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Grosszügige Auslegung der Vorgaben
Architektur von hoher ortsbaulicher Qualität
 
Das neu erstellte Einfamilienhaus an exponierter Lage auf dem Hügelsporn fügt sich erfrischend gut in das engere Umgebungsbild des Weilers Bürglen (OW) mit barocker Dorfkapelle und die wildromantische Gebirgsszenerie ein, von der dieser besondere Ort umgeben ist. Dass hier ein moderner Neubau entstehen konnte, der vom gewohnten Chalet-Stil abweicht und trotzdem in die gebaute und naturgegebene Umgebung passt, ist bemerkenswert. Dank der beispielhaften Zusammenarbeit zwischen Architekt, Bauherrschaft und kantonaler Denkmalpflege ist an sensibler Lage - nicht ein neues Chalet und nicht eine Villa in einer hierfür ausgesonderten Parkanlage für gute Steuerzahler entstanden – aber ein auf das Gelände abgestimmtes und in die Landschaft passendes Gebäude von aussergewöhnlichen architektonischen und ortsbaulichen Qualitäten.

Eigentlich wollte der Bauherr an idyllischer Lage in Bürglen (OW) ein schnörkelloses Sichtbeton-Gebäude mit Flachdach bauen. Das lokale Baugesetz schreibt jedoch eine dunkelbraune Fassade sowie ein Firstdach mit 24 Grad Dachneigung vor. Der Traum eines modernen Hauses auf dem Hügelsporn oberhalb der denkmalgeschützten barocken Kapelle in Bürglen schien geplatzt. Dass das gehobene Einfamilienhaus doch noch zur höchsten Zufriedenheit aller Beteiligten gebaut wurde, liegt am beispielhaft bewerkstelligten Brückenschlag zwischen den Baupartnern. Diese verstanden es, mit dem geplanten und schliesslich umgesetzten Objekt eine echte Verbindung zwischen Tradition und Gegenwart zu realisieren. Der Erfolg basiert auf wieder und wieder geführten Gesprächen zwischen Bauherrschaft, Architekt und kantonaler Denkmalpflege. Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten fruchtete schliesslich in einer Bewilligung für ein Gebäude, das ohne die üblichen 70 Zentimeter Dachvorsprung auskommen und mit einem seitlich versetzt liegenden Dachfirst gebaut werden durfte. Entstanden ist ein eigenständiger, pentagonaler Baukörper, der sich mit seinen Halbgeschossen wie selbstverständlich an das natürlich gewellte Gelände anschmiegt.

Zwei Vorgängerprojekte aufgrund mangelnder Gestaltungsqualität abgewiesen
Peter Omachen, Kantonaler Denkmalpfleger Obwalden, berichtet nur Gutes über den vom Dialog geprägten Planungs- und Bauprozess sowie dem erfreulichen Resultat einer modernen Architektur von aussergewöhnlicher ortsbaulicher Qualität:

«Das Grundstück, auf dem das Gebäude in Bürglen entstanden ist, war ebenso reizvoll wie schwierig zu bebauen. Zwei Vorgängerprojekte von früheren Kaufinteressen-ten mussten aufgrund mangelnder Gestaltungsqualität abgewiesen werden. Sie vermochten der exponierten Lage hoch über der denkmalgeschützten Barockkapelle des Weil-ers nicht gerecht zu werden. Noch bevor das schliesslich ausgeführte Projekt entstanden ist, suchten Architekt und Bauherr das Gespräch mit den Behörden von Kanton und Gemeinde. So wurde es möglich, dass ein architektonisch völlig eigenständiges Gebäude entstehen konnte, das – bis auf wenige, begründete Ausnahmen – den rigiden Gestaltungsvorschriften im Baureglement der Gemeinde zumindest dem Buchstaben nach entspricht. Die in diesem Fall grosszügige Auslegung der Vorgaben war durch die allseitige Über-zeugung begründet, dass hier ein Gebäude von aussergewöhnlichen architektonischen und ortsbaulichen Qualitäten entsteht. Es soll Vorbildcharakter für die Neubauten haben, die künftig aufgrund der progressiven Steuerstrategie des Kantons in diesem Marktsegment entstehen werden.»

