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Warmfarbige Tiefe der Betonoberfläche
Offenheit für den Wandel
 
Wer am Schulhaus Turmatt in Stans vorbeigeht, richtet unwillkürlich den Blick auf die einladend hell strahlenden, sandgestrahlten Betonelemente, die ihren Farbton und steinernen Ausdruck durch die Beimischung von beigem, gebrochenem Jurakies und Weisszement erhalten haben. Fragen werfen die scheinbar zufällig, bei näherem Hinsehen aber doch einer gewissen Ordnung (welcher?) folgenden Buchstaben auf, die in den Betonelementen eingelassen sind. Die als Relief in Beton umgesetzten Buchstaben sind über die Fassaden und einen Teil der Innenräume verteilt. Sie sind das Material, mit dem auf verschiedensten Ebenen mit Sprache gespielt wird. Lustvoll überschreitet die Kunstinstallation «univers» diese Grenzen und erschliesst dem Betrachter das Neuland der Missverständnisse, Tippfehler und Wortschöpfungen.

An der Schule Stans werden bereits seit längerer Zeit neue Formen des Unterrichts erprobt. Zwar kann dies zu einem gewissen Grad auch in herkömmlichen Schulraumtypologien geschehen, doch für den Neubau des Schulzentrums Turmatt bestand seitens der Schulgemeinde der ausdrückliche Wunsch, einen optimalen baulichen Rahmen für die neuen pädagogischen Konzepte zu schaffen. Wesentliches Kennzeichen dieser Pädagogik ist die Offenheit für den Wandel. Das neue Schulhaus Turmatt will auf vielschichtige Weise dem Gedanken der Flexibilität und der Multifunktionalität entsprechen.

Der Bau besitzt eine repräsentative Ausstrahlung, verrät aber nicht auf den ersten Blick seine Funktion als Schulgebäude. Der steinerne Ausdruck der Gebäude sucht den Bezug zur Natur, zu den umgebenden Bergen Stanserhorn, Buochserhorn und Bürgenstock, aber auch zur Stadt, zu den typischen massiven Stanser Putz- und Steinfassaden. Die Schwere des Massivbaus wird an den Längsfassaden durch eine hohe Anzahl grossformatiger Fensteröffnungen beinahe aufgelöst.

Beton aus gebrochenem Jurakies und Weisszement
Die Fassade besteht aus grossen, sandgestrahlten Betonelementen, die ihren hellen Farbton und ihre steinerne Anmutung durch die Beimischung von beigem, gebrochenem Jurakies und Weisszement erhalten. Die helle und warme natürliche Tönung entsteht ohne jegliche zusätzliche Färbung oder Pigmentierung. Bis auf die Leibungen und die Fensterbänke wurde die Aussenfläche der Elemente im Werk ganz leicht sandgestrahlt und so die Zementhaut entfernt. Die dadurch entstehende Tiefe der Oberfläche erzeugt Plastizität, intensiviert und modelliert Licht, Schatten und Farben (siehe Abschnitt «Kunst am Bau»). Die Elemente sind mit dauerelastischer Dichtungsmasse verfugt und abgesandet, wodurch der Ausdruck der Massivität und des Steinernen noch erhöht wird.

Innerhalb der klaren Hülle entfaltet sich eine differenzierte Innenwelt. Im Unterschied zur herkömmlichen Schulhaustypologie sind die Unterrichtsräume nicht linear an langen Korridoren angeordnet, sondern um Treppenkerne und Lichthöfe gruppiert. So entstehen fliessende, universal verwendbare Räume. Vielfältige Durchblicke helfen, die räumlichen Zusammenhänge nachzuvollziehen. Dabei führt der Blick durch die Höfe über die angrenzenden Räume jeweils wieder ins Freie.

