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Restauratorische Untersuchungen
Zwischen Baubestand und Architekturentwicklung
 
An bestehenden Bauten werden immer wieder neue Fragen und sich verändernde Ansprüche an Nutzungsformen gestellt. Im Spannungsfeld von Machbarkeitsstudien stehen verschiedenste Disziplinen, die sich mit dem Gebauten – gleich ob mit mittelalterlicher oder moderner Architektur in Beton – auseinander-setzen.

Die Auseinandersetzung mit dem Bau beginnt mit der Analyse der Baustruktur, -deren Entwicklungsgeschichte im Zuge allfälliger Um- und Zubauten. Die Detailausformung, die Materialisierung und nicht zuletzt die Farbigkeit vervollständigen das Gesamterscheinungsbild. Architekten, Statiker und andere Spezialisten beurteilen die bauliche Ausgangslage aufgrund der vorgefundenen Substanz und des Zustandes. Die Bauforschung ergründet die baulichen Strukturen und wird durch die restauratorische Untersuchung ergänzt, die mittels Malschichtstratigraphien die malerischen Ausgestaltungen und Renovationen aufzeigt. All diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für eine professionelle Planung und bieten eine visionäre Ausgangslage für die Weitergestaltung der Bauten für künftige Generationen. Dabei werden oft bestehende Strukturen mit neu gestalteten Flächen ergänzt, wobei auch Grenzen der sichtbaren, bestehenden Oberflächen durch Überlagerung oder Ergänzung verschoben werden. So bleiben auch verdeckte Partien erhalten. Die neuen Oberflächen können aus subtil verwandten bis bewusst abweichenden Materialien und Strukturen bestehen. Beim Ergänzen einer historischen Restsubstanz am Bau wie bei einer neu zu gestaltenden Oberfläche sind neue Möglichkeiten der Materialisierung aufzu-zeigen.

Ergänzungsmörtel in Malerei und Architektur – ästhetische und technische Ansprüche
Allen nachfolgenden Beispielen von Konservierungsarbeiten am Baudenkmal gemeinsam ist eine in technischer und in -ästhetischer Hinsicht unvoreingenommene Vorgehensweise im Umgang mit Fehlstellen. Eine solche zeigt sich, wenn neutrale Ergänzungsmörtel am mittelalterlichen, am barocken oder am modernen Bau verwendet werden. Diese Form und Technik der Konservierung akzeptiert den gealterten, fragmentarischen, vielleicht beschädigten oder gar ruinösen Erhaltungszustand der Objekte; die Spuren des Gebrauchs und des natürlichen Alterns, allenfalls sogar die Schadensbilder an der zu erhaltenden Oberfläche werden unter Einsatz von Ergänzungsmörteln respektiert, ja bewusst bewahrt, die Ergänzungen dem Erhaltungsaspekt untergeordnet. Fehlstellen mit neutralen Ergänzungsmörteln schliessen heisst also, das historische Baudenkmal als geschichtliches und künstlerisches Dokument in seiner Aussagekraft zur Geltung zu bringen.

Mit jeder Restaurierung geht ein Stück Identität und ästhetischer Charme der gealterten Oberfläche verloren. Ein solcher Verlust muss aber nicht die letzte Konsequenz von Erhaltungsmassnahmen sein, wenn man sich eine zurückhaltende, minimale Konservierung zum Ziel setzt. Einer solchen Haltung zum Durchbruch zu verhelfen, erfordert vom Berufsstand der Res-tauratoren viel Überzeugungsarbeit. Doch noch mehr wird dabei dem Laien abverlangt: nämlich die Bereitschaft, sich auf das Abenteuer einer Restaurierung einzulassen, die sich einem wiederhergestellten «neuen Glanz» bisweilen verweigert. Aber gerade ein solcher Glanz wird in Medienberichten gerne als gelungene Restaurierung gefeiert, obwohl er im Grunde ein neu geschaffenes Erscheinungsbild bedeutet.

Massnahmen der Konservierung und Restaurierung verlangen eine eingehende Beschäftigung mit dem Erhaltungs- und -Überlieferungszustand des historischen Baudenkmals und die Identifikation mit diesem Bewusstsein, dass uns das Objekt in seiner langen Geschichte nur vorübergehend anvertraut ist. Neutrale Ergänzungsmörtel respektieren die absolute Geschichtlichkeit des Objekts. Soweit die spezifisch konservatorisch-denkmalpflegerische Sicht (weiter auf Seite 20).

