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Schweizerische Interessengemeinschaft Baubiologie
Baubiologisch bauen heisst menschengerecht bauen
 
Die Schweizerische Interessengemeinschaft Baubiologie/Bauökologie SIB besteht seit über 30 Jahren. Die Freude über diesen Erfolg verpflichtet auch, denn allzu oft fehlt beim Bauen der ganzheitliche Ansatz nach wie vor. Ein Gespräch mit Christian Kaiser, Architekt und Baubiologe.

Die Schweizerische Interessengemeinschaft Baubiologie/Bauökologie SIB feierte 2007 ihr 30-jähriges Jubiläum. Was hat sich von den An-fängen bis jetzt grundlegend getan?
Christian Kaiser:
Als 1977 in Sullens das «Institut für eine biologische Architektur» gegründet wurde, geschah dies mit der Idee, sich von einer entgleisenden Baukultur abzugrenzen, die immer mehr den rationellen und optimierten Bauprozess in den Mittelpunkt stellte und dabei vergass, dass in den Gebäuden Menschen leben und arbeiten sollen. Heute ist das zum Glück etwas besser geworden: die Bewohner und Nutzer von Bauten geniessen zunehmend einen höheren Stellenwert. Baubiologisches und ökologisches Denken und Handeln grenzen sich heutzutage vor diesem Hintergrund von der Gedanken-losigkeit vieler Serienbauten ab.

Welche Erfolge kann die Baubiologie verzeichnen?
Christian Kaiser:
Baubiologie als Disziplin, die sich den «Wechselwirkungen zwischen dem Menschen und seiner gebauten Umwelt» widmet, ist heute weitum bekannt. Dies liegt nicht zuletzt an den vielen Skandalen der Baustoffindustrie, die über Jahrzehnte hochgiftige Substanzen wie Asbest, Lindan, Mikrofasern, Formaldehyd und vieles andere mehr in die Bauwerke -gebracht hat. Engagierte Baufachleute, damals noch gar keine Baubiologen, haben auf die Problematik der zunehmenden Verseuchung von Bauten mit synthetischen Baustoffen hingewiesen. Inzwischen sind Krankheitsbilder als Folge davon, zum Beispiel das SBS (Sick Building Syndrom) oder die BRI (Building Related Illness), auch medizinisch anerkannt. Die SIB setzt sich mit seinen derzeit knapp 900 Mitgliedern aus allen Berufs-sparten dafür ein, dass nachhaltige und -gesundheitsverträgliche Bauweisen und Baustoffe vermehrt eingesetzt werden.

Neue Label wie Minergie-ECO oder das Angebot an Ökobaustoffen in Baumärkten zeigen, dass ökologisches Bauen nicht mehr so exotisch ist wie noch vor zehn Jahren. Inwiefern haben Baubiologen dort Einfluss genommen?
Christian Kaiser:
Wer sich ein gesundes Haus wünscht, erwartet meistens auch, dass durch seinen Bau möglichst geringe Schäden an der Umwelt verursacht werden. Baubiologisches Denken ist meist gekoppelt an ein ökologisches Verständnis. In der Praxis ist das aber nicht immer einfach vereinbar, wie man auch am Label Minergie sehen kann. Dieses wurde gezielt daraufhin entwickelt, eine bessere Energieeinsparung zu belohnen, und ist damit sehr erfolgreich. Leider führt eine bessere Dämmung und Dichtigkeit der Gebäudehülle dazu, dass der Luftaustausch entweder reduziert wird oder durch eine technische Lüftungsanlage unterstützt oder gar vollständig übernommen werden muss. Die Bauaustrocknung sowie die Ausgasung von allfälligen Schadstoffen in Beton, Gips, Farben oder Bodenklebern erfolgen dadurch verlangsamt und belasten die Bewohner in steigendem Masse. Mit dem Label Minergie-ECO wird versucht, auf dieses Problem zu reagieren und nun auch Vorgaben für ein gesundes Raumklima zu machen. Weil aber ein erfolgreiches Zertifikat und Label sich meist auf möglichst wenig Punkte beschränken muss, bleibt der ganzheitliche Betrachtungsansatz, der in der baubiologischen Denkweise wesentlich ist, auf der Strecke. Kurz gesagt: Die Bemühungen und Erfolge der Label Minergie und Minergie-ECO sind sehr zu begrüssen, sie sind aber derzeit noch nicht in der Lage, ein umfassend gesundes, nachhaltig-ökologisches und somit menschengerechtes Haus zu garantieren. Der Grossteil der Planerinnen und Planer in der SIB arbeiten ebenfalls nach den Minergie- und Minergie-ECO-Standards, erweitern diese aber durch weitere wichtige -Aspekte wie etwa die konsequente Schadstoffvermeidung, Reduzierung von Elektrosmog und vieles mehr.

