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Echte Handwerker und begabte Restauratoren
Im Spannungsfeld von Denkmal und Restaurierung
 
Seit jeher bewegen sich alle am Bau Beteiligten in einem Spannungsfeld von unterschiedlichen Anforderungen, Erwartungen und Ansprüchen. Mit zunehmend unterteilten Abläufen in Planung und Ausführung, den vorhandenen Normvorgaben sowie der gegebenen Materialvielfalt steigen die Herausforderungen am Bau insgesamt stetig an. Für eine gute und nachhaltige Ausführung ist deshalb mehr denn je Wissen und Können gefragt sowie eine fachübergreifende, interdisziplinäre Zusammenarbeit gefordert. Dies gilt für den Neu- wie auch den Altbau, vor allem im Umgang mit historischen und denkmalgeschützten Objekten.

Während die Arbeitsausführungen im Neubau weitgehend über standardisierte Abläufe und Methoden definiert werden können, verlangen Altbauten, insbesondere geschützte Objekte, nach situations- und objektbezogenen Handlungs- und Vorgehensweisen.

Unterschiedliche Anforderungen
Der Altbau und das historische, denkmalgeschützte Objekt werden unter den neuen Vergaberegeln und entsprechendem Kostendruck leider immer häufiger wie ein beliebiger Neubau behandelt. Neben zwingenden, unbestrittenen Massnahmen wie zum Beispiel statische Verstärkungen werden in anderen Bereichen genormte Vorgaben sowie heute übliche Ausführungsarten über das Gebäude gestülpt und «Neubaumentalitäten» unbesehen übernommen. Das ist eine Tendenz, die die verantwortlichen Denkmalpflegen und beigezogenen Fachspezialisten und Restauratoren heute immer wieder herausfordert, zugunsten des Denkmals auch korrigierend einzuwirken. Solches kommt je nach Konstellation nicht immer an; pauschalisierende, gegenseitige Vorbehalte und Vorurteile sind dann oft die Folge. Davon betroffen sind gleichermassen Bauherren, Planende, Begleitende und Ausführende. Dieses Spannungsfeld ist in unterschiedlicher Intensität, aber immer wieder zwischen Handwerkern und Restauratoren festzustellen. Woran dies wohl liegen mag? Grundsätzlich kann man ja davon ausgehen, dass beide Seiten – also Handwerker und Restauratoren – nur das Beste für das Objekt wollen und entsprechend handeln.

Schere öffnet sich
Über einen längeren Zeitraum beobachtet, ist sowohl eine verstärkte Tendenz zur Akademisierung von vielen an sich praktisch ausgerichteten Berufsbildern und -Tätigkeiten festzustellen als auch eine Mutation des Handwerks zu reinen Ausführenden. Oder, vereinfacht ausgedrückt: Die Restauratoren werden immer akademischer, und die Handwerker verlieren fortlaufend mehr von ihrem praktischen Können. Die sich damit öffnende Schere liegt sicher nicht im Interesse des Objektes. Warum aber diese Entwicklung?

Pflege, Unterhalt und Instandhaltung von Bausubstanz gehören zu den alltäglichen und ureigensten Aufgaben des Handwerks. Bis in die jüngere Zeit war es üblich, dass Handwerker das, was sie herstellten, auch reparierten, instandsetzten oder eben auch «restaurierten». Sie waren es ja auch, welche jene Kunst- und Kulturschätze schufen, die heute als historische und schützenswerte Objekte bewertet werden. Letztere dokumentieren Handwerkskultur und vermitteln bis heute Tradition und Identität, aber auch Aufgabe und Verpflichtung des jeweiligen Handwerkstandes. Über einen langen Zeitraum hinweg erfüllten somit die Handwerker die Funktion der Restauratoren. Sie stützten sich dabei auf ihr spezifisches Fachwissen und ihre tradierte Erfahrung in der praktischen Umsetzung ab.

In den letzten Jahrzehnten und in immer schnelleren Abständen haben jedoch veränderte Abläufe, Vorgaben und Erwartungen das Handwerk und dessen Wahrnehmung substanziell verändert. Neuartige Materialien und Baumethoden führten zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen Handwerk, Ablauf und Materialien. Von Dritten vorgegebene Abläufe und Ausführungsanweisungen minderten die Eigenverantwortung des Handwerks zusätzlich. Fachwissendes und fachkönnendes Handwerk war nur noch bedingt gefragt und gefordert; gesucht waren Ausführende und weniger Hinterfragende. Damit geriet in den letzten Jahrzehnten vieles an traditionellem Fachwissen und handwerklichem Können unter dem Druck von Bauablauf und Kosten in Vergessenheit oder ging ganz verloren. Unter diesem Eindruck wird oft verkannt, dass es auch heute noch gute Handwerker und Handwerksbetriebe gibt, die mit traditionellen Materialien und Baustoffen am historischen Objekt arbeiten können, die trotz allen Widrigkeiten die überlieferte gute Handwerksleistung gepflegt haben und sie bis heute anbieten.

