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Anschlüsse statt Schnittstellen
Schonungsvoller Umgang mit dem Baubestand
 
Der forum altbau-Beitrag «Schnittstellen sind potentielle Schadstellen – Erklärungen zum Begriff Schnittstelle» in Coviss 8/2009 hat Reaktio-nen hervorgerufen. Zum Beispiel jene der Imhof Architekten, die lieber von Anschlüssen als von Schnittstellen sprechen und Kontinuität und schonungsvoller Umgang mit dem Baubestand unter dem Aspekt des sorgfältigen Anschliessens am Bestehenden verstehen.

«Mit Interesse lesen wir den forum altbau-Beitrag «Schnittstellen sind potentielle Schadstellen – Erklärungen zum Begriff Schnittstelle» in Coviss 8/2009. Allerdings können wir uns mit kaum einem der formulierten Gedankengänge anfreunden, was uns mit unserer über 20-jährigen Arbeit an und mit alten und denkmalgeschützten Häusern doch etwas befremdet. Den Begriff der Schnittstelle verwenden wir nämlich nie, täglich jedoch jenen des Anschlusses. Allenfalls ist von Schnittstelle die Rede, wenn es um die Abgrenzung zu den Fachplanern geht.

Die Schnittstelle ist unserer Meinung nach eine gestalterische Haltung, die untrennbar mit den Namen Carlo Scarpa und Karl Josef Schattner verbunden ist. Beide hatten in ihren nicht alltäglichen Arbeitsfeldern mit dem Thema des Schnitts auf einer hoch künstlerischen und zeichenhaften Ebene im Nebeneinander von Alt und Neu gearbeitet. Dabei wird in maximaler Konstrastierung zum einen gesamten alten Baubestand das eine Neue so gesetzt, dass ein neues Ganzes entsteht. Die ausgefransten Kanten werden geschnitten oder gefasst und ge-rahmt. Von der künstlerischen Dichte und von der Aufgabenstellung her schauen wir die Arbeiten der zwei Architekten als Sonderfälle an.

Kontinuität in Material, Inhalt und Gestaltung
In unserem vom Holzbau geprägten Arbeitsfeld sehen wir die Arbeit der Erhaltung und Restaurierung von Häusern am liebsten als kontinuierlichen Prozess am Baubestand. Dabei gilt Ähnliches für heute gebaute Häuser wie für alte, nämlich, dass sie mit ihren Mitteln erhalten werden wollen. Das neu Hinzugekommene muss immer aus einer Gesamtsicht des Bestandes heraus entschieden werden. In der Zusammenarbeit mit Handwerkern mit Spezialwissen in alten Techniken lernten wir, dass ein vermörteltes Bruchsteinmauerwerk am besten wieder mit Kalkmörtel ausgeflickt wird und nicht mit Zementmörtel oder kunststoffvergütet, soll die Mauer erhalten und nicht mittelfristig zerstört werden. Kontinuität ist dabei auch inhaltlich gemeint, denn ein Wohnhaus soll weiterhin als Wohnhaus genutzt werden, es soll so erneuert werden, dass für die nächsten 60 Jahre keine tiefen Eingriffe nötig werden, es soll erkennbar bleiben. Kontinuität ist auch gestalterisch gemeint, dass nicht eine maximale Kontrastierung gesucht wird, sondern ein Weiterbauen am Bestand, was in historischen Kontexten auch die Neubautätigkeit umfassen kann.

Balance zwischen den verschiedenen Kriterien finden
Die Herangehensweise an eine Aufgabe ist immer eine gestalterische. Fragen wie die folgenden stehen im Vordergrund: Wo steht das Gebäude? In der Landschaft? In der Siedlung? Wer will wie im Gebäude wohnen oder arbeiten? Wie ist der Bauzustand? Wie sind die Auflagen von Denkmalpflege, Brandschutz, Unfallverhütung, Energiebehörden? Budget? Dies sind die grundlegenden Fragen für die Planung und Gestaltung der Massnahmen, die von einer oberflächlichen Erneuerung von Bauteilen bis zur umfassenden, bis zum Rohbau reichenden Restaurierung gehen können.

