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Erlebnisreise am Millstätter See
Leuchtsignale als Leitsymbol
 
Die sieben Lichtsegel bilden eine vernetzte Licht-Raum-Installation, die anlässlich der Landesausstellung «WasserLeben» rund um den Millstätter See in Kärnten installiert worden sind. Sieben leuchtende Segel navigieren den Besucher zu jeder Tages- und Jahreszeit auf einer um das Thema Wasser gestalteten Erlebnisreise. Die Lichtsegel sind weithin sichtbare Orientierungspunkte, die durch ihre Vernetzung einen gemeinsamen Erlebnisraum schaffen.

Der Internetbrowser «Netscape Navigator» verwendete Anfang der 90er Jahre den Leuchtturm, eines der ältesten Kommunikationsmittel der Menschheit, als Metapher der Orientierung im weltweiten Web. Der Leuchtturm, ein Schifffahrtszeichen, ein Orientierungspunkt der weithin sichtbar ist. Er diente zur Navigation in der Nacht und auch bei Tag. Seeleute können seine Lichtzeichen wahrnehmen und deuten. Der Leuchtturm ist ebenso ein Symbol der Hilfe, das von Land aus geboten wird. Ein Symbol für Sicherheit und Orientierung – ein Signal, das in schwierigen Fahrwassern den Weg weist. Beim Millstätter See steht der Leuchtturm in verfremdeter Ausgestaltung als Symbol für Urlaub, Erlebnis, Küste, Meer und Wasser, kurz für «WasserLeben».

Die sieben leuchtenden Objekte am Millstätter See sind abstrahierte tektonisch geformte Segel, die dem See zugewandt sind. Sie funktionieren gleichzeitig als Empfänger und Sender oder – im Sinne der Marke Millstätter See – als Tribüne und Juwel zugleich. Die im metaphorischen Sinn vorhandene Energie des Sees wird von den Segeln eingefangen, umgewandelt und in Form von Licht reflektiert. Wie eine grosse Bühne, die vom Licht hell erleuchtet ist, wird der See, das Wasser in den Mittelpunkt des Betrachters gerückt.

Licht schafft Räume
Erst Licht befähigt uns, zu sehen, unsere Umwelt wahrzunehmen. Mit den Augen empfangen wir die wichtigsten Informa-tionen über unseren Lebensraum. Licht ist mehr als nur Mittel gegen die Dunkelheit. Es schafft Räume. Im konkreten Fall den gemeinsamen Raum für die Grossveranstaltung «WasserLeben»: Sieben leuchtende Objekte führen den Besucher zu jeder Jahres- und Tageszeit durch die Erlebnisreise «WasserLeben», in dem sie ihn durch die Landesausstellung navigieren. Tags-über als sieben eigenständige Skulpturen, im Zwielicht, in der Dämmerung sowie nachts als sieben Lichtskulpturen. Das Segel übernimmt die Rolle des Leuchtturms und umgekehrt – ein Wasserbezug im doppelten Sinne, wie Licht, das zugleich Teilchen und Welle ist. Ein Hybrid, gemischt aus zweierlei Herkünften – Licht und Segel vereinen sich im Lichtsegel.

Als Symbol für Bewegung am Wasser steht das Segel, tektonisch aufgelöst, statisch an den sieben Aufstellungssorten verankert und trotzdem dynamisch durch die Verschmelzung mit Licht zum Lichtsegel.

Interaktion mit der Umgebung
Jedes der einzelnen Lichtsegel leuchtet auch tagsüber ganzheitlich und reagiert interaktiv auf sein näheres Umfeld. Nähern sich dem Lichtsegel Menschen, fängt das leuchten-de Segel an zu pulsieren. Je mehr Personen sich dem Segel annähern, desto stärker pulsiert und leuchtet es. Auch durch die Lichtfarbe der Lichtsegel wird Kontakt zur Umwelt aufgebaut. Abhängig von der vorherrschenden Umgebungstemperatur sind die Lichtsegel im Sommer anders gefärbt als im Winter. Die kühle Lichtfarbe der Sommermonate verändert sich im Herbst kontinuierlich in eine warme Lichtfarbe für die Wintermonate – umgekehrt verändert sich die Lichtfarbe der Segel auch im Frühling. Die geringen Temperaturschwankungen an den einzelnen Standorten tagsüber verändern die Lichtfarbe der Segel ebenfalls. So kann es durchaus vorkommen, dass die einzelnen Lichtsegel an den verschiedenen Standorten leichte Farbnuancen aufweisen.

In diesen beiden beschriebenen Fällen generiert das Lichtsegel seine Veränderung aus sich selbst beziehungsweise aus der näheren Umgebung des spezifischen Ortes, an dem es steht, – autark, jedoch visuell verknüpft.

Die dritte Art und Weise der sieben Lichtsegel, mit der Umwelt zu kommunizieren, findet täglich abends zur «blauen Stunde» statt – zusätzliche Einsatzmöglichkeiten sind individuell wählbar. An den Spitzen oder Tops der Lichtsegel befinden sich, wie bei konventionellen Leuchttürmen, bewegliche programmierbare Scheinwerfer, so genannte «Moving Heads», die zur «blauen Stunde» aktiv werden und ihr Programm, eine einstündige Lightshow, durchlaufen. «Moving Heads» sind fähig, die Lichtintensität zu stärken oder schwächen und nahezu in alle Richtungen zu leuchten. Mehrere aufeinander abgestimmte beziehungsweise programmierte Lichtchoreographien setzen von den Spitzen der Lichtsegel aus den gesamten See und dessen Umgebung in Szene. Ein Wechselspiel findet zwischen Wasser, Licht und den sieben Lichtsegeln statt, erzeugt einen (Ausstellungs-)Raum mittels Licht und Lichteffekten und zieht so den Betrachter in seinen Bann. Ein Pulsschlag als Zeichen des Gemeinsamen, ausgehend von den sieben Lichtsegeln, erhebt sich über die Wasserlandschaft des Millstätter Sees. Die Lichtkegel senken und heben sich, pulsieren, werden von der Wasser-oberfläche reflektiert und breiten sich wellenartig unter Veränderung ihrer Farbe aus. Stimmungen werden erzeugt, vorhandene verstärkt und die natürliche Ausstrahlung der Landschaft unterstrichen. Der Mensch erlebt den See und seine Umgebung – WasserLeben.