Wissen bedeutet nicht automatisch Können
Diese Entwicklung führte verständlicherweise immer mehr zu einer klaren Abgrenzung zwischen Handwerkern und Restauratoren, auch zu einem Wechsel innerhalb des Restauratoren-Denkens: Der sich traditionell aus dem Handwerk entwickelte Restaurator wurde immer mehr durch den theoretisch und naturwissenschaftlich ausgebildeten Restaurator abgelöst – theoretisches Wissen und schulische Vorbildung werden leider oft höher gewertet als der Praxisbezug über ein erlerntes, tradiertes Handwerk. Bedeutet «Wissen» aber auch automatisch «Können»?

Immer mehr restauratorische Herausforderungen werden nur noch theoretisch diskutiert, begründet und dokumentiert, jedoch kaum mehr praktisch beurteilt beziehungsweise gelöst. Dient hier das theoretische Wissen als Vorwand, nicht in die praktische und damit abschliessende Ausführungsverantwortung zu kommen? Kritische Fragen wie diese sind nicht als Absage an die theoretische Ausbildung zu verstehen: Eine solche ist zwingend notwendig und sollte so umfassend wie möglich erfolgen. Zugunsten lösungsorientierter Ansätze und einer nachhaltigen Qualität am Bau darf sie aber nicht zum alleinigen Massstab werden. Das Handwerk weiss, dass es die Patentlösung schlechthin nicht gibt, sondern dass es verschiedenste Parameter zu berücksichtigen gilt, die letztlich zu einer guten und der Situation angepassten Lösung und Ausführung führen. Diese «Weisheit» kann nur in den Grundzügen definiert werden und basiert auf tradiertem, nicht immer beschreibbarem Wissen und spezifischem, handwerklichem Können. Gerade hier kann das gute und erfahrene Handwerk Partner sein, das heisst sein Wissen und Können zugunsten der Aufgabenstellung und des Objektes einbringen. Das Handwerk insgesamt muss deshalb wieder über mehr Wissen und Können verfügen und bestehendes pflegen, damit es dem zu Recht strengen Massstab am wertvollen Objekt gerecht werden Kann. Und bei den Restauratoren soll die Wissenschaftlichkeit zu neuen Erkenntnissen und Möglichkeiten führen, aber nicht zum Hindernis für praktikable und bezahlbare Lösungen am komplexen historischen Objekt werden. So wird sichergestellt, dass Begriffe wie Nachhaltigkeit und Qualität wieder mit spürbaren Inhalten gefüllt werden und zu einem qualitätsvolleren Bau führen. Dies ganz in der Tradition des guten «alten» Handwerks, dem sich echte Handwerker und begabte Restauratoren gleichermassen verpflichtet fühlen.

Bewährte Lösungen und Vertrauen durch Partnerschaft
Die Fontana & Fontana AG, Jona, pflegt das im Artikel beschriebene partnerschaftliche Miteinander seit langem. Sie verfügt rund um die Kernkompetenz «Farbige Oberflächen und farbige Gestaltung» über einen breiten, langjährigen Mitarbeiterstamm mit verschiedensten beruflichen Qualifikationen und Befähigungen. Neben Malern, Vergoldern, Kirchen- und Dekora-tionsmalern mit ihren je unterschiedlichen Spezialisierungen finden sich auch Restauratoren (mit und ohne wissenschaftlichem Hintergrund), Bauforscher, Kunstgeschichtler. Damit kann das Unternehmen neben den konservatorischen und restauratorischen Massnahmen auch die allenfalls notwendigen Ergänzungen und Rekonstruktionen «aus einem Guss» auszuführen: mit seit Generationen überlieferten Techniken, historischen Materialien und mit Verpflichtung gegenüber dem guten Handwerk.

Ergänzend zu dieser spartenübergreifenden, internen Zusammenarbeit arbeitet Fontana & Fontana sehr oft und eng mit externen Spezialisten wie Materialtechnologen sowie Restauratoren verschiedener Spezialisierungen, mit Stuckateuren etc. zusammen, oder das Unternehmen ist mit seinem Bestand an Fachleuten kompetenter Mitwirkender unter Führung anderer. Mit dieser interdisziplinären Zusammenarbeit kann situationsbezogen auf die jeweils spezifischen Anforderungen und Aufgabenstellungen eingegangen werden. Diese Vorgehensweise stellt das Objekt naturgemäss in den Mittelpunkt von Denken und Handeln. Mit diesem partnerschaftlichen Vorgehen ist Fontana & Fontana bis heute gut gefahren. Dies bedeutet aber immer auch Akzeptanz und Respekt gegenüber den Leistungen sowie dem Wissen und Können anderer, kontinuierliches Hinterfragen, permanentes Überprüfen des Vorgehens und grosses Mass an Dialog- und Kritikfähigkeit.

 
 
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Text Claudio Fontana
Bild Claudio Fontana
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