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Scheunenumbau für moderne Büronutzung
Ökologie und Ökonomie im Einklang
 
Gerade im ländlichen Raum besteht ein grosser Leerstand von ungenutzten Ökonomiegebäuden. Die Wohnhäuser werden entsprechend der Möglichkeiten saniert und instand gehalten, während jedoch die Scheunen-, Stall- und Schuppengebäude zunehmend verfallen. Dabei muss es nicht besonders aufwändig sein, den brachliegenden Gebäuden mit einem modernen, baubiologisch vertretbaren Umnutzungskonzept neues Leben einzuhauchen.

Altbau als Chance

Der vorliegende Artikel zeigt auf, dass sich ein konsequent ökologischer Umbau alter und leerstehender Bausubstanz auch finanziell lohnt. Wichtige Grundvoraus-setzungen sind ein schlüssiges und trag-fähiges Umnutzungskonzept, das die Beson-derheiten des Bestandes berücksichtigt und aktiv in die Umplanung einbezieht. Weitere wichtige Bedingungen für einen dauerhaft werterhaltenden Umbau sind -die konsequente Vermeidung von Bauschadensstoffen sowie die Weiterführung bestehender Konstruktionen mit ihren diffusionsoffenen Qualitäten. So können sich Baubiologie, Ökologie und Ökonomie im Sinne einer nachhaltigen Gebäudenutzung optimal ergänzen.

Mehr Infos unter www.baubio.ch


Bei der fachgerechten Sanierung leerstehender Altbauten ist gerade die Vermeidung syn-thetischer Baumaterialien von grosser Wichtigkeit, um vorzeitige Bauschäden zu ver-hindern. Die Verwendung natürlicher Baustoffe sorgt für die Herstellung einer diffusionsdurchlässigen Gebäudehülle und dem damit verbundenen Schutz der alten Holzbauteile vor Durchfeuchtung und Schimmel-, Pilz- oder Schädlingsbefall, aber auch für ein baubiologisch ausgewogenes Raumklima ohne Schadstoffe.

Umbau einer Fachwerkscheune zu Büroräumen
In Lottstetten-Balm, einem Weiler in unmittelbarer Nachbarschaft zu Schaffhausen, direkt am tief eingeschnittenen Hochrheingraben gelegen, ist in den letzten Jahren solch ein ökologisch-baubiologischer Scheunenumbau realisiert worden. Das angebaute Wohnhaus war bereits saniert, als der Architekt und Baubiologe Christian Kaiser mit seiner Familie beschloss, in der seit mehr als 30 Jahren leerstehenden Fachwerkscheune seine Büro-räume unterzubringen. Dabei wurde das verdeckt liegende Fachwerk von aussen neu freigelegt und das Gebäude mit seinen bestehenden verschiedenen Niveaus im Grundsatz beibehalten und dennoch eine moderne Nutzung mit optimierter Wärmedämmung und zeitgemässer Innenraumgestaltung realisiert.

Massnahmen für giftfreie Innenräume
Der festgestellte Holzschädlingsbefall wur---de mit einer Heissluftbehandlung dauerhaft behoben. Dabei wurde die gesamte Gebäudekubatur zuerst ausgeräumt – altes Stroh, Inventar und verschiedene landwirtschaftliche Geräte –, anschliessend während drei Tagen bis auf eine Innentemperatur von zirka 80ᄚC aufgeheizt, bis im Mittelpunkt verschiedener Holzbalkenquerschnitte eine konstante Temperatur von 55ᄚC gehalten werden konnte. Dadurch konnten alle im Gebäude vorhandenen Eiweisse (Holzschädlinge und deren Eier) komplett giftstofffrei zerstört werden. Die baulichen Massnahmen wurden so durchgeführt, dass alle Hölzer gut belüftet und dauerhaft trocken liegen. Dank des konstruktiven Holzschutzes konnte auf eine sonst erforderliche Behandlung mit Holzschutzmitteln komplett verzichtet werden.

