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Fassadengestaltung im Industriegebiet
Rillenputz statt Blechprofil
 
Zweckmässiger, schlichter Architektur begegnet man überall. Manchmal präsentiert sie sich langweilig, einfallslos. Umso erfreulicher, wenn das Erscheinungsbild durch gezielte Fassadenstruktur und Farbgebung positiv beeinflusst werden kann. Ein Beispiel aus dem Industriequartier in Flusses.

Das Gebäude steht in der französischen Stadt Cluses, im Departement Haute-Savoie, auf halbem Weg von Genf nach Chamonix. Die Stadt wuchs seit Ende des 19. Jahrhunderts nach und nach ins Industriezeitalter hinein und entwickelte sich zur Hauptstadt der französischen Drehteile-Industrie mit heute über 200 kleineren und mittleren Betrieben.

Ausgangslage und Gestaltungsidee
Das Industriequartier in Cluses präsentiert sich wie andere auch: Schachtelartige Gebäude mit Profilblechhüllen dominieren das Bild. Farblich zeigt sich das Quartier relativ homogen, da von Gesetzes wegen eigentliche Bunttöne nicht erlaubt sind. Das Stahlunternehmen Steeltec – eine Tochterfirma der Schmolz +Bickenbach AG – ersetzt ein beste-hendes, nicht mehr zweckmässiges Bürogebäude. Der Verbindungsgang zur grossen, bestehenden Lagerhalle bleibt erhalten.
Die Ausstrahlung des Bürogebäudes soll sich von jener der Lagerhalle abheben, jedoch so, dass beide Bauteile als zusammengehöriges Ganzes wahrgenommen werden. Was alt ist und was neu, soll sichtbar sein, ebenso der Zweck der beiden Gebäude: Die Halle dient mehrheitlich der Lagerung von hochwertigem Blankstahl in Stäben; das Bürogebäude richtet sich auf die Mitarbeitenden vor Ort und auf die internationale Kundschaft aus. Das Nebeneinander von Handwerk und Industrieproduktion erzeugt Spannung, wirkt im vorliegenden Kontext überraschend. Die Fassadengestaltung stellt den Bezug zum Unternehmen her und orientiert sich an der Philosophie des Hauses, die auf Qualität (hochwertige Stähle) und Ökologie (Ressourcen, Unterhalt, Sanierung) aufbaut.

Aufbau und Umsetzung
Auf den Rohbau wurden zwei Putzschichten aus dem gleichen Material aufgezogen. Die zweite Schicht wurde mit eigens dafür angefertigten Metallkämmen, pro Gerüstlauf von unten nach oben, strukturiert. Vier Mann arbeiteten dabei gleichzeitig Hand in Hand. Da das beauftragte Maler- und Gipserunternehmen noch nie mit einer solchen Aufgabe konfrontiert war, stellte die Firma MVM, Luzern/Emmen, vier erfahrene Mitarbeiter für einen Einführungstag vor Ort zur Verfügung.Fassadenraster und Farbenwahl zeigen die Architektur in einem neuen Kleid und stellen gleichzeitig Verbindungen her: einerseits zur Lagerhalle und andererseits zur heterogenen, industriellen Umgebung.

Vertikaler Rillenputz
Der vertikal verlaufende Rillenputz zieht sich gleichmässig über alle vier Gebäudeseiten und lässt Spuren handwerklicher Arbeit in der industriellen Umgebung sichtbar werden. Die Rillen können einerseits als Referenz zum hergestellten Produkt (Blankstahl in Stäben) gelesen werden, andererseits stellen sie auch einen Bezug zur viel grösseren, bestehenden Lagerhalle her, die ebenfalls eine Rillenfassade, jedoch aus Profilblech, aufweist.

Speziell angefertigter Kamm
Beim Kamm, der für die Rillen extra entwickelt wurde, musste das Verhältnis von Höhe, Tiefe und Schräge so gewählt werden, dass die vertikale Struktur des Putzes immer sichtbar bleibt, jedoch die verschiedenen Farbflächen mit zunehmender Distanz in den Vordergrund rücken. Diverse Musterplatten und Raster waren notwendig, um zu einem optimalen Ergebnis zu kommen.

Fein abgestufte Farbenwahl
Die Farbenwahl wurde von den sichtbaren typischen Anlassfarben des Stahls inspiriert, wie sie beim Prozess des Er-hitzens und Abkühlens entstehen: Goldbraun, Grün-Metallic, Silbergrau, Gelbgold, Flieder, Stahlblau… Die verwendeten Farbtöne wurden so aufeinander abgestimmt, dass aus der Ferne weniger eine bunte Gebäudefassade als 
vielmehr unterschiedlich breite und lebendig, aber harmonisch und sanft wirkende Farbflächen wahrgenommen werden.
Der Rillenputz wurde vollflächig in einem mittleren Buntgrau, die Rillengrate anschliessend mit vier verschiedenen, sich abwechselnden und in je drei verschiedenen Breiten vorkommenden Farbtönen gestrichen. Diese Breiten stehen im Verhältnis 3:2 zueinander, nämlich 300 cm, 200 cm und 135 cm. Vereinzelt vorkommende Silberstreifen breiten sich als spielerischen Bezug zur Farbe des Blankstahls über 20 cm oder 10 cm aus und sind nur im Sonnenlicht und im entsprechenden Betrachtungswinkel wirklich sichtbar.

Die Farbabfolge ist unregelmässig strukturiert, jedoch so, dass ein Farbfeld immer über die Gebäudeecke oder die Vertikale der Fensterstürze hinaus verläuft; die Anordnung der Öffnungen am Gebäude tritt deshalb in den Hintergrund. Das Objekt wirkt dank den einzigartig unregelmässigen Spuren des von Hand verarbeiteten Putzes wie auch der Farben weich wie Samt. Erst auf den zweiten Blick erkennt der aufmerksame Betrachter das nicht alltägliche, edle Streifenkleid – ein bisschen Festlichkeit im Industrieumfeld.

Bauinfo

Bauherr:
Steeltec AG, Emmenbrücke (Schmolz + Bickenbach AG)

Architekt: Bureau Bonnard, Jean, Ingénieur Conseil et Expertise, F - La Roche s/Foron

Farb- und Materialkonzept: Ursula
Ochsenbein, Farbgestalterin HF, Horw,
info.farbraeume@hispeed.ch,
Telefon 041 340 82 24

Fach- und Produktberatung: MVM AG,
Luzern/Emmen; www.mvm-ag.ch
Franz Bieri, Keimfarben AG; www.keim.ch

Maler-/Gipserarbeiten: Jordao,
75 Z.A. La Papèterie, F - Arenthon 
 
Ausgabe "2009/5 - August/September" bestellen
 
Text Ursula Ochsenbein; Gregor Eigensatz
Bild Ursula Ochsenbein, Horw
 
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