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Tonplattenboden gestern und heute
Überliefertes Handwerk und Erfahrung
 
Der Tonblattenboden im zweiten Obergeschoss des Südflügels im Kloster Fischingen sollte renoviert werden. Eine anspruchsvolle Arbeit, die auf überliefertem Handwerkskönnen und grosser Erfahrung basiert. Tonblattenböden, deren Renovation, Wiederherstellung und Einsatz im traditionellen wie modernen Kontext.

Für die Restauration des historischen Tonbodens verlangte die Denkmalpflege des Kantons Thurgau die Erhaltung der Originalsubstanz, wann immer dies möglich war. Die Bauherrschaft, die im Kloster lebenden Benediktiner-Mönche, stellten sich die Renovation jedoch etwas anders vor. Zwar wollten auch sie die Bausubstanz erhalten, gleichzeitig aber eine sinnvolle Anpassung an die heutigen Verhältnisse und Bedürfnisse erzielen. Hafner und Res-taurator Gregor Origoni hat ein Gehör für beide Seiten:

«Damit wir eine Lösung fanden, lud ich beide Parteien zu einem Besuch in das Stift St. Michael in Beromünster ein. Dort res-taurierte ich bereits Tonplattenböden. Bei der Besichtigung diskutierten wir die verschiedenen Anforderungen beider Parteien, sodass wir uns abschliessend über das weitere Vorgehen einigen konnten.

Enorme Bodengrösse
Uns allen war die Erhaltung des Tonplattenbodens wichtig, handelt es sich doch mit dreiundsechzig Metern Länge und vier Metern Breite um einen der letzten originalen Tonplattenböden in dieser Grösse. Bei der Sanierung achteten wir auf möglichst geringe Eingriffe. In einem ersten Schritt versuchten wir, partiell die Tonplatten auszubauen und die originale Verlegeart des im 18. Jahrhundert entstandenen Tonplattenbodens zu erhalten. Alle neuen Aufschüttungen zwischen den Balken erfolgten mit einer speziellen Sumpfkalk-mischung, die mit Hanffasern versetzt wurde. Die neue Feuchtigkeit auf den alten Bodenbrettern sollte so gering wie nur möglich sein. Mit dieser Mischung brachten wir sehr wenig Wasser in die historischen Räume hinein.

3’500 Tonplatten nummeriert
In der ersten Phase waren die Balkenauflagen alle noch in einem guten Zustand, was uns optimistisch stimmte. Im Verlauf des Ausbaus traten dann aber verfaulte Holzteile in der tragenden Konstruktion zutage – und der ganze Tonplattenboden musste ausgebaut werden. Wir nummerierten sämtliche 3’500 Tonplatten und erstellten einen massgenauen Versetzplan. Ebenso nahmen wir das ganze Schadensbild der einzelnen Tonplatten auf und übertrugen es in den Plan. Dies bedeutete, dass wir alle gerissenen und defekten Tonplatten wie auch die Ausbruchstellen von alten Kalktreibern in den Plattenoberflächen minutiös registrierten. Zudem vermassen wir das ganze Obergeschosss des Südflügels mit den einzelnen Tonplatten und dem schräg verlaufenden Fugenbild. Jetzt erst konnten wir mit dem Ausbau der Tonplatten beginnen, was in Etappen von zirka fünfzehn Metern geschah. Die Hauptaufgaben bestanden darin, die Platten zu nummerieren, zu reinigen und bei alten Flickstellen vom Zementmörtel zu befreien. Ein schwieriges und zeitraubendes Unterfangen.

Unterkonstruktion aus Sumpfkalk-Leichtgranulat
Die neue Unterkonstruktion zwischen den Balken wurde neu mit einer Mischung aus Sumpfkalk-Leichtgranulat, die mit Hanf-fasern versetzt wurde, ausgefüllt. Das natürliche und gesunde Leichtgranulat aus gebranntem Ton wurde schon in früheren Zeiten als vielseitiges Baumaterial verwendet und wird heute in der Restauration gerne als Unterkonstruktion sowie für tragfähige Schüttungen und Isolierungen im gesamten Grundbau eingesetzt. Das Sumpfkalk-Leichtgranulat weist die Vorteile eines leichten, wärmedämmenden Baustoffs auf, der den Trittschall reduziert und nicht fault.

Während der Trockhnungsphase der Unterkonstruktion restaurierten wir die beschädigten Tonplatten: Gerissene fügten wir neu zusammen, Fehlstellen ergänzten wir. Damit die Formsprache der historischen Oberfläche zuletzt gewährleistet war, musste jede restaurierte Tonplatte ge-mäss den Plänen an ihrem anverwandten Platz wieder einbebaut werden.

Mörtel nimmt Spannungen und Schwingungen auf
Den Verlegemörtel mischten wir aus Sumpfkalk. Die Bindemittel und Zuschläge bestehen aus Sumpfkalk, HK-Kalk, aus verschiedenem Korn von gewaschenem und ungewaschenem Sand und Hanffasen gemäss Rezeptur. Je nach Boden wird diese Sumpfkalkmischung neu erstellt und gemischt. Dieser Mörtel hat die Eigenschaft, immer bis zu einem gewissen Grad weich zu bleiben, welshalb er Spannungen und Schwingungen gut aufnehmen kann. Auch weist der Sumpfkalkmörtel einen sehr hohen Feuerwiderstand auf – die Feuchtigkeit ist natürlich und ganzflächig verteilt, Abwanderungen in die Wände kommen keine vor. Der Sumpfkalkmörtel eignet sich sehr gut für das Verlegen von grossen Flächen mit Tonplatten, die jederzeit ohne Beschädigung wieder aus- und eingebaut werden können.»

Know-how und Spezialisten
Die Disegno Origoni GmbH, Cysathof Stift 23 in 6215 Beromünster, ist Mitglied des VHP, Verband Schweizerischer Hafner- und Plattengeschäfte.

Auf www.vhp.ch finden Sie Hafner- und Plattengeschäfte in Ihrer Nähe. Spezialisten für gesunde Strahlungswärme einerseits, aber auch Fachleute für Plattenarbeiten aller Art. Auf der Froburg, der gesamtschweizerischen Fachschule, bietet der VHP die Ausbildung zum Hafner sowie die Meisterkurse an. In praxisorientierten Weiterbildungsseminaren halten sich die Fachleute auf dem Stand der Technik.
 
 
Ausgabe "2008/5 - August" bestellen
 
Text Gregor Origoni; VHP; COVISS
Bild Foto Style Weibel, Beckenried
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