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Wollverarbeitung für den Bau
Schafwolldämmung für gute Raumatmosphäre
 
Baubiologen preisen die Schafwolle als gesunden, natürlichen Dämmstoff mit vielen Vorteilen. Doch es kommt auch darauf an, dass man die Wolle richtig verarbeitet und -die umgebenden Bauteile anpasst. Inzwischen können grosse Mengen an Schweizer Schafwolle zu mo-dernen und überzeugenden Schafwolldämm-Produkten verarbeitet werden. Diese sprechen einen immer grösser werdenden Kundenkreis an.

Für das Bauen sollte man nur gesunde, natürliche Materialien verwenden, sagt Werner Büchel von «LanaTherm Naturbaustoffe» in Sennwald. Vor etwa zwanzig Jahren, damals, als er das Elternhaus aus dem Jahre 1516 restaurieren wollte, fing er an, sich mit Baubiologie auseinanderzusetzen. Ihn beschäftigte die Frage, warum das Gebäude 500 Jahre überdauert, wo heute manches Haus gerade noch für eine Generation hält. – Die Bauleute hatten nicht gegen, sondern mit der Natur gebaut.

Wolle natürlich aufbereiten
«Was den Körper wärmt, isoliert auch das Haus», hat sich der Baubiologe gedacht. Doch wie zieht man einem Haus ein Wollkleid über? Dafür wird die Wolle zu lockeren Matten verarbeitet. Sie gleichen einem Vlies, das überall gleich dick ist und sich aufrollen lässt. Büchel hat eine Methode gefunden, solche Matten ganz ohne synthetische Stoffe herzustellen: Zuerst wird die Wolle schonend gewaschen, so dass das Lanolin, der natürliche Schutz der Wolle vor Feuchtigkeit, nicht ganz ausgewaschen wird. Dann kommt sie in ein Wasserbad mit Borsalz oder Harnstoffderivaten. Diese für den Menschen unbedenklichen Stoffe, die auch in der Natur vorkommen, schützen die Wolle vor Motten und anderen Insekten. Eine Karde verarbeitet schliesslich die aufgelockerte Wolle zu Matten, die sich fast so weich anfühlen wie Watte.

Damit die lockeren Matten im Fachwerk nicht nach unten rutschen, fixiert man sie wie Vorhänge mit Hilfe von Leisten und Klammern. Da das Werk die Matten passfertig liefere, gehe diese Arbeit schnell vor sich. Es sei wichtig, die Wolle in Form einer weichen Matte zu verwenden, denn nur so habe die Wollfaser genügend Spielraum, um zu «atmen», ist Büchel überzeugt. Denn wenn die Luft feucht ist, dehnt sich die Wolle aus und nimmt Wasser auf; wird die Luft trocken, zieht sich die Wolle zusammen und gibt das Wasser wieder ab, «wie etwa ein Tannzapfen», veranschau-licht Büchel den Vorgang. Damit sich die Schafwolle überhaupt auf das Raumklima auswirken kann, müssen auch die umgebenden Baumaterialien stimmen. Plastik als Dampfsperre über der Wolle würde verhindern, dass die Wolle «atmet». Ein Windpapier aus Wolle und Altpapier wirkt wie eine Windjacke: sie schützt vor Zugluft, ist aber diffusionsoffen, das heisst atmungsaktiv. Auf diese Art lassen sich Schimmelpilze in Wänden verhindern, die nur bei eingesperrter Feuchtigkeit entstehen.

Wolle bindet Schadstoffe
Um die für das Bauen relevanten Eigenschaften der Wolle mit anderen Baustoffen vergleichbar zu machen, liess Büchel seine Produkte bei der Empa, der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, testen. Sie haben eine Brandkennziffer von 5,3, was so viel bedeutet wie «schwer entflammbar». Die Matten entzünden sich erst ab zirka 560°C. Da sie keine chemischen Zusätze enthalten, entwickeln sie – selbst wenn es zu einem Brand kommt – keine giftigen Gase. Das Gegenteil ist der Fall: Wolle bindet sogar Schadstoffe und wird deswegen zur Sanierung von bestehenden Räumen eingesetzt, in welchen Formaldehyd und Ozon aus den Wänden, Decken oder Böden in den Wohnraum dringen.

Nicht überall eignen sich Matten. Um Hohlräume zu füllen, verwendet man lose Stopfwolle; für Fugen, Fenster- und Türrahmen spezielle Wollzöpfe und Wollbänder. Wolle schützt nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Lärm. Fünf mm dicke Wollfilzmatten bewirken eine gute Schalldämmung.

Warum ist es wichtig, gesunde und natürliche Materialien zu verwenden? Der Sohn Christian Büchel nennt als Beispiel den Brand im Flughafen von Düsseldorf vor einigen Jahren. Dort, wo der Brand ausbrach, sei den Menschen nichts passiert, aber in einem anderen Raum, wohin die Luft abgeleitet wurde, seien Menschen an den giftigen Gasen gestorben. So würden noch heute Baumaterialien zu wenig auf ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit getestet. Ein zweites Problem ist die Entsorgung. Was heute noch als unbedenklich angesehen wird, kann sich später unter Umständen als schädlich herausstellen und muss unter besonderen Vorsichtsmassnahmen entsorgt werden.

Wärmeleitfähigkeit und Ungeziefer
Die Wärmeleitfähigkeit der Schafwollmatten liegt zwischen 0,035 und 0,04-W/mK, derjenige von Stein- oder Glaswolle bei 0,041W/mK. Die Matten werden in verschiedenen Stärken produziert und im Werk zugeschnitten.

In Wolle, die mit Borsalz behandelt wurde, ist Ungeziefer laut Büchel kein Problem. Schon vor 10 Jahren hat die EMPA Käferlarven sowie Motten in behandelte und unbehandelte Wolle gesetzt. In der behandelten Wolle entwickelten sich diese nicht weiter. Ein gut verleimtes Winddichtpapier sowie eine leichte Dampfsperre gegen innen bilden zusätzliche mechanische Barrieren gegen Insekten. Auch Mäuse sind in Wolle kein Problem. Scheinbar können sie in den losen Wollvliesen keine Gänge bauen, und sie zerbeissen Wolle nicht.

Kontakt
LanaTherm Naturbaustoffe, Widdermoos, 9466 Sennwald, Telefon 081 740 44 30, www.lanatherm.ch
 
 
Ausgabe "2009/7 - November" bestellen
 
Text Dr. Ing. Agr. Michael Götz, Eggersriet SG
Bild Dr. Ing. Agr. Michael Götz, Eggersriet SG
 
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