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Bauen mit Lehm – aus gutem Grund
Lehmbaustoffe im Vergleich
 
In den letzten Jahren fand ein Umdenken in der Energiepolitik statt. Neue Gesetze verlangen eine starke Reduktion des Energieverbrauchs für Warmwasseraufbereitung und Heizung. Diese Senkung wird mit Massnahmen wie einer dichten, wärmegedämmten Gebäudehülle erreicht. Solche neuen Konzepte führten zu einer erheblichen Veränderung der physikalischen Rahmenbedingungen. Mangelnde Kenntnisse für Themen wie Luftwechsel oder Luftfeuchtigkeit führten in den folgenden Jahren zu Bauschäden, waren aber auch Anstoss für weiteres Suchen nach optimierten Konstruktions- und Energiekonzepten. Das Baumaterial Lehm leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.

In unserer Zeit, in der ein grosses Bedürfnis nach naturwissenschaftlicher Absicherung vorherrscht, stellt der Lehm eine Herausforderung dar. Wie geht man mit einem Baustoff um, der mit seiner Vielfalt an Erscheinungsformen keine Verallgemeinerung zulässt, sich nicht in ein einfaches Normen-Werk mit immer gleichen Verhaltensmustern einbinden lässt? Die positiven Eigenschaften des Lehms sind vielseitig. Klaus Schillberg und Heinz Knieriemen umschreiben sie in ihrem Buch «Naturbaustoff Lehm» wie folgt:

12 gute Gründe, mit Lehm zu bauen
(1) Lehm wird für den Hausbau seit Jahrtausenden in aller Welt verwendet. Richtig aufbereitet und verarbeitet, liefert der Aushub (ohne Humusanteil) einen gesunden, regenerierenden Baustoff, der auch heute allen ökologischen und ökonomischen Anforderungen gerecht wird. (2) Bauen mit Lehm und Wohnen in Lehmhäusern ist gesund. Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit (Sorptionsverhalten), schafft ein gutes Raumklima, ist hautfreundlich und bindet schlechte Gerüche wie etwa Zigarettenrauch. (3) Lehm als bewährtes Baumaterial überdauert bei fachgerechter Verarbeitung Jahrhunderte. (4) Lehm ist zu 100 Prozent wieder verarbeitbar. Lehm aus alten Häusern wird eingesumpft und beim Bauen erneut verwendet. (5) Lehm schützt durch die geringe Gleichgewichtfeuchte Holzkonstruktionen. Chemischer Holzschutz ist unnötig. (6) Lehm wird mit geringem Aufwand an Fremdenergie und Technik gewonnen und verarbeitet. Erschliessung, Transport, Baustelleneinrichtungen und Schalungen erfordern Kosten, die unter denen vergleichbarer Bautechniken liegen. (7) Lehm lässt sich leicht reparieren und eignet sich gut für das Verlegen von Rohren und Leitungen. (8) Lehm weist mit entsprechenden Zuschlagstoffen gute Wärmedämmwerte für Wände, Decken und Dächer auf. (9) Lehm bietet einen guten Schall- und Trittschutz. (10) Lehm ist ein bewährtes, gesundes Material für Innenputze, auch bei Renovationen. (11) Lehm lädt zur kreativen Gestaltung und künstlerischen Betätigung ein – gegen Langeweile und Normierung am Bau. (12) Lehm ist ein kostengünstiger Baustoff, der sich zur handwerklichen Verarbeitung gut eignet. Mit keinem anderen Material kann man ähnlich einfach bauen. Deshalb ist Lehm prädestiniert für Selbstbauprojekte. Und ein weiterer Grund: Unsere Zukunft verlangt nach Bauweisen, die umweltschonend sind, Handwerkliches Know-how nutzt und die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen fördert.

Lehmputze
Die einfachste Art, Lehm in einem Gebäude einzubauen, ist seine Verwendung als Lehmputz. Er kann mit moderner Verputztechnik verarbeitet werden und jederzeit, auch in bestehenden Bauten und auf beinahe allen konventionellen Untergründen, eingebracht werden. Er muss keine statischen Lasten übernehmen, befindet sich an der Oberfläche und kann dadurch direkt wirken. Lehm ist ein hervorragendes Gestaltungsmittel und bietet damit Grund genug, eingesetzt zu werden. Ein breites Farbspektrum, aber auch Beimengungen von Sanden, pflanzlichen Fasern oder schillerndem Perlmut erlauben eine Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten. Vom Feuchtesorptionsvermögen her betrachtet, darf man von einem Lehmputz aber nicht zu viel erwarten. Er ist eine Sackware, also ein im Werk vorgefertigter Baustoff, der zu Gunsten einer besseren Verarbeitung erheblich mit natürlichen Zuschlagstoffen gestreckt wird. Der reduzierte Tonanteil ermöglicht eine verringerte Rissgefahr, aber gleichzeitig wird die Sorptionseigenschaft eingeschränkt. Eine Lehmfarbe oder ein 2 mm dicker Lehmfeinputz können nur kurzfristig eine puffernde Wirkung übernehmen. Betrachtet man jedoch ganztägige Nutzungszyklen, so ist ein mindestens 15 Millimeter dicker Lehmputz nötig. Für länger wirkenden Ausgleich sind andere Konstruktionen zu wählen.

