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Bauen mit Lehm
Die Innovation aus der Natur
 
Lehm wird seit Jahrtausenden verwendet. Wer die Vorzüge dieses Naturprodukts entdeckt hat, kommt nicht mehr so schnell davon los. Ein Plädoyer gegen Langeweile am Bau.

Lehmbaustoffe und Lehmverarbeitung im Überblick

Für das Bauen mit Lehm gibt es heute -diverse Baustoffe für verschiedenste Anwendungsgebiete: Lehmsteine oder Leichtlehmsteine, Lehmplatten und Leichtlehm-platten, Lehmmörtel und Lehmverputze in diversen Erdfarben. Am beliebtesten ist Lehm als Verputz. Fertigputz (Sackware aus dem Naturbaustoffhandel) kann gekauft oder selbst hergestellt werden. Lehm kann auf jedem Putzuntergrund aufgetragen werden.

Wandkonstruktionen können zum Beispiel vollständig aus Lehm als Stampflehmwand bestehen oder in Kombination mit Holz als Fachwerk errichtet werden. Zudem kann Lehmmasse auf einfache Art in Form einer Deckenschüttung (Hohlraum in Holzdecke wird mit trockenem Lehm gefüllt) eingebracht werden.

Wer den Lehmanteil in den eigenen vier Wänden erhöhen will, kann zu Lehmbauplatten greifen, diese können wie Gipsfaserplatten verarbeitet werden.

Nicht nur in Wein- oder Vorratskellern oder bei Sanierungen, sondern auch im Wohnbereich kommt Lehm mehr und mehr als Stampflehm für Fussböden zum Einsatz. Die Böden müssen sehr sorgfältig verdichtet werden, im Wohnbereich ist zudem eine Nachbehandlung der Oberfläche mit Wachs notwendig. Der Einbau von Wandheizungen bietet sich bei Lehmbaustoffen an. Inzwischen gibt es auch Formsteine aus Lehm und Lehmplatten mit integriertem Rohrheizsystem.


Ressourcen- und Energiesparen, ökonomisch und ökologisch sinnvolle Lösungen sind im Baubereich gefragt. Zu Recht, denn 40 Prozent der weltweit genutzten Materialien und 30 Prozent des Energiebedarfs werden von der Bauwirtschaft beansprucht, riesige Mengen von synthetischen Stoffen werden verbaut. Ganzheitliche Lösungen werden jedoch nach wie vor recht stiefmütterlich behandelt. Das zeigt sich auch beim Baustoff Lehm. Dem geht es ähnlich wie der Schafwolle: Hätte ihn ein pfiffiger Ingenieur erst erfinden müssen, wäre er längst in die Liga der «Luxusprodukte» aufgestiegen.

Uralt und hochmodern
Lehm erfüllt nämlich wie kaum ein anderer Baustoff ökologische sowie ökonomische Anforderungen. Wer mit Lehm baut, schont Ressourcen und spart Energie. Lehm kann beliebig wiederverwertet werden, Abfall gibt es nicht. Lehm ist leicht zu verarbeiten, denn er kann mit Wasser wieder plastisch gemacht werden, zudem ist er bei der Verarbeitung ungiftig und hautfreundlich. Lehmbaustoffe sind mit Luftfiltern vergleichbar: An die grosse Oberfläche der Tonplättchen können Gerüche und Gase gebunden werden – gutes Raumklima ist also garantiert. Lehm kann mit entsprechenden Zuschlagstoffen wie etwa Holz- oder Strohhäckseln auch als Wärmedämmschicht in Wandaufbauten genutzt werden und erreicht hervorragende Schalldämmwerte. Neuere Untersuchungen zeigen, dass er auch hochfrequente Strahlen (Mobilfunkwellen) absorbiert. Der natürliche Baustoff schützt durch seine Feuchtigkeit regulierenden Eigenschaften Holzkonstruktionen und macht chemischen Holzschutz überflüssig. Für Innenputze und bei Renovationen – insbesondere zur Verhinderung oder Bekämpfung von Schimmelpilz – bietet sich das Naturprodukt ebenso an. Immer häufiger werden Trennwände in Arbeitsräumen und Büros aus Lehm gebaut, um gutes Raumklima zu gewährleisten.