Neutralputz – gestalterische Bedeutung
Mit dem Begriff «Neutralputz» sind Mörtel, meist Kalkmörtel gemeint, die sich durch die Wahl des Sandmaterials ästhetisch weitgehend in den zu konservierenden Bestand integrieren lassen und gleichzeitig die technischen Voraussetzungen für eine optimale Alterung, im bauphysikalischen Gleichklang mit dem historischen Bestand, erfüllen. Die Wahl des Sandes erfolgt nach den drei Kriterien der Farbigkeit, der Siebkurve und des Mischverhältnisses. Auf zusätzliche Anstri-che wird bewusst verzichtet. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich im Umfeld salzbelasteter Verputze eher magere Mörtelmischungen bewähren. Solche bieten den gelösten, wandernden Salzen genügend Raum zum Kristallisieren und entlasten damit den zu erhaltenden historischen Verputz und Malereibestand an der Oberfläche. Durch die Variierung der Feinanteile im Sand, aber auch des Kalkbinders, kann der Mörtel an die bauphysikalischen Gegebenheiten angepasst und darauf eingestellt werden. Ein weiterer Vorteil dieser ungestrichenen Ergänzungsmörtel liegt in deren Alterungsprozess: Allfällige Ausblühungen, Versinterungen oder ein Absanden der Putzoberfläche wirken weniger als Schadensbild denn als unverfälschtes Erscheinungsbild eines natürlich alternden Verputzes.

Diese hohen technischen und ästhetischen Ansprüche an die Ergänzungsmörtel setzen eine entsprechende Sorgfalt in der Ausführungstechnik voraus. So müssen Sinterschichten im Mörtelaufbau – auf dem Stopfmörtel oder auf dem Grundputz – vermieden werden. Sie sind noch während des Abbindeprozesses des Mörtels zu entfernen beziehungsweise zu reduzieren. Genauso werden auch die Oberflächen von Deckputzen behandelt, da auch hier eine offenporige Oberfläche erreicht werden soll. Je nach der gewünschten Ober-flächentextur und den bauphysikalischen Erfordernissen kann die Oberflächendichte im Rahmen des Ab-bindeprozesses noch weiter auf die spezifischen Gegebenheiten der umgebenden historischen Oberfläche bearbeitet werden.
Im Bereich der Architektur und grossflächiger Fehlstellen in Verputzen und Malerei erhalten neutrale Ergänzungsmörtel eine eminent gestalterische Bedeutung. Der Neutralputz wird hier zur bestimmenden Oberfläche. Er bildet in gewisser Weise ein «nüchternes», jedoch in Farbigkeit und Oberflächenstruktur differenziertes Gestaltungselement. Damit teilt der Neutralputz die Ziele moderner Architekturströmungen, die authentische Materialien und klare Formen bevorzugen und mit diesen Mitteln Funktionalität und Ästhetik verbinden.

Kontakt/Publikationen
Doris Warger, Restauratorin SKR, Frauenfeld, und Mitglied der Eidgnössischen Kommission für Denkmalpflege:

Neues Licht auf Fischingen. Die Restaurierung der Klosterkirche 2000-2008, hrsg. v. Amt für Denkmalpflege des Kantons
Thurgau, Frauenfeld 2008 (Denkmalpflege im Thurgau 10)
Ein Blick ins Paradies. Bau- und Restaurierungsgeschichte der Klosterkirche
St. Michael in Paradies, hrsg. v. Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau,
Frauenfeld 2003 (Denkmalpflege im
Thurgau 4)

Die «Oswaldskapelle» in der Stadtbibliothek Schaffhausen (Sturzenegger-Stiftung Schaffhausen, Jahresbericht/Erwerbungen 2003)

Kloster Fischingen. Die Restaurierung der barocken Prälatur, hrsg. v. Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau, Frauenfeld 2000 (Denkmalpflege im Thurgau 1)

Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Schlosskapelle Kyburg. Restaurierung und Restaurierungsgeschichte, Zürich und Egg 1999 (Kleine Schriften zur Zürcher Denkmalpflege, 3)

Die Schlosskapelle Kyburg und ihre Wandmalereien, Kanton Zürich, Bern 1999 (Schweizerische Kunstführer GSK, 664)

 
 
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Text Doris Warger, Restauratorin SKR
Bild Doris Warger, Restauratorin SKR
 
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