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Ausdruckskraft von Oberflächen
Feingespür für die Sprache des Materials
 
Lehm ist ein authentisches Baumaterial. Es lebt von einem Reichtum an materialspezifischen Nuancen. Ein professionelles Handwerk, das sich den oft sehr feinen, naturgegebenen Ausdrucksformen dieses Gestaltungsmaterials, aber auch anderer Baustoffen wie Kalk und Gips annimmt, schafft neue Wege in der Raumbegrenzung und deren Wahrnehmung.

COVISS: Frau Inderbitzin, Sie arbeiten mit verschiedenen Materialien, gestalten Oberflächen mit je eigener Ausdruckskraft. Bezeichnen Sie sich als Oberflächen-Spezialistin?
Roma Inderbitzin:
Spezialistin? Ich sehe mich eher als in der Oberflächengestaltung wahrnehmende Person, die die Möglichkeit hat und erkennt, mit einer Auswahl von Materialien zu spielen. Letztere bearbeite ich so, dass ich sie mit angenehmen Empfindungen verbinden kann. Sofern -diese Aufmerksamkeit den Oberflächen gegenüber «speziell» sein sollte, kann man mich Spezialistin nennen.

COVISS: Von einer Fachperson gestaltete Oberflächen stehen bis zu einem gewissen Masse zwischen den Ansprüchen der Auftraggeber und jenen der Oberflächengestalterin oder des Oberflächengestalters. Wo in diesem Spannungsfeld stehen Sie persönlich mit Ihren Arbeiten?
Roma Inderbitzin:
Aus den Wünschen des Auftraggebers und meiner Erfahrung entsteht ein Spannungsfeld, aus dem kreative Lösungen entstehen, die ich nach meinen Möglichkeiten ausführe.

COVISS: Wie gehen Sie mit sehr exotischen oder individuellen Vorstellungen und Bedürfnissen um, die die physische Nähe des Auftraggebers für die richtige Interpretation und Ausführung fast schon voraussetzt?
Roma Inderbitzin:
Manchmal möchte die Bauherrschaft tatsächlich zum Beispiel Verputz selbst anbringen, aber ihr fehlt die entsprechende Erfahrung. Da braucht es eine Person, die bei Arbeitsbeginn die nötigen Informationen weitergibt und beim weiteren Geschehen mitdenkt und hilft. Diese Art des zurückhaltenden handwerklichen Assistierens und Begleitens ist manchmal der effizienteste Weg zu einer wirklich individuellen und dennoch handwerkstechnisch einwandfreien Gestaltung.

COVISS: Worauf achten Sie bei der Wahl der Materialien und Techniken vor allem?
Roma Inderbitzin:
Mein bevorzugtes Material ist Lehm. Dieser Baustoff ist anwenderfreundlich und hat eine positive Wirkung auf das Raumklima.

COVISS: Warum?
Roma Inderbitzin:
Weil zum Beispiel die Plastizität des Lehms unterschiedliche Oberflächenbearbeitungen zulässt. Auch wirkt die Farbigkeit des Lehmputzes lebendig, wärmend und begrenzt den Raum in diskreter Art und Weise. Lehmfarben bestehen nämlich aus einer Vielzahl von Farbpartikeln, die als eine Farbnuance wirken. Oft finde ich in meiner Begriffswelt keine eindeutige Farbbezeichnung dafür. Aber schon eine einzelne Lehmwand kann im Raum eine wohltuende, kontrastreiche Atmosphäre entstehen lassen. Bei der Zusammensetzung des Putzes achte ich zum Beispiel auf die Tonmineralien und deren Färbung, auf den Sand, die Farbe und die Körnung, auf Zuschlagstoffe wie Faserstoffe, Glimmer, Zellulose, Wachs…

COVISS: Und dann?
Roma Inderbitzin:
Dann lassen sich, sofern das Bedürfnis besteht, diese Oberflächen nach dem Aufziehen mit dem Schwamm abreiben oder mit der Japankelle glätten. Texturen und Ornamente können eingekratzt, eingeprägt oder schabloniert werden.

COVISS: Das Verputzen von Oberflächen scheint ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Arbeit am Bau auszumachen. Umschreiben Sie Ihren persönlichen Zugang zum «Akt des Verputzens».
Roma Inderbitzin:
Abgesehen vom Lehm, sprechen mich vor allem Baustoffe an, die in ihrer authentischen Materialbeschaffenheit gezeigt werden können. Es scheint mir, dass die Intensität der menschlichen Arbeit in solchen Oberflächen, die nicht übermalt werden – aber auch die Intensität der materialeigenen, natürlichen Kräfte – spürbar bleibt. Eine Wand ist eine Raumbegrenzung. Diese Begrenzung nehme ich je nach Bearbeitung differenziert wahr. Ich arbeite mit Einritzungen und Vertiefungen, die Schatten hervorrufen, die diese Grenzen im Unklaren erscheinen lassen. Mich fasziniert, in ein Material hinein wirken zu können.

COVISS: Was würden Sie Architekten, Bauherren und aber auch Handwerkern zurufen, bevor diese über die eine oder andere Art der Oberflächengestaltung entscheiden?
Roma Inderbitzin:
Ich möchte sie auf die unterschiedlichen Ausdruckskräfte von Oberflächen hinweisen und sie animieren, die oft sehr feinen Nuancen zu spüren und zu erforschen. Wenn ich dabei unterstützend mit von der Partie sein könnte, wäre das wunderbar. 
 
Ausgabe "2008/2 - März/April" bestellen
 
Text Gregor Eigensatz
Bild Heiner Grieder, Langenbruck
 
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