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Umnutzungen und Gesamtrestaurierungen
Baukultur als Aufgabe
 
Ein altes asiatisches Sprichwort lautet sinngemäss: Tradition heisst, das Feuer zu hüten, nicht die Asche zu bewahren. In diesem einfachen Satz steckt eine fundamentale Einsicht zum Thema Erhalten und Gestalten: Weder die Umwelt, die Natur und die Landschaft, noch der gesamte Bereich unseres baulichen Kulturerbes befinden sich in einem statischen Zustand. Sie sind vielmehr Bestandteile eines dauernden Prozesses und deshalb mit Eingriffen, Veränderungen und Umwandlungen verknüpft, auch dann, wenn es sich nur um Reparaturen oder Restaurierungen handelt.

Jedes Planen und Bauen ist eine anspruchsvolle Herausforderung zu einer fachlich und politisch qualitätsvollen Auseinandersetzung zwischen dem Erhalten und dem Gestalten. In der Dualität und der Qualität dieses Prozesses steckt der Schlüssel im sinnvollen Umgang mit Kultur und Natur. Dies gilt im historischen Prozess auch für unsere Generation.

Der Umgang mit historischer Baukultur ist im grossen, potenten Geschäft des Bauens schon längst zu einem kleinen Nebenbereich geworden. Zu viele Fachleute haben dies erkannt und sich mit ihrem Tun im Planen und Bauen opportunistisch oder resigniert kommerziellen Einzelinteressen untergeordnet. Nicht immer fehlt es an Einsicht, oft fehlt es an Mut, sich für bessere Alternativen einzusetzen. Gesellschaftliche Gesamtinteressen im Allgemeinen und kulturelle im Besonderen verlieren dadurch zunehmend an öffentlichem Einfluss und politischer Bedeutung. Dieser Verlust wirkt sich nicht nur nachteilig für die Gestaltungskraft der überlieferten und der zu gestaltenden Baukultur aus, sondern wird auch gravierende Folgen für eine qualitätsvolle Entwicklung unserer Orte und Siedlungen haben. Heimat erfordert auch dazu ein kritisches, mutiges Engagement aller gestaltenden Kräfte in unserer Gesellschaft.

Komplexe Aufgaben – differenzierte Verfahren – rechtlich wirkungsvolle Handlungsinstrumente
Erforschen, Bewerten, Erhalten, Pflegen, Schützen von Denkmälern und das Informieren der Öffentlichkeit gehören zu den elementaren Grundaufgaben der denkmalpflegerischen Tätigkeit. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der
Baukultur und vor allem die denkmalpflegerische Praxiserfahrung lehren jedoch eindrücklich, dass in unserer Zeit komplexe und anspruchsvolle Aufgabenstellungen nicht mehr im engen Verständnis mit isolierten Argumenten und nur mit traditionellen Instrumenten gelöst werden können.

Auch in unserer Region wurde bis Ende der 1980er-Jahre zu oft mit oberflächlicher Anpassung von Neubauten an den historischen Bestand die Zerstörung von originalen Altbauten denkmalpflegerisch unterstützt oder toleriert. Mit dieser Anpassungsgrundhaltung können jedoch in der Regel weder anspruchsvolle Restaurierungsaufgaben noch städtebauliche Sanierungsaufgaben fachlich überzeugend gelöst werden. Trotzdem bildet sie noch immer die Grundlage zu vieler Planungs- und Baurechtsbestimmungen von Kanton und Gemeinden. Dadurch werden die Chancen, angemessene kulturelle Leistungen mit Ersatzbauten zu schaffen, vielfach verpasst. Dies gilt speziell in den Bereichen des Planens und Bauens, mit welchen sich auch die denkmalpflegerische Praxis in besonders umfangreichem Mass zu befassen hat. Die wesentlichen Weichenstellungen und die fachlichen Einflussmöglichkeiten für ein qualitätsvolles Erhalten und Gestalten von Kulturobjekten, ihrer Umgebung und ihren Siedlungsräumen in Stadt und Landschaft werden heute in den politischen Planungsprozessen und den rechtlichen Planungsinstrumenten festgelegt. Leider fehlen in diesen Bereichen vielfach rechtlich wirkungsvolle Verfahren und Bestimmungen für fachlich qualitätsvolle Lösungsfindungen. Anstelle von detaillierten rechtlichen Anpassungsbestimmungen sollten vermehrt einzelne fachliche Verfahren verankert werden. Zu oft werden dafür wesentliche Anliegen des Erhaltens und Gestaltens aus der Sicht der Denkmal- und Ortsbildpflege politisch lediglich als wünschbar, aber als rechtlich nicht erforderlich abqualifiziert.

Trotzdem lassen sich solche Aufgabenstellungen allein mit rechtlichen Schutzparagraphen im konkreten Fall nicht lösen. Dazu sind ergänzende fachliche und politische Tatbeweise für den speziellen Ort, das Objekt und die Aufgabe als Antworten für eine überzeugende Projektlösung erforderlich. Dies gilt grundsätzlich für jede anspruchsvolle Aufgabenstellung, das heisst in den Bereichen der Gesellschaft, der Politik, der Medizin, der Pädagogik genau so wie in der Raumplanung, der Ortsentwicklung, der Architektur oder der Denkmalpflege. Die Lösungssuche von komplexen Planungs- und Bauaufgaben ist fachlich interdisziplinär zusammengesetzten Arbeitsteams zu übertragen. Für die Projekter-arbeitung hat sich, je nach Grösse und -Bedeutung einer Aufgabenstellung, insbesondere die Durchführung eines Projektwettbewerbes oder eines Studienauftrages an mehrere qualifizierte Architekten als objektives und wirksames Verfahren zur Förderung von ökonomisch und kulturell überzeugenden Projektlösungen erwiesen. Vielfach erleichtern Vorstufen mit einer Machbarkeitsstudie die Präzisierung einer realistischen Aufgabenstellung. Dass mit heiklen «Operationen» besonders talentierte Fachleute (jeden Alters) beauftragt werden sollten, hat wenig mit Starkult und Willkür, sondern viel mit dem Anspruch und der Verantwortung zu einer optimalen Lösungsfindung zu tun.

Leider sind wettbewerbsähnliche Planungs- und Projektierungsverfahren noch immer Ausnahmen. Die zuständigen Bewilligungsbehörden verfügen vielfach nicht einmal über eine rechtliche Möglichkeit, in begründeten Fällen ein solches Verfahren im Interesse einer fachlich qualitätsvollen Lösungsfindung für ein bedeutendes Bauwerk oder eine bedeutende Siedlungsanlage zu verlangen. Dies gilt es im Hinblick auf bessere Projektlösungen zu verändern. 
 
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Text Claus Niederberger
Bild Kantonale Denkmalpflege, Luzern
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