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Lichtgestaltung im Dialog mit natürlichem Vorbild
Wie Kunstlicht lebendig wird
 
Neunzig Prozent unserer Lebenszeit verbringen wir in Innenräumen. Diese sind zu einem wesentlichen Teil mit Kunstlicht beleuchtet, das in den meisten Anwendungen statisch und rein funktionell ausgelegt ist. Gestalterische, gesundheitliche und emotionale Aspekte werden allzu oft wenig oder gar nicht berücksichtigt. Dass gerade in diesen Bereichen ein grosses Potenzial liegt, zeigt der nach-folgende Artikel: Gestalterische Wirkung, Wohlbefinden und Sehkomfort können erheblich gesteigert werden, wenn grundlegende Kriterien Beachtung finden. Ein zentrales Anliegen ist dabei die Ausrichtung auf das natürliche Vorbild. Künstliches Licht soll uns in ständiger Veränderung umfliessen.

Themenbereiche der Lichtgestaltung im Überblick

Lichtplanung aus ganzheitlicher Sicht geht vom Menschen im Kontext seiner Entwicklung im Raum und in der Zeit aus. Urmenschliche Bedürfnisse nach Licht, Wärme und Geborgenheit sowie natürliche Lichtbewegungen im Zyklus der -Tages- und Jahreszeiten bilden die Basis für menschengerechte lichtgestalterische und -planerische Entscheide.

Die Vielfalt und Lebendigkeit des natürlichen Lichtes im Tagesverlauf ist permanent in Veränderung und damit Sinnbild steter Wandlung, steten Werdens -und Vergehens. Ungeheuerlich die Vorstellung, die Sonne würde immer zur selben Zeit am selben Ort am Himmel in völliger Gleich-förmigkeit und ohne Veränderung ihr Werk tun. Unvorstellbar auch ein immer gleich bleibendes Nebellicht, wie es die vorherrschenden Fluoreszenzleuchten abgeben.

Die Stimmungen des Tages und der Nacht, die Überganszeiten, Zyklen innerhalb des Jahres stehen in tiefer Verbindung mit unseren emotionalen Stimmungen und Lebenszyklen.

Solche die Ganzheit von Mensch und Umwelt umfassende Überlegungen bilden den Leitfaden für nachhaltige lichtgestalterische Lösungen.

Die professionelle Lichtgestaltung ist ein intensiver Planungsprozess, bei dem sich die Frage der passenden Leuchtkörper erst am Schluss stellt. Ausgegangen wird von den Bedürfnissen der Menschen, die die Räume beleben.

Lichtführung (von welcher Richtung soll das Licht kommen), Lichtqualität (brillantes oder diffuses Licht) sowie Lichtfarbe und Farbwiedergabe sollten in einem fein aufeinander abgestimmten Verhältnis stehen, damit sich das geforderte Wohlbefinden am Wohn- oder Arbeitsplatz auch wirklich einstellt.

Die Lichtplanung sucht und findet Wege, die vielschichtigen Erwartungen und Forderungen an das Licht in Innen- und Aussenräumen in eine überzeugende Form zu bringen.


Menschen sollen sich in gebauten Innenräumen wohl fühlen und entfalten können. Auf die unbestrittene Forderung und Erwartung antwortet im Idealfall die professionelle Innenraumgestaltung mit einer auf hohe Funktionalität ausgerichteten Raumorganisation, mit konsequenter Ergonomie, qualitativ hoch stehenden Ver-arbeitungen und Möblierungen, guter Akustik, schadstofffreien Materialien, optimalen Lichtverhältnissen und einer durchgehenden, sorgfältigen Gestaltung. Ein visuelles, sinnliches und sensitives Raumerlebnis soll ermöglicht werden, das schliesslich – assoziiert mit positiver Befindlichkeit – auf hohe Akzeptanz stösst. «Uns interessiert das Spannungsfeld zwischen Aussen- und Innenräumen und im Speziellen jenes von uns Menschen zwischen Tag und Nacht, Helligkeit und Dunkelheit sowie zwischen Ursprünglichkeit und Künstlichkeit», betont Lichtgestalter Adrian Hostettler, und ergänzt: «Wir lenken unsere Betrachtungsweise über rein funktionale und sicherheitsrelevante Kriterien zu einer Gesamtschau, die geschichtliche, kulturelle, psychologische, physiologische, soziologische und mythologische Ansätze mit einschliesst.»

Leben in Licht und Wärme
Die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema Licht im Innenraum, wie sie zum Beispiel Adrian Hostettler und sein Team praktiziert, orientiert sich am heute oft in Vergessenheit geratenen urmenschlichen Bedürfnis nach Licht und Wärme, Behaglichkeit und Wohlgefühl. «Dass es sich hier nachweislich um genuin menschliche Ansprüche an das Leben und gesunde Wohnen in Innenräumen handelt, ist einfach zu erkennen: Sie setzen einen Menschen unvermittelt und ohne vorausgenommene Wertungen in einen kahlen, grauen Raum, dessen Wände, Decken und Böden aus kalten Materialien angefertigt sind und der mit grellem Fluoreszenzlicht beleuchtet ist, und fragen ihn nach einer gewissen Zeit nach seiner Befindlichkeit – er wird Ihnen spontan von einem tendenziell «unwohn-lichen Raum» sprechen, ausserdem von «kaltem Licht», und er wird wohl auch die Schallproblematik ansprechen, von einer eher ungemütlichen Raumsituation berichten, und er wird den Raum so rasch wie möglich wieder verlassen. Umgekehrt assoziiert wohl jede und jeder in einem wertneutralen Umfeld beim Anblick eines Feuers spontan Behaglichkeit und (Ur-)Gefühle des wohligen Zuhauseseins.»