Vorhandene Materialien weiterverwendet
Das Dach wurde abgedeckt, die vorhanden Dachsparren und Pfetten für die statischen Erfordernisse verstärkt. Als Unterdach‑
ebene wurden naturharzgebundene Holzfaserplatten verwendet und anschliessend eine mit fünf Zentimetern grosszügig hinterlüftete Falz-Biberschwanz-Dach-deckung ausgeführt. Die Sparrenzwischenräume wurden komplett mit Holzfaserdäm-mung, die einen verbesserten Schall- -und sommerlichen Wärmeschutz gewährleistet, ausgedämmt. Die Fachwerkwände erhielten eine reduzierte zweischichtige Holzfaser-Innendämmung. Damit konnte eine ungünstige Verschiebung des Tau- (und -Gefrier-) punktes in den Innenraum verhindert werden. Der Diffusionseintrag in die Aus----senwände und in die gedämmte Dachkonstruktion wurde durch eine Dampfbremse mit optimiertem sd-Wert gesteuert. Verwendet wurde hierfür ein gewebeverstärktes Wachspapier. Trotz der reduzierten Fachwerkinnendämmung konnten die ener-getischen Werte eines Niedrigenergiehauses erreicht werden.

Bei der Materialwahl im Innenraum wurden stets vorhandene Materialien weitergeführt – auf den Einsatz synthetischer Baustoffe wurde verzichtet. So wurden die Kalkge-fache der Innenfachwerkwand mit Lehmputz neu verputzt und einem Kaseingrund gegen Absanden geschützt. Die Wandbekleidungen wurden aus Gipsfaserplatten, die anschliessend abgeglättet wurden, ausgeführt, die Bodenaufbauten mit Holzfaser-Trittschalldämmungen und Anhydritestrich zur Wärmespeicherung erstellt, die Böden in den Büroräumen als geöltes Massivholz--Buchen-Stabparkett ausgeführt. Im Hallenbereich (frühere Heueinfahrt) wurden, passend zur bestehenden Sichtbacksteinwand, neue Terrakottaplatten verlegt. Alle Innenwände wurden mit reinen Kaseinfarben gestrichen, die Holzbauteile mit farblosen Hartöl-Holzlasuren behandelt. Die Fachwerkbalken an der Fassade erhielten einen Schutzanstrich aus naturharzgebundenem Wetterschutzl ack, die mineralisch verputzten Gefache wurden mit reiner Silikatfarbe gestrichen. So ist der Feuchteaustausch zwischen Holzbalken und Wandkonstruktion weiterhin sichergestellt.

Ergebnis zum gesunden Preis
Das Ergebnis der konsequenten Verwendung ausschliesslich natürlicher und schadstofffreier Baumaterialien führte zu einem sehr angenehmen Raumklima, das durch die guten Dämmwerte im Winter nur einen sehr geringen Energiebedarf hat und gleichzeitig durch die schwere Holzfaserdämmung gegen Überhitzung im Sommer gut geschützt ist. Der Einbau von feuchte- und wärmespeichernden Konstruktionen (zum Beispiel lehmverputzte Innenfachwerkwand, Anhydrit-Estrichböden und Terrakottaplatten) macht sich als ausgleichend bemerkbar.

Trotz umfangreicher Grundsicherungen mit Wandunterfangungen, Instandsetzung der alten Statik und Anpassung der bestehenden Deckenlagen betrug die reine Umbauzeit nur ein Jahr. Die Abschluss-rechnung zeigte einmal mehr, dass bau-biologisch gesundes Bauen nicht unbedingt teurer als konventionelles Bauen sein muss. So kostete der komplette Umbau der Scheune mit einem Ergebnis von mehr als 150m3 nutzbarer Fläche lediglich zirka CHF 450.00/m3 umgebauten Raumes. Für Neubauten muss dagegen bereits mit bis zu CHF 750.00/m3 gerechnet werden.
 
 
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Text Christian Kaiser Dipl.-Ing. Architekt SIA, Baubiologe IBR
Bild Christian Kaiser Dipl.-Ing. Architekt SIA, Baubiologe IBR
 
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