Home
| Home |   | Sitemap |   | Testimonials |   | Partner |   | Links |   | Stichwortverzeichnis |   | Inscreenum |  

| Aktuelle Ausgabe
| Archiv
| Anzeigen
| Abo/Einzelausgaben
| Veranstaltungen/Dienste
| Über COVISS
| Redaktion/Verlag
| Leserbriefe
| Kontakt
| Impressionen
| Bestellung Buch




 
Spuren der Verarbeitung mit Mehrwert
Spezialeffekte mit Handwerkskultur
 
Es gibt sie, die Handwerker, die ihr Metier mit Leib und Seele ausüben, tüfteln, ausprobieren, testen – in einer Zeit der allgemeinen Vereinheitlichung, Vereinfachung und Beschleunigung. Und es gibt auch sie, die vom guten Handwerk hinterlassenen Spuren kreativer Professionalität, erkannt und geschätzt von Objektbetrachtern und -benutzern als sinnlich-lebendiger Ausdruck von Technik und Verarbeitung. Der nachfolgende Rundgang durch ein Haus in Grosswangen bietet besten Anschauungsunterricht für Materialien, Techniken und gelebte Handwerkskultur.

Schon mit seinem dreidimensional wirkenden Fassadenputz fällt das mitten in Gross-wangen stehende Einfamilienhaus aus dem Rahmen. Seine schillernde Fassadenstruktur ist nicht auf Anhieb zu entschlüsseln (Titelseite). Mit profilierten Metallkämmen haben die Handwerker den mineralischen 1.2-mm-Putz aufgezogen, in einer Wellenbewegung von unten nach oben, über mehrere Gerüstläufe, von einer Hand zur anderen. Nach der Trocknung wurde die Fassade mit einer 2K-Mineralfarbe einmal gerollt. Beim zweiten Anstrich mit dem Pinsel hat man die tiefen Rillen gut ausmalen können. Die Farbtöne – auf der Ost- und Südseite orange, auf der West- und Nordseite grün – sind in ihrer Sättigung so ausgewogen, dass die Mischung 1:1 einen mittleren Grauton ergeben würde, ein buntes, lebendiges Grau (Abb. 6).

Mauersteine aus Kalksandstein
Beim Betreten des Hauses irritiert ein Sichtmauerwerk im Eingangsbereich, das irgendwie bekannt scheint und doch wieder nicht. Die Mauersteine aus Kalksandstein – so wie man sie in fast jedem Keller sieht – wurden gereinigt und anschliessend mit Kaliwasserglas gebürstet. Die Fugen hatte man nachträglich mit spe-ziellen Instrumenten ausgefräst. Auf diese Weise verarbeitet, wirken die Steine jetzt überraschend edel und ruhig. Der feine Glanz und die negativen Fugen auf der Fläche erzeugen eine noch nie gesehene Wirkung (Abb. 8).

Hart-Zementboden mit Trauffel verdichtet
Auch die Bodenfläche legt ein sichtbares Zeugnis des gekonnten Handwerks ab. Der Hart-Zementboden, mit Siena-Ocker-Pigmenten durchgefärbt und von Hand mit der Trauffel verdichtet, zeigt seine Tiefe und Lebendigkeit vor allem im Streiflicht. Der warme Farbton, die Trauffelspuren und das fein pigmentierte Natur-Öl (Schlussanstrich) verleihen dem an sich harten Material eine überraschende Weichheit, und die roh belassenen Betonwände und -decken übernehmen einen Hauch von reflektierter Farbe. Die Behandlung dieser Beton-Oberflächen nur mit Kaliwasserglas führt zu einer minimalen, kaum sichtbaren Veredelung des Betons, wobei der feine Bürstenstrich die Sichtbetonstruktur unterstützt (Abb. 5).

Geschnittener Kalk mit Metallic-Effekt
In einer Nische fällt eine leicht metallisch wirkende Oberfläche auf: «Geschnittener Kalk» heisst die hier angewandte Technik. Die Kalkglätte wurde mit ganz feinen Aluplättchen angereichert, dann mit der Trauffel geschnitten und schliesslich -poliert. Durch Druck und Bewegung der Trauffel verschieben sich bei der Verarbeitung die Aluplättchen und zeichnen -eigenwillige Linien und Kratzer in den Kalk. Mit dem Lappen wird zuletzt eine Metallpigment-Lasur in die Oberfläche eingerieben. Der unregelmässige Glanz – je nach Lichteinfall und Struktur des Untergrundes – lässt die beiden Wände in immer wieder veränderten Farbnuancen und Glanzgraden erscheinen (Abb. 1).

