigkeit aufnehmen können muss. Diese wird beim Abtrocknen der Raumluft wieder an die Raumluft abgegeben, was für ein ausgeglichenes Innenraumklima sorgt. Die anorganischen Bestandteile in Putz und Farbe verhindern zusätzlich ein Wachstum der Pilzsporen. Häufig werden heute im Wohnbereich jedoch Silikonharzfarben verwendet. Obwohl diese eine relativ grosse Wasserdampfdurchlässigkeit gewährleisten, ist das Bindemittel der Farben organisch und bietet einen idealen Nährboden für Pilzsporen. Gleiches gilt übrigens auch für sämtliche Verunreinigungen auf Fassaden und Innenwänden. In vielen alten Kellern wurden früher Kalkputze mit einem Kalkfarbenanstrich verwendet. Eine Schimmelbildung ist in solchen Kellern kaum anzutreffen, weil diese Farben und Putze alkalisch eingestellt sind…

Wo besteht Ihrer Meinung nach Handlungsbedarf bei Architektur, Bauherrschaft und Handwerk?
Ruedi Ackermann:
Die richtige Umsetzung von minergiezertifizierten Bauten mit optimaler Komfortlüftung ist ein grosser Schritt zu einem wesentlich besseren Wohnraumklima. Nichts desto trotz ist es wichtig, eine nachhaltig ideale Baugrundsubstanz anzustreben. Rein mineralisch aufgebaute Fassaden (Beton, Steine, Isolation mit Steinwolle, mineralische Putze und Anstriche) regulieren den Feuchtehaushalt des Gebäudes ungleich besser als die immer noch meistverwendeten Aufbauten mit organischen Produkten.

Ausschliessen möchte ich in diesem Zusammenhang die Aufbauten mit Holz oder Lehmbauweisen mit organischen Isolationen wie zum Beispiel Schafwolle oder Kork. Diese Bauweise unterscheidet sich stark von herkömmlichen Aufbauten und kann, richtig ausgeführt, den gleichen
Effekt wie ein mineralischer Aufbau gewährleisten.

Walter Wesseling: Umweltpolitisch wäre es unserer Meinung nach sicher besser, erdölbasierende Produkte wie Styropor, organische Binder in den Putzen oder organische Anstriche durch mineralische Produkte zu ersetzen. Bei Sanierungen von Altbauten ist es wichtig, die richtige Abstimmung der Dampfdiffusionsfähigkeit des Mauerwerks zu finden sowie Wärmebrücken bei Anschlüssen wie Fensterrahmen und Storenkästen richtig zu lösen.

Wo könnten die Stolpersteine für solche nachhaltigen Lösungen liegen?
Ruedi Ackermann:
Das billigste Produkt ist nicht immer das günstigste. Um Kosten zu sparen, werden die meisten Bauten mit herkömmlichen organischen Isolationen und Anstrichen erstellt. Die geforderten Werte und Richtlinien in Bezug auf die Wärmedämmung werden damit sicher eingehalten. Bauten mit Aussenisolationen und einem Kunstharzverputz schliessen jedoch Gebäude vergleichbar mit einem Plastiküberzug ein. Solche Isolierungen stellen keinen langfristigen Wärmespeicher dar; sobald der Taupunkt unterschritten ist, entsteht Kondenswasser, was das Risiko einer Algenbildung auf den Fassaden erhöht. Auch im Innenbereich werden meistens kunststoffvergütete mineralische Produkte verwendet. Diese sind einfacher in der Anwendung und kostengünstiger zu applizieren. Bei richtiger Verwendung sind diese Produkte einwandfrei und können problemlos eingesetzt werden. Zunehmend verlangen jedoch sensibilisierte Architekten und Bauherren den Einsatz von Produkten auf rein mineralischer Basis. Der gut aus-gewiesene Handwerker, der über dieses Bestreben rechtzeitig ins Bild gesetzt wird, kann in diesem Fall die Absicht des Architekten und der Bauherrschaft, Mehrwert zu schaffen, unterstützen.

Welches Fazit ziehen Sie?
Walter Wesseling:
Komplettsanierungen gehören in die Hände von gut ausgebildeten Architekten und Bausanierern. Neben den energetischen Problemlösungen ist den feuchtigkeitsregulierenden Komponenten grosse Beachtung zu schenken. Bausünden von früher sollten mit heutigem Wissen nicht versteckt, sondern behoben werden. Bei Neubauten (ohne jene in Holzbauweise) sollte die Alternative mit einem komplett rein mineralischen Aufbau immer geprüft werden. Parallel zum gesamten Aufbau mit anorganischen Produkten ist der Einsatz auch mit Mineralfarben andern Produkten in Bezug auf Qualität, Farbechtheit und Langlebigkeit vorzuziehen.

Wie wirkt sich die Wahl des Anstrichsystems auf die Oberflächenästhetik aus?
Ruedi Ackermann:
Mineralische Anstriche sind von der Bindemittelbasis her nur in matten Glanzstufen möglich. Gerade bei Innenfarben werden aber von der Käuferschaft Produkte gewünscht, die gut reinigungsbeständig sind und eine einwandfreie Oberflächenoptik gewährleisten. Die Reinigung mineralischer Anstriche ist durch ihre Oberflächenbeschaffenheit nur bedingt möglich. Dieser Nachteil wird aber durch den Vorteil wettgemacht, dass mineralische Farben antistatisch, geruchsneutral und antiallergen sind. Auch ist der optische Eindruck von Mineralfarben, die matte Oberfläche, sehr edel, gibt dem Raum ein wohnliches Ambiente und beeinflusst das Wohnraumklima positiv. Bei starken Bunttönen sind den Mineralfarben allerdings Grenzen gesetzt. 
 
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Text Gregor Eigensatz
 
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