Was sind die Schwerpunkte der SIB für die nächsten Jahre?
Christian Kaiser:
Die SIB versteht sich als unabhängige Instanz, die aus dem langjährig entwickelten Selbstverständnis einer planerischen und bauhandwerklichen Verantwortung für Mensch und Umwelt handelt. Das besondere an der SIB ist die gleichberechtigte Begegnung von Baufachleuten und Interessierten (auch Laien), die aus unterschiedlichsten Richtungen kommen. Die SIB will verstärkt mit den Partnerverbänden wie Minergie oder Lignum an den Grundlagen und Standards einer Baukultur mit bleibendem Wert arbeiten.

Was sind die Hauptforderungen - an Verbände, Architekten oder an Bauherren und Kommunen?
Christian Kaiser:
Die wesentlichste Qualität einer nachhaltigen Denkweise ist die ganzheitliche Sicht auf die Dinge. Das erfordert Offenheit und Bereitschaft, über den eigenen Horizont zu blicken, der angesichts der heutigen komplexen Zusammenhänge rasch zu begrenzt sein dürfte. Wenn alle am Bau Beteiligten diese Offenheit interdisziplinär leben, würde das die Bauten sehr bereichern und den Nutzern einen immensen Gewinn bringen.

Welche Rolle spielen private und öffentliche Bauherren bei dieser doch erkennbar positiven Entwicklung hinsichtlich einer etwas ökologischeren Bauweise?
Christian Kaiser:
Private Bauherrschaften sind nach wie vor die Hauptauftraggeber für baubiologische Planerinnen und Firmen. Bei öffentlichen Bauherrschaften verantworten die namentlichen Bauherrschaften meist nur die Kosten und Termine, sind aber nicht unbedingt selbst die Nutzer. Die Wertigkeiten sind oft etwas anders gelagert als im privaten Sektor. Gleichzeitig hat aber gerade der Schul- und Kinder-gartenbau eine gewisse Wegbereiterrolle in öffentlicher baubiologischer Bauweise übernommen, da die Verantwortung für die Gesundheit unserer nächsten Generation als wesentlich erkannt wurde. Und eines dürfen wir nicht vergessen: Es sind stets Menschen, die mithilfe anderer Menschen für sich oder andere Menschen bauen. Ob diese nun in öffentlichem Auftrag oder privat handeln, ist eigentlich sekundär. Baubiologen bauen menschen-gerecht, sowohl in Bezug auf die Gesundheit während der Nutzungszeit als auch hinsichtlich der Unbedenklichkeit für die Umwelt während der Erstellung und bei der späteren Entsorgung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand diese Ziele ablehnen würde.


Christian Kaiser ist Dipl. Ing. Architekt SIA und Baubiologe IBR mit Schwerpunkten in der nachhaltigen Gebäudeplanung und ökologischen Altbausanierung. Er hat ein eigenes Planungsbüro in Lottstetten-Balm in Deutschland (bei Schaffhausen) und ist Lehrbeauftragter an der Fachhochschule HTWG Konstanz. Für die Schweizerische Interessen-gemeinschaft Baubiologie/Bauökologie SIB ist er als Fachstellenleiter des -Vereins und Redaktor der Fachzeitschrift «Bau-biologie» tätig.


Schweizerische Interessengemeinschaft Baubiologie/Bauökologie SIB

Die Schweizerische Interessengemeinschaft Baubiologie/Bauökologie SIB fördert seit 1977 baubiologisches und ökologisches Bauen in der Schweiz. Der Verein ist ein Zusammenschluss von Planenden, Bauhandwerkerinnen, Bauhandwerkern und Messtechnikern und versteht sich als interdisziplinäres Forum für eine ganzheitliche und nachhaltige Baukultur.

Kontakt
Schweizerische Interessengemeinschaft Baubiologie/Bauökologie SIB,
Riethaldenstrasse 23, 8266 Steckborn,
Telefon 052 212 78 83, info@baubio.ch, www.baubio.ch.

Beratungsdienst zu allen Fragen der Wohngesundheit, Telefon 0848 105 848 (Normaltarif) oder verein@baubio.ch

Fortbildung Baubiologe/-biologin SIB
Bildungsstelle Baubiologie, Binzstrasse 23, 8045 Zürich, Telefon 044 451 01 01 (Montag bis Mittwoch)
 
 
Ausgabe "2009/4 - Juni/Juli" bestellen
 
Text Lioba Schneemann
Bild SIB
 
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