Lehmbauplatten
Will man den Lehmanteil erhöhen, jedoch nicht massive Lehmwände erstellen, bieten sich die Lehmbauplatten an. Dabei handelt es sich um ein Produkt aus Baulehm, Ton, Leichtzuschlägen, pflanzlichen Fasern und Stroh um einen Schilfrohrkern. Die Oberflächen sind mit einem Jutegewebe armiert. Die Lehmbauplatte dient als Putzträgerplatte und kann an Stelle von Gipskartonplatten eingesetzt werden. Lehmbauplatten und Lehmsteine weisen den grossen Vorteil auf, dass sie nach der Formgebung ohne äussere Krafteinwirkung trocknen können. Dadurch ist ein spannungs- und rissfreies Schwinden möglich. Eine Abmagerung – also Reduktion des Tongehaltes – ist daher nicht notwendig. Das erklärt auch, warum Lehmsteine oft die wesentlich besseren Sorptionseigenschaften aufweisen als Lehmputze.

Lehmsteine
Lehmsteine können als fertige Produkte (ungebrannte Backsteine) bezogen oder selber angefertigt werden. Sie lassen sich wie normale Backsteine zu selbsttragenden Mauern oder als Ausfachung im Holzbau verarbeiten. Für Aussenwände können mit Stroh oder Holzschnitzeln angereicherte Leichtlehmsteine verwendet werden, die einen wesentlich besseren Wärmedämmwert aufweisen. Das Erstellen einer Lehmwand ist etwas teurer als das einer Backsteinwand, ist aber die preiswerteste Bauweise für massive Bauteile aus Lehm. Die Sorptionseigenschaften sind bis sehr gut zu bewerten.

Stampflehmwände – Stampflehmböden
Die Stampflehmbauweise wird auch Pisé-Technik genannt. Stampflehmwände und -böden werden in der Regel vor Ort erstellt. In jüngster Zeit entstanden aber auch Bauten aus vorgefertigten Elementen. Erdfeuchter Lehm, ergänzt mit Gestein, wird lagenweise in eine Schalung gestampft. Die sichtbar belassene Oberfläche hat eine ausdrucksstarke Schichtung und erinnert an gewachsenen Boden. Stampflehmwände werden oft als dekorative Gestaltungselemente eingesetzt. Der Anteil an Handarbeit beim Erstellen ist aber hoch, was sich im Preis niederschlägt. Die Sorptionseigenschaften sind sehr gut. Eine Stampflehmwand ist je nach statischen Anforderungen zwischen 15 und 40 cm dick, bei begehbaren raumhohen Schalungen sogar 60 cm. Stampflehmböden sind im Minimum 8 cm dick.

Anforderungen an den Lehm
Ist Lehm vor allem als technischer Bauteil vorgesehen, der die Feuchtigkeit im Raum regeln soll? Hat der Lehm einen gestalterischen Auftrag oder muss er zusätzlich den Wärmedämmanforderungen einer Aussenwand genügen? Je nachdem wird eine kostengünstigere Lehmstein-, eine Strohlehmwand oder vielleicht doch eher eine repräsentative Stampflehmwand gewählt. Wie sind die Rahmenbedingungen? Handelt es sich um einen Umbau oder Neubau? Kann zum Beispiel Stampflehm eingebaut werden oder fehlt der nötige Arbeitsraum, da das Gebäude bereits bestehende Decken besitzt? Mitentscheidend sind in jedem Fall das Budget und der zeitliche Rahmen.


Sorptionsvermögen und Schichtstärke
Geht man vom Sorptionsvermögen aus, so sind massive Lehmwände von mindestens 10 cm Stärke zu wählen. Die besten feuchteregulierenden Eigenschaften weisen Lehmsteine auf, da solche schwindfrei ohne Abmagerung produziert werden können. Freistehende Stampflehmwände haben den Vorteil, dass sie aus statischen Gründen eine gewisse Stärke haben müssen und so die nötigen Masse aufweisen. Sind massive Wände nicht möglich, ist auf eine minimale Putzstärke von 15 mm zu achten, damit die Tagesschwankungen ausgeglichen werden können. Wird der Lehm als 2 bis 3 mm dünne, dekorative Putzschicht eingesetzt, wirkt er nur sehr kurzfristig feuchteregulierend.

Lehm ist nicht gleich Lehm
Im Sorptionsverhalten der einzelnen Produkte bestehen beträchtliche Unterschiede. Je nach Produkt ist mehr als eine
Verdoppelung des Feuchtesorptionsvermögens zu verzeichnen. Zum andern wurde der Wasserdampfaufnahme seitens der Produzenten bisher nur geringe Beachtung geschenkt. Hier besteht ein Nachholbedürfnis. Mit entsprechendem Bewusstsein ist eine Optimierung der Produkte durch gezielte Materialwahl zu erwarten. Einzelne Unternehmer haben mit der Kennzeichnung der Feuchtesorption auf ihren Produkten begonnen, was sicher ein Anstoss in die richtige Richtung ist.

Anteil an Lehmbauteilen
Grundsätzlich gilt: Je mehr, desto besser. Mit zunehmendem Anteil der Lehmbauteile steigt die Speichermasse. Sinnvoll ist, möglichst alle für Wohnzwecke genutzten Räume mit Lehmbauteilen auszustatten. Der Lehm mit seinem vortrefflichen Feuchtesorptionsvermögen kommt aber erst dann voll zum Tragen, wenn er Bestandteil eines umfassenden Konzepts ist. Er muss die Möglichkeit haben, sich mit Feuchtigkeit aufzuladen. Bekommt er diese nicht, wird er nicht wesentlich zu einem angenehmeren Raumklima beitragen. 
 
Ausgabe "2007/2 - März/April" bestellen
 
Text Auszug aus der Diplomarbeit Fachkurs SIB von Theo Flückiger, Arch. HTL, gekürzt und überarbeitet von Rainer Hettenbach, IG Lehm
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