Wenn es um die Verbesserung der Gebäudehülle in energetischer Hinsicht geht, müssen die Prinzipien aus den Neubaunormen heruntergebrochen werden, und zwar auf die für das Gebäude verträgliche Lösung. Dabei sind denkmalpflegerische, bauphysikalische, gestalterische, ästhetische Kriterien gleichermassen abzuwägen.

Nach der Lesart des erwähnten Artikels resultierte eine Matrix in der Form eines Rubik’s Cube. Diesen während des Planungs- und Bauprozesses dauernd aktuell zu behalten, würde doch mehr Zeit erfordern als die eigentliche Arbeit auf der Baustelle, wo die Hauptarbeit darin besteht, die Anschlüsse der neuen Bauteile an die alten Bauteile zu besprechen und zu gestalten.»
Monika und Eugen Imhof,
Imhof Architekten, Sarnen

Schonungsvoller Umgang mit dem Baubestand – Beispiel Grosshostatt
Nach einem einjährigen Planungsprozess, der vor allem darin bestand, die dringendsten Erneuerungen zu ermitteln, gelangten mit einem Budget von 260’000 Franken inklusive der Gelder der Denkmalpflege und des Schweizerischen Heimatschutzes folgende Arbeiten zur Ausführung:

In den bestehenden Räumen Einbau einer geräumigen Küche und zweier Sanitärräume; Erneuerung der Käserei im Keller zur Wertschöpfung aus der Milch; Einbau eines Tiba-Herdes mit Speicher zur Beheizung der rückwärtigen Räume; Restaurierung der Stube; Neuaufsetzen der Kachelöfen; Restaurieren der Buffets; Reparieren und Abdichten von Türen und Fenstern und, wo notwendig, Ersetzen, Erneuern und Ergänzen der elektrischen Installatio-nen. Zudem wurden die wichtigsten Unterhaltsarbeiten an den Böden, Wänden und Decken vorgenommen und der Wohnteil zum Dachraum hin gedämmt, um die Wärme besser zusammenhalten zu können.

Das Renovationskonzept hatte zum Ziel, mit dem Baubestand schonungsvoll umzugehen und den Jungbauern möglichst viele Arbeiten selber ausführen zu lassen. So wurden die Badezimmerkammern, die mit Distanz zum Mauerwerk im vormaligen Lagerraum neben der Küche errichtet wurden, als neue Blockbauten vom Bauern selbst mit Wurfholz aus dem Sturm Vivian abgebunden und aufgebaut, ebenso die Bodenbretter in Gang und Küche. Wo Erfahrung notwendig war, wurden qualifizierte Handwerker einbezogen, die den Bauern in der Reparatur von Bauteilen und im Unterhalt unterstützen und anleiten konnten. Die Einbauküche wurde aus massivem Ahornholz gebaut. Die Kochstelle, ein Tiba-Herd, dient nebst dem Kochen vor allem der Wärmeerzeugung für Bad, Stube und Kammer. Mit dem Einbau eines bergseitigen Fensters wurde die dunkle Küche aufgehellt und wohnlich gemacht. Die Restaurierung des Buffets und der Ersatz der Türen und Böden wurden unter fachkundiger Anleitung der Klosterschreinerei Engelberg ausgeführt. Bank und Tisch wurden aus eigenem Holz gefertigt. Damit der Bauherr auch künftige Unterhaltsarbeiten am Aussenputz selbstständig ausführen kann, wurden die Sumpfkalkarbeiten von ihm selber, jedoch unter Aufsicht von Ruedi Krebs, einem bekannten Sumpfkalkspezialisten, ausgeführt.  
 
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Text Monika Imhof
Bild Heinz Dahinden, Luzern
 




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