Ortsbeton wie polierter Chromstahl
Wie wandelbar und vielfältig einsetzbar Ortsbeton ist, wird beim Cheminée eindrücklich vorgeführt: Ein geometrischer Rahmen aus schwarz eingefärbtem Beton und zweimaliger Imprägnierung wirkt im Streiflicht wie polierter Chromstahl, der die Farben der Umgebung aufnimmt und reflektiert (Abb. 7).

Lasur mit Goldpigmenten und -Glasperlen
Die Freude am Tüfteln und Ausprobieren des Profihandwerkers ist auch in den Nasszellen erlebbar. Der in eine Wandnische eingelassene Spiegel wird – je nach Nasszelle – von einem ungewohnt kräftigen -roten oder gelben Farbband eingefasst. Die rohen gereinigten Betonwände haben hier eine wenig pigmentierte Wasserglas-Lasur erhalten, die mit der Bürste aufgetragen wurde. Die Lasur enthält eine zirka 10%-ige Mischung aus Weiss-, Gold-, Rot- und Bronzepigmenten. Zusätzlich sind Glas-perlen (0.3 mm Durchmesser), die etwa zwei Wochen lang in einer Hydrophobierflüssigkeit lagerten, dazugegeben worden. Die unterschiedlichen Farbeindrücke entstehen einerseits durch die Struktur des Untergrundes und den unregelmässigen Lasurauftrag. Andererseits wirken die kleinen Glasperlen wie Regentropfen, die das Sonnen-licht brechen und reflektieren und -einen Regenbogen erzeugen. Die Spektral-farben mischen sich mit denen der Lasur. Das ihre trägt natürlich auch die Art des Lasurauftrages bei, der hier wiederum mit der Bürste im Kreuzschlag ausgeführt wurde (Abb. 3 und 4).

Kalkschlämme mit Bürstenstruktur
Verlässt man das Bad und tritt ein in die Schlafzimmer, dann verabschiedet man sich auch von der lebendig-glänzenden Atmos-phäre von vorhin und taucht in Räume mit sanften, erdigen, matten Farbtönen ein. Der Kalkschlämme an den Wänden wurden 0.3mm Sandkörner beigemischt. Durch die Arbeit mit der Bürste entsteht eine feine Struktur, die durch einen Farbanstrich mit Silikatfarbe und Bürste unterstützt wird.

Nuancen mit Effekt
Eindrücklich kann am Objekt in Grosswangen beobachtet werden, welche Wirkung schon geringste Veränderungen der Pigmentierung, der verwendeten Mate-rialien oder der Auftragstechnik erzielen. An den eher als kühl geltenden Betonober-flächen reflektieren vorhandene Farben, deren Spiel immer wieder neu überrascht. Denn durch die Ausführung der mineralischen Farb- und Lasuranstriche mit der Bürste verändern sich Oberflächen, erhalten Tiefe und wirken lebendig (Abb. 2).


Bauinfo

Objekt:
Einfamilienhaus, 6022 Grosswangen

Bauherr: Fam. Bühler, 6022 Grosswangen

Architekt: J+E Hunkeler Architekten, -
6022 Grosswangen, www.hunkeler-arch.ch

Handwerkstechniken und Effekte: Armin Bühler, Inhaber der Maler Crivellotto AG, 6130 Willisau, Telefon 041 970 23 26, 079 655 35 48; maler@crivellotto.ch

Produkte: Keim − Fassadenputz und Mineralfarbe, Organosilikatfarbe; www.keim.ch

Thymos − Kremer-Pigmente, Boden- und Holzöle; www.thymos.ch 
 
Ausgabe "2009/4 - Juni/Juli" bestellen
 
Text Ursula Ochsenbein; Gregor Eigensatz
Bild Ursula Ochsenbein, Horw
 
   Weiteres zum Thema
 
Farbgestaltung | Der Einsatz von Farbe in der …      
Handwerk und Wert | Handarbeit ist eine Arbeit, die ...      
Mineralische Oberflächen | Rein mineralische Produkte …      
Pigmente | Farbe ist nicht gleich Farbe. Je nach …      




Lifecom


Xen-On


Verkehrshaus