Kunstvolles Holzrelief versöhnt Neubau mit Umgebung
Schon die mit massiven Betonelementen hell gerahmten Öffnungen in der Fassade kündigen an, was sich im Hausinnern als Gewissheit herausstellt: Der Kern des Gebäudes besteht, wie ursprünglich vom Bauherrn vorgesehen, aus massivem Beton, die Hülle allerdings aufgrund der Auflagen aus Holz, das heisst einem kunstvoll aufgebauten, hinterlüfteten Holz--relief. Sägerohe, dunkelbraun lasierte und leicht silbrig schillernde Fichtenbretter in Breiten von fünf, zehn, fünfzehn und zwanzig Zentimetern sind horizontal zu einer plastischen Fas-sadenschicht mit Vor- und Rücksprüngen gefügt. Diese raue, natürliche Schale aus einheimischem Holz nähert den Neubau äusserlich an die sonnenverwitterte Erscheinung alter Obwaldner Bauernhäuser an, so wie es das lokale Baugesetz vorschreibt. Auch hilft sie dem grossen Volumen, sich elegant in seine Umgebung einzupassen.

Herausforderungen für den Holzbauer
Fassadenlösungen wie diese sind auch für den spezialisierten Holzbauer eine herausfordernde Gratwanderung, weil sie Ideen und Ästhetik der Architekten ganz entsprechen und aber auch technisch (mit Blick auf den Alterungsprozess) hundert-pro-zentig funktionieren müssen. Für das Gelingen ist eine gelebte Gesprächskultur zwischen Architekt und Handwerker unabdinglich. Hans Aregger von der Aregger Holzbau GmbH, Eschenbach, beschreibt den Bauprozess in Bürglen mit folgenden Worten:

«Als innovative Holzbaufirma lieben wir die berufliche Herausforderung, so zum Beispiel, wenn uns ein Grundriss, der nicht Standard ist, vorgelegt wird. Schon die Baustatik des Traggerippes verlangt von uns einiges ab. Aber auch die Detaillösungen sind bei der zeitgenössischen Architektur oft eine spezielle Herausforderung. Die Holzfassade, wie sie für den Neubau in Bürglen vorgesehen war, bietet sehr viele gestalterische Möglichkeiten, und um die Ideen von Patrick J. Schnieper zu verwirklichen, ist viel handwerkliches Geschick gefordert. Was man sieht, ist nur das eine – das andere ist die technische Ausführung, die sich langfristig bewähren muss. Solche Herausforderungen anzunehmen und mit unseren Zulieferanten die technischen Möglichkeiten auszureizen, macht Spass. Bei einem solchen Projekt kann man nicht einfach beim nächstbesten Hobelwerk eine Schalung bestellen und dann schnell montieren. Es braucht auch beim Zulieferanten Gespräche, damit die Schalung den Vorstellungen des Architekten entspricht. Die Unterkonstruktion (Rost) muss mit Spezial-latten ausgeführt werden, damit eine gute Auflage gewährt ist. Herausforderungen sind immer mit Risiken verbunden, sie versprechen aber auf längere Sicht mehr Befriedigung und Erfolg. Patrick J. Schnieper ist ein sehr innovativer Architekt, der grossen Wert auf Ästhetik legt. Er bemüht sich aber schon früh in der Projektierungsphase, mit dem Handwerker gute Lösungen zu finden, kommt offen auf diesen zu und versucht, mit ihm seine Ideen zu verwirklichen. Der Architekt verlangt von uns Vorschläge für verschiedene Lösungsmöglichkeiten, so auch beim Objekt in Bürglen. Eine solche Zusammenarbeit kann man sich nur wünschen. Wenn ein gegenseitig grosses Vertrauen vorhanden ist, können wir uns noch besser entfalten und geben unser Bestes.»

Ein erfreuliches Bauwerk. Zu verdanken ist es der lösungsorientierten Offenheit aller Beteiligten zueinander, dem gegenseitig gewährten Gehör für die verschiedenen Bedürfnisse und schliesslich der von Wille und Vernunft geleiteten Zusammenarbeit von Architekt, Bauherrschaft, Handwerk und Behörden.
 
 
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Text Gregor Eigensatz
Bild Roger Frei, Zürich
 
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