Lüftungsanlage überflüssig
Lehm begeistert längst nicht mehr nur eingefleischte Ökofreaks. Werner Waldhauser, Geschäftsführer des Basler Ingenieurbüros Waldhauser Haustechnik AG, ist stets auf der Suche nach innovativen Lösungen und stiess dabei kürzlich auch auf den Lehm. «Ich bin der Meinung, dass wir zurückhaltender sein sollten mit der ganzen Technik. Mit Lehm, so bin ich überzeugt, kann man gute Resultate betreffend Raumfeuchte und Luftqualität erzielen. Eine Komfortlüftung ist nicht immer nötig.» Zu Hause hat Werner Waldhauser vor kurzem sein Schlaf- und ein Arbeitszimmer mit Lehm verputzen lassen und testet nun dessen Einfluss auf das Wohlbefinden, den Energieverbrauch und die Luftqualität.

Lehm kann also einen wichtigen Beitrag bei der Suche nach optimierten Konstruktions- und Energiekonzepten leisten, wie auch Michael Müller, Architekt in Therwil und Vorstandsmitglied des Lehm Fachverbandes Schweiz, IG Lehm, erklärt: «Die Minergie-Standards werden derzeit nur mit dem Einbau einer kontrollierten Lüftung erfüllt. Es ist jedoch erwiesen, dass eine solche Lüftung die Raumluft austrocknet.» Mit dem Einbau einer Luftfeuchtigkeit regulierenden Lehmmasse, in Kombination mit einer optimal gedämmten, «atmenden» Gebäudehülle, könne man den Einsatz einer Lüftungsanlage jedoch umgehen.

Dicke Mauern regulieren Feuchte
Allerdings braucht es ein ausreichendes Volumen, damit die feuchteregulierenden Eigenschaften langfristig wirken. Damit der Lehm sich mit Feuchtigkeit aufladen kann, muss der Putz mindestens zwanzig Millimeter dick sein. Ideal sind massive Lehmwände von mindestens zehn Zentimetern Stärke, Deckenfüllungen mit Aushublehm oder etwa Ummantelungen von Speicheröfen. Müller: «Sinnvoll ist es, möglichst viele Räume mit Lehmbauteilen auszustatten, insbesondere Küche und Badezimmer, wo der meiste Dampf entsteht. Bei Neubauten werden die Lehmbauteile von Beginn an entsprechend der Raumnutzung eingeplant. «Im Sanierungsfall muss auf die vorhandenen, baulichen Vorgaben wie die Statik und den Anschluss an bestehende Bauteile geachtet werden.»

Glatte und glänzende Lehmputze sind neu auf dem Markt und beweisen, dass Lehm auch optisch höchsten Ansprüchen genügt und sehr modern, ähnlich dem Stucco Veneziano, aussehen kann. Der findige Lehmbauer Rolf Fischler aus Wegenstetten entwickelt und verkauft derartige Lehmputze in warmen Rot- und Gelbtönen, aber auch in Schwarz, was ungewohnte Effekte garantiert. Diese neuen Putze sind zunehmend gefragt, da es sich um reine Tonmischungen ohne zusätzliche Bindemittel handelt.

Weitere Informationen und Kontakte
Eine gute Lehmbauberatung festigt Kompetenzen, spart Kosten und zeigt Vorteile wie auch Grenzen des Baustoffs Lehm auf. Rolf Fischler – Susanne Lencinas Fotos zeugen von seinen Arbeiten – ist ein unabhängiger Lehmbauberater mit 15-jähriger Praxiserfahrung. Er bietet Beratung und Lehmbauführung für Planer an, Beratung und Schulung für Ausführende sowie Entwicklung, Herstellung und Verkauf von Lehmputzmischungen, Lehmbauprodukten und Rohmaterialien.
Rolf Fischler, 4242 Laufen, Telefon 061 853 11 63 und 079 353 05 11, www.rolf-fischler.ch

Lehm Fachverband Schweiz, IG Lehm, Postfach, 4020 Basel, Telefon: 061 721 72 11 (Montag 9 bis 12 Uhr), info@iglehm.ch, www.iglehm.ch 
 
Ausgabe "2008/8 - November/Dezember" bestellen
 
Text Lioba Schneemann
Bild Susanne Lencinas
 
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