Innenraumerlebnis von Tag und Nacht
Solche und weitere Beobachtungen liegen der spezialisierten lichtplanerischen Arbeit von Adrian Hostettler zugrunde und prägen diese in Richtung eines von natürlichen Begebenheiten und Gesetzmässigkeiten ausgehenden Handelns. Dabei rücken Tag- und Nachtrhythmen in ihren zeitlichen und wetterbedingten Nuancierungen wie selbstverständlich ins Blickfeld. Morgen- und Abendlicht in ihrer Warmtonigkeit wird vom intensiven Mittagslicht unterschieden und zusammen mit diesem wiederum im Kontrast zum Nebellicht oder zum silbrig schillernden Mond- und Sternenlicht betrachtet. «Von einer ganzheitlichen Sicht auf das wechselnde Licht in immer wieder sich verändernden Tages-, Nacht- und Wettersituationen leiten wir unsere zum Teil dynamischen Lichtmodellierungen im Rauminnern ab. Gezielt eingesetztes Kunstlicht verstehen wir als Ergänzung zum Tageslicht, lassen es tagsüber dort zum Einsatz kommen, wo zu wenig Tageslicht ins Rauminnere gelangt – abends, ähnlich dem natürlichen Licht in den Abendstunden, in reduzierter Intensität.» Dabei unterscheidet Hostettler zwei Lichtqualitäten, spricht vom «brillanten», allgemein mit positiven Gefühlen assoziierten «Sonnenlicht» im Unterschied zum «diffusen, schattenlosen Nebellicht», dem, Umfragen entsprechend, kaum jemand auf die Dauer den Vorzug zu geben scheine. «Wir bilden mit Halogen-Metalldampfleuchten das brillante Sonnenlicht nach und mit Fluoreszenz-Leuchtstofflicht das eher diffus wirkende, kühle Nebellicht. In der Praxis arbeiten wir bewusst mit beiden Lichtqualitäten, erzielen also ein Mischlicht, das den erwähnten natürlichen Begebenheiten Rechnung trägt und diese angemessen in den Innenraum transferiert.» Ideal wäre, auch in Innenräumen ein ähnliches Helligkeitsniveau wie im Aussenraum zu generieren, wo an einem sonnigen Tag im Sommer bis 100’000 Lux gemessen werden. Die aktuelle Norm gibt nur 500 Lux vor – doch hoher Energieaufwand und Kosten sprechen bereits hier dagegen. Deshalb Hostettler: «Weil wir grundsätzlich vom natürlich gegebenen Licht ausgehen und uns aber gleichzeitig ein schonender Umgang mit den Energieressourcen sehr wichtig ist, achten wir schon früh im Planungsprozess darauf, von aussen möglichst viel Tageslicht ins Rauminnere zu lenken.»

Wie aber gelingt es, mit möglichst geringem Energieaufwand optimal helle Innenräume zu erhalten? Für Adrian Hostettler geht es nicht um die flächige Illumination des Innenraums mit 500 bis 1’000 Lux, vielmehr um punktuell mit hellem Licht bestrahlte Sitz- und Arbeitsplätze oder um beleuchtete Wandflächen, die bei den im Raum sich befindenden Menschen die gewünschte Helligkeitsempfindung auslösen. Selbstverständlich ergänzen zusätzliche gestalterische Elemente wie zum Beispiel fein eingesetztes farbiges Licht oder platzierte Lichtbrecher aus kleinen Glasspiegeln die Kunstlichtinstallation und fördern einen abgerundeten, stimmigen Helligkeitseindruck.

Der von Adrian Hostettler und seinem Team praktizierte Zugang zum Licht ist ein ganzheitlicher, der mit einem umfassenden Materialisierungskonzept einher geht und die vorbestimmte Raumnutzung mit einbezieht. Hier wird nach der Lichtwirkung, Lichtqualität und Lichtfarbe gefragt, bevor es um die Suche einer passenden Leuchte geht. Im Vordergrund steht ferner die Findung der anteilsmässig richtigen und stimmigen Zusammensetzung der Lichtkomponenten: In welchem Verhältnis zueinander sollen diffuses Grundlicht, akzentuiertes («Sonnen»-) Licht und gestalterische Lichtkomponenten stehen? In welche Form lassen sich all diese Überlegungen und Ansprüche bringen? Erst ganz am Schluss dieses differenzierten Such- und Findungsprozesses steht die Festlegung der passenden Leuchtkörper.

Angewandte Lichtgestaltung
Der vorliegende Artikel basiert auf einem Gespräch mit Adrian Hostettler zum Thema Lichtgestaltung in der Zeit.

Adrian Hostettler, Dozent im Haus der Farbe, Höhere Fachschule für Farbgestaltung, Geschäftsleiter der Hellraum GmbH, Lichtgestaltung, St. Gallen, www.hellraum.ch
 
 
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Text Gregor Eigensatz
 
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