In den Erschliessungsbereichen dominieren harte und widerstandsfähige Materialien in möglichst naturbelassenem Zustand. Die Wände sind aus Sichtbeton, der Boden nimmt mit einem hellen, beigefarbenen Hartbetonbelag Bezug zur Oberfläche der Aussenfassade. Der Übergang von öffentlichen zu halböffentlichen Bereichen wird durch den Wechsel der Materialien unterstrichen: In den Lernbereichen erzeugen Parkettböden aus Eiche und schallabsorbierende Wandverkleidungen aus geschlitzten Eichenpaneelen eine wohnliche Atmosphäre.

Ökologie und Nachhaltigkeit
Bei der Auswahl der Baustoffe wurde durchgehend auf Ökologie und Nachhaltigkeit geachtet. Sämtliche Holzoberflächen sind mit Naturölen und -wachsen behandelt. Die dahinterliegenden Schalldämpfungsmatten bestehen aus recycelten Polyesterfasern.

Punktuell eingesetzte Farben unterstützen die Orientierung im Haus. Jeder Lernumgebung ist eine markante Farbe zugeordnet, die den einzelnen Bereichen zusätzliche Identität verleiht. Im spielerisch verfremdeten Durchblick erscheint eine neuartige, farbige Schulwelt. Für den Südbereich wurden warme Farben gewählt, der nördliche Teil wurde entsprechend mit kühlen Farbtönen akzentuiert. Für die eigentliche Farbe sorgen aber die Schüler, die inzwischen die Räume auf ihre eigene Art in Besitz genommen haben.

Kunst am Bau
Die beiden Künstler Heini Gut und René Gisler kommentieren ihr faszinierendes «Buchstabenwerk» mit folgenden Worten:

«Die Schrift als Allgemeingut und das Wortmaterial stehen im Fokus des Kunst am Bau-Projektes ‹univers›. Die Sprache wird befreit, erhält durch Infragestellung der Anwendungsregeln und Übereinkünfte ihre ursprünglichste, bildnerische, kreative Sprengkraft zurück. Und dies genau an dem Ort (einer Schule) und zu der Zeit (die ersten Schuljahre), wo der Sprach- und Schriftgebrauch vermittelt und gefestigt wird.

Mittels geschriebener Texte kann der Mensch den flüchtigen Gedanken im Ablauf der Denkprozesse fixieren. Unser Bewusstsein und unsere Begrifflichkeiten entwickeln sich mit dem Fühlen, Denken, Sprechen und Schreiben laufend weiter und beeinflussen sich wechselseitig.

Selbstverständlich sind Regeln innerhalb eines Sprachsystems unverzichtbar. Sie dürfen aber nicht zur Fessel des schöpferischen Geistes werden. Jede, auch noch so kultivierte Sprache hat ihre Grenzen und Unzulänglichkeiten. Lustvoll überschreitet ‹univers› diese Grenzen und erschliesst dem Betrachter das Neuland der Missverständnisse, Tippfehler und Wortschöpfungen.

‹univers› besteht aus insgesamt 542 lose gruppierten Kleinbuchstaben. Die aus Adrian Frutigers Schrift Univers gesetzten und als Relief im Beton umgesetzten Buchstaben sind über die Fassaden und einen Teil der Innenräume verteilt. Sie sind das Material, mit welchem auf verschiedensten Ebenen mit Sprache gespielt wird. Formal auf der Grundlage von Sätzen, Wörtern, Silben, Lauten und Buchstaben der geschriebenen und der gesprochenen Sprache. Inhaltlich geht ‹univers› von den gewohnten Begriffen und Sinneinheiten der Alltagssprache aus. Durch das Auflösen der Wörter in einzelne B estand t ei le und das S ich einfügen neuer S e h lemente (oder Weglassen bestehender) entstehen nicht nur ücken im Schriftbild, sondern auch unvermutete Zwischenräume in den Köpfen der Betrachter. Das Werk erschliesst sich nicht mit einem Blick. Auch geübte Leser und Leserinnen kommen ins Stocken, können die Texturen wieder und wieder lesen und je nach Standort und Hintergrund mit immer wieder neuen Inhalten füllen.» 
 
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Text Masswerk; COVISS
Bild Melk Imboden, Buochs
 
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