Technische Beschreibung der Lichtsegel

Konstruktion:
Mit einer Ausnahme sind alle sieben Lichtsegel vom gleichen Konstruktionsprinzip. Ein Stahlrahmenfachwerk bildet die Unterkonstruktion für die Acrylglas-Hülle.

Hülle: Zwei Bereiche gliedern die Hülle des Segels – die Basis und die Spitze. Die Basis beschreibt 2/3 des Lichtsegels und besteht aus einer transluzenten beziehungsweise opaken Haut, die das Licht der im Inneren des Segels montierten LED-Beleuchtung nach aussen über die ganze Segeloberfläche verteilt. Die Spitze des Objekts ist ebenfalls mit Acrylglasplatten verkleidet, jedoch sind diese Platten transparent, denn dahinter ist ein programmierbarer Scheinwerfer, ein so genannter «Moving Head», positioniert. Die einzelnen Platten werden mittels Punkthalterungen an die darunterliegende Stahlkonstruktion montiert.

Lichttechnik und Steuerung: Zwei Beleuchtungsarten prägen das Erscheinungsbild des Segels. LED-Platinen sind auf der Tragkonstruktion über die gesamte Segelhöhe angeordnet, um die Hülle einheitlich nach aussen zu beleuchten. Die wasser- und witterungsbeständigen LED’s sind dimmbar und können ihre Lichtfarbe beliebig (programmabhängig) wechseln. Die RGB-Technik der LED’s unterstützt diese Funktionsweise.

Die Segel passen sich der Umgebung an: Ein Bewegungs- und Temperaturmelder übermittelt die äusseren Faktoren, an die sich im Segel befindliche Steuerungseinheit (Prozessor). Diese übermittelt, abhängig vom Programm, den Befehl be-ziehungsweise den Impuls an die LED-Platinen.

Die zweite Lichtquelle, ein «Moving Head» oder Scheinwerfer, befindet sich in der Segelspitze. Um Befehle oder Programme abzuspielen, ist der mit Licht- und Farbwechseleigenschaften ausgestattete «Moving Head» ebenso an die Steuerungseinheit im Segel verbunden. Das Programm der Lightshow wird dezentral verwaltet.

Wartung: Über eine Wartungsöffnung – ein abnehmbares Acryl-Paneel – in der Segelhülle gelangen Wartungsarbeiter in das Segelinnere, von wo aus sie Wartungsarbeiten an den Lichtquellen und der Steuerungseinheit durchführen können.

Diskussion Lichtverschmutzung
Was hallt nach, wenn die schrillen Töne, das helle Licht oder die bunten Farben einer ersten (naiven) Begegnung mit einem Objekt und vielleicht auch die spontan ausgelöste Begeisterung wieder etwas zurücktreten? Eine solche Bewegung bedeutet «Rück-Schritt» zugunsten anderer Gedanken, die eben noch Ausgeklammertes mit einbeziehen, also «Fort-Schritt» für eine ganzheitliche Betrachtung der Dinge. COVISS stellte den beteiligten Architekten die Frage, wie man im Zusammenhang mit dem imposanten Lichtsegel-Projekt der Problematik der Lichtverschmutzung begegnet sei, und erhielt folgende Antwort:

«Die Lichtsegel bilden eine vernetzte Licht-Raum-Installation an einem der schönsten Seen in Kärnten, Österreich. Das Landschaftspanorama ist geprägt durch den See und die angrenzenden Berge. Die Besiedlung ist auf der Südseite des Sees so gut wie nicht vorhanden, das nördliche Ufer ist mit einzelnen Dörfern typisch ländlich besiedelt. Die Gegend gilt als typisches Erholungsgebiet für Städter, die Erholung und Ausgleich im ländlichen Raum suchen. In der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts wurden viele Villen von Leuten aus den Städten errichtet. Die -Villen muten noch heute sehr städtisch an. Die Menschen aus der Stadt haben sozusagen die Stadt in den ländlichen Raum gebracht. Ähnlich die heutige Situation: Wiederum werden städtische Elemente wie Licht, bewegtes, sich veränderndes Licht in den ländlichen, idyllischen Raum gebracht. Die ‹Lichtverschmutzung› findet statt. Die Besucher aus der Stadt finden einen Teil, den Sie gleichzeitig lieben und hassen, an ihrem Erholungsort wieder. Auch ist es heute in Zeiten der Globali-sierung und der schwindenden Touristenzahlen in dieser Gegend wichtig, auf sich aufmerksam zu machen, auch um den Preis der ‹Lichtverschmutzung›. Die Lichtsegel sind sehr bewusst als ‹Fremdkörper› konzipiert. Aus den vorgenannten Gründen wurde versucht, Aufmerksamkeit zu erregen und weniger auf den Landschaftsschutz zu achten.» 
 
Ausgabe "2009/1 - Januar" bestellen
 
Text Söhne & Partner; COVISS
Bild Gisela Erlacher
 
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