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Spannungsfeld Architektur
Vom Goldenen Schnitt zur Grauen Energie
 
Neben der funktional und gestalterisch überzeugenden Lösung, die gute Architektur ausmacht, zeichnet sich eine solche durch weitere wichtige Aspekte aus.

Zum Beispiel der Bauplatz: Soll ich als Architekt weiter dazu beitragen, dass die ganze Schweiz mit Einfamilienhäusern übersät wird? Wo sind die Grenzen der pluralistischen Gesellschaft? Wo kann und darf man in der Schweiz noch bauen, wo nicht? Solche Fragen muss sich heute jeder stellen, der bauen will. Ein guter Indikator, dass das Einfamilienhaus in der Schweiz ein Auslaufmodell ist, sind die hohen Landpreise.

Wie kann man vernünftig verdichten, wenn die Ressource Bauland endlich ist? Hochhäuser bauen? In die Breite bauen? Weniger Wohnfläche beanspruchen? Der letzte Ansatz ist bestimmt der intelligenteste. Weniger Wohnfläche, dafür in die Raum- und Materialqualität investieren, was auch bezüglich Energieverbrauch und Wohnqualität am nachhaltigsten scheint.

Interessante Räume statt Teppichmuster-Überbauungen
Das Baugesetz führt immer wieder und zu Recht zu grossen Diskussionen. Baugesetze sind da, um das Bauen in «geordnete» Bahnen zu lenken. Nur wird kein Baugesetz auch nur im Ansatz der Vielfalt topografischer und landschaftlicher Aspekte gerecht. Die Baugesetze sind meist zu technisch, mit zu vielen Einschränkungen, was eine gestalterisch gute Lösung nur mit Ausnahmen möglich macht. Ein Grund für solche Baugesetze sind die Gemeinden, die sich lieber hinter Normen verstecken, als dass sie sich mit Architektur auseinandersetzen würden. Bestes Beispiel für die technokratische Baugesetzgebung sind die Höhenbegrenzungen in Wohnzonen, die nur «Teppichmuster-Überbauungen» zulassen. Das Denken in Schemas, wie zwei- oder dreigeschossige Wohnzonen, lässt keine städtebaulich und ökonomisch sinnvollen Lösungen zu. Interessante Räume entstehen, wenn Gebäude in einem vorgegebenen vernünftigen Mass unterschiedlich hoch sind.

Selbstverständlich in die Umgebung eingefügt
Der Bauherr ist der wichtigste Partner für einen Architekten. Wie weit soll, darf oder muss man einen Bauherrn von seinen Ideen überzeugen? Nicht jeder Bauherr, leider oft auch Architekt, ist Kunstsammler und hat ein Gespür für Gestaltung, die über die «Geschmacksfrage» hinausgeht. Der Individualität sind heute mit den vielen Materialien, die an einem Bau verwendet werden können, kaum mehr Grenzen gesetzt. Viele Bauherren und auch Architekten suchen Lösungen, unbewusst oder bewusst, die sie vom Nachbar abheben. Ein Wohnhaus aber sollte sich ruhig und selbstverständlich in seine Umgebung einfügen und nicht ein Form-, Farb- und Materialmanifest sein.

Energiebesteuerung für bestmögliche Gesamtlösungen
Welche Strategie bezüglich Energieverbrauch und Nachhaltigkeit ist die Beste für die Zukunft? Möglichst viel dämmen, mit dem Nachteil, dass das Herstellen von Dämmung sehr viel graue Energie verbraucht, oder weniger dämmen und hoffen, dass die Solarenergiegewinnung bald ein x-Faches an Energie aus der Sonne holt und somit alle Energiefragen überflüssig macht? Natürlich ist auch im Bereich der Wärmedämmung in der Schweiz vieles geregelt. Der Wärmenachweis ist ein Beispiel der negativen Art – eine gut gemeinte Idee der Kantone, die viel kostet und nur wenig bringt, da sie schwer kontrollierbar ist. Wenn man die Energie stärker besteuern würde, könnten sich die bestmöglichen Gesamtlösungen ganz automatisch durchsetzen.

Verantwortungsvoller Umgang mit Raum und Landschaft
Gute Architektur ist schon lange nicht mehr nur eine Frage von ausgewogenen Proportionen (goldener Schnitt). Gerade in einer Zeit wie heute, wo nicht nur in der Schweiz, aber hier ganz besonders, die Ressource Land knapp wird, sollten egoistische Gedanken bezüglich Bauen keinen Platz mehr haben. Das Bauen ist heute nicht mehr nur eine Frage des persönlichen Bedürfnisses, sondern auch eine Frage des Umgangs mit Raum und Landschaft. Diese Frage hat – bewusst oder unbewusst – grossen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Gross ist deshalb auch die Verantwortung des Architekten im Spannungsfeld Architektur.  
 
Ausgabe "2010/1 - Februar" bestellen
 
Text Patrick J. Schnieper
Bild Marco Homberger